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Harte Fakten + Einordnung Schockierende Details vom Arbeitsmarkt: Staat boomt, Private bauen ab

Details vom Arbeitsmarkt zeigen: Nicht nur die Industrie baut ab. Auch private Dienstleister streichen Stellen. Nur der Staat "glänzt".

Bundesagentur für Arbeit in Hamburg
Bundesagentur für Arbeit in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Kein Clickbait, keine Übertreibung, keine Fake News: Am deutschen Arbeitsmarkt gibt es eine dramatische Entwicklung, die so sehr Alltag zu sein scheint, dass sich die große Politik und die großen Presseportale dafür nicht zu interessieren scheinen! Wer auf die großen Zahlen schaut und schlichten Gemüts ist, könnte immerhin noch sagen: „Was soll´s – in der Industrie gehen zwar viele Jobs verloren, aber dafür werden in den Dienstleistungsbranchen doch viele neue Jobs geschaffen. Dann sollen die Fabrikarbeiter doch in eine Dienstleistungsbranche wechseln, Problem gelöst“.

Arbeitsmarkt zeigt desaströse Entwicklung

Da gibt es aber zwei Probleme: Erstens bringt Industrielle Wertschöpfung Wohlstand in ein Land, private Dienstleister hängen quasi direkt oder indirekt davon ab. Je weniger Industrie, desto weniger Wohlstand! Zweitens: Wenn Staat und staatsnahe Branchen so ziemlich die einzigen sind, die im Dienstleistungssektor noch nennenswert neue Arbeitsplätze schaffen, so ist dies eine desaströse Entwicklung am Arbeitsmarkt! Abgesehen davon, dass es gut und richtig ist, wenn Krankenhäuser, Pflegeheime und Polizei neue Stellen schaffen: Für jedes Gehalt im Öffentlichen Sektor benötigt es mehrere Arbeitnehmer im Privatsektor, die mit ihren Steuern die Staatsjobs finanzieren müssen. Von daher gerät die Volkswirtschaft immer stärker in eine Schieflage, wenn Private immer weiter abbauen, währen der Staat immer weiter aufbaut.

Was man in den Monatsstatistiken der Bundesagentur für Arbeit beim Stöbern ellenlanger Berichte nachlesen konnte, wird heute vom Statistischen Bundesamt glasklar aufgezeigt: Neben dem massiven Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie werden bei Dienstleistern eigentlich nur noch nennenswert neue Jobs beim Staat, bei staatsnahen Branchen, und bei Verbänden und Lobbyisten geschaffen. Mehr als traurig – volkswirtschaftlich ist es ein Debakel!

Vorab das große Bild

Bevor wir in die Details gehen, erst noch ein Blick auf das große Bild am deutschen Arbeitsmarkt: Verglichen mit dem 4. Quartal 2024 sank die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im 4. Quartal 2025 um 58.000 Personen (-0,1 %), so meldete es heute früh das Statistische Bundesamt. Die positive Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist im 4. Quartal 2025 zuende gegangen. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Arbeitnehmer im 4. Quartal 2025 im Vorjahresvergleich leicht um 31.000 (-0,1 %). Auch die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger sank im Vorjahresvergleich um 27.000 Personen (-0,7 %) auf 3,7 Millionen.

Praktisch nur noch neue Jobs im Staatswesen – Industrie und private Dienstleister bauen an

Auf den ersten Blick wirkt die folgende Zahl noch gut: Die Zahl neuer Dienstleistungsjobs in Deutschland wuchs im 4. Quartal 2025 im Jahresvergleich um 122.000 Personen oder 0,3 %. Aber der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit setzte seinen langjährigen Aufwärtstrend fort und wuchs kräftig um 212.000 Personen oder +1,7 %. Die zweitgrößte Zunahme innerhalb der Dienstleistungsbereiche im 4. Quartal 2025 verzeichnete der Bereich Sonstige Dienstleistungen (unter anderem Verbände und Interessenvertretungen) mit +17.000 Personen (+0,5 %). Und ob Verbände und Lobbyisten wertschöpfende Tätigkeiten ausüben? Man darf daran zweifeln!

Bei den privaten Dienstleistungsbranchen gab es bei Finanzen und Versicherungen noch ein Plus von 14.000 Personen (+1,3 %). Aber gerade wenn man dieser Tage die Meldungen sieht, kann man am Jobmotor Finanzbranche für das Jahr 2026 zweifeln: Alleine Ergo will 1.000 Stellen streichen, man lagert aus ins Ausland oder nutzt verstärkt KI. Dieser Trend dürfte durch die Branche fegen. In den volkswirtschaftlich wichtigen Bereichen Information und Kommunikation sank die Zahl der Erwerbstätigen um 15.000 Personen (-1,0 %). Im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe nahm die Beschäftigung um 35.000 Personen (-0,3 %) ab. Bei den Unternehmensdienstleistern, zu denen auch der Bereich Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften gehört, vergrößerte sich das Minus deutlich auf 74.000 Personen (-1,2 %).

Industrie baut weiter ab

Die Erwerbstätigkeit außerhalb der Dienstleistungsbereiche sank im vierten Quartal im Jahresvergleich um insgesamt 180.000 Personen (‑1,6 %). Der Abwärtstrend im Produzierenden Gewerbe (eindeutig das wichtigere Segment am Arbeitsmarkt) setzt sich fort, so die Aussage der staatlichen Statistiker. Im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe schrumpfte die Erwerbstätigenzahl um 160.000 Personen oder ‑2,0 %. Im Baugewerbe sank die Beschäftigung um 20.000 Personen (-0,8 %).

Fazit

Wir sehen also: Private Dienstleister erleben bereits auch einen deutlichen Stellenabbau. Nur Jobs bei Staat und staatsnahen Branchen erleben einen deutlichen Aufschwung. Es ist volkswirtschaftlich gesehen eine katastrophale Entwicklung, die sich am Arbeitsmarkt vollzieht. Denn die Arbeitnehmer und Unternehmer in der Privatwirtschaft haben somit immer höhere Lasten im Gesamtsystem zu schultern, um immer mehr Staatsbedienstete zu alimentieren. Daraus kann sich eine Abwärtsspirale entwickeln. Oder wird sind vielleicht schon mittendrin. Man sieht ja, bei Links-Grün bis in die CDU hinein ruft man nach immer höheren Steuern und Abgaben. An Kürzungen, an einen inhaltlich sinnvollen Abbau von Teilen des Staatsapparats denkt offenbar niemand.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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13 Kommentare

  1. Stichwort Versicherungen: Da bedroht nicht nur die KI Arbeitsplätze, sondern der Staat, der seit Jahren aktiv in die Vergütungen der Berater z.B. in der betrieblichen Altersversorgung oder bei staatlich geförderten Produkten eingreift. Die Regelungen, die sich der Staat ausdenkt werden immer komplizierter und die Leute, die eine Beratung liefern sollen, werden finanziell kastriert.
    Das Ganze spiegelt das linke politische Weltbild wider, in dem der Staat der bessere Unternehmer und prvate Dienstleistung überflüssig ist….
    Man kann jetzt schon sagen, dass kommende „Reformen“ im Vorsorgebereich zum Scheitern verurteilt sind, wenn diese nicht entweder „einfach“ umzusetzen sind oder genügend (bezahlte!) Beratung und Information zur Verfügung steht!

  2. Wir sind mittendrin. Stellenabbau setzt sich nicht sofort in Jobabbau um, da gibt es quasi eine „Pipeline“ und die ist gut gefüllt.
    Kleinbetriebe hetzen durch den Alltag und haben häufig keine Ressourcen mehr, um sich neue Ideen zu überlegen, überleben benötigt schon alle Kraft.
    Ich kenne eine Druckerei, die alle Arbeiten blockt, um Energiekosten zu sparen. Wenn die Halle warm ist, wird eine Woche durchgearbeitet und dann für zwei, drei Wochen das Licht ausgemacht.

    Die Massenmedien berichten praktisch gar nicht darüber, wer noch nicht direkt betroffen ist, merkt gar nicht, dass es Probleme gibt.

  3. Läuft was nicht, gebt doch einfach den unerwünschten politischen Farben die Schuld. Wer hat 16 Jahre durchgehend regiert? OK mal in der Ampel eine kurze Phase aber ohne nennenswerte Änderungen. Und schon wieder geht es in der gleichen Grundfarbe weiter. Aber die sind ja so kompetent, die dürfen es nicht sein, es müssen die anderen sein und wenn es die aus der eigenen Reihe sind sortiert man sie einfach in einer andere Farbe. Was nicht passt wird passend gemacht.

    Und was war jetzt das Problem mit der Lifestyle-Teilzeit? Die sind Schuld dass es nicht läuft oder war das anders gedacht? Es muss so sein. Wir stecken in der Rezession, weil wir so viele Liefestyler haben.

    Hat nichts mit den Zöllen zu tun, nichts mit Krieg und schon gar nicht mit dem Kaputtregeln der Bürokraten und auch nicht mit den naiven Umgang der Globalisierung und Know-How-Migration oder sogar dem Auslagern ganzer Produktionszweige. Ja in der Summe kommt da ein Haufen Mist zusammen.

    Wäre es da nicht logischer, wenn man die Arbeit etwas entspannter und weiter auf mehr arbeitende Schultern verteilt, würden dann nicht weniger Nettoempfänger und mehr Nettobeiträger daraus resultieren?

    Passt in keine Argumentation mehr, sämtliche Feindbilder sind dann plötzlich überflüssig. Teilzeit, Rentner, … , politische Farben. Also: Kann nicht stimmen. Irgendjemand muss doch da jetzt schuld sein, je niedriger die Gruppe in der Hierarchie desto logischer.

  4. Wahlkämpfer Merz würde dazu sagen: Links ist vorbei. Kanzler Merz dagegen: Geht nicht anders mit der SPD.

  5. Genau so geht eben Deindustrialisierung.
    Nun schlägt es massiv auch bei den Städten durch, die mit sinkender Gewerbesteuer- Vorauszahlungen und und Rückzahlungen der Gewerbesteuer leben müssen.
    Man sieht es den Städten immer mehr an.
    Und die arbeitsfähigen Menschen, die noch über Jahrzehnte alimentiert werden müssen, werden auch immer mehr.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die Verwaltung der Arbeitslosen kostet mehr als diese selbst…deshalb hatte der damalige thüringische Ministerpräsident Althaus… ja auch das BGE vorgeschlagen….Modell Althaus 2006…

    1. Gut gesprochen.

      Wir bezahlen Beamte dafür, damit sie andere zum arbeiten bringen, was allerdings nicht funktioniert.

      Aber die Arbeitslosen (I oder II) haben ja nicht wirklich etwas mit der Rezession zu tun, außer dass es mehr werden. Also ich meine, die sind Opfer, nicht Täter.

      In dem Kontext könnte man weiter machen:

      Wir bezahlen EU-Beamte dafür, dass wir Pipsautos gekommen, keiner will das.
      Wir bezahlen Beamte dafür, dass wir Nippel an Flaschendeckel haben.
      Wir bezahlen…, dass wir Papierstrohhalme bekommen, die sich im Getränk sogleich erweichen, das Getränk ist freihlich in einem Plastikbecher…
      Wir bezahlen Politker dafür, dass sie uns als „zu gemütlich“ (um es vorsichtig auszudrücken) beschimpfen

      Schlage vor an den richtigen Stellen zu sparen.

      Aber auch das hat nichts mit den Ursachen der Rezession zu tun, dennoch, genau da zu sparen macht nicht nur Sinn, evlt. hilft das sogar der Wirtschaft.

      1. Zustimmung.

        Zum deutschen „Arbeitsamt“ muss man allerdings sagen, dass dieses Amt immer schon zu wenig Personal hatte, um sich um die „Kundschaft“ zu kümmern. Die Masse des Personals ist mit der eigenen Bürokratie beschäftigt.

        Im relativen Vergleich von Personal zu Arbeitslosen und Personal zur Bevölkerung war das deutsche Arbeitsamt stets mit deutlich weniger Personal insgesamt ausgestattet (ich habe das aber nicht aktuell abgeglichen), und von diesem Personal befassen sich wiederum die allermeisten gar nicht damit, den Menschen bei der Jobsuche zu helfen.

        Man müßte Personal mit allgemeinen Qualifikationen haben, die in der Region alles persönlich besuchen. Vom Konzern bis hin zum kleinsten Einzelhändler und dadurch wissen, wo es konkrete Möglichkeiten gibt, und was geeignete Bewerber mitbringen müssen.

        Ein Bäcker meldet beim Amt, dass er einen Gesellen sucht und das Amt schickt ihm ein paar Arbeitslose, die gar nicht mehr als Bäcker arbeiten wollen, dass funktioniert nicht. Der Beamte muss wissen, ob das eine 0815-Anstellung ist, ob das ein attraktiver Betrieb ist in dem die Leute bisher gerne gearbeitet haben. Gibt es eine Nachfolgeplanung? Kommt vielleicht der Arbeitslose selbst in Frage? Kann die Ausbildung in der Arbeitsstelle nachgeholt werden?
        Kurzum, der vermittelnde Beamte muss seine Schäfchen, die Einkommen, die Berufswege und die Lage vor Ort sehr gut kennen. Das braucht er, um zu „aktivieren“. Die Leute in sinnlosen Bewerbungstrainings rumsitzen zu lassen, ist unterirdisch.

        1. Der Staat ist das Problem. Die Agentur hat über 300.000 Angestellte. Einfach schließen, Gebäude versteigern. Private Vermittler werden einspringen und mehr als heute in Arbeit bringen.

          1. Da wäre ich auch sehr sicher. Aber wer soll die privaten Vermittler bezahlen? Das wäre zum größten Teil auch wieder die staatliche Versicherung. Wird die ein attraktives Vergütungsmanagement hinbekommen? Oder wird das so bürokratisch, dass die komplette Behörde weiterhin erforderlich bleibt?

            Hinzu kommt eins: die Behörden gehen noch relativ pragmatisch mit dem verrückten Datenschutz um. Am schlimmsten sind die aus staatlichen Mitteln finanzierten Agenturen. Die haben so die Hosen voll, dass sie sich zum Teil im Zahlungsverkehr nicht trauen, den Überweisungen die nötigen Daten mitzugeben und auf Nachfrage sich dann ebenfalls auf den Datenschutz zurückziehen.

            Ganz so einfach wird es nicht.

  7. So ist das im Sozialismus! Im Kapitalismus hätten wir „Kreative Zerstörung“.

  8. Prämie für die privaten Vermittler für jeden über
    1 Jahr vermittelten Arbeitslosen, und für jeden durch ihn ermittelten Betrüger 10 % der Summe des Betruges auch als Prämie.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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