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Schrottkredite im Volumen von 921 Milliarden Euro: EZB plädiert für elektronischen Marktplatz, damit die Banken den Schrott optimal losschlagen können

Laut EZB gibt es in der Eurozone Schrottkredite im Volumen von 921 Milliarden Euro, was 6% aller Kredite sind. In der Gesamt-EU sind es sogar 1,3 Billionen Euro. Damit sind Kredite gemeint, die de facto…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Laut EZB gibt es in der Eurozone Schrottkredite im Volumen von 921 Milliarden Euro, was 6% aller Kredite sind. In der Gesamt-EU sind es sogar 1,3 Billionen Euro. Damit sind Kredite gemeint, die de facto ausgefallen sind, wo also der Schuldner zum Beispiel keine Zinsen mehr zahlt, oder die Gesamtsumme zum Ende der Laufzeit nicht zahlen kann (Non Performing Loans / NPL). Vor allem Länder wie Italien ächzen darunter, dass die dortigen Banken quasi nicht von der Stelle kommen und die Wirtschaft nicht mit frischen Krediten versorgen können, weil sie durch ihre Altlasten (NPL) gelähmt sind.

Was also tun? Zuletzt hatte man mit riesigen Milliardenbeträgen zum Beispiel in Italien die Banca Monte dei Paschi gestützt. Aber für alle Schrottbanken kann man das nicht machen. Also müssen die NPL zu best möglichen Restwerten verkauft werden an risikofreudige Investoren. Dabei geht es immer darum: Ein Kredit von exemplarisch 100 Euro offiziellem Gesamtvolumen, wie viel ist der jetzt noch wert? Wie viel kann der Gläubiger vielleicht noch rauspressen aus dem Schuldner? Hier muss sich ein potenzieller Käufer (Hedgefonds etc) genau überlegen, wie werthaltig Kreditpakete mit Schrott noch sind.

Was zahlt man der verkaufenden Bank für ein Paket? Statt offiziell 100 Euro Kreditvolumen vielleicht noch 10, 20 oder 30 Euro Restwert? Damit die Banken endlich Fahrt aufnehmen können bei dem Thema, und damit sie möglichst gute Verkaufserlöse erzielen sollen, schlägt die EZB nun aktuell vor, dass ein elektronischer Marktplatz für risikobereite Investoren und verkaufswillige Banken geschaffen wird. Dann würden quasi die Schicksale von Kreditkunden vollelektronisch wie bei eBay über den Planeten verschoben.

Klingt irgendwie nach der Wiederholung des Telefonhandels mit Immobilienkreditpaketen in den USA bis zum Jahr 2007 – nur eben jetzt in einer moderneren Variante per Onlinemarktplatz! Der Unterschied in diesem Fall wäre aber, dass alle Beteiligten schon wissen, dass sie hier Schrott handeln. Bisher scheint das Problem für einzelne Banken, die ihren Schrott loswerden wollen, zu sein: Es gibt nur eine kleine Zahl kaufwilliger Investoren, die den Markt und damit auch die prozentuale Höhe des Verkaufswerts der Pakete beherrschen. Und potenzielle Käufer, die bis jetzt noch nicht in dem Markt aktiv sind, haben keine transparente Möglichkeit die Konditionen solcher Pakete europaweit zu vergleichen.

Durch die Schaffung so eines Marktplatzes könnte in der Tat die Transparenz erhöht werden, wodurch die Zahl möglicher Käufer steigt. Bis jetzt müssen sich Käufer und Verkäufer einzeln treffen oder telefonisch einzeln Infos austauschen. Der Kaufwillige muss irgendwo in Europa schauen, wo er eine kauptte Bank findet, der er vielleicht Kredite abkaufen kann. Ein Herumgestocher, das womöglich viele Kaufwillige bisher abschreckt!

Laut EZB könnten diese Probleme beseitigt werden – denn bislang sei es so, dass es große Preisunterschiede gebe zwischen den Kaufpreisen, die Investoren zahlen wollen, und den Verkaufspreisen, die Banken haben wollen. Das wäre ungefähr vergleichbar mit einem Aktienmarkt ohne zentralen Börsenplatz. Alle Käufer und Verkäufer müssten durch Eigeninitiative selbst zusammenfinden, und wüssten nicht, ob nicht doch anderswo bessere Preise vorherrschen. Von daher kann es durchaus möglich sein, dass Banken mit so einer Plattform bessere Verkaufserlöse erzielen, und ihren Schrott auch schneller aus den Büchern bekommen!

Tja, wer könnte so eine Plattform schaffen, wenn nicht die EZB?

In der folgenden Grafik sieht man nach Eurozonen-Ländern aufgeteilt in gelb die prozentualen Werte vom Gesamtvolumen des Kredits, den die Banken für ihren Schrott noch haben wollen. Darunter in blau sieht man die möglichen Kaufgebote der Investoren. Die Differenzen sind beachtlich. Handelsplattformen könnten dafür sorgen, dass sich Käufer und Verkäufer deutlich annähern, und Banken somit viel mehr ihres Schrotts loswerden können als bislang.


Grafik: EZB. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Beobachter

    27. November 2017 19:56 at 19:56

    Aha, irgendwann kann man den Schrott nicht mehr verstecken, ob der Schrott bei mehr Transparenz weniger schrottig u. besser verkäuflich wird bezweifle ich.
    Die sollen es doch machen wie dieUSA im 2008 mit den Schrotthypotheken, die hat man gebündelt, u.schlechte u.gute Kredite vermischt verkauft.Das Resultat kennen wir.

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Brexit: Angeblich Einigung an diesem Wochenende

Markus Fugmann

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Laut einem Insider-Bericht wird es bereits an diesem Wochenende eine Einigung auf einen Deal für den Brexit zwischen der EU und Großbritannien geben. Damit würde dann laut diesem Bericht ein „Last-Minute“-Deal erreicht.
Möglich sei, dass die EU dann am 10. oder 11.Dezmeber einen Gipfel abhalten würden, so der Insider weiter.
Zuletzt war es vor allem zwischen Frankreich und Großbritannien zu Konflikten um Fischerei-Recht in britischen Gewässern gekommen..

Der Dax mit leichten Anstiegen auf die Meldung, ebenso das britische Pfund..

Gibt es auf den letzten Drücker einen Deal zum Brexit?

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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