Folgen Sie uns

Allgemein

Schrottkredite in Europa – so schlimm ist die Gesamtlage wirklich

Redaktion

Veröffentlicht

am

Wenn Sie der guten alten Sparkasse nicht glauben, wem dann? Zum Thema Schrottkredite (non performing loans oder NPL) hatten wir erst gestern berichtet, dass die EZB ihre Regeln für Altfälle auf Drängen der Italiener aufweicht. Für jede einzelne Problembank wird es eine Einzelfallregelung geben – wohl damit jede Bank weiter existieren kann. Schrottkredite definiert man als solche Kredite, bei denen die Schuldner ihre monatlichen Raten nicht mehr zahlen können. Sie sind für die Banken de facto wertlos, stehen aber als Vermögenswert noch in den Büchern. Man kann ja theoretisch immer noch Hoffnung haben, dass der Schuldner wieder zahlungsfähig wird.

Während für die Schrottkredite allgemein eine Zahl von 720 Milliarden Euro Volumen zu Ende 2017 für die Eurozone kursiert, meldet der „Deutsche Sparkassen- und Giroverband“ (DSGV) aktuell in einer Kurzanalyse für die größten 150 Banken ein Volumen von 813 Milliarden Euro, die nicht bedient werden und somit Schrott sind. Man betont, dass die tatsächliche Höhe der Schrottkredite aktuell höher sei als vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren!

Schrottkredite nur auf den ersten Blick mit strukturellem Rückgang

Die Quoten der Schrottkredite in Relation zum gesamten Kreditvolumen der Banken seien zwar leicht zurückgegangen. Dies liege laut DSGV aber nur daran, dass die europäische Bankenaufsicht (EBA) Einmaleffekte produziere, welche folglich das Bild verzerren. So habe man juristische
Rahmenbedingungen geändert wie zum Beispiel bei Insolvenzregimen oder Portfolioverkäufen. In Italien beispielsweies konnten die NPL-Bestände gesenkt werden, weil Kredite von Banken an Investoren verkauft wurden. Auch verweist man auf Rekapitalisierungen und die Geschäftsaufgabe von zwei Banken. Strukturell tut sich aber nichts, so kann man die Aussagen des DSGV interpretieren.

Beim reinen Volumen der Schrottkredite weise Italien einen Anteil in der Eurozone von 23% auf. Nehme man Griechenland und Spanien hinzu, stehen diese drei Länder für 48,5% der NPL-Volumina in der Eurozone. Das ist ein enorm großer Anteil, wenn man bedenkt welch große Finanzmärkte beispielsweise Länder wie Deutschland und Frankreich haben. Die NPL-Quote (Schrott in Relation zu allen Krediten) liegt im Schnitt aller EU-Länder bei gerade mal 4%. Das täuscht, weil „gesunde“ Länder wie Frankreich (3,1%) und Deutschland (1,9%) den Schnitt nach unten drücken.

Griechenland hat eine unglaubliche NPL-Quote von 44,9%. Also quasi jeder zweite Kredit wird nicht bedient – die Banken sind de facto völlig im Eimer, aber interessieren tut das niemand. Griechenland verlässt ja gerade als angeblich „erfolgreicher Sanierungsfall“ (grundlegende Sichtweise der europäischen Politik) den Rettungsschirm. Italien hat eine Quote von 11,1%. Das ist prozentual zwar deutlich weniger als in Griechenland – aber Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone – da machen sich 11,1% bei einem großen Kreditvolumen viel stärker bemerkbar als die viel höhere Quote in Griechenland. Es ist also noch gar nichts gelöst. Die Lage ist schlechter als vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Laut DSGV verbessere sich die generelle Kreditqualität in den Bilanzen der Kreditinstitute nicht durch Einmaleffekte oder veränderte juristische Rahmenbedingungen. Echte Risikoverminderung könne nur durch eine wettbewerbsfähige Gesamtstruktur erreicht werden. In den Ländern mit hohen NPL-Konzentrationen müsse ein nachhaltiger und ehrgeiziger Abbau der Bestände erfolgen.

Schrottkredite - Banken in Italien
Schrottkredite – kaum eine Bank war so kaputt wie die Banca Monte dei Paschi in Italien. Foto: Tango7174 (CC BY-SA 4.0)

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    13. Juli 2018 10:42 at 10:42

    Moin, moin,

    stimmt wohl, die Banken in Italien und Griechenland haben Schrottkredite, aber wo ist das Problem dabei? Wer nichts hat, der kann nichts verlieren. Ausserdem wissen diese Banken, dass sie über ihre jeweiligen Regierungen und damit über die EU geschützt sind. Somit wird es keine Änderungen geben. Es werden neue Kredite vergeben, die sicher wieder auf dem schon verhandenen Schrotthaufen landen.
    Ergo: Änderungen nicht in Sicht, weiter wie bisher. Freiwillig wird da nichts passieren.

  2. Avatar

    tm

    13. Juli 2018 10:52 at 10:52

    „sie sind für die Banken de facto wertlos,“

    Ne, wieso sollten die wertlos sein? 90% des Kreditvolumens an private Haushalte wird für Immobilienkäufe verwendet, da gibt es also entsprechende Sicherheiten zu verwerten.

    „Man betont, dass die tatsächliche Höhe der Schrottkredite aktuell höher sei als vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren!“

    Naja logisch, oder nicht? In der Finanzkrise ist die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern drastisch gestiegen und die realen Einkommen sind gefallen.

    Welche NPL-Definition wure eigentlich vom DSGV? Also reicht ein Monat nicht bezahlt, oder zwei?

    • Avatar

      leftutti

      13. Juli 2018 21:02 at 21:02

      @tm, so wie ich den Artikel verstehe, geht es nicht nur um faule Kredite an Privathaushalte, sondern um die Gesamtsumme an Krediten, also auch an nicht-private Kreditnehmer.
      Sind die von Ihnen genannten 90% des Kreditvolumens für private Haushalte bezogen auf Griechenland, Italien und Spanien, auf die EU oder auf Deutschland?
      Und sind die Immobilienkredite investiert in seriöse Immobilien, die auch tatsächlichverlustfrei verwertet werden können?

    • Avatar

      joah

      22. August 2018 18:00 at 18:00

      »Ne, wieso sollten die wertlos sein? 90% des Kreditvolumens an private Haushalte wird für Immobilienkäufe verwendet, da gibt es also entsprechende Sicherheiten zu verwerten

      Wer nicht mehr Zahlen kann, hat auch nichts mehr was es zu holen gäbe. Die Immobilie kann man zwar einziehen, aber dies generiert billanziell keinen Mehrwert, da ohnehin noch der Bank gehörend und man gleichzeitig Menschen deren Obdach entzieht.

      Daher absolut korrekt: „sie sind für die Banken de facto wertlos,“

  3. Avatar

    Marcus

    13. Juli 2018 17:42 at 17:42

    Fakt ist nun mal, das man in Europa ein massives Problem mit NPL-Krediten hat. Und dieses Problem kann man nur dadurch lösen in dem mann endlich die Bilanzen massiv bereinigt. Schön wäre es , aber dafür haben die europäischen Banken kein Kapital, wären also nach einer Bilanzbereinigung faktisch insolvent.

    Aber harte konsequente Schritte will keiner gehen, weder Politik noch die Aufseher oder die Banken selbst.

    • Avatar

      AT

      14. Juli 2018 18:44 at 18:44

      „Aber harte konsequente Schritte will keiner gehen, weder Politik noch die Aufseher oder die Banken selbst“

      Da sind wir am Kern des Problems angelangt, der rechtliche Rahmen wird in der EU beliebig ausgedehnt und modifiziert. Die „Bundesbank-Versprechen“ beim EU-Beitritt von BRD und dann auch AT wurden mehrfach gebrochen.

      Konsequent wäre dass der Lohn- und Einkommenssteuerzahler auch so kreativ vorgehen kann, da ist der Rahmen dann eher nicht ausgedehnt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

weiterlesen

Allgemein

Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage