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Schrottkredite in Europa – so schlimm ist die Gesamtlage wirklich

Wenn Sie der guten alten Sparkasse nicht glauben, wem dann? Zum Thema Schrottkredite (non performing loans oder NPL) hatten wir erst gestern berichtet, dass die EZB ihre Regeln für Altfälle auf Drängen der Italiener aufweicht. Für jede einzelne Problembank wird es eine Einzelfallregelung geben – wohl damit jede Bank weiter existieren kann. Schrottkredite definiert man als solche Kredite, bei denen die Schuldner ihre monatlichen Raten nicht mehr zahlen können. Sie sind für die Banken de facto wertlos, stehen aber als Vermögenswert noch in den Büchern. Man kann ja theoretisch immer noch Hoffnung haben, dass der Schuldner wieder zahlungsfähig wird.

Während für die Schrottkredite allgemein eine Zahl von 720 Milliarden Euro Volumen zu Ende 2017 für die Eurozone kursiert, meldet der „Deutsche Sparkassen- und Giroverband“ (DSGV) aktuell in einer Kurzanalyse für die größten 150 Banken ein Volumen von 813 Milliarden Euro, die nicht bedient werden und somit Schrott sind. Man betont, dass die tatsächliche Höhe der Schrottkredite aktuell höher sei als vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren!

Schrottkredite nur auf den ersten Blick mit strukturellem Rückgang

Die Quoten der Schrottkredite in Relation zum gesamten Kreditvolumen der Banken seien zwar leicht zurückgegangen. Dies liege laut DSGV aber nur daran, dass die europäische Bankenaufsicht (EBA) Einmaleffekte produziere, welche folglich das Bild verzerren. So habe man juristische
Rahmenbedingungen geändert wie zum Beispiel bei Insolvenzregimen oder Portfolioverkäufen. In Italien beispielsweies konnten die NPL-Bestände gesenkt werden, weil Kredite von Banken an Investoren verkauft wurden. Auch verweist man auf Rekapitalisierungen und die Geschäftsaufgabe von zwei Banken. Strukturell tut sich aber nichts, so kann man die Aussagen des DSGV interpretieren.

Beim reinen Volumen der Schrottkredite weise Italien einen Anteil in der Eurozone von 23% auf. Nehme man Griechenland und Spanien hinzu, stehen diese drei Länder für 48,5% der NPL-Volumina in der Eurozone. Das ist ein enorm großer Anteil, wenn man bedenkt welch große Finanzmärkte beispielsweise Länder wie Deutschland und Frankreich haben. Die NPL-Quote (Schrott in Relation zu allen Krediten) liegt im Schnitt aller EU-Länder bei gerade mal 4%. Das täuscht, weil „gesunde“ Länder wie Frankreich (3,1%) und Deutschland (1,9%) den Schnitt nach unten drücken.

Griechenland hat eine unglaubliche NPL-Quote von 44,9%. Also quasi jeder zweite Kredit wird nicht bedient – die Banken sind de facto völlig im Eimer, aber interessieren tut das niemand. Griechenland verlässt ja gerade als angeblich „erfolgreicher Sanierungsfall“ (grundlegende Sichtweise der europäischen Politik) den Rettungsschirm. Italien hat eine Quote von 11,1%. Das ist prozentual zwar deutlich weniger als in Griechenland – aber Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone – da machen sich 11,1% bei einem großen Kreditvolumen viel stärker bemerkbar als die viel höhere Quote in Griechenland. Es ist also noch gar nichts gelöst. Die Lage ist schlechter als vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Laut DSGV verbessere sich die generelle Kreditqualität in den Bilanzen der Kreditinstitute nicht durch Einmaleffekte oder veränderte juristische Rahmenbedingungen. Echte Risikoverminderung könne nur durch eine wettbewerbsfähige Gesamtstruktur erreicht werden. In den Ländern mit hohen NPL-Konzentrationen müsse ein nachhaltiger und ehrgeiziger Abbau der Bestände erfolgen.

Schrottkredite - Banken in Italien
Schrottkredite – kaum eine Bank war so kaputt wie die Banca Monte dei Paschi in Italien. Foto: Tango7174 (CC BY-SA 4.0)



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6 Kommentare

  1. Moin, moin,

    stimmt wohl, die Banken in Italien und Griechenland haben Schrottkredite, aber wo ist das Problem dabei? Wer nichts hat, der kann nichts verlieren. Ausserdem wissen diese Banken, dass sie über ihre jeweiligen Regierungen und damit über die EU geschützt sind. Somit wird es keine Änderungen geben. Es werden neue Kredite vergeben, die sicher wieder auf dem schon verhandenen Schrotthaufen landen.
    Ergo: Änderungen nicht in Sicht, weiter wie bisher. Freiwillig wird da nichts passieren.

  2. „sie sind für die Banken de facto wertlos,“

    Ne, wieso sollten die wertlos sein? 90% des Kreditvolumens an private Haushalte wird für Immobilienkäufe verwendet, da gibt es also entsprechende Sicherheiten zu verwerten.

    „Man betont, dass die tatsächliche Höhe der Schrottkredite aktuell höher sei als vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren!“

    Naja logisch, oder nicht? In der Finanzkrise ist die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern drastisch gestiegen und die realen Einkommen sind gefallen.

    Welche NPL-Definition wure eigentlich vom DSGV? Also reicht ein Monat nicht bezahlt, oder zwei?

    1. @tm, so wie ich den Artikel verstehe, geht es nicht nur um faule Kredite an Privathaushalte, sondern um die Gesamtsumme an Krediten, also auch an nicht-private Kreditnehmer.
      Sind die von Ihnen genannten 90% des Kreditvolumens für private Haushalte bezogen auf Griechenland, Italien und Spanien, auf die EU oder auf Deutschland?
      Und sind die Immobilienkredite investiert in seriöse Immobilien, die auch tatsächlichverlustfrei verwertet werden können?

    2. »Ne, wieso sollten die wertlos sein? 90% des Kreditvolumens an private Haushalte wird für Immobilienkäufe verwendet, da gibt es also entsprechende Sicherheiten zu verwerten

      Wer nicht mehr Zahlen kann, hat auch nichts mehr was es zu holen gäbe. Die Immobilie kann man zwar einziehen, aber dies generiert billanziell keinen Mehrwert, da ohnehin noch der Bank gehörend und man gleichzeitig Menschen deren Obdach entzieht.

      Daher absolut korrekt: „sie sind für die Banken de facto wertlos,“

  3. Fakt ist nun mal, das man in Europa ein massives Problem mit NPL-Krediten hat. Und dieses Problem kann man nur dadurch lösen in dem mann endlich die Bilanzen massiv bereinigt. Schön wäre es , aber dafür haben die europäischen Banken kein Kapital, wären also nach einer Bilanzbereinigung faktisch insolvent.

    Aber harte konsequente Schritte will keiner gehen, weder Politik noch die Aufseher oder die Banken selbst.

    1. „Aber harte konsequente Schritte will keiner gehen, weder Politik noch die Aufseher oder die Banken selbst“

      Da sind wir am Kern des Problems angelangt, der rechtliche Rahmen wird in der EU beliebig ausgedehnt und modifiziert. Die „Bundesbank-Versprechen“ beim EU-Beitritt von BRD und dann auch AT wurden mehrfach gebrochen.

      Konsequent wäre dass der Lohn- und Einkommenssteuerzahler auch so kreativ vorgehen kann, da ist der Rahmen dann eher nicht ausgedehnt.

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