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Schulden: Der Auslöser der nächsten Krise

Über einen Brandbeschleuniger, den auch die US-Notenbank Fed nicht beseitigen kann

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Jetzt hat auch der Präsident der Notenbank von Dallas, Robert Kaplan, darauf hingewiesen: Die Entwicklung am US-Anleihemarkt mit einem massiven Anstieg der Schulden der Unternehmen hat eine gefährliche Situation geschaffen, über die man in verantwortlichen Kreisen nicht mehr hinwegsehen kann. Die (schlechte) Qualität und auch Quantität der Unternehmensanleihen hat eine solche Dimension angenommen, dass es selbst ohne eine US-Rezession schon zu einer Krise im Junkbond-Sektor kommen kann, mit weitreichenden Folgen für die Kapitalmärkte.

Markus Fugmann hat gestern in seinem Webinar die Sachlage anhand von vielen Fakten und aktuellen Charts sehr ausführlich erläutert. Wer sich ernsthaft mit der Entwicklung der US-Märkte befasst, wird nicht umhin kommen, die dort sichtbare Blasenbildung genau zu verfolgen. Ein Einbruch im Highyield-Sektor könnte aufgrund der extrmen Höhe der Schulden der Auslöser für die nächste große Korrektur an den Märkten sein. Auch wenn man vorsichtig sein soll mit allerlei Crashpropheterie: nach der Dotcom-Bubble 2000 und der Hypotheken-Bubble 2007 könnte die Junkbonds-Bubble die nächste große Krise auslösen. War es in der Finanzkrise die große Hebelung der Geldverleiher, die die Krise auslösten, so dürfte die nächste Krise durch die massiven, nicht mehr tragfähigen Schulden der Unternehmen ausgelöst werden!

Die abnehmende Qualität der Schulden von US-Unternehmen

Wie gestern im Webinar dargestellt, hat die Entwicklung der Schulden von US-Unternehmen seit der Finanzkrise schon extreme Züge angenommen:

Der massive Ansteig der Unternehemnsschulden wird ein Problem für die Geldpolitik

Dabei geht es nicht so sehr um die Gesamtsumme der Verschuldung in Höhe von 10 Billionen Dollar, es ist mehr die Qualität der Schulden der Unternehmen, die sich nur noch knapp über dem Non-Investmentgrade-Bereich befinden. Diese haben sich seit 2009 schlichtweg verdreifacht.

Wo liegt jetzt hier das große Problem? Anders als bei den Staatsanleihen kann die US-Notenbank im Bereich der Unternehmen nicht so einfach ein weiteres Quantitative Easing-Programm (QE4) auflegen, um die Renditen der Schulden zu drücken. Nach meinem Kenntnisstand fehlt hierfür die gesetzliche Grundlage für eine solche Geldpolitik.

Bei einer Abschwächung der US-Konjunktur und der derzeit zu beobachtenden Verschlechterung der Unternehmensmargen könnten die US-Ratingagenturen gezwungen sein, die Bonität der Unternehmen abzustufen. Das bedeutet vom BBB-Bereich auf Junkbond-Niveau, was in der Dimension gewaltige (negative) Auswirkungen nach sich ziehen muss: Große Kapitalanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds dürfen diese Risikobonds dann eben nicht in ihren Portfolios halten – man müsste sie auf den Markt werfen (sprich verkaufen).

Doch welche Investoren würden diese bonitätsschwachen Titel kaufen und das in Milliardenhöhe? Der perfekte Sturm am Anleihemarkt, der sich durch das Anschwellen der US-Staatsverschuldung auf 23 Billionen demnächst sowieso in Daueranspannung befinden dürfte.

Es ist die Kombination von immer tieferen Leitzinsen, einer schuldenfinanzierten Steuererreform und einer Aktienrückkauforgie der Unternehmen (5,3 Billionen Dollar seit 2009, vielfach schuldenfinanziert), die in manchen Teilen der US-Wirtschaft zu einer Zombiefizierung des Unternehmenssektor geführt hat. Wie in vielen Beiträgen bei FMW, insbesondere auch von Hannes Zipfel dargelegt, vertragen die Vereinigten Staaten keine höheren Zinsen mehr. Zinsanstiege würden von mehreren Seiten sofort mehrere Blasen anstechen. Die der hoch verschuldeten Konsumenten und eben die im Webinar dargestellte Blase im BBB-Unternehmenssektor. Deshalb auch der beständige Ruf Donald Trumps an die Fed die Zinsen zu senken – am besten auf null.

Die Verspannungen am Repo-Markt

Die ganze Wirtschaftswelt rätselt über die Ursache, warum die US-Notenbank jetzt schon über Monate hinweg Unsummen von Dollar in den Overnight Market pumpt, um den Interbankensektor am Laufen zu halten. Bereits seit dem 16. September 2019, als die „Overnight Repo Rate“, also der Zinssatz, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten Geld leihen, auf 10 Prozent hochgeschossen war, fünfmal höher als die Tage zuvor. Man relativierte das zunächst als einmaligen Engpass, aber nur um in der Folge sogar nicht nur „Übernacht-Sicherheiten“ für die Banken auszugeben, sondern sogar vierzehntägige.

Bereits über 70 Mal hat die Fed mit ihrer Geldpolitik jetzt schon den Markt manipuliert, um die Zinsen tief und damit den Interbankenmarkt am Leben zu erhalten. Man nimmt Treasuries und Mortgage Backed Securities entgegen und gibt dafür die begehrten Dollars aus. Täglich bis zu 200 Milliarden Dollar. Banken trauen sich nicht mehr über den Weg, wie es Analysten bezeichnet haben. Aber was ist der Grund? Warum funktionieren die Märkte nicht mehr?

Wird befürchtet, dass die Bond-Bubble platzt? Oder sind die Mortgage Backed Securities (MBS, Hypotheken-besicherte Wertpapiere) das Problem?

Fazit

Das Problem der schlechten Bonität der Unternehmensanleihen am Ende eines schon über 10 Jahre andauernden Wirtschaftsaufschwungs ist unübersehbar geworden. Wie könnte es gelöst werden? Durch ein Anziehen der Konjunktur mit Wachstumsraten von über drei Prozent, wie es US-Präsident Trump vorschwebt? Aber wie realistisch ist das? Hinzu kommt das ungeklärte Thema Repo-Markt. Die Federal Reserve kennt die Ursache, genauso wie einzelne US-Geschäftsbanken auch. Dummerweise werden die Gegenparteien der Repo-Geschäfte erst mit einer Verzögerung von zwei Jahren veröffentlicht. Für den Kleinanleger dürfte das Wissen dann eindeutig zu spät kommen.

Auf alle Fälle werden US-Regierung und die US-Notenbank versuchen, einen Einbruch an den Kapitalmärkten, besonders im Wahljahr 2020, so lange wie möglich hinauszuschieben. Wie lange wird das möglich sein? Dies steht, wie auch die Frage nach dem Auftreten der Rezession, wie immer in den (Wirtschafts-)Sternen.

Die immensen Schulden sind das große Risiko für die Finanzmärkte

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Prognosti

    29. November 2019 10:57 at 10:57

    Es wäre noch interessant zu wissen, ob es Firmen gibt mit kritischen Ratings, die statt Schulden zurückzuzahlen um die Sache zu verbessern, gute Dividenden bezahlten oder Rückkäufe machten u.somit die Taschen der Manager füllten. Noch schlimmer ( tödlicher) wären für die Zukunft natürlich schuldenfinanzierte Dividenden u.Rückkäufe, nach dem Motto, NACH MIR DIE SINTFLUT.
    Wie soll ein Normalbürger verstehen, dass Firmen nach 10 Jahren Tiefstzinsen u. Steuersenkung
    sich maximal verschuldeten u.die Bonität miserabel ist.
    Die letzte Dekade wird in die Geschichte eingehen, wo das Aushöhlen der Firmen in Extremis zu Lasten der Bevölkerung u.der Zukunft praktiziert wurde.

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      Wolfgang M.

      29. November 2019 11:17 at 11:17

      @Prognosti. Da ist was dran. Wenn der Zins zu billig wird und er seine Lenkungswirkung verliert, kommt bei manchem die Gier ins Laufen. Man kann billig Schulden machen, zum eigenen Vorteil und später auf Kosten aller. Da sieht man aber auch wieder, welche Folgen entstehen, wenn die Regularien in der Finanzbranche gelockert werden (wie ab 1999 mit den Buybacks). Dabei haben die Amerikaner noch nicht einmal Nullzinsen. Kaum auszudenken wenn………
      Grüße

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    Gabriel

    29. November 2019 11:13 at 11:13

    @Müller,
    vielen Dank für die Ausarbeitung und die Mühe sazu.
    Mir ist gestern beim Webinar die Kinnlade runtergefallen als ich erfahren habe wie hoch die Schulden der Konzerne tatsächlich sind.
    Das ist wahrlich eine große Gefahr für den Gesamtmarkt
    Anregung: Vll. könnten Sie die möglichen Punkte auflisten, welche zu einem Zahlungsausfall der Unternehmen führen könnten.
    MfG Scheer

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    Wolfgang M.

    29. November 2019 11:44 at 11:44

    @Gabriel. Hallo. Eine sehr komplexe Frage. Die Unternehmen schlittern dann in die Pleite, wenn sie ihre Anleihen nicht mehr bedienen können, also die Zinslast nicht mehr schultern können (insbesondere, wenn die Margen in ihrem Geschäftsmodell wegbrechen). Bei ständig sinkenden Zinsen kommt es zur Zombiefizierung, weil die niedrigen Zinsen ein Überleben ermöglichen. Aber es gibt auch noch das Instrument der Kapitalerhöhung. Wieviel Milliarden Euro hat die Deutsche Bank da in den letzten 10:Jahren aufgetrieben (> 20 Mrd.€). Das Problem ist ein Zinsanstieg am Kapitalmarkt, unabhängig vom Leitzinsniveau, welchen die Notenbank nicht mehr beeinflussen kann. Wenn es in den USA dazu kommt, wegen eines Anstiegs der Inflation oder sogar wegen verbesserter Wachstumsaussichten, wird es für viele Zombiefirmen eng. Das Damoklesschwert in den letzten USA ist der Zinsanstieg am Kapitalmarkt und eine weitere Verschlechterung des Ratings der Firmen. Deshalb wird die Fed auf allen Laufzeiten der Staatsanleihen tätig. Um den Banken bessere Einnahmen zu verschaffen (Fristentransformation), damit diese weiter Kredite vergeben können. Man hat es beim Zinsanstieg von Oktober bis Dezember 2018 gesehen, mit den Panikreaktionen an den Märkten. Die Fed ist deshalb überall am Werken, wenn es ihr möglich ist. Am Markt für Staatsanleihen, am Repo-Markt, aber im Bereich der Schattenbanken und der Unternehmen, da nicht, deshalb die Besorgnis von Dallas-Fed-Chef Kaplan. Deshalb: „we should keep an eye on highyield data!“
    Grüße

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    Quintus

    30. November 2019 07:59 at 07:59

    Was liegt näher:
    Die amerikanischen Großbanken ziehen mit Hilfe der FED die Schotten hoch und kappen ihr Netzwerk zu faulen (europäischen?) Banken…wir werden es wohl bald erfahren.

    Martin Armstrong:
    “Niemand wird öffentlich sprechen. Jeder hat Todesangst davor, eine Panik auszulösen. Dies ist das am besten gehütete Geheimnis, das ich je in meiner Karriere gesehen habe. Der eigentliche Test findet am Jahresende statt, wenn die Banken typischerweise vom Repo-Markt zurücktreten, so dass ihre Bilanzen für die Berechnungen der Aufsichtsbehörden zum 31. Dezember kleiner sind. Wir werden sehen, was dann wirklich passiert, auf der Chaos-Skala von 1 bis 10….”

    https://www.armstrongeconomics.com/markets-by-sector/interest-rates/repo-crisis-best-kept-secret-ever/

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    Nix-Optimist

    30. November 2019 11:00 at 11:00

    @ Gabriel, meines Wissens sind viele Unternehmensanleihen kurz u.mittelfristig u.laufen in den nächsten 2Jahren aus. Bei schlechterer Wirtschaft werden einige Untetnehmen keinen Kredit oder nur höher verzinste Kredite bekommen.Dann ist Schluss mit lustig u.die kollabierenden Firmen werden auch die Aktienmärkte mitreissen. Oder meint wirklich jemand die Notenbanken könnten ,dürften oder möchten alle Zombifirmen retten. Träumen , hoffen, u.Warner als Crashpropheten bezeichnen ist weiterhin nicht verboten.

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USA: Fed-Bilanz, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung im Vergleich

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Die Zentrale der Fed in Washington DC

Wie auch in Europa, so wird in den USA in gigantischem Ausmaß gedruckt, gepumpt und verschuldet. Hier schauen wir uns die Orgie des frischen Geldes mal in Form von Charts an, alle seit dem Jahr 2002. Im ersten Chart sehen wir die Bilanz der Federal Reserve. Sie musste in gigantischem Ausmaß jüngst Geld drucken, um damit Staatsanleihen und viele andere Instrumente aufkaufen zu können. Die Bilanz stieg seit 2002 von gerade mal 719 Milliarden Dollar auf aktuell über 7 Billionen US-Dollar! Noch Ende Februar, kurz vor dem Start der ganzen Rettungsorgien, waren es noch 4,1 Billionen US-Dollar.

Bilanz der Fed seit dem Jahr 2002

Im Vergleich zum Wachstum der Fed-Bilanz sehen wir im folgenden Chart seit dem Jahr 2002 die Entwicklung der offiziellen Arbeitslosenquote in den USA. Damals noch bei 5,7 Prozent, stieg sie in der Spitze der Finanzkrise bis auf 10 Prozent an. Dann in den Boomjahren danach die Erholung bis auf nur noch 3,5 Prozent im Februar 2020. Was für eine Vollbeschäftigung! Ein Paradies in jeder Hinsicht? Und dann der große Knall durch die Coronakrise. Binnen weniger Wochen die Explosion der Arbeitslosigkeit auf 14,7 Prozent.

Offizielle Arbeitslosenquote in den USA seit 2002

Die US-Staatsverschuldung, die entwickelt sich völlig unabhängig von Konjunkturzyklen oder Notenbank-Bilanzen! Dies sieht man im folgenden Chart, auch seit dem Jahr 2002. Egal ob während der Finanzkrise oder danach in einem jahrelangen Konjunkturboom, wo der Staat eigentlich Gelegenheit hätte Schulden abzubauen. Die Verschuldung der US-Regierung wächst konstant weiter an, von 6 Billionen US-Dollar im Jahr 2002 auf aktuell über 25 Billionen Dollar, was hier im Chart noch nicht final aktualisiert wurde. Die nächsten Monate wird diese Zahl wohl deutlich anwachsen, aufgrund der Rettungsmaßnahmen in Folge der Coronakrise.

US-Staatsverschuldung seit 2002 wächst kontinuierlich an

Aber zum Schluss nochmal zurück zur Arbeitslosigkeit in den USA. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung seit den 1950er-Jahren. So erkennt man besser die aktuelle dramatische Lage!

Arbeitslosigkeit in den USA seit den 1950er Jahren
Charts: St. Louis Fed

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Deutschland verkauft Schulden – Investoren mit Nachfrage-Explosion!

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Geldmünzen und Scheine

Ja, so was sieht man nicht oft. Deutschland hat heute neue Schulden verkauft, und die Nachfrage… die war so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Fast schon unfassbar. Der deutsche Staat hat heute zwei Jahre laufende Bundesschatzanweisungen mit einem Zinskupon von 0,00 Prozent verkauft. Die Negativrendite der Emission lag bei -0,66 Prozent (vorher -0,68 Prozent). Angeboten hatte der Bund ein Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro. Die Finanzagentur Deutschland GmbH, die für Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Anleihemanagement durchführt, zeigt in ihren frisch veröffentlichten Details zu dieser Emission, dass die Nachfrage bei unglaublichen 13,26 Milliarden Euro lag!

Tja, wenn man eh weiß, dass die EZB sowieso den ganzen Markt aufkauft (vereinfacht ausgedrückt), wo ist da noch das Risiko für Investoren? Außerdem ist Deutschland eh der solventeste Schuldner? Aber halt. Mit -0,66 Prozent Rendite macht der institutionelle Anleger mehr Verlust, als wenn er sein überschüssiges Geld auf einem Bankkonto parken würde, wo er zwar auch Negativzinsen auf große Einlagen zahlt, aber noch nicht -0,66 Prozent. Also warum dieser Ansturm auf diese Bundesschatzanweisungen?

Die Anleger könnten darauf spekulieren, dass in Zeiten von Gelddrucken, Coronakrise und Staatsschulden-Orgien die Rendite-Niveaus der Anleihen jetzt weiter, weiter, und noch weiter ins Negative rutschen. Weiter sinkende Renditen bedeuten automatisch immer weiter steigende Anleihekurse. Wer also jetzt in die Auktion stürmt, hofft auf einen höheren Verkaufskurs seiner Anleihe in einigen Tage, Wochen, oder Monaten.

Der deutsche Staat macht wie seit Jahren so richtig kräftig Kasse mit seinen Emissionen. Von wegen Haushaltsdisziplin oder sparsame Finanzminister Schäuble und Scholz. Die guten Herren verdienen ihr Geld durch den Verkauf neuer Schulden. Geld im Schlaf verdienen sozusagen – das kann jeder! In diesem Fall, bei dieser einzelnen Transaktion, ist mal wieder eine beträchtliche Gewinnsumme angefallen. Bei 5 Milliarden Euro Angebot hat der Bund tatsächlich 4,07 Milliarden Euro verkauft. 930 Millionen Euro gingen in die Marktpflegequote – damit wird der laufende Anleihehandel nach der Emission liquide gehalten.

Bei 4,07 Milliarden Euro Nominalwert muss exakt diese Summe in zwei Jahren an die Inhaber der Papiere zurückgezahlt werden. Zu einem heutigen Emissionskurs von 101,35 Prozent wurden sie aber heute über Nominalwert verkauft, wodurch die Negativrendite für die Anleger entsteht. Daher hat der Bund heute tatsächlich 4,125 Milliarden Euro eingenommen, und per sofort einen Gewinn in Höhe von 55 Millionen Euro eingestrichen. Summiert man alle Emissionen der letzten Jahre mit Negativrenditen zusammen, entstehen da Milliarden-Gewinne, nur durch den Verkauf neuer Anleihen! Die Zeche zahlen tun diejenigen, die solche Anleihen nicht zum Zweck der Kursgewinne halten, sondern weil sie es zum Beispiel als Fonds oder Pensionskasse oder Rentenversicherung per Satzung tun müssen, nämlich “sichere Anleihen” im Portfolio halten.

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Warum Ihnen bei der privaten Altersvorsorge schwere Verluste drohen!

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Die Private Altersvorsorge steht vor Problemen

Die OECD hat eine interessante Studie zum Thema Unternehmensanleihen herausgegeben. Ein Thema, das fast alle Menschen angeht, vor allem wegen der privaten Altersvorsorge. Aber merken tun es kaum jemand. Denn schließlich investieren alle Versicherungen und Pensionsfonds in Anleihen. Diese Anlagegattung ist nicht nur das Fundament der privaten Altersvorsorge – es IST die private Altersvorsorge. Leider beginnt das gesamte Gebäude morsch zu werden. Die Qualität der am Markt verfügbaren Anleihen nahm im Laufe der vergangenen Jahre signifikant ab und sie dürfte im Angesicht der Coronakrise die größten Einbußen noch vor sich haben. Mit abnehmender Qualität steigt jedoch das Verlustrisiko, womit die Altersvorsorge der Sparer in Gefahr ist.

Die Studie bezieht sich auf einen Teilmarkt der Anleihen, nämlich Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors. Dieser Markt umfasste Ende 2019 immerhin 13,5 Billionen US-Dollar weltweit. Der größte Teil dieses Schuldenbergs entstand erst nach 2008. Allein 2019 nahmen die Unternehmen 2,1 Billionen US-Dollar zusätzliche Schulden auf.

Schlechtere Bonität, längere Laufzeit, mehr Schulden – so startet die Unternehmenswelt in die Krise

Im Gegensatz zu früheren Kreditzyklen weist der Markt dieses Mal einige Besonderheiten auf. Die Bonität der Unternehmen ist schlechter, es gibt größere Zahlungsverpflichtungen denn je, längere Laufzeiten und weniger Schutz für die Anleger als in früheren Zyklen. Mehr Schulden längerer Laufzeit bei geringer Bonität und weniger Schutz bedeutet, dass Verluste für Anleger in der größten Wirtschaftskrise seit mindestens 90 Jahren nicht nur wahrscheinlich sind, sondern sicher. Und sie werden vermutlich größer ausfallen als während der Finanzkrise 2008. Untersucht wurden dabei mehr als 92.000 verschiedene Wertpapiere aus 114 Ländern.

Für Unternehmen ist das von Ratingagenturen vergebene Bonitätsrating sehr wichtig. Denn die meisten institutionellen Anleger dürfen nicht in Junkbonds investieren, also in Anleihen mit einem Bonitätsrating schlechter als BBB (hier finden Sie eine gut erklärte Tabelle mit einer Übersicht der Ratingstufen). Rutscht ein Unternehmen in den Junkbereich, also Schrott, verliert es den Zugang zu den meisten Anlegern und wird in der Folge deutlich höhere Zinsen zahlen müssen und eventuell trotzdem weniger Kredit bekommen als zuvor. Das Rating hängt weitestgehend davon ab, wie die Ratingagentur die Rückzahlungswahrscheinlichkeit einschätzt. Niedrige Zinsen bedeuten, dass ein Unternehmen mehr Schulden aufnehmen kann, ohne dass die Rückzahlungswahrscheinlichkeit sinkt. Warum das für Ihre Altersvorsorge zum Problem wird, dazu kommen wir gleich noch. Dieser Mechanismus wurde in den vergangenen Jahren ausgenutzt, um Unternehmen mit Krediten zu überladen. Sei es, um andere Unternehmen zu kaufen, sei es, um eigene Aktien zurückzukaufen, sei es, um auch einmal Investitionen ins Kerngeschäft zu tätigen.

Eine Abwertung setzt eine Abwärtsspirale für die Unternehmen in Gang

Größere Schulden werden dann zu einem Problem, wenn die Zinsen wieder steigen sollten und fällige Kredite nicht aus dem Cashflow des laufenden Geschäfts bedient werden können, sondern mit neu aufgenommenen Krediten getilgt werden müssen. Die neuen Kredite sind dann auf einmal deutlich teurer als die alten, abzuzahlenden. Im schlimmsten Fall scheitert die Refinanzierung, weil der Kapitalmarkt entweder die Schuldentragfähigkeit bei höheren Zinsen negativer einschätzt oder weil eine Refinanzierung ausgerechnet während einer Börsenkrise stattfinden muss, in der Anleger Risiko avers agieren und nur Schuldnern bester Bonität trauen. Ein weiteres Problem tut sich dadurch auf, dass die durchschnittliche Laufzeit einer Unternehmensanleihe von neun auf zwölf Jahre stieg. Die Nachfrage nach länger laufenden Anleihen ist umso geringer, je niedriger die Bonität eines Unternehmens eingeschätzt wird. Es ist in den meisten Fällen von Schuldnern schlechter Bonität wahrscheinlicher, dass eine Anleihe in einem Jahr als in zwölf getilgt wird.

Werden die Anleihen eines Unternehmens auf Junkbonds-Niveau herabgestuft, müssen die meisten institutionellen Anleger verkaufen. Das lässt die Preise für die Anleihen sinken. Da die Rendite invers mit dem Preis gekoppelt ist, geht die Rendite automatisch nach oben. Die Zinsen neu herausgegebener Anleihen orientieren sich an der Rendite bereits auf dem Markt verfügbarer Anleihen gleicher Laufzeit. Also steigt auch der Zinssatz für neue Anleihen. Da auf dem Junkbonds-Markt wenig Nachfrage nach den durchschnittlich lang laufenden Anleihen besteht, wird der Zinssatz bei einem Downgrade wahrscheinlich überproportional steigen.

Der Markt kann weitreichende Abwertungen nicht verkraften

Seit 2010 waren durchschnittlich 20% aller ausstehenden Unternehmensanleihen Junkbonds. 2019 hingen waren es bereits 25%. Und 51% aller 2019 neu herausgegebenen Anleihen hatten ein BBB-Rating, also die letzte Stufe vor einem Junkbonds. Im schlimmsten Fall, wenn aufgrund der Corona-bedingten Wirtschaftskrise weitreichende Downgrades durchgeführt werden, müsste sich also der Markt für Junkbonds (hier dazu ein Artikel über die EZB) schlagartig verdreifachen. Die Folgen wären eine akute Kreditklemme für die meisten Unternehmen und traumhafte Zinskonditionen für die wenigen verbliebenen Emittenten von Anleihen guter Bonität. Denn alle institutionellen Anleger, die gezwungen sind, in Investment-Grade Anleihen zu investieren, würden sich um die verbliebenen 25% streiten. Den Besitzern der jetzt noch mit BBB bewerteten Anleihen, also ETFs, Versicherungen, Pensionsfonds, drohen erst schwere Kursverluste bei den herabgestuften Anleihen und dann Niedrig- oder sogar Negativzinsen beim Kauf der wenigen verbliebenen Anleihen mit Investment-Grade Rating. So wirkt sich diese Gemengelage negativ auf Ihre private Altersvorsorge aus, und Sie merken es kaum, weil Details von außen nicht erkennbar sind.

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