Anleihen

Schulden: Die BBB-Bombe hat in der Coronakrise gezündet!

Über die letzte Dekade hinweg hat sich weltweit eine neue Blase an Schulden aufgepumpt: die der Unternehmensschulden. In Europa und den USA verschlechterten sich die Bonitäten der Schuldner schon vor der Corona-Krise, sodass bereits 50 Prozent der ausstehenden Unternehmensanleihen nur noch knapp über Ramsch-Niveau bewertet wurden. Doch nun kommt eine Welle der Qualitätsabstufungen ins Rollen. Mit drastischen Konsequenzen.

Mit horrenden Schulden in die Krise

Mehr als 20 Billionen US-Dollar ist der Weltmarkt für Unternehmenskredite schwer, die von Ratingagenturen bewertet werden. Dazu gehören Unternehmensanleihen, kurzfristige Schuldverschreibungen, befristete Kredite und revolvierende Kreditfazilitäten. Dieses Kreditvolumen ist im Verhältnis zum globalen Bruttoinlandsprodukt das höchste seit Datenaufzeichnung. Ein Fünftel dieser Unternehmensschulden war schon vor der Krise mit geringer Bonität bewertet, galten also als hochspekulativ oder gar ausfallgefährdet. Die Hälfte der Unternehmensanleihen in Europa und den USA waren bereits vor dem Corona-Schock von den großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch nur noch knapp über „Ramschniveau“ bewertet worden. Doch nun droht eine Lawine von bislang als Investmentgrade (IG) bewerteten Schulden in Richtung High Yield (HY) ins Rutschen zu kommen.

Für die betroffenen Unternehmen, die „Falling Angels“, bedeutet dies einen deutlich schwierigeren Zugang zu Krediten und deutlich höhere Fremdkapitalkosten.

Bereits im ersten Quartal 2020 stieg das Volumen der „Falling Angels“-Anleihen dramatisch an. Von 8,5 Mrd. US-Dollar im dritten Quartal 2020 auf 148,8 Mrd. US-Dollar im ersten Quartal dieses Jahres. Laut Analysten der Deutschen Bank fielen allein im März in den USA Schulden in Höhe von 90 Mrd. US-Dollar in den Ramsch-Status ab. Das ist in so kurzer Zeit ein neuer Rekord. Damit ist es nun offiziell: Die BBB-Bombe platzt.

Die Engel beginnen abzustürzen

Als „Falling Angels“ bezeichnet man Firmen, wie zum Beispiel Ford, die ehemals gute Kreditratings besaßen und nun in die hochspekulative „Ramsch“- oder „Junk“-Kategorie abgestuft wurden. Ford wurde bereits im Jahr 2005 zusammen mit dem Konkurrenten General Motors (GM) herabgestuft. Beide Unternehmen konnten nur dank staatlicher Unterstützung die Weltfinanzkrise überleben. Sieben Jahre später, im Mai 2012, hatte der Autobauer aus Michigan mit dem blauen Emblem und dem geschnörkelten Schriftzug sein Investmentgrate-Rating wiedererlangen. Acht Jahre später ist Ford erneut ein gefallener Engel.

Neben dem weltweit agierenden Autobauer hat es auch den Energiekonzern Occidental Petroleum, den Konservenhersteller Kraft Heinz sowie den Einzelhandelskonzern Macy’s erwischt. Der bereits 1858 in New York von Rowland Hussey Macy gegründete Warenhausbetreiber ist mit 728 Filialen der größte seiner Branche. Die Umsätze sind in der Corona-Krise um über 70 Prozent eingebrochen und bringen den Kaufhauskonzern ins Wanken. Shopping-Center in Deutschland, Frankreich und Großbritannien verzeichneten in der zweiten Märzhälfte laut ShopperTrak sogar Umsatzeinbußen in Höhe von 90 bis 95 Prozent. Das sind schlechte Perspektiven für Macy’s für die nächsten Wochen.

Neben den Automobilherstellern, Kreuzfahrtschiffbetreibern, Einzelhändlern und Gastronomen trifft es auch die Transportbranche sehr hart. Dazu gehören neben Autovermietern und anderen Flottenbetreibern auch Taxi- und Uber-Fahrer, also wichtige Kunden von Ford.

Dabei war der Finanzvorstand von Ford, Tim Stone, anlässlich der Vorstellung der Zahlen zum vierten Quartal 2019 im Februar noch optimistisch: „Wir sind weiterhin bestrebt, eine starke Bilanz und ein Investment-Grade-Rating aufrechtzuerhalten. Ford ist in guter Verfassung, um die nächste Rezession zu meistern“. Doch auf das, was dann ab März auf den Autobauer zukommen sollte, war auch das Ford-Management nicht vorbereitet und die Bilanz nicht solide genug aufgestellt. Schulden von Ford in Höhe von 36 Mrd. US-Dollar wurden Ende März von den Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s auf „Ramschniveau“ herabgestuft. Damit fliegen die Papiere nun aus unzähligen Portfolios von Investmentfonds, Stiftungen und Family-Offices heraus. Neue Anleihen können nur noch mit hohen Zinsaufschlägen an Investoren die auf Hochzinsanleihen (HY) spezialisiert sind verkauft werden.

Die Corona-Krise fungierte als Zünder der BBB-Bombe

Die Bank of America (BofA) warnt davor, dass die Gesamtsumme der Herabstufungen in den Ramsch-Bereich in diesem Jahr in Folge der Corona-Krise ein Volumen von über 200 Mrd. US-Dollar erreichen könnte. Aktuell werden Anleihen im Wert von 360 Mrd. US-Dollar mit BBB geratet, die niedrigste Investment-Grade Stufe. Sobald eine Anleihe dieses Rating verliert und in die Junkbond-Kategorie fällt, können sich die Zinsen für die Schulden vervielfachen, da die Nachfrage nach Hochrisikoanleihen in Krisenzeiten besonders gering ist.

Käufer für Anleihen gefallener Engel – also für deren Schulden – zu finden, könnte daher bis auf Weiteres eine Herausforderung werden. Der Markt für Investment-Grade-Anleihen in den USA hat eine Größe von 6,7 Billionen US-Dollar und ist weitaus größer als der Markt für hochrentierliche und sehr risikoreiche Unternehmensanleihen mit 1,2 Billionen US-Dollar Volumen. Auch wenn sich die Verhältnisse hier weiter zu Gunsten der Ramsch-Papiere verschieben werden, so wird es dennoch nicht im gleichen Maße höheres Kaufinteresse geben, solange nicht klar ist, wie lange die Krise dauert und welche Schäden sie in den Bilanzen der betroffenen Unternehmen anrichtet.

Gelingt es den Unternehmen nicht, die höheren Kapitalkosten in dem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld zu Schultern und dringend benötigtes Kapital zu akquirieren, dann folgt auf das Platzen der BBB-Bombe die Pleite-Schockwelle.

Die hohen Schulden bringen in der Coronakrise viele Unternehmen in Schwierigkeiten



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2 Kommentare

  1. Wollen wir mal wetten, das entweder die FED das Zeug aufkauft oder der Staat direkt als Anteilseigner einspringt und die Unternehmen mit Eigenkapital ausstattet? Ist ja einfach. Und 1000 Nullen an eine Zahl ranhängen kann der Präsident sogar persönlich während einer Kaffeepause.
    Geht sogar auf dem Smart Phone. Und als Dauertwitterer ist er da ja ziemlich geübt.

  2. Da kann man wirklich ins Stottern kommen: Vorsicht vor der Bo-Bo-Bo-Bombe! ;-)

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