Anleihen

Schulden machen! US-Unternehmen nutzen Anlage-Notstand aufgrund der Notenbanken

US-Unternehmen machen derzeit in Rekord-Tempo Schulden durch Emissionen von Anleihen - und bei Junk-Bonds sinken die Risikoprämien, während gleichzeitig die Ausfallraten steigen. Über Logik in Zeiten der Notenbanken-Manipulationen..

FMW-Redaktion

Alle Welt spricht von der Blase bei Staatsanleihen – aber kaum von der Blase an den Märkten für Unternehmensanleihen. Auch sie wird genährt vor allem durch die Politik der Notenbanken mit Negativzinsen und der daraus resultierenden Hatz nach Renditen. Vor allem seit die EZB beschlossen hat, auch Unternehmensanleihen zu kaufen, ist der Markt für diese Anleihen „hot“. Das gilt auch und vor allem für Unternehmen in den USA: die große Nachfrage nach allem, was irgendwie noch Zinsen abwirft, macht die Ausgabe von Schulden über Anleihen für amerikanische Firmen immer attraktiver, weil die Schuldenaufnahme immer günstiger wird (bei großer Nachfrage sinken die Renditen/Zinsen, die von den Unternehmen angeboten werden müssen).

Alleine in den ersten beiden Wochen haben US-Unternehmen Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Dollar an den Investor gebracht – so viel wie zuletzt im Jahr 2010, in den letzten sieben Wochen waren es 240 Milliarden Dollar. Von der Lust auf Rendite profitieren vor allem Unternehmen mit eigentlich zweifelhafter Bonität, die schlecht geratete Anleihen emittieren (Junk-Bonds) – die Renditen (Risikoaufschläge) für diese Anleihen sind so niedrig wie seit 14 Monaten nicht mehr. Mithin fallen also gerade bei den Junk-Bonds die Risikoprämien, obwohl derzeit die Ausfallraten bei mit „junk“ gerateten Unternehmensanleihen konstant nach oben gehen – sprich eine steigende Zahl von Unternehmen diese Anleihen nicht bedienen können. Laut Angaben der Ratingagentur Fitch stieg die Ausfallrate (Default rate) von 4,9% im Juni auf 5,1% im Juli – 60% davon waren Firmen aus dem US-Energiesektor, sprich vorwiegend Öl-Firmen.

Da passt also etwas nicht zusammen bei den Junk-Bonds: die Risikoprämien sinken, während die tatsächlichen Risiken offenkundig steigen. Das zeigt, wie es um die Logik der Märkte derzeit bestellt ist angesichts der Manipulationen der Notenbanken!

Aber was bleibt den Investoren, vor allem den großen Investoren schon übrig? Derzeit rentieren Staatsanleihen im Volumen von 12 Billionen Dollar im Negativbereich – und irgendwohin muss das Geld ja fließen. Das Spiel wird so weiter gehen, sagt etwa Goldman Sachs – bis es eben nicht mehr weitergeht. Es handle sich bei der derzeitigen Entwicklung noch nicht um eine ausgeprägte Blase, doch sei das Ganze schon ein bisschen „blasenartig“ („a little bubblelicious“) laut Goldman. Schöne Unterscheidung – finden Sie nicht?



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1 Kommentar

  1. Der Druck im Kessel steigt und irgendwann macht es „Peng“ und ein paar Spieler, die zuletzt die heiße Kartoffel angefasst haben, können nicht mehr zahlen oder die Dickfische wollen die Karten sehen. Und dann geht das große Reinemachen los und alle Investments, die bei nicht manipulierten Zinsen niemals finanziert worden wären, lösen sich in Wohlgefallen auf. Ein System, bei dem ein Spieler die Macht hat, den Preis festzusetzen, ist halt kein Markt. Die Notenbanken sind das Problem. Ohne die Notenbanken würden weder Staat noch Unternehmen für -x% Geld bekommen. Dann gäbe es auch kein Überschuldungsproblem und GS müsste sich nicht zu Bubbles auslassen.

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