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Schuldenfalle im Tech-Sektor? Schuldenlawine bei Big Tech: Was das für KI-Aktien bedeutet

Grafik: ChatGPT

Die Schuldenwelle rollt durch Big Tech: Während die weltweiten Aktienmärkte und der S&P 500 zunehmend nervös auf die aggressiven KI-Investitionen der Tech-Giganten blicken, wächst der Druck auf ihre Bilanzen spürbar. Der Sektor, lange angetrieben von Rekordgewinnen und üppigen Cash-Reserven, greift nun verstärkt zu Schulden – ein Strategiewechsel, der das Risiko sichtbar erhöht. Besonders Oracle steht im Mittelpunkt, da der Konzern mit Milliardenemissionen den Schuldenhebel massiv ausreizt. Die Frage, ob Big Tech auf dem Weg in ein neues Wachstumszeitalter oder in eine gefährliche Überspannung steuert, beschäftigt Investoren weltweit wie selten zuvor.

Big Tech: Der Schuldenberg wächst

Die Finanzmärkte reagieren zunehmend alarmiert auf den enormen Schuldenanstieg, mit dem Big Tech den Ausbau seiner globalen KI-Infrastruktur finanziert, so ein Bericht von Bloomberg. Während gigantische Investitionen in künstliche Intelligenz seit Jahren üblich sind, sorgt nun vor allem die Finanzierung über Fremdkapital für Sorgenfalten an den Aktienmärkten. Diese Entwicklung stellt einen klaren Bruch mit der jüngeren Vergangenheit dar, in der die Technologiebranche ihre rekordhohen Cash-Reserven nutzte, um massive Investitionsprogramme selbst zu stemmen. Die neue Abhängigkeit von Schulden und teils zirkulären Finanzierungsstrukturen unter den vermeintlichen KI-Profiteuren erhöht die Risiken spürbar – und verstärkt die Befürchtungen über hohe Aktienbewertungen und einer überhitzten Marktphase.

Parallel dazu geraten die US-Aktienmärkte erneut unter Druck: S&P 500-Futures fielen am Freitag erneut um 0,5 Prozent, die Nasdaq-100-Futures um 0,8 Prozent, bevor eine leichte Erholung einsetzte. Die US-Indizes steuern damit auf ihren größten Wochenverlust seit Anfang April zu.

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„Ich sehe dies als ein Zeichen dafür, dass die KI-Story reift und in eine neue Phase eintritt, die wahrscheinlich von mehr Volatilität und zusätzlichen Risiken geprägt sein wird“, erklärte Lisa Shalett, Chief Investment Officer von Morgan Stanley Wealth Management. Die Verschärfung des Risikoprofils sei eine direkte Folge des Kurswechsels hin zu stärker fremdfinanzierten Investitionen.

Mehr Schulden, weniger Cashflow

Noch zu Jahresbeginn stammte der Großteil der KI-Investitionen aus den freien Mitteln finanzstarker Branchengrößen. Doch dieser Vorteil schmilzt spürbar dahin. Besonders deutlich zeigte sich das am Donnerstag, als Technologie-Aktien nach starken Nvidia-Zahlen zunächst kräftig anzogen, anschließend jedoch abrupt ins Minus drehten. Auslöser war die wachsende Unsicherheit darüber, wie viel Kapital tatsächlich nötig sein wird, um eine vollständig KI-getriebene Welt zu finanzieren – und wie lange es dauert, bis diese Investitionen nachhaltige Renditen abwerfen. Die US-Leitindizes S&P 500 und Nasdaq 100 verzeichneten in der Folge den heftigsten Intraday-Einbruch seit dem von Donald Trump ausgelösten Marktcrash Anfang April.

Big Tech in der Schuldenfalle: Immer mehr Schulden für KI-Investitionen
Nvidia-Aktie, Analystenziele divergieren

„Wir sehen eine Ausweitung des Ökosystems auf Unternehmen mit schwächeren Bilanzen wie Oracle und CoreWeave, mehr Verschuldung und zunehmend miteinander verflochtene Einnahmestrukturen“, warnte Shalett. „Diese Interkonnektivität zwischen den Akteuren schafft systemische Risiken.“

Laut Bloomberg Intelligence haben Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle im laufenden Jahr gemeinsam 108 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden aufgenommen – mehr als das Dreifache des Durchschnitts der letzten neun Jahre.

Oracle im Fokus der Aktienmärkte

Besonders kritisch wird die Situation bei Oracle betrachtet. Die Aktien des Konzerns schossen im September zunächst in die Höhe, nachdem Oracle Anleihen im Wert von 18 Milliarden US-Dollar platzierte und Banken ein 38-Milliarden-Dollar-Finanzierungspaket für Rechenzentren bereitstellten. Seit dem Rekordhoch vom 10. September sind die Aktien jedoch um mehr als 35 Prozent eingebrochen. Investoren fragen sich zunehmend, wie sich der aggressive Capex-Kurs auf die Bilanz auswirkt und ob die gewaltigen Ausgaben langfristig tragfähig sind.

Die fünfjährigen Credit-Default-Swaps (CDS) von Oracle, ein Barometer für wahrgenommenes Ausfallrisiko, sind auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. „Dass die CDS von Oracle steigen, sollte nicht überraschen“, sagte Arnim Holzer von Easterly EAB. „Diese Unternehmen investieren gewaltige Summen und verpflichten sich zu enormen Investitionen, von denen ein Teil über Schulden finanziert wird. Das bedeutet nicht, dass die Oracle-Aktie wertlos ist, aber sie dürfte volatiler werden.“

Oracle plant im aktuellen Geschäftsjahr 35 Milliarden US-Dollar an Investitionen, hauptsächlich in das Cloudgeschäft. Der finanzielle Druck ist erheblich: Der freie Cashflow dürfte bei minus 9,7 Milliarden Dollar liegen – nach dem ersten negativen Jahr seit 1990. Bis 2028 könnte das Defizit auf 24,3 Milliarden Dollar anwachsen.

S&P Global Ratings senkte kürzlich den Ausblick auf negativ – „aufgrund des angespannten Kreditprofils infolge erwarteter Investitionsausgaben und weiterer Schuldenemissionen zur Finanzierung des beschleunigten Ausbaus der KI-Infrastruktur“.

Steigendes Leverage-Risiko | Fünfjährige CDS auf Oracle sind stark gestiegen.

Big Tech im Schuldenrausch

Doch nicht nur Oracle treibt den Schuldenstand nach oben. Meta hat 30 Milliarden Dollar an Anleihen ausgegeben, Alphabet 38 Milliarden, Amazon 15 Milliarden. „Wir könnten erst am Anfang eines umfassenden KI-Capex-Zyklus stehen – und das bedeutet wahrscheinlich auch, dass wir erst in den frühen Phasen einer erneuten Bilanzverschuldung sind“, analysierte Robert Schiffman von Bloomberg Intelligence. Die Flut neuer Schuldtitel könnte erst der Auftakt zu mehreren Jahren steigender Fremdfinanzierung sein.

Zu Beginn galt Capex als notwendiger Preis für die Teilnahme an der KI-Revolution. Manche Investoren interpretierten die hohen Ausgaben sogar als Vertrauenssignal. Mittlerweile wächst jedoch der Druck, konkrete Ergebnisse zu sehen – besonders da nun viel Fremdkapital im Spiel ist.

„Wenn Unternehmen, die keine Kredite benötigen, welche aufnehmen, um Investitionen zu tätigen, setzt dies eine Messlatte für die Renditen dieser Investitionen“, sagte Bob Savage, Leiter der Makrostrategie für Märkte bei BNY Mellon. „Wir befinden uns in einer Phase, in der es heißt: ‚Zeig mir das Geld.‘“

Grundsätzlich optimistische Stimmung

Trotz aller Risiken bleibt die Stimmung gegenüber Big Tech im S&P 500 stabil. Die Branche überzeugt mit starken Wettbewerbsvorteilen und robusten Cashflows; laut UBS stammen weiterhin 80 bis 90 Prozent der Investitionen aus eigener Kraft.

„Es erscheint überzogen zu behaupten, dass diese Anleiheemissionen einen Wendepunkt markieren und die KI-Hype-Blase zum Platzen bringen werden“, so Savage. „Die Schulden erschweren die Lage zwar, ändern aber nicht die grundsätzliche Investmentthese.“

FMW/Bloomberg



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