Allgemein

Schwache US-Arbeitsmarktdaten: Aktuelle Expertenanalyse

US-Flagge

Mit 235.000 neuen Stellen fielen die US-Arbeitsmarktdaten für August vorhin deutlich schwächer aus als erwartet (über 700.000). Hier dazu unsere Detailanalyse zu den neu geschaffenen Jobs, wo vor allem Einzelhandel und Gastronomie katastrophal abschnitten. Wie beurteilen Experten diese Daten, vor allem im Hinblick auf die Reaktion der Federal Reserve? Die Volkswirte der Commerzbank haben vor wenigen Minuten dazu ihren Kommentar veröffentlicht.

Die Ausbreitung der Delta-Variante hat ihrer Meinung nach wie in früheren Wellen vor allem die kontaktintensiven Dienstleistungen getroffen. Während das Gaststätten- und Freizeitgewerbe im Juli noch 415.000 neue Stellen geschaffen hatte, stagnierte dort die Beschäftigung im August. Hochfrequenzdaten zu den Restaurantbesuchen und Fluggastzahlen hatten bereits auf ein schwächeres Geschäft in den letzten Wochen hingedeutet, weshalb die Commerzbank-Experten bei der Prognose vorsichtiger waren als die meisten Volkswirte. Insgesamt habe sich die US-Wirtschaft trotz der Impferfolge als weniger robust erwiesen als gedacht.

Die weitere Entwicklung hänge damit wieder stärker vom schwer vorhersehbaren Verlauf der Pandemie ab. Die CoBa hält aber an ihrem Bild fest, dass die neue Infektionswelle die Erholung zwar bremst, aber nicht abwürgt. Immerhin sei die Beschäftigung auch im August gestiegen, und die Anstiege im Juni und im Juli seien um insgesamt 134.000 nach oben korrigiert worden.

Und die Fed?

Fed-Chef Powell hat laut den Experten der Commerzbank in seiner Jackson-Hole-Rede erklärt, bei der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses Ende Juli seien er selbst sowie die meisten Teilnehmer der Ansicht gewesen, dass eine Rückführung der Anleihekäufe in diesem Jahr angemessen sei, sofern die Wirtschaft sich wie erwartet entwickeln würde. Der heutige Bericht dürfte allerdings nicht den Erwartungen entsprechen. Folglich sei eine Rückführung der Anleihenkäufe nicht nur auf der kommenden Sitzung am 21./22. September, sondern wohl auch Anfang November vom Tisch. Schließlich werde bis dahin nur ein weiterer Arbeitsmarktbericht veröffentlicht.

Man habe bereits nach der Jackson-Hole-Rede darauf hingewiesen, dass die Fed wohl die Auswirkungen der Delta-Variante, die Powell auch erwähnt hatte, beobachten will, bevor sie eine Entscheidung trifft. Ein „Tapering“-Beschluss im Dezember – dies ist unverändert die Prognose – sei aber noch möglich, sofern die bis dahin anstehenden drei Arbeitsmarktberichte wieder besser ausfallen.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Passt vielleicht nicht ganz zu diesem Artikel. Als Unternehmer spüre ich zunehmend, dass viele Mitarbeiter nicht wirklich aus dem Lookdown- und Kurzarbeiter- „Feeling“ rauskommen. Dies gilt auch für unsere Kunden. Fast jedes Projekt wird verschoben. Schon jetzt wird mit den Herbstferien argumentiert. Die „Rekonvalenzzeit“ wird länger andauern, als gedacht. Ein Artikel aus der Türkei bestätigt mich in meinen Erfahrungen. Dort ist das aktuelle Wachstum (trotz Inflation) weit höher als in anderen europäischen Ländern. Dies wird damit begründet, dass die Türken krisenerprobt seien und kämpfen können. Schon der berühmte Herr Sinn sah diese Entwicklung voraus.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage