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Europa

Schwacher Güterumschlag in deutschen Seehäfen – Brexit deutlich spürbar

Claudio Kummerfeld

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Der Güterumschlag in deutschen Seehäfen lag letztes Jahr deutlich niedriger als unmittelbar vor der Finanzkrise. Zwar hat sich die Wirtschaftsleistung erholt, aber immer noch nicht der Verkehr über deutsche Häfen. Was ja nichts über die deutsche Wirtschaftsleistung verrät, denn womöglich wurden verstärkt Waren über Rotterdam und Antwerpen auf die Weltmeere  verschifft, weil diese Häfen für viele Produzenten vor allem in Süddeutschland und in NRW ja oft von der Strecke her näher liegen als die norddeutschen Häfen.

Güterumschlag schwach, vor allem mit Großbritannien

Laut heutiger Mitteilung der staatlichen Statistiker gab es in 2018 einen Güterumschlag über deutsche Seehäfen in Höhe von 296,5 Millionen Tonnen. Im Vergleich zu 2017 war das ein Minus von 0,7%. Aber im Jahr 2008 unmittelbar vor dem Durchschlagen der Finanzkrise auf den globalen Handel waren es noch 318 Millionen Tonnen. Damit liegt man immer noch 6,7% hinter diesem Volumen, und das elf Jahre später!

40% der Umschlagsmenge wurde innerhalb der EU verschifft. Hier gab es im Vergleich zu 2017 einen Zuwachs von 1%. Somit liegt aktuell die Schwäche im Außenhandel bei Staaten außerhalb der EU. Aber da gibt es ja noch diesen Sonderposten, nämlich Großbritannien. Hier geht der deutsche Güterumschlag in 2018 um 3,9% zurück gegenüber 2017. Beim Umschlag außerhalb der EU gibt es auch Staaten, mit denen der Seeumschlag wächst. Hier die Statistiker im Wortlaut:

Der Güterumschlag mit Asien sank 2018 gegenüber 2017 um 2,0 % auf 55,1 Millionen Tonnen, ebenso der Umschlag mit Nord-, Mittel- und Südamerika (-2,0 % auf 43,4 Millionen Tonnen). Dagegen stieg der Gütertransport aus und nach Afrika um 2,3 % auf 14,7 Millionen Tonnen. Nach Ländern und Ländergruppen betrachtet ergibt sich ein differenzierteres Bild: Während beispielsweise der Güterumschlag mit den Vereinigten Staaten (+5,5 %), Singapur (+4,4 %) und Südkorea (+2,8 %) gewachsen ist, war der Umschlag mit den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens (-9,4 %) rückläufig, so etwa mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (-3,7 %). Unter allen Ländern weltweit am häufigsten waren in den deutschen Seehäfen verladene Güter für Russland bestimmt oder kamen von dort (26,4 Millionen Tonnen). In dieser Rangliste folgen Schweden (25,3 Millionen Tonnen), China (22,0 Millionen Tonnen), die USA (17,4 Millionen Tonnen) und das Vereinigte Königreich (16,6 Millionen Tonnen).

Güterumschlag per See - Hamburger Hafen
Containerschiffe im Hamburger Hafen. Foto: pixabay / monikawl999

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Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

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Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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