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Schwächelnder Arbeitsmarkt im Detail: Langfristig noch ok, aber kurzfristig Abschwung erkennbar

Claudio Kummerfeld

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am

Die konjunkturelle Schwäche scheint aktuell auf dem Arbeitsmarkt angekommen zu sein, wie wir es vorhin schon als Sofortmeldung geschrieben hatten. Die folgende aktuelle Grafik der Bundesagentur für Arbeit zeigt die langfristige und kurzfristige Entwicklung. Die offizielle (!) Arbeitslosenquote sinkt im Mai im Jahresvergleich um 80.000 Personen. Im Vergleich von April 2019 auf Mai 2019 steigt sie aber bereinigt um saisonale Faktoren (sinnvolle Korrektur für kurzfristige Vergleiche) um 60.000 an. Die „Unterbeschäftigung“ (tatsächliche Gesamt-Arbeitslosigkeit) fällt im Jahresvergleich um 94.000, steigt aber saisonbereinigt im Monatsvergleich um 42.000. Also ist der kurzfristige Trend negativ, langfristig im Jahresvergleich sind wir aber noch im positiven Bereich!

Arbeitsmarkt

Saisonbereinigt steigt die Quote von April auf Mai von 4,9% auf 5,0%. Nicht bereinigt bleibt sie aber bei 4,9%. Die tatsächliche reale Zahl offiziell Arbeitsloser steigt im Monatsvergleich nur minimal, nämlich von 2,228 Millionen auf 2,235 Millionen Personen. Also gerade mal 7.000 mehr Arbeitslose als im April. Aber wie gesagt, durch die Saisonbereinigung mit 60.000 verlorenen Stellen binnen eines Monats erhält man ein faireres Bild. Der Bestand der gemeldeten Arbeitsstellen sinkt leicht von 795.551 auf 791.694.

Die Aussagen der Bundesagentur für Arbeit zeigen es ganz klar (hier im Detail nachzulesen). Selbst nach dem Herausrechnen von Sondereffekten steigt die Arbeitslosigkeit aktuell spürbar an! Hier aktuelle Aussagen zur Gegenseite, also der Erwerbstätigkeit. Im Wortlaut:

Die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im April saisonbereinigt um 32.000 zugenommen, nach +35.000 im März und +39.000 im Februar. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist nach vorläufigen, hochgerechneten Angaben der Bundesagentur für Arbeit, die bis März reichen, saisonbereinigt um 27.000 gestiegen, nach +48.000 im Februar und +59.000 im Januar. Nicht saisonbereinigt lag die Erwerbstätigkeit im April bei 45,11 Mio. Gegenüber dem Vorjahr ist sie um 484.000 oder 1,1 Prozent gestiegen, nach +491.000 oder ebenfalls +1,1 Prozent im März. Der Anstieg der Erwerbstätigkeit beruht weit überwiegend auf dem Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Nach der Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit waren im März 33,31 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte registriert. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von 646.000 oder 2,0 Prozent. Dabei hat die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung im März im Vorjahresvergleich um 359.000 oder 1,5 Prozent und die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung um 287.000 oder 3,1 Prozent zugenommen. Sonstige Formen der Erwerbstätigkeit haben gegenüber dem Vorjahr überwiegend abgenommen. So ist die Zahl der Selbständigen (einschließlich mithelfender Familienangehöriger) nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im ersten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr um 70.000 oder 1,7 Prozent auf 4,17 Mio gesunken. In Arbeitsgelegenheiten waren nach vorläufigen hochgerechneten Angaben der Bundesagentur für Arbeit im April 74.000 Arbeitslosengeld IIEmpfänger beschäftigt, das waren 4.000 oder 6,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten hat sich im März nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Vorjahresvergleich um 109.000 oder 2,3 Prozent auf 4,55 Mio verringert.

Die folgende Grafik (zeitversetzt um zwei Monate) zeigt, dass alle Bundesländer und alle Branchen im Jahresvergleich zulegen. Also kann man erst in zwei Monaten wissen, ob im Jahrestrend bei diesen Detailzahlen schon Änderungen erkennbar werden. Rechts unten sieht man, dass nur beim Sektor Zeit- und Leiharbeit 88.000 Stellen abgebaut haben. Und das zeigt, wie immens stark der Arbeitsmarkt noch ist. Die Unternehmen ziehen ihre Leiharbeiter lieber schnell rüber in die Festanstellung, weil sie dringend Arbeitskräfte benötigen, und Angst haben keine mehr zu finden. Wird die Konjunktur wirklich schwächeln, müssten Zeit- und Leiharbeit dann wieder zunehmen.

In der Hauptrubrik „Arbeitslosigkeit“ der jeweiligen Monatsberichte der Bundesagentur für Arbeit wurde seit geraumer Zeit jeden Monat die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt auf zwei gesonderten Seiten im Detail besprochen. Diesen Monat wird das Thema gar nicht mehr extra angesprochen. Hat sich diese Thematik als Herausforderung für den Arbeitsmarkt also erledigt? Offenbar.

Aktueller Bericht für den Arbeitsmarkt von der BA
Bundesagentur für Arbeit, Zentrale in Nürnberg. Foto: Kassandro CC BY-SA 3.0

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

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am

Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

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Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

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