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Jetzt den Schweizer Franken kaufen? Interessanter Expertenkommentar

Sollte man den Schweizer Franken kaufen nach der gestrigen Aufwertung? Denn die SNB hat die Zinsen angehoben. Hier ein warnender Expertenkommentar.

Schweizer Franken-Geldscheine und Münzen

Sollte man jetzt den Schweizer Franken kaufen? Gestern hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) zum ersten Mal seit sieben Jahren (!) den Leitzins bewegt mit einer spürbaren Anhebung. Von einem weltweit rekordtiefen Niveau von -0,75 Prozent erhöht man auf -0,25 Prozent. Damit wird die Schweizer Währung tendenziell attraktiver. Der Devisenmarkt reagierte gestern sofort, und gegenüber dem Euro wertete der Schweizer Franken sprunghaft auf. EURCHF fiel schlagartig von 1,0385 auf 1,0197. Heute früh hält sich dieses Niveau mit aktuell 1,0189.

Erste Zinsanhebung in der Schweiz nach sieben Jahren soll die Inflation bekämpfen

Geht diese Entwicklung der Fränkli-Aufwertung nun weiter? Immerhin hat die SNB gestern verkündet, dass sie die Zinsen erhöht hat „um dem gestiegenen inflationären Druck entgegenzuwirken“. Will man also nicht weiterhin versuchen den Schweizer Franken günstig zu halten, sondern verlegt sich nun hin zu einem festeren Franken, damit Importe sich über den Währungseffekt verbilligen können? Dies würde die Importpreise in der Schweiz dämpfen, und damit letztlich auch die Inflation in gewissem Umfang bekämpfen.

Ist das ein Weckruf für Devisenhändler, den Schweizer Franken jetzt noch weiter aufzuwerten? Gestern schaffte er ja bereits einen ersten großen Schritt von knapp 200 Pips aufwärts. Aber Vorsicht ist wohl geboten. Es kann gut sein, dass die SNB es dem freien Devisenmarkt womöglich nicht gestattet den Schweizer Franken zu stark aufzuwerten. Dazu hat eine Expertin heute früh einen interessanten Kommentar veröffentlicht.

Expertin über die Aufwertung des Schweizer Franken, von der man sich nicht zu viel versprechen sollte

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei der Swissquote Bank, erwähnt die gestrige Zinsanhebung der EZB als wichtiges Ereignis. Sie habe damit eine wichtige Botschaft an den Markt gesandt: Die SNB verlagere nun ihren Schwerpunkt auf die Inflationsbekämpfung und gebe ihren Kampf um die Aufweichung des Schweizer Frankens teilweise auf.

Ipek Ozkardeskaya erwähnt die Aussagen von SNB-Präsident Jordan, der erklärte, dass die straffere Geldpolitik „darauf abzielt zu verhindern, dass sich die Inflation breiter auf Waren und Dienstleistungen in der Schweiz ausbreitet“ und dass „nicht ausgeschlossen werden kann, dass in absehbarer Zeit weitere Erhöhungen des SNB-Leitzinses erforderlich sein werden“. Das bedeutet laut Meinung von Ipek Ozkardeskaya, dass sich die Schweiz bis zum Ende des Sommers oder spätestens im Herbst von den Negativzinsen verabschieden wird, und dass der starke Schweizer Franken hoffentlich den Inflationsdruck bremsen wird.

Und da das Ziel der SNB-Maßnahmen darin besteht, die Inflation durch eine stärkere Währung zu zähmen, werde der Franken mittelfristig wahrscheinlich aufwerten. Die Frage sei nur, um wie viel? 90 Prozent der Gewinne der im Schweizer SMI-Index enthaltenen Unternehmen werden laut Aussage von Ipek Ozkardeskaya im Ausland erwirtschaftet, und der starke Schweizer Franken wirke sich eindeutig negativ auf die Gewinne der Schweizer Unternehmen aus. Daher werde die Politik der SNB die heimische Währung aufwerten lassen, aber nicht zu stark.

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Infolgedessen habe der Schweizer Franken sicherlich ein begrenztes Aufwärtspotenzial, selbst bei einer hawkishen Zentralbankpolitik. In dieser Hinsicht werde ein Fall unter die Euro-Franken-Parität die SNB wahrscheinlich dazu veranlassen Schweizer Franken zu verkaufen, um zu verhindern, dass die Währung zu stark wird, und um die Volatilität niedrig zu halten. Und die SNB habe unbegrenzte Macht, wenn es um Devisengeschäfte geht, da die Zentralbank so viel Franken drucken und verkaufen kann wie nötig.

Euro vs Schweizer Franken im Kursverlauf der letzten zwölf Monate Euro vs Schweizer Franken im Kursverlauf der letzten zwölf Monate.



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1 Kommentar

  1. Franken zu kaufen ist natürlich ein kleines Risiko. Aber: Wie hoch ist das Risiko Euros zu halten? Und „All-in“ bei Sachwerten und Edelmetalle zu gehen ist vielleicht auch nicht so clever. Und da „Cash bald King“ sein könnte, liegt man mit Franken sicher nicht ganz verkehrt. Hinterher ist man ehe immer schlauer…

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