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Devisen

Schweizer Franken: Kurs an der Kante! Verzweifelt der gute Herr Jordan?

Claudio Kummerfeld

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am

Der gute Thomas Jordan ist seines Zeichens als Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dafür zuständig, dass der Schweizer Franken nicht weiter aufwertet. Er soll möglichst billiger werden, damit ausländische Touristen und vor allem ausländische Käufer von Schweizer Erzeugnissen überhaupt noch Lust haben Produkte im Alpenland zu kaufen. Denn je mehr der Schweizer Franken aufwertet, desto mehr Euros und Dollar müssen die ausländischen Kunden aufwenden um an Franken für ihre Einkäufe in der Schweiz zu kommen.

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Jahrelange Versuche den Schweizer Franken günstig zu halten

Jahrelang hatte die Schweizerische Nationalbank den Umrechnungskurs von Euro vs Schweizer Franken bei der Marke 1,20 quasi eingefroren. Mit einer klaren Drohung und drastischen Interventionen am Devisenmarkt fror die SNB de facto von 2011 bis Anfang 2015 den Franken ein. Dann war diese Verzerrung am Devisenmarkt aber nicht mehr durchzuhalten, und die SNB hob ohne Vorwarnung die Sperre auf. EURCHF kollabierte am 15. Januar von 1,20 bis auf 0,83 im Tief.

Danach brauchte es 3 1/2 Jahre, bis der Schweizer Franken wieder abwertete bis auf das Niveau der Einfrierung. EURCHF hatte im Sommer 2018 fast wieder die Marke von 1,20 erreicht. Am Devisenmarkt kam nämlich die Phantasie auf, dass bei der superstarken Wirtschaftslage in Europa irgendwann auch mal die Zinsen in Euroland steigen könnten. Gleichzeitig gab es wie bei Betonstahl keinerlei Bewegung in Bern. Die SNB blieb und bleibt bei ihren drastischen Negativzinsen. Und gleichzeitig intervenierte die SNB im freien Devisenhandel. So brachte man den Franken dazu wieder abzuwerten. Euro und US-Dollar stiegen gegen den Franken.

Schweizer Franken vor weiterer Aufwertung?

Die Politik von Thomas Jordan schien aufzugehen. Aber seit nun gut einem Jahr wertet der Schweizer Franken wieder deutlich auf. EURCHF ist von Hoch bei 1,20 bis heute auf 1,1187 gefallen. Mit dem Tief vom Montag den 3. Juni bei 1,1118 hat der Kurs den niedrigsten Wert seit zwei Jahren erreicht. Der Franken wertet also wieder kräftig auf. Es ist zum Verzweifeln, zumindest aus Sicht der SNB. Wichtig ist hier ein Blick auf den Chart. Wir haben es in blauen Kreisen markiert. Man sieht hier Euro vs Schweizer Franken seit Anfang 2016.

Gut sichtbar sind die vier Tiefstpunkte im EURCHF, die von September 2018 bis jetzt entstanden sind. Diese Woche hat der Kurs den tiefsten Punkt in dieser Kette von Tiefstkursen erreicht. Daher kann EURCHF nun womöglich weiter nach unten durchbrechen. Der Schweizer Franken könnte also weiter aufwerten. Warum es seit Wochen bergauf geht für den Franken? Nun, in Zeiten der Unsicherheit sucht der Anleger das Gold, und den guten alten Fränkli. Da kann sich der gute Thomas Jordan auf den Kopf stellen und den Leitzins noch so tief ins Minus drücken um die Anleger zu verscheuchen. Die wollen einfach nur in die sichere Schweizer Währung. Also, Augen auf. Die Charttechnik zeigt viel Platz für einen weiter steigenden Franken-Kurs. Und bei dem Chaos im Welthandel könnte es weitere Unterstützung für einen steigenden Franken geben (dies ist natürlich keine Trade-Empfehlung!)

Euro vs Schweizer Franken seit 2016

Das SNB-Direktorium - Hüter des Schweizer Franken
Direktorium der SNB. Thomas Jordan in der Mitte. Foto: SNB/P. von Ah

6 Kommentare

6 Comments

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    Incamas SRL- Asuncion / Paraguay

    7. Juni 2019 18:22 at 18:22

    Rettung kommt von der BIZ: Mit Basel III führt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nun standardmäßig für Gold ein Risikogewicht von Null ein. Dadurch wird Gold für Banken zu einer lukrativeren Anlage, weil das Eigenkapital nicht belastet wird. Zu diesem Zweck wurde die Liste möglicher Pakete zur Risikoabsicherung um die Komponente „Edelmetalle“ erweitert. Die Änderung soll ab 01.Januar 2022 in Kraft treten.

  2. Avatar

    mleh@outlook.com

    7. Juni 2019 18:33 at 18:33

    EZB und Geldstsbilität ist der grösste Witz in der Finanzwelt. Jedes Kind weisd wie Grstiskredite zu unglaublichen Preissteigerungen führten und die Mieter auf die Strasse treibt.
    Weshalb labern einige Ökonomen immer noch von Preisstabilität? Haben die an der Uni das logische Denken verlernt?

  3. Avatar

    Euro-Fan

    7. Juni 2019 19:41 at 19:41

    Das Problem ist im Moment nicht so schlimm, weil der Dollar u.der Yen auch stärker sind als auch schon.
    Immerhin werden im Internationalen Handel auch noch einige Geschäfte in diesen Währungen abgewickelt.
    Zudem wurden gerade Rekordzahlen vom Wintertourismus gemeldet.
    Schade ist natürlich ,dass der grösste Handelspartner DE eine von Draghi künstlich verbilligte Währung hat.
    Seit die SNB die Untergrenze gegen Euro aufgegeben hat, hat sie mit den Negativzinsen u.den Interventionen wieder Möglichkeiten den Kurs zu steuern. Man nimmt an, dass die Schmerzgrenze etwa bei
    ca. 1,10 gegen Euro liegt.Die Einheitsbrei- Währung passt eben für Südeuropa aber nicht für den Exportweltmeister. Wenn die Zentralisten in Brüssel noch Mindestlöhne ,Schulden u.weitere Sachen europaweit vereinheitlichen ist dann das Chaos perfekt.

  4. Avatar

    leftutti

    7. Juni 2019 20:48 at 20:48

    @Euro-Fan, ich versuche zu verstehen, es gelingt mir nicht. Könnten Sie in einen verständlichen Satz umformulieren?
    Das Problem ist im Moment nicht so schlimm, weil der Dollar u.der Yen auch stärker sind als auch schon.

  5. Avatar

    Eurofan ?

    9. Juni 2019 20:17 at 20:17

    @ d. h. Dollar u.Yen sind auch stark, ich spiele nicht gerne den Lehrer für „Schwererziehbare“
    ich finde sie werden immer mehr ein komplizierter ALLESKRITIKER , haben sie ein Problem? Eurofan

    • Avatar

      leftutti

      10. Juni 2019 13:17 at 13:17

      @Eurofan, das war doch nicht als Kritik gemeint, ich habe einfach Ihre Aussage nicht verstanden, da ich dachte, Sie hätten den Satz irgendwie nicht beendet (stärker als was oder wann?). Das kann beim Tippen ja schon mal passieren.

      Ich konnte auch beim besten Willen nicht darauf schließen, dass Sie meinen könnten, der USD sei derzeit stark. Hat doch der USDIndex in den letzten 6 bis 7 Wochen 1,7% eingebüßt, der USD gegenüber dem EUR 1,4%, gegenüber XAU 5,6% oder vs. Fränkli 3,8%

      Also Entschuldigung, dass ich in meiner Ignoranz nachfrage, wenn ich etwas nicht verstehe. Ja, ich habe ein Problem, und zwar mit Gedankenlesen und dem spekulativen Ergänzen unvollständiger Aussagen. Aber ich arbeite daran…

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Devisen

Freudige Nachricht für Gold-Anleger, Robert Halver über Aktienmärkte, Ideen zu Pfund und Facebook

Redaktion

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Eine freudige Nachricht für Anleger, die in Gold-Produkte wie ETCs investieren. Bisher waren nämlich Gewinne auf physisches Gold nach 12 Monaten steuerfrei. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, wonach ein Goldprodukt dem physischen Gold gleichgestellt wurde. Auch hier sind die Gewinne nach 12 Monaten steuerfrei. Dies liegt daran, dass man sich als Anleger bei diesem Produkt (ETC) das Gold auch physisch ausliefern lassen kann. Möglicherweise können Sie sich sogar gezahlte Steuern erstatten lassen. Fragen Sie hierzu Ihren Steuerberater. Manuel Koch geht im folgenden Video auf diesen Sachverhalt ein.

Auch bespricht er mit Robert Halver die aktuelle Lage am Aktienmarkt. Seine Empfehlung: Trotz aktueller Unsicherheiten sollte der Anleger am Ball bleiben und über Aktiensparpläne investieren. Auch bespricht Manuel Koch im Video zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Euro gegen Pfund sei eine Kaufidee über das Vehikel einer Stop-Buy-Order. Die Aktie von Facebook könne man shorten über eine Stop-Sell-Order. Beide Ideen werden im Detail erläutert.

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Devisen

Aktuell: Türkische Lira fällt schnell und kräftig auf Rekordtief – hier der Grund

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt seit einigen Minuten schnell und kräftig in den Keller gegen US-Dollar und Euro. US-Dollar gegen Lira steigt seit 13 Uhr von 7,80 auf aktuell 7,97 – ein neues Rekordtief für die Lira. Und der Euro steigt aktuell gegen die türkische Lira von 9,22 auf 9,43 – das ist ebenfalls ein neues Rekordtief für die türkische Währung.

Grund dafür ist die ganz frische Verkündung der türkischen Zentralbank, dass man den Leitzins unverändert bei 10,25 Prozent belässt. Rückblick: Am 24. September hatte die türkische Zentralbank überraschend den Leitzins um 200 Basispunkte angehoben, von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent. Für heute lagen die Markterwartungen bei einer weiteren Anhebung von 175 Basispunkten auf 12 Prozent. Nötig wäre das, um endlich die ständige Abwertung zu stoppen, der sich die türkische Lira seit geraumer Zeit ausgesetzt sieht.

Und dieser erste Zinsschritt vom 24. September schien nicht auszureichen, um am Devisenmarkt eine Kehrtwende für die Lira einzuläuten. Die jetzige Enttäuschung am Devisenmarkt über die ausgebliebene Zinserhöhung bringt die türkische Lira zu diesem schnellen Absturz (im Chart sehen wir den steigenden US-Dollar gegen die Lira in den letzten 30 Tagen – der letzte Aufwärtsbalken zeigt die ganz aktuelle Bewegung).

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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am

Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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