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Schweizer Franken nach der Schweizer Zinsentscheidung: Das Problem heißt „Euro“

Der Schweizer Franken bleibt einfach zu stark für eine Zinswende in der Schweiz. Und diese Stärke liegt nicht am Franken selbst, sondern ist begründet durch die Schwäche des Euro. Das ist das Schlimmste, wenn die Notenbank einer kleinen Volkswirtschaft hilflos zusehen muss, wie sie mit ihrer Politik eigentlich nur reagieren kann auf einen viel größeren Wirtschaftsraum. In keinem Fall trifft das mehr zu als auf die Schweiz, die sich geografisch und wirtschaftlich quasi im totalen Würgegriff der Eurozone befindet.

Der Euro schwächelt seit Wochen dank der neuen Regierung in Italien, und in wenigen Tagen vielleicht auch wegen der Regierungskrise in Deutschland? Ist der Euro schwach, wertet der Schweizer Franken damit automatisch auf. Und genau das will die Schweizerische Nationalbank (SNB) doch eigentlich nicht. Sie will den Schweizer Franken schwächen. Deswegen veranstaltet sie schon seit Jahren eine gigantische Gelddruck-Orgie, um dann mit neuen Franken Dollar und Euro zu kaufen. Ebenso liegt der Leitzins schon lange bei -0,75%.

Heute hat die SNB in ihrer aktuellen Zinsentscheidung wie es zu erwarten war verkündet, dass der Leitzins bei -0,75% bleibt. Die Geldpolitik werde nicht verändert. Wie auch, wenn der schwache Euro alle eigenen Anstrengungen zunichte macht. Es muss frustrierend für die Notenbanker der SNB sein. Man rechne für das laufende Jahr 2018 mit einem BIP-Wachstum von 2% und einer Inflationsrate von 0,9% (vorherige Schätzung 0,6%). Dennoch kann und wird die SNB auch in naher Zukunft wohl nichts ändern, und auch keine Andeutung für Änderungen vornehmen. Der (nervige?) Euro gibt es einfach nicht her. Hier auszugsweise im Zitat von der SNB:

Seit der Lagebeurteilung im März 2018 hat sich der Wert des Frankens insgesamt kaum verändert. Der Franken ist weiterhin hoch bewertet. Nach der Lagebeurteilung wertete er sich zunächst gegenüber dem US-Dollar und dem Euro leicht ab. Vor dem Hintergrund politischer Unsicherheit in Italien setzte aber zwischenzeitlich vor allem gegenüber dem Euro eine Gegenbewegung ein. Die Lage am Devisenmarkt ist also weiterhin fragil, und der Negativzins sowie die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, bleiben deshalb unverändert notwendig. Die Attraktivität von Anlagen in Franken wird damit tief gehalten und der Druck auf den Franken verringert.

Hier finden Sie die komplette heutige Veröffentlichung der SNB.

Dieser Chart zeigt es ganz gut. Der Euro hatte gegen den Schweizer Franken im April eigentlich schon die 1,20-Marke erreicht, aber dann setzte vor allem dank Italien die Euro-Unsicherheit ein. Die Euro-Schwäche (Franken-Stärke) geht auch aktuell weiter. Seit der heutigen Entscheidung fällt EURCHF leicht weiter um 30 Pips auf jetzt 1,1490. Für Trader wäre eine erste kleine Unterstützung bei um die Marke von 1,14 zu finden.

Euro vs Schweizer Franken seit November 2017
Euro vs Schweizer Franken seit November 2017.



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4 Kommentare

  1. Exakt, EUR/CHF 1,20 – bis 1,40 wäre für den „Schweizer- Laden“ durchaus gerechtfertigt, dies wäre für so einen kleinen Staat „normal“, bei allem nötigen Respekt vor der Schweiz, dem „Hort aller Sicherheit“ ?

    „Seit der Lagebeurteilung im März 2018 hat sich der Wert des Frankens insgesamt kaum verändert. Der Franken ist weiterhin hoch bewertet…“

    Und das kann man wohl sagen ! Viel zu hoch !

    „Heute hat die SNB in ihrer aktuellen Zinsentscheidung wie es zu erwarten war verkündet, dass der Leitzins bei -0,75% bleibt. Die Geldpolitik werde nicht verändert. Wie auch, wenn der schwache Euro alle eigenen Anstrengungen zunichte macht. Es muss frustrierend für die Notenbanker der SNB sein.“

    Die SNB hat gegenüber der EZB keine Chance, die müssen auf den März 2019 „hoffen“ / Zinserhöhung der EZB zu 0,25 % , das ist die Realität !

    Die Schweizer sind mit anderen Worten abhängig von der EZB !

    Nur, die Schweizer haben ein klitzekleines Problem, den Vertauensverlust beim „Schweiz-Event“ :D
    jenen dürfte man bis heute noch, niemals gutmachen können, wahrscheinlich gar nicht mehr. Beim „Schweiz-Event“ musste die Schweiz gegenüber dem EUR aufgeben… und genaus das ist die Realität !

    Und das ist doch nicht unser Problem, dass die Schweizer nicht dem EUR beitreten wollen, was eigentlich Sinn machen würde ? Siehe Deutschland die starke (DM) bezüglich jetzt den (schwachen) EUR ? :D

    Herr Kummerfeld, bravo ! A bisserl Feedback sollte schon sein…

  2. Bezeichnend wieder einmal für die die Superprofis, die den CH Franken vor wenigen Wochen als Save– Haven aufgegeben hatten. Natürlich waren ja zu dieser Zeit in der EU keine Probleme vorhanden u. auch nicht zu erwarten!!!!!

  3. „Wie auch, wenn der schwache Euro alle eigenen Anstrengungen zunichte macht. Es muss frustrierend für die Notenbanker der SNB sein.“

    Das, was wir sehen, ist defintiv ein starker EUR ! Siehe EUR/USD, Zinsabstand Europa-USA ? Und ich beziehe mit meiner Bewertung die Notenbanken mit ein, o.k., nicht gerade die SNB .. :)

  4. „Das ist das Schlimmste, wenn die Notenbank einer kleinen Volkswirtschaft hilflos zusehen muss, wie sie mit ihrer Politik eigentlich nur reagieren kann auf einen viel größeren Wirtschaftsraum. In keinem Fall trifft das mehr zu als auf die Schweiz, die sich geografisch und wirtschaftlich quasi im totalen Würgegriff der Eurozone befindet.“

    Der Würgegriff des EUR ist aber von der Schweiz selbst gewollt !

    Die Schweiz wird auf Jahre hinaus immer das Problem CHF haben ? Das Bankengeheimnis ist sowieso für die Füße ?
    Und die Lösung kann für einen Staat wie die Schweiz nur der Beitritt zum EUR sein, weil die Schweiz sich dann wie wir Deutschen hinter dem EUR „verstecken“ könnte… :D

    Mit anderen Worten, da wäre der „Hort der Sicherheit“ in „Mama EZBs“ Sicherheit… ?

    Und das, genau das, ist die Zukunft. Der CHF wird früher oder später Vergangenheit sein.

    Und… wäre das schlimm für die Schweiz, eher nicht !

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