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Schweizer Franken Richtung Parität – Szenario mit zwei Gründen

Der Schweizer Franken ist monatelang stark aufgewertet, zuletzt im März wegen dem Ukraine-Krieg. Jetzt kommt das Zins-Szenario hinzu.

Schweizer Franken-Münze

Der Schweizer Franken ist seit geraumer Zeit dabei aufzuwerten. Im Verlauf der letzten zwölf Monate (siehe Chart) fiel der Euro gegen den Schweizer Franken von 1,10 auf 0,9972 Anfang März. Von 1,04 auf 0,9972 schaffte es das Währungspaar in nur wenigen Tagen von Ende Februar bis Anfang März wegen dem russischen Angriff gegen die Ukraine. In unsicheren Zeiten setzt am Kapitalmarkt schnell die Flucht in den sicheren Hafen Schweizer Franken ein. Der Euro wertete also ab, und der Franken wertete auf.

Schweizer Franken mit Aufwertungsschub – höhere Zinsen als Szenario

Letzte Woche Mittwoch notierte Euro vs Schweizer Franken wieder bei 1,0489. Aber dann auf einmal rutschte EURCHF ab auf unter 1,0250 – aktuell sehen wir Kurse um 1,03. Diese erneute Schwäche ist zurückzuführen auf Aussagen von Thomas Jordan, dem Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Unter anderem sagte er nämlich, die SNB beobachte die Inflation in der Schweiz (aktuell 2,5 Prozent) genau und sei bereit zu handeln, wenn sich die Inflation verfestige. Aber es gebe keine Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale in der Schweiz.

Diese wenigen Worte gehören zu einer der Standardfloskeln von Notenbankern, um sich stets alle Optionen offenzuhalten – man ist „bereit zu handeln“. Aber dies genügte offenbar um EURCHF deutlich fallen zu lassen, also den Schweizer Franken aufzuwerten. Der Ukraine-Krieg brachte Euro vs Franken exakt zur Parität, also zu einem Wechselkurs von 1 zu 1. Neben dem Drang zum „Sicheren Hafen“ entsteht nun also auch noch das Szenario einer Zinsanhebung in der Schweiz, was für eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken spricht. Mit -0,75 Prozent beim Zins ist die Schweiz weltweit Rekordhalter in Sachen Negativzins – noch.

Mit starkem Franken Inflationsdruck mildern?

Mit 2,5 Prozent Inflation hat die Schweiz gegenüber Europa, den USA und vielen anderen Teilen der Welt immer noch ein kaum spürbares Problem mit den Preisen. Aber ist es möglich, dass man bei der SNB rechtzeitiger agiert als bei der EZB um steigende Preise zu bekämpfen? Greift man hier ein, bevor der Schaden entstanden ist? Man bedenke: Vor allem weil der Schweizer Franken seit Jahren so stark ist, hat man in der Schweiz so eine geringe Inflation. Denn mit dem starken Franken kann man in Europa und auf dem Weltmarkt günstig Rohstoffe einkaufen, was die Preissteigerung niedrig hält. Erhöht man die Zinsen, wertet man den Schweizer Franken auf, und sorgt somit umso mehr für eine begrenzte Inflation in der Schweiz? Noch ist das nur ein Szenario, basierend auf einer eher allgemeinen Aussage des Notenbankchefs. Aber dass auch die Schweizer irgendwann mal die Zinsen anheben, ist nicht auszuschließen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen Schweizer Franken



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1 Kommentar

  1. gerade heute hat Mächler gesagt das man die Politik ohne zögern straffen werde, wenn sich die Inflation nicht wieder ins Zielfenster von 0-2% bewegt.
    https://www.cash.ch/news/top-news/konjunktur-schweizer-notenbank-werden-mit-straffung-der-geldpolitik-nicht-zoegern-1964126

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