Devisen

Schweizer Franken vorerst „gerettet“ – aber Vorsicht, das ist eine trügerische Ruhe

In letzter Zeit hatten wir die Lage im Schweizer Franken genau beobachtet. Mehrere Wochen nacheinander hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) offensichtlich am Devisenmarkt interveniert, in dem sie selbst erschaffene Franken verkaufte und dafür wohl hauptsächlich den Euro kaufte. Denn sie will und muss eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Sonst werden Schweizer Produkte für ausländische Käufer immer teurer, und auch die Schweiz als Ziel für ausländische Touristen wird immer teurer.

Schweizer Franken aktuell mit doppeltem Glück

Man kann durchaus der Meinung sein, dass die Aktivitäten der SNB in den letzten Wochen dafür sorgten, dass der Schweizer Franken nicht noch stärker wurde. Aber schauen wir hier erstmal auf diesen Chart. Er zeigt Euro vs Schweizer Franken seit dem 12. August. Der Euro machte immer wieder Anläufe um zu fallen aufgrund der bevorstehenden EZB-Sitzung am 12. September, wo eine weitere Schwächung der Geldpolitik erwartet wird. Deswegen tendierte der Euro nicht nur gegen den Schweizer Franken schwächer. Aber die SNB hielt dagegen. Dann Anfang dieser Woche drückte der Euro weiter gen Süden. Aber man sieht es gut. Seit Dienstag steigt EURCHF wieder, der Franken wertet also ab. EURCHF steigt von 1,0813 auf jetzt 1,0915.

Euro vs Schweizer Franken seit dem 12. August

Der Schweizer Franken hat aktuell gleich doppelt Glück. Einerseits läuft seit drei Tagen der globale Risk On-Trade. Gelder werden aus allen vermeintlich Sicheren Häfen abgezogen (Dollar, Franken, Yen, Gold), und in risikoreichere Anlagen umgeschichtet – zumindest in einem gewissen Umfang. Und gleichzeitig gab es in den letzten Tagen Gerüchte, dass die EZB nächste Woche ihre Geldpolitik vielleicht nicht ganz so stark lockern könnte.

Warten auf die EZB

Aber vor allem der Risk On-Trade hilft dem Franken derzeit. Diese Ruhe könnte/dürfte wohl nur eine trügerische Ruhe sein. Nächste Woche Donnerstag ist dann endlich der große Tag, und wir erfahren, wozu genau sich die EZB entschieden hat. Dann merkt man auch erst richtig, wie stark der Markt die Erwartung an eine Zinssenkung in der Eurozone schon eingepreist hat. Fällt die Zinssenkung in Euroland kräftig aus, könnte Euro vs Schweizer Franken deutlich fallen, also der Franken deutlich aufwerten.

Dann könnte sich die SNB zügig dazu genötigt fühlen ebenfalls ihren Leitzins zu senken, damit der Franken nicht zu sehr aufwertet. Im folgenden Chart sieht man Euro vs Franken im Verlauf der letzten zwölf Monate. Hier sieht man die Dimension der Franken-Aufwertung – EURCHF fiel von 1,14 auf 1,09. Von Entwarnung im Sinne eines schwachen Franken kann momentan noch gar keine Rede sein. Nächste Woche werden Franken-Trader genau auf die EZB-Entscheidung schauen! Vorher wird man am Montag womöglich erneut anhand der Sichteinlagen bei der SNB ablesen können, ob sie denn diese Woche interveniert hat um den Franken zu schwächen. Aber nochmal: Das Haupt-Event ist die EZB-Entscheidung am nächsten Donnerstag!

Euro vs Schweizer Franken seit Herbst 2018

Jordan mit Rede

SNB-Chef Thomas Jordan hat gestern eine Rede gehalten (hier der komplette Redetext). Das Thema waren die neuen Kryptowährungen, Libra, und mögliche Notenbank-Token. Er warnte vor dieser Entwicklung, und verwies auf das bereits gut funktionierende Schweizer Banken- und Geldsystem. Zur Zinspolitik oder zum Schweizer Franken gab es von ihm keine Aussage.



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