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Europa

Schweizerische Nationalbank belässt Zins bei -0,75%: „Franken immer noch zu teuer“, und ein entscheidender Unterschied zur EZB

Damit hängt man also kurz vor dem Ende der Klippe Richtung Deflation. Aber das ist gar nicht die Hauptsorge der SNB. Die gilt vielmehr der wirtschaftlichen Entwicklung und Wettebewerbsfähigkeit der…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute verkündet ihren Leitzins bei -0,75% zu belassen. Die Schweizer haben in Sachen Inflation ein deutlich engeres Szenario als die Eurozone. Wo wir derzeit mit der 1,5% auf Jahresbasis „kämpfen“, sagt die SNB für die Schweiz für das laufende Jahr weiterhin eine Inflationsrate von 0,3% voraus. Für 2018 liegt die Prognose mit 0,3% geringfügig tiefer als die im letzten Quartal prognostizierten 0,4%. Für 2019 sieht die SNB nun eine Inflation von 1,0% voraus.


Das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank. Foto: Schweizerische Nationalbank

Damit hängt man also kurz vor dem Ende der Klippe Richtung Deflation. Aber das ist gar nicht die Hauptsorge der SNB. Die gilt vielmehr der wirtschaftlichen Entwicklung und Wettebewerbsfähigkeit der inländischen Betriebe. Über die Geldpolitik wird seit geraumer Zeit mit aller Kraft versucht den Franken für ausländische Anleger unattraktiv zu machen, weshalb die Negativzinsen sozusagen massiv promotot werden mit dieser offiziellen Vorgabe von -0,75%. Aber so richtig hilft das immer noch nicht, denn offiziell sagt man heute, dass der Franken immer noch überbewertet sei.

Mit dem Versuch den Franken zu drücken will man die Schweizer Betriebe im Ausland wettbewerbsfähig halten. Ganz nebenbei sind Urlaube in der Schweiz für Ausländer damit auch erschwinglicher. In der Eurozone läuft es genau andersrum, zumindest offiziell. Denn die EZB darf keine Wirtschaftspolitik betreiben – sie darf es offiziell nicht mal erwähnen. Aber letztlich wissen wir ja alle, dass die EZB Staatshaushalte rettet, und versucht der Konjunktur auf die Beine zu helfen. Offiziell geht die Story in der Eurozone aber genau andersrum als in der Schweiz. Die EZB sagt immer wieder sie pushe die Wirtschaft, damit die Preise wieder anspringen. Und da man sozusagen als „Endziel“ die Preisstabilität benennt, kann man die ganze Wirtschaftshilfe offiziell als „Geldpolitik“ verkaufen, was ja dem Auftrag der EZB entspricht. Die SNB ist da freizügiger in ihren Aussagen. Zitat SNB von heute:

„Die Schweizerische Nationalbank belässt ihre Geldpolitik unverändert expansiv, mit dem Ziel, die Preisentwicklung zu stabilisieren und die Wirtschaftsaktivität zu unterstützen.“

Wenn die EZB dies so formulieren würde, gäbe es wohl eine neue Lawine von Gerichtsprozessen, weil die EZB ihr Mandat überschreite. Denn mit so einer Formulierung gäbe man wie die Schweizer zu, dass man seine Aufgabe auch in der Unterstützung der Wirtschaft sieht, den die SNB schrieb ja „Preisentwicklung und Wirtschaftsaktivität“, und nicht „Wirtschaftsaktivität stützen um Preisstabilität herbeizuführen“.

Die SNB heute im Originalwortlaut:

Die Nationalbank bleibt bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, wobei sie die gesamte Währungssituation berücksichtigt. Der Negativzins und die Bereitschaft der Nationalbank, am Devisenmarkt zu intervenieren, dienen dazu, Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern. Der Franken ist nach wie vor deutlich überbewertet. Das BIP-Wachstum festigte sich zwar etwas, blieb aber aufs Jahr hochgerechnet mit 1,1% verhalten, nachdem es schon in der zweiten Jahreshälfte 2016 schwach gewesen war. Die verfügbaren Wirtschaftsindikatoren deuten jedoch auf eine etwas robustere Konjunkturdynamik hin. Für das Jahr 2017 rechnet die Nationalbank unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von rund 1,5%.

SNB-Chef Thomas Jordan heute im Originalwortlaut:

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zusammenfassen. Die Inflation ist weiterhin sehr niedrig und die Auslastung der Produktionskapazitäten immer noch unbefriedigend. Der Franken ist deutlich überbewertet. Und in Phasen der Unsicherheit ist er nach wie vor erhöhtem Aufwertungsdruck ausgesetzt. Die beiden Säulen unserer Geldpolitik reduzieren diesen Druck. Der Negativzins vermindert die Attraktivität von Frankenanlagen, indem er die traditionelle Zinsdifferenz zum Ausland zumindest teilweise wieder herstellt. Über Interventionen stellen wir dem Markt zusätzliche Franken zur Verfügung, wenn die Nachfrage nach unserer Währung besonders stark wird. Unsere expansive Geldpolitik ist weiterhin nötig, um die Preisstabilität unter Berücksichtigung der Konjunktur zu gewährleisten.

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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am

Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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Europa

Autozulassungen in EU im Oktober schwach? Die Statistik kann täuschen

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Die Autozulassungen zeigen für Oktober eine Konjunkturschwäche dank des zweiten Corona-Lockdowns? Na ja, das kann man auch anders sehen. Im Oktober wurden laut heutiger Meldung des europäischen Automobilverbands ACEA in der EU 953.615 Autos zugelassen. Das sind 7,8 Prozent weniger als im Oktober 2019, wo noch 1.034.669 Autozulassungen registriert wurden.

Aber: Man schaue bitte vier Wochen zurück, wo ACEA Daten für die Autozulassungen im September meldete. Da waren es nämlich nur 933.987 Zulassungen. Also gab es von September auf Oktober einen Zuwachs von 20.000 Autozulassungen. Es ist also ein aktuell spürbares Wachstum vorhanden. Das ist wichtig, weil die Coronakrise normale saisonale Zyklen derzeit aushebelt. Momentan ist eher wichtig, dass die Zahlen von Monat zu Monat ansteigen, als Zeichen einer aktuellen Nachfrage-Erholung.

Normalerweise schwören wir bei FMW auf die Zahlen für den Jahresvergleich. In diesem Fall kann man das Jahresminus im Oktober auf die starken Zahlen für die Autozulassungen im Oktober 2019 zurückführen, die das jetzige Ergebnis schwach erscheinen lassen. In der folgenden Grafik finden Sie die Datenübersicht der heutigen Veröffentlichung. Übrigens: Im viel aussagekräftigeren Zeitraum Januar-Oktober 2020 im Vergleich zu Januar-Oktober 2019 sind die Autozulassungen in der EU immer noch um 26,8 Prozent rückläufig. Die extrem harten Corona-Monate aus dem Frühjahr wirken halt immer noch nach.

Datenblatt zeigt Autozulassungen in der EU im Oktober

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