Devisen

Schweizerische Nationalbank: Franken bleibt „hoch bewertet“, weiter volle Kraft dagegenhalten

FMW-Redaktion

Die Schweizerische Nationalbank hat heute verkündet ihre Zinsen auf Sichteinlagen bei −0,75% zu belassen. Also soll die Milch weiter kräftig sauer bleiben für jeden Anleger, der daran denkt aus dem Ausland Geld in die Schweiz zu transferieren, in der Hoffnung dafür Zinsen zu erhalten. Aber dennoch, so sagt es die SNB klipp und klar, bleibe der Schweizer Franken nach wie vor zu hoch bewertet gegenüber dem Euro. Tja, das ist wohl alles eine Frage, von wo aus man den Franken betrachtet, aus der Schweiz, oder aus der Eurozone. Laut SNB solle die Schweizer Wirtschaft weiter gestützt und die Preisentwicklung stabilisiert werden.

Auch betont man mal wieder, dass man nach wie vor am freien Devisenmarkt aktiv ist. Es geht also immer weiter. Anders als mit der starren 1,20-Sperre zwischen Euro und Franken bis 2015 interveniert man seit geraumer Zeit relativ unsichtbar für die Öffentlichkeit am Interbankenmarkt für Devisen. Man druckt ständig neue Franken, und verkauft diese dann gegen den Euro, um den Franken immer weiter zu schwächen. Doch wo Schluss ist, bleibt nach wie vor völlig offen. Hört man damit auf, wenn man die alte 1,20 wieder erreicht hat? Heute stieg Euro vs Franken nach der Zinsentscheidung von 1,1650 bis jetzt auf 1,1672.

Die SNB auszugsweise im Wortlaut:

Die Nationalbank bleibt bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, wobei sie die gesamte Währungssituation berücksichtigt. Seit der letzten Lagebeurteilung hat sich der Schweizer Franken weiter gegenüber dem Euro und neu auch gegenüber dem US-Dollar abgeschwächt. Der Abbau der Überbewertung hat sich also fortgesetzt, aber der Franken ist weiterhin hoch bewertet. Die Abwertung des Frankens widerspiegelt, dass sichere Häfen zurzeit weniger gesucht sind. Diese Entwicklung ist aber noch fragil. Trotz der eingetretenen Entspannung bleiben deshalb der Negativzins und die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, unverändert notwendig. Diese Massnahmen halten die Attraktivität von Anlagen in Franken tief und reduzieren dadurch den Druck auf den Franken. Eine erneute Aufwertung würde die Preis- und Konjunkturentwicklung nach wie vor gefährden.

Glaubt man dem Chart der SNB, hat man noch bis Mitte 2019 Zeit, bis die Inflation in der Schweiz zum Beispiel das Niveau von ca 1% erreicht. Dann könnte man so langsam Schwierigkeiten bekommen Zinsen von -0,75% zu erklären. Aber vielleicht hat EURCHF bis dahin längst die 1,20 erreicht oder überschritten, und dann ist der Franken auch offiziell nicht mehr zu teuer?



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