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Schweizerische Nationalbank schafft es den Franken weiter schwach zu reden

Der Schweizer Franken ist „weiterhin hoch bewertet, und die Situation am Devisenmarkt ist nach wie vor fragil“, so verkündet es die Schweizerische Nationalbank (SNB) heute offziell nach ihrer aktuellsten…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Schweizer Franken ist „weiterhin hoch bewertet, und die Situation am Devisenmarkt ist nach wie vor fragil“, so verkündet es die Schweizerische Nationalbank (SNB) heute offziell nach ihrer aktuellsten Zinsentscheidung. Der Einlagenzins bleibt weiter bei -0,75%. Der Negativzins und die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, bleibt laut SNB deshalb unverändert notwendig, um Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern.

Ja, dieser schrecklich starke Franken, möchte man meinen. Bis zum 15. Januar 2015 war der Kurs vom Euro gegen den Franken jahrelang durch die SNB de facto eingefroren worden. Dann erfolgte an diesem Tag das ruckartige Ende dieser Politik der SNB, was den Franken explosionsartig aufwerten ließ, in nur wenigen Augenblicken! Von dieser Aufwertung hat der Franken in den letzten zwei Jahren den größten Teil wieder ausgeglichen.

Der Euro fiel im Januar 2015 gegen den Franken von 1,20 auf bis zu 0,82. Jetzt liegt er wieder um die 1,15. Die Frage ist: Würde die SNB den Franken bei Erreichen der alten Marke von 1,20 nicht mehr als zu teuer betrachten? Oder hat man die Zielmarke inoffiziell noch weiter erhöht? Man schreibt ja aktuell, dass man nach wie vor am Devisenmarkt manuell interveniert. Ohne eine große Einfrierung von bestimmten Devisenkursen kann die SNB so größtenteils unbemerkt im laufenden Handel den Franken weiter schwächen, und das vor allem gegen den Euro.

Denn vor allem gegen den Euro muss der Franken (laut dem Wunsch der SNB) billiger werden, weil die Eurozone rund um die Schweiz herum der mit weitem Abstand wichtigste Absatzmarkt der Schweizer Unternehmen ist. Dass die SNB heute erneut unzweifelhaft klar machte, dass man den Franken weiter hoch drücken will, hat quasi zur selbst erfüllenden Prophezeiung geführt. Euro gegen Franken stieg seit heute früh 9:30 Uhr (Zeitpunkt der Zinsentscheidung der SNB) von 1,1462 auf bis zu 1,1528 (jetzt 1,1482).


EURCHF seit Ende 2013.

Im folgenden kürzeren Chartbild (seit Februar 2017) sieht der Aufwärtstrend des Euro gegen den Franken (Franken-Abwertung) noch deutlicher als im vorigen längeren Zeitraum.

Betrachtet man die folgende Inflationsprognose der SNB, dann steigen die Schweizer Verbraucherpreise erst 2019 spürbar. Also ist noch jede Menge Luft vorhanden um den Franken weiter zu schwächen. Nur bis zu welchem Punkt? Wieder 1,20 im Euro vs Franken? Im Moment jedenfalls wirkt es so, dass der Euro weiter bullisch gegen den Franken eingestellt ist (nein, das ist keine Trading-Empfehlung!).

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marko

    14. September 2017 18:28 at 18:28

    Mich freut es, dass die Schweizer (endlich mal) Zeit haben zum „Durchatmen“.
    Da kümmert sich sogar die „Mama EZB“ um ihre „irgendwann-Kinder“, vorbildlich .. :D

    „Der Schweizer Franken ist „weiterhin hoch bewertet, und die Situation am Devisenmarkt ist nach wie vor fragil“, so verkündet es die Schweizerische Nationalbank (SNB) heute offziell nach ihrer aktuellsten Zinsentscheidung. Der Einlagenzins bleibt weiter bei -0,75%. Der Negativzins und die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, bleibt laut SNB deshalb unverändert notwendig, um Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern.“

    Ich würde es anders herum sehen, die Bereitschaft der SNB-Notenbank (weiterhin ?) zu intervenieren wird solange da sein, solange es den CHF noch gibt ?
    Ein Schweizer sagte zu mir, EUR/CHF 1,60 , das wäre sein Traum…. Träumen darf erlaubt sein..

    Da haben die Schweizer ein Rieesenglück, dass es Leute wie die Briten gibt… ;D

    EUR / CHF 0,82 war doch sowieso ein „Phantasiepreis“, da null Liquidität auf dem Interbankenmarkt, das mit dem „Schweiz-Event“ hätte keiner gedacht.

    Nur ist das „Schweiz-Event“ eben mal da gewesen, und sowas wird sich der Markt merken. Und gerade, dass man den Markt an einem Montag gegen 10 Uhr „voll erwischt“ hat…

  2. Avatar

    Marko

    14. September 2017 18:57 at 18:57

    „Nur ist das „Schweiz-Event“ eben mal da gewesen, und sowas wird sich der Markt merken. Und gerade, dass man den Markt an einem Montag gegen 10 Uhr „voll erwischt“ hat…“

    Was ich damit sagen will : das war unprofessionelles Verhalten der Schweizer-Notenbank gegenüber dem Markt, einfach mal so am Montag eine „Bombe“ loszulassen ?!?
    Ja, nachgeben kann man, aber dann halte ich eine Sitzung am Wochenende ab, und versuche , die Märkte darauf vorzubereiten.

    Dass die Schweizer stur sind und den Franken lieben usw , alles klar, aber durch die riesigen Summen die dort (in der Schweiz) aufgewandt werden mussten, hat man doch gegen so einen EUR keine Chance ?!?
    Das ist doch ganz klar, dass der CHF keine Chance mehr hat, gerade nach dem „Schweiz-Event“ ? Genau da haben sie ja zugegeben : wir sind nicht der Lender of last Resort.

  3. Avatar

    Marko

    14. September 2017 19:18 at 19:18

    Und wenn man es (nochmal) anders herum sieht, jetzt hätte man ganz schöne Konditionen dem EUR beizutreten, jetzt ist Ruhe…

    Wird nicht passieren, klar…, aber : die Schweiz wäre neben Deutschland ein riesengroßer Profiteur des EUR, das Bankgeheimnis ist doch eh nix mehr Wert…

    Und dann wäre garantiert eines weg : Der Franken, und der Druck der Schweizer den CHF gegenüber dem EUR zu verteidigen. (Die nächste Krise kommt bestimmt..?) ;)
    Dann wäre zwar die SNB ebenso weg, aber : man könnte sich auf die Schweiz konzentrieren, und eben nicht auf die Angriffe der Finanzmarkt-Wölfe.., nebst dem Risiko eines zu starken Franken.

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Aussicht für deutsche Exporte verfinstern sich spürbar

Claudio Kummerfeld

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Über den Hamburger Hafen laufen viele Exporte Richtung Übersee

Die Stimmung der deutschen Industrie für ihre Exporte in den nächsten Monaten verfinstert sich gerade spürbar. Denn laut aktueller Veröffentlichung des ifo-Instituts hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Der Chart zeigt nach der Erholung aus dem „Corona-Tal“ den Absturz bei den Erwartungen an die Exporte. Erstmals seit Juni ist der Erwartungsindex wieder negativ.

Insbesondere die Heftigkeit der zweiten Corona-Welle in vielen europäischen Ländern belastet laut ifo-Institut die Exporte. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist verflogen. Mit deutlichen Rückgängen beim Export rechnet die Nahrungsmittelindustrie. Der Maschinenbau geht eher von einer konstanten Entwicklung bei den Exportumsätzen aus. Gleiches gilt für die Metallbranche. Weitere Zuwächse erwarten hingegen die Chemische Industrie und die Elektrobranche.

Der Chart vom ifo-Institut zeigt Erwartungen für die deutschen Exporte

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EZB warnt wieder vor Risiken, die sie selbst geschaffen hat!

Markus Fugmann

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In ihrem heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt die EZB wieder einmal vor Risiken und dem Platzen einer Blase, die sie letztlich selbst geschaffen hat!

Die EZB zur permanenten Intervention verdammt

So beklagt Europas Notenbank etwa die „Konzentration von Risiken“ in einigen Bereichen – und man sollte doch die Frage stellen, warum es diese Konzentration von Risiken wohl gibt! Die Antwort ist fast schon unterkomplex: wegen der finanziellen Repression, die durch die EZB ausgeübt wird. Wie ließe sich etwa sonst erklären, dass griechische Staatsanleihen mit Laufzeit bis vier Jahren negative Renditen aufweisen  – Anleger also bereits sind, einem de facto bankrotten Staat für den Kauf von Schuldpapieren sogar noch Geld zu bezahlen?

Dazu kommt: die Notenbank beklagt die schwache Profitabilität der Banken der Eurozone,  die ja eben aufgrund der Zinspolitik der EZB mit Negativzinsen schlicht kaum profitabel arbeiten können.

Mit anderen Worten: die EZB betreibt eine massive Manipulation nicht nur der Märkte für Staatsanleihen, sondern zerstört im Grunde die Existenzgrundlage europäischer Banken, die nicht zufällig deutlich schlechter dastehen als die amerikanische Konkurrenz. So entsteht eine Situation, die immer neue Eingriffe verlangt, um die weitgehend selbst verursachten Schieflagen zu korrigieren. Wer die Büchse der Pandora öffent, sollte sich eben nicht wundern, dass ungeahnte Konsequenzen entstehen. Die EZB hat den Limes überschritten – und ist damit zur permanenten Manipulation verdammt, weil die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft, aber die Illusion des ewigen Wohlstands aufrecht erhalten weredn muß! Die Notenbank ist gewissermaßen die Kraft, die stets das Gute will – und das Böse schafft.

Nun hat die Coronakrise letztlich auch die Staaten gezwungen, immer stärker in die Wirtschaft einzugreifen und zu retten. Ein Risiko sieht die europäische Notenbank nun darin, dass diese eigentlich als einmalige Maßnahme gedachten Eingriffe zu früh enden könnten. Die Coronakrise scheint sich als „door opener“ für den staatlich gelenkten Kapitalismus zu erweisen, der Weg zu MMT ist wohl endgültig geebnet!

Für Schmerzbefreite hier die Kurzfassung des Berichts der EZB zur Finanzstabilität im Wortlaut:

 

  • Dispersed economic and financial market impact on countries and sectors could lead to concentration of risks in some areas
  • Policy measures have addressed liquidity challenges but risks can arise from premature or delayed withdrawal of fiscal support
  • Bank profitability prospects remain weak with losses potentially materialising with a lag relative to the recover

Vulnerabilities in the corporate sector are increasing as the pandemic evolves and their unearthing could test the resilience of euro area banks in the future, the European Central Bank (ECB) says in its latest Financial Stability Review (FSR). Current extensive policy support is helping euro area corporates and households to cope with the fallout of the pandemic, but risks can arise either from a premature end to measures or from prolonged support. Premature withdrawal of fiscal support – including government loan guarantees and statutory loan moratoria – could set back the economic recovery, transforming the corporate liquidity challenges observed at the outset of the pandemic turn into solvency issues. The sharp rise in corporate and sovereign indebtedness increases the risks to financial stability from an emerging sovereign-corporate bank nexus in the medium-term, as banks and sovereigns alike are exposed to pandemic-induced risk faced by euro area firms.

“Bank profitability is expected to remain weak. Provisions have increased but look optimistic in some cases, while guarantees and moratoria may have lengthened the time it takes for weak economic performance to translate into loan losses,” said Luis de Guindos, Vice-President of the ECB. “Government support schemes are essential currently but should remain targeted towards pandemic-related economic support and avoid giving rise to debt sustainability concerns in the medium term,” he added.

For euro area banks, which entered the pandemic with stronger balance sheets than at the time of the global financial crisis, a premature end of government guarantees and moratoria could lead to an additional wave of losses. They are also expected to face continued pressures on profitability, including from a weaker outlook for lending and continued structural challenges. Banks’ capital buffers remain comfortable and should remain available to absorb losses and support lending for an extended period. Authorities need to monitor the effectiveness of policies to support buffer use and avert deleveraging. Looking beyond the pandemic, it is important for banks, together with the rest of the financial system, to manage the financial stability risks posed by climate change and support the transition to a greener economy.

A return to risk-taking by non-banks, including investment funds, also increases their vulnerability to outflows and losses should corporate credit risks rise materially. These risks are accentuated by continued gaps in the macroprudential framework for non-bank financial institutions.

Die EZB ist die Kraft, die stets das Gute will - und das Böse schafft

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EZB soll Make-Up-Strategie umsetzen

Hannes Zipfel

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Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Es ist schon ein makaberes Wortspiel in Zeiten zwangsgeschlossener Kosmetikstudios sowie arbeitsloser Maskenbildner und Visagisten, dessen sich der finnische Zentralbank-Gouverneur und Ratsmitglied der EZB, Olli Rehn, bedient. Auf einer Konferenz in Helsinki forderte Rehn am Dienstag neben einem symmetrischen Inflationsziel die Umsetzung einer Make-Up-Strategie. Was konkret ist damit gemeint und was kommt als Nächstes?

EZB braucht Make-Up

Ohne die Europäische Zentralbank hätte sich das Thema Eurozone längst erledigt. Das will aber die Masse nicht hören und die Zentralbanker nicht sagen. Also werden seit dem Beginn der Weltfinanzkrise und der Eurokrise alle unkonventionellen Maßnahmen mit dem nicht Erreichen des Inflationsziel der Europäischen Zentralbank begründet, da dieses den Kern des EZB-Mandats darstellt.

Da aber mittlerweile jedem Geld- und einigen Fiskalpolitikern dämmert, dass bei einer Gesamtverschuldung der Industrieländer laut Institute for International Finance von knapp 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Mandat nicht mehr ausreicht, wird es nun angepasst. Dazu gehört auch, dass man das Inflationsziel von zwei Prozent p. a. (Konsumententeuerung) irgendwie umgehen muss. Denn selbst wenn die jetzige Ausnahmerezession vorüber ist, bleiben die hohen und weiter steigenden Schulden. Die EZB kauft einen Großteil davon auf und hält die Zinsen nominal bei null und real im negativen Bereich, um den Schuldendienst erträglich zu machen.

Am Beispiel der USA, wo die US-Notenbank Fed mit dem Versuch in den Boom nach Trumps Steuerreform hinein die Zinsen zu normalisieren, scheiterte, will man bei der EZB nun vorsorgen. Sollte es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen und die Inflation (Konsumententeuerung) über zwei Prozent hinausschießen, will und kann man wegen der extrem hohen privaten und öffentlichen Verbindlichkeiten die Zinsen dennoch unten halten. Ein eventuelles Überschießen des Inflationsziels soll daher via Make-Up überdeckt werden.

Dazu fordert unter anderem und erneut Olli Rehn die Einführung eines flexiblen Inflationsziels. Die Präsidentin der EZB, Madame Lagarde, spricht sich neben anderen Rats-Mitgliedern ebenfalls dafür aus. Um ein Überschießen der Inflation zu überdecken, soll statt des bisherigen asymmetrischen Inflationsziel ein symmetrisches Inflationsziels eingeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Notenbanker statt eines festen Wertes einfach einen Durchschnittswert eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit ausrechnen. Solange dieser Wert sich nicht allzu lange und allzu massiv über zwei Prozent befindet, muss die EZB nicht inflationsbekämpfend eingreifen. Angepeilt wird ein Zeitraum der letzten fünf Jahre zur Durchschnittsbildung der Inflationsrate.

Im Falle der Eurozone bedeutet dies eine durchschnittliche Inflationsrate seit Oktober 2015 in Höhe von knapp einem Prozent p. a. Durch Überdeckung einer zukünftigen höheren Inflation mit statistischem Make-Up könnte die Teuerungsrate für eine lange Zeit über zwei Prozent liegen, ohne dass das symmetrische Inflationsziel der EZB übertroffen wird. Die für die Errechnung des symmetrischen Inflationsziels relevanten Parameter (betrachteter Zeitraum etc.) sollen flexibel gehalten werden. Somit ist gewährleistet, dass selbst bei steigender Konsumententeuerung die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik gemäß ihrem Kernmandat der statistischen Preisstabilität (ohne Vermögenspreise) beibehalten kann.

Welche Ziele hat die Zentralbank laut EU-Vertrag?

Doch auch der u. a. von Rehn sowie Lagarde und seit dem virtuellen Notenbanker Treffen in Jackson Hole sogar vom Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geforderte „Monetary Shift“ könnte nicht ausreichen, um die explodierende Gesamtverschuldung durch das symmetrische Inflationsziel zu managen. Daher gräbt man nun bei der EZB im EU-Vertrag nach weiteren Möglichkeiten des geldpolitischen Make-Ups. Und siehe da, man wurde fündig: Ebenso wie bei der US-Fed gestattet der EU-Vertrag auch zwei Nebenmandate, wie Olli Rehn in Helsinki am Dienstag klarstellte: „Wenn wir unser gesetzliches Mandat respektieren, müssen wir danach streben, Vollbeschäftigung, ausgewogenes Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Das symmetrische Inflationsziel wurde zwar im Nebensatz noch mit erwähnt, aber es wird immer deutlicher, dass die EZB nach einer Legitimation ihrer dauerhaften Krisenpolitik sucht.

Wie weit kann die EZB ihr Mandat auslegen?

Schon seit Längerem hat die EZB das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und möchte verstärkt Unternehmen Kredite durch den Ankauf von Firmenanleihen zu sehr vorteilhaften Konditionen (für die Schuldner) vornehmen. Mit Nachhaltigkeit ist dabei gleichwohl nicht die geldpolitische Nachhaltigkeit oder gar die Schuldentragfähigkeit gemeint, sondern der Klimawandel. Die EZB trägt daher bei einigen Ökonomen schon scherzhaft den Beinamen „Grüne EZB“. Anders als Lagardes Vorgänger Draghi, für den der Klimawandel kaum ein Thema war, ist dies ein Lieblingsthema der jetzigen EZB-Chefin Lagarde. Mit dem neuen deutschen EZB-Ratsmitglied Elisabeth Schnabel hat sie eine Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls durch Billigkredite aus der digitalen Notenpresse den Wandel der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität unterstützen möchte.

Das gibt der EZB weiteren Spielraum, denn bislang befinden sich Unternehmensanleihen in Höhe von einer viertel Billion Euro im Portfolio der EZB, von denen laut Greenpeace gemäß einer aktuellen Studie vom 3. November 63 Prozent von klimaschädlichen Unternehmen stammen. Um diese Zahl prozentual kosmetisch zu relativieren, könnte man das Portfolio einfach umschichten und mehr „Grüne-Anleihen“ kaufen. Doch das wäre der Todesstoß für unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze, was wiederum die anderen Mandate der EZB untergraben würde.

Also geht man den anderen Weg und kauft noch mehr Unternehmensanleihen (vornehmlich Grüne), um die Anzahl der Klimaschädlinge im eigenen Anleiheportfolio zu relativieren. Auch die Mandate Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum geben der EZB praktisch einen Freibrief für die Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik.

Fazit und Ausblick

Die Umstellung von einem asymmetrischen auf ein symmetrisches Inflationsziel ist eine weitere „unkonventionelle“ geldpolitische Maßnahme, um die Notfallgeldpolitik zu prolongieren. Richtig spannend wird es am 10. Dezember, wenn die nächste EZB-Ratssitzung mit anschließender Pressekonferenz stattfindet, auf der neue Maßnahmen bekannt gegeben werden sollen – auch kosmetische. Noch spannender wird es dann im Januar 2021, wenn das Thema „Worldwide-Reset“ von den wichtigsten Notenbankern und anderen supranationalen Institutionen erneut besprochen wird. Höflich ausgedrückt ist ein Reset ein Neustart. In der Praxis geht es aber um einen globalen Schuldenschnitt inkl. Währungsreform, also einen Neustart mit Enteignung breiter Bevölkerungsschichten und Sparer.

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