Ausländische Investoren widerlegen das seit Monaten kursierende Narrativ vom „Sell America“. Statt Kapitalabzug verzeichneten die USA im Jahr 2025 Nettozuflüsse von 1,6 Billionen US-Dollar in US-Aktien, US-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. Trotz einer unberechenbaren Zollpolitik von Präsident Donald Trump, geopolitischer Spannungen und eines schwächeren Dollars bleibt der US-Kapitalmarkt ein zentraler Anziehungspunkt für globales Kapital.
„Sell America“-These widerlegt
Laut einem Bloomberg-Bericht haben sich ausländische Käufe von US-Finanzanlagen im vergangenen Jahr deutlich beschleunigt. Neue Daten des US-Finanzministeriums zeigen: Die vielfach diskutierte „Sell America“-These wird durch massive Kapitalzuflüsse klar konterkariert. Statt Kapitalabzug verzeichneten die USA einen kräftigen Nettozufluss in langfristige Wertpapiere.
Insgesamt erwarben ausländische Investoren 2025 netto 1,55 Billionen US-Dollar an langfristigen US-Finanzanlagen. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 1,18 Billionen Dollar. Den größten Anteil machten US-Aktien mit 658,5 Milliarden Dollar aus, gefolgt von US-Treasuries (Staatsanleihen) mit 442,7 Milliarden Dollar.
Die wiederkehrenden Drohungen von Präsident Donald Trump, Importzölle deutlich zu erhöhen – teils aus wirtschaftlichen, teils aus geopolitischen oder sicherheitspolitischen Motiven –, hatten Befürchtungen ausgelöst, internationale Investoren könnten sich von US-Märkten und dem US-Dollar abwenden. Ein dänischer Pensionsfonds kündigte im Zuge der politischen Spannungen um Grönland an, seine Bestände an US-Staatsanleihen reduzieren zu wollen. Auch der niederländische Fonds ABP, Europas größter Pensionsfonds, baute seine US-Exponierung im vergangenen Jahr spürbar ab.
US-Finanzminister Scott Bessent wies die „Sell America“-Rhetorik jedoch wiederholt zurück. Die Wirtschaftspolitik der Regierung stärke die Position der USA als führenden Zielmarkt für globales Kapital.
Dollar-Schwäche als Chance
Die Abwertung des Greenbacks im vergangenen Jahr könnte internationale Vermögensverwalter zusätzlich zum Einstieg motiviert haben. Nach Einschätzung von Marktstrategen nutzten viele Investoren die Währungsanpassung gezielt, um ihre US-Allokation zu erhöhen.
Daten großer Verwahrstellen zeigen, dass grenzüberschreitende Anleger die Dollarbewegungen nach der durch Trumps sogenannte „Liberation Day“-Zollankündigung ausgelösten Marktvolatilität aktiv nutzten. Zwar seien die Kapitalzuflüsse nicht mehr so ausgeprägt wie während der Phase des „US-Exzeptionalismus“ 2023–2024, doch eine strukturelle Prämie für US-Anlagen bestehe weiterhin.
Neben Aktien und Staatsanleihen verzeichneten auch US-Unternehmensanleihen erhebliche Nettozuflüsse in Höhe von 327,8 Milliarden Dollar. Wertpapiere staatlich unterstützter Hypothekenfinanzierer wie Fannie Mae und Freddie Mac summierten sich auf weitere 112,9 Milliarden Dollar.
Regional betrachtet entfielen 872,8 Milliarden Dollar der Nettozuflüsse auf Investoren aus Europa. Die Cayman Islands kauften netto 277,2 Milliarden, Japan 56 Milliarden und Kanada 84,4 Milliarden Dollar an langfristigen US-Finanzanlagen.
Das US-Finanzministerium weist allerdings darauf hin, dass die endgültige Herkunft von Kapitalströmen nicht immer eindeutig bestimmbar ist. Mehrere große Nettozuflüsse stammen aus Finanzplätzen mit steuerlichen Vorteilen wie den Cayman Islands oder Guernsey sowie aus wichtigen Verwahrzentren wie dem Vereinigten Königreich und Belgien.
China reduziert Bestände
Auffällig ist hingegen die Position Chinas: Das Land folgte dem „Sell America“-Narrativ und trat 2025 als bedeutender Nettoverkäufer von US-Langfristanlagen auf – im Umfang von 208,6 Milliarden US-Dollar. Die chinesischen Bestände an US-Staatsanleihen beliefen sich zum Jahresende auf 683,5 Milliarden Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit 2008.
Medienberichte zufolge sollen chinesische Aufsichtsbehörden Finanzinstitute angewiesen haben, ihre Bestände an US-Treasuries zu überprüfen und zu begrenzen. Als Gründe gelten Konzentrationsrisiken und erhöhte Marktvolatilität.
Ob die Kapitalzuflüsse auch in diesem Jahr auf vergleichbar hohem Niveau bleiben, ist jedoch offen. Zum Jahresende zeigte sich eine gegenläufige Entwicklung: Allein im Dezember sanken die ausländischen Bestände an US-Staatsanleihen um 88,4 Milliarden Dollar auf 9,27 Billionen Dollar – der niedrigste Stand seit Oktober.
Japan, größter ausländischer Gläubiger der USA, reduzierte seine Position um 17,2 Milliarden Dollar auf 1,19 Billionen Dollar. Auch das Vereinigte Königreich baute Bestände ab; sie gingen um 23 Milliarden Dollar auf 866 Milliarden Dollar zurück.
FMW/Bloomberg
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