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Seltsame Reaktion der Märkte auf Putin

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Märkte feiern Party. Warum eigentlich?

Auch wenn man Putin nicht besonders mögen sollte – was nachvollziehbar ist – ein sehr gewiefter Taktiker und Stratege ist er allemal. Es ist wohl kein Zufall, dass in Russland das Schachspiel eine so ruhmreiche Tradition hat – und was Putin geboten hat, war allerfeinstes Polit-Schach.

Nach der Rede wurde „die heilige Krim“ (Putin) gleich einmal „heim ins Reich“ gebracht, die Verträge sind unterzeichnet. Schon das ist eine enorme Demütigung des Westens.

Gleichzeitig aber eine halbgare Friedensbotschaft an den Westen, den die Märkte so verstehen, als würde Putin die Ostukraine in Ruhe lassen. Das wird er nicht, bzw. die Ostukrainer werden das nicht – darauf kann sich der Kreml-Chef verlassen. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Schauspiel auf der Krim dann auch im Osten der Ukraine wiederholen wird. Putin wird nach dem Krim-Coup erst einmal die Füße stillhalten, denn die Zeit spielt ihm sowieso in die Karten.

Doch war die Rede Putins alles andere als ein Beitrag zur Deeskalation. Hier ein paar Zitate:

„Russland wurde nach dem Ende der Sowjetunion nicht nur bestohlen, sondern ausgeraubt“

„Das sind keine doppelten Standards mehr, das ist schon Zynismus“.

„Man (= der Westen) hat uns betrogen.“

„Russland wurde nach dem Ende der Sowjetunion nicht nur bestohlen, sondern ausgeraubt“

Das ist sicher harter Tobak. Aber es geht auch anders: viel Lob für China und Indien – Putin bereitet vermutlich eine Allianz der großen Schwellenländer gegen den Westen vor. Deutschland bekommt sein Fett weg: die UdSSR habe damals der deutschen Widervereinigung zugestimmt, verweigere das aber jetzt Russland. Und überhaupt: in Kiew herrschten überwiegend jetzt die „Schläger vom Maidan“.

Nein, deeskalierend ist etwas anderes. Im Gegenteil: Putin hat jetzt den Ball ins Spielfeld des Westens geworfen. Das haben die Märkte offenkundig missverstanden und feiern die Tatsache, dass Putin nicht unmittelbar angedroht hat, eine Atombombe auf New York zu werfen.

Was die Märkte jetzt fürchten müssen, ist derzeit nicht Putin, der nach seinem Triumpf jetzt erst einmal abwarten wird. Gefährlich für Märkte ist vielmehr die scharfe Reaktion des Westens auf Putin – und die wird nicht lange auf sich warten lassen. Wetten?

 

 

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    mistkaeferchen

    18. März 2014 14:47 at 14:47

    PRIMA KOMMENTAR,GENAU SO WIRD ES WOHL KOMMEN. PUTIN HAT DIE WAHRHEIT GESAGT, USRAEL UND DER WESTEN SIND NUR VON NIMM ALLES, UND GEBE NICHTS ZURUECH.

  2. Avatar

    Syntagma

    18. März 2014 14:49 at 14:49

    Ist doch belanglos, was für die Märkte gefährlich ist. Hier geht es um Menschenleben! Putin hat lange genug zugesehen wie der Westen schärfste Propaganda auffährt (zB. Hillary Clinton: Putin sei Hitler). Und: ich habe bis jetzt keine Lügen seitens Russland gehört, ganz im Gegensatz zum Westen. Warum soll Putin denn die Verantwortung zur Deeskalation tragen?

  3. Avatar

    Pit

    18. März 2014 15:54 at 15:54

    Das werfen von Bomben und speziell der Atombombe ist und war ja wohl schon immer die Politik des Westens.

  4. Avatar

    Infoliner

    18. März 2014 16:02 at 16:02

    Will man ein Problem aus der Welt schaffen (-> Deeskalation), so müssen dafür die Fakten auf den Tisch. Nichts anderes als die allgemein bekannte Wahrheit beschreibt Putin, wenn er von der Ausplünderung seines Landes (unter Jelzin zB.) spricht, denn die westlichen Ölgesellschaften bekamen ua. Öl tatsächlich geschenkt in der Zeit und die Folgekosten des Raubbaus trägt sogar noch Rußland.
    Will man die wütenden Angriffe der USA und Konsorten auf Rußland verstehen, hilft sicherlich die Kenntnis der alten Doktrin, daß Mitteleuropa sich auf keinen Fall mit seinem natürlichen Partner Rußland verbinden dürfe. Schade nur, daß die BRD Kasperles so dumm sind und dieses Spiel nicht einmal durchschauen.

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    Tester

    18. März 2014 16:05 at 16:05

    „Auch wenn man Putin nicht besonders mögen sollte – was nachvollziehbar ist“

    Also für mich ist das zitierte eher als „harter Tobak“ zu bezeichnen, sowie die Linientreue Realitätsverdrehung. Vor allem zeigt es auch sehr deutlich, wess Geistes Kind der Schreiberling hier ist…

    Ich mag Putin sehr und würde mir einen solchen Staatsoberhaupt wünschen. Meine Stimme hätte er sofort, ganz im Gegensatz zu _allen_ gekauften Parteien hierzulande.

  6. Avatar

    Überlogen

    18. März 2014 16:24 at 16:24

    Kann Putin nur zustimmen, er sagt lediglich das was passiert ist, das aber die westliche Machtklasse ungern hört. Der Mann hat mich seit dem letztem Jahr wirklich positiv überrascht.

    Schade nur das Politiker der BRD und andere merkwürdige „Volksvertretungen“ diese Einsichten nicht vertreten und somit Deeskalation unmöglich machen.

  7. Avatar

    dä pief

    18. März 2014 16:35 at 16:35

    erstaunlich, dass die von der wallstreet gelenkten medien (alle von welt bis taz), also auch ihr hier, alles tut, um die wahrheit zu unterschlagen und die unwahrheit zu verbreiten.
    2013 durften die islas malvinas, uns als falklandinseln bekannt in einem referendum entscheiden, ob sie (wie ursprünglich ) zu Argentinien oder zur eroberungs- und besatzungsmacht england gehören wollen. da haben weder merkel noch obama noch jazenjuk (selbsternannter ministerpräsident der ukraine von washingtons gnaden) von völkerrechtsverletzung schwadroniert und die medien in totaloffensive gebracht

  8. Avatar

    JA

    18. März 2014 17:34 at 17:34

    Also Jungs und Mädels!
    Der Artikel ist für „Bundesdeutsche Verhältnisse“ sehr gut. Nur das wahrscheinlich die Zensur (die es ja nicht gibt, nicht im freien Westen) den Rest der Erkenntnis weggelassen hat. Eine sehr hoch einzuschätzende Tat des Autors. Dieser scheint nicht zur SpringerJournallie zu gehören.

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    f202277

    18. März 2014 18:04 at 18:04

    Auch wenn man Markus Fugmann nicht besonders mögen sollte – was nachvollziehbar ist – ein sehr gewiefter Marktanalytiker ist er allemal. Es ist wohl kein Zufall, dass seine alltäglich unverbindlichen Marktempfehlungen eine so ruhmreiche Erfolgsquote von 2-8 Prozent haben. Ein gewiefter Schachzug zur Herstellung von Glaubwürdigkeit ist dabei, die Vortagsanalyse damit einzuleiten, dass aufgrund der vortäglich veröffentlichten Wirtschaftsdaten, der daraufhin eingeschlagene Kursverlauf selbstverständlich zu erwarten war….

  10. Markus Fugmann

    Markus Fugmann

    18. März 2014 18:27 at 18:27

    Vielen Dank für die Blumen, @f202277…

  11. Avatar

    winfried

    18. März 2014 20:09 at 20:09

    Putin weis die Sanktionen für sich zu nutzen und im Zweifel den Dollar gleich mit zu erledigen und somit die NATO als Kriegstreiber auszuschalten.
    Der Rubelkurs darf ruhig etwas sinken, das dient der einheimischen Wirtschaft.
    Ansonsten werden massiev Dollar in Euro gewechselt und gleich in stabile Vermögen angelegt, der letzte Schritt wird aber der petroRubel sein.

    Kein Gasboykott wie die Dummchen in den Medien schwätzen aber Gas nur noch gegen dann harte Rubel.

    http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/die-asynchrone-antwort-aus-russland

  12. Avatar

    Argonautiker

    18. März 2014 21:55 at 21:55

    @ Markus Fugmann
    Was wäre denn ihrer Meinung nach deeskalierender gewesen?

    Die Wahl der Bevölkerung der Krim war doch recht eindeutig.
    Sie wollen lieber russisch, als europäisch Ukrainisch sein.
    Wer sonst, als die Bevölkerung sollte seinen Herrscher wählen?
    Geht es noch demokratischer?

    Und wenn die Bevölkerung der Ostukraine sich auch noch für Russland entscheiden würde, wo ist das Problem? Möchte der Westen den Ukrainern lieber befehlen sich gemeinschaftlich der EU anzuschleißen? Wirklich eskalierend wäre es, wenn Putin nicht akzeptieren würde, das die Westukraine sich Europa anschließen möchte. Das tut er aber nicht. Bisher aggiert er wesentlich deeskalierender als der Westen, denn dieser ist es, welcher einen demokratisch abgestimmten Volksentscheid nicht akzeptieren will.

    Würde mich wirklich mal interessieren, wie man das noch deeskalierender machen kann, als es Putin bisher gemacht hat.

    Gruß aus Bremen

  13. Avatar

    tag heute

    19. März 2014 12:50 at 12:50

    Bomben schon so oft gefallen,
    nachdem neue Hitler mache sahen,
    dass nun die Leute fragen,
    ob die über sich selbst das sagen.

    Wie viele Kriege kann ich nennen in die ich nicht hineingelogen wurde?

    Aus Israel: Aufstieg der Neo-Nazis in der Ukraine ist 4. Reich

    „Sie glauben alles was das Fernsehen zeigt und halten es für eine unvoreingenommene Darstellung der Wahrheit. Zweifach in die Irre geführt denken sie, dass Russland ein Aggressor sei und glauben in der Ukraine gebe es keine Pogrome“

    http://voiceofrussia.com/us/2014_03_19/Israeli-Analyst-Calls-the-Rise-of-Neo-Nazism-in-Ukraine-the-IV-Reich-3624/

    „Wer sind die Nazis in der ukrainischen Regierung?“

    http://www.voltairenet.org/article182518.html

    Kommentar eines Bürgers der Republik Krim: „Ich habe einen nuen Krim-Witz gehört. – Jeder sprach davon, dass wir abstimmen, weil man Waffen auf unsere Köpfe gerichtet habe. – Natürlich, genau so war es, mit einem ernsten Unterschied – nicht die Russen waren es, die das taten, sondern die Kiew-Terroristen, welche die Bevölkerung die ganze Zeit über in Schrecken versetzt haben. Verständlicherweise ist es keine gewöhnliche Wahl gewesen, während fast die ganze Welt gegen uns war.“

    Wer hat die Kräfte mit ”heim ins Reich” im Vokabular an die Macht gebracht, letztlich durch den Bruch der volkerrechtlichen Vereinbarung vom 21. Februar 2014 und damit alles ins Rollen gebracht? Wir, vertreten durch unseren Außenminister, oder Putin?

    Wer erkennt, anders als die legale Volksabstimmung in der Republik Krim, …

    Völkerrechtliche Studie zum Thema Sezession (Abspaltung):

    a) Anerkennung anderer Staaten zu einer Sezession ohne Belang.

    b) Voraussetzungen für Staatenbildung:

    1. Staatsvolk

    2. Staatsterrain

    3. staatliche Ordnung

    4. gewaltfreier Wille des Volkes

    … das illegale Putsch-Regime noch immer als sogennante „legale neue Regierung“ an, gegen den 2010 in freien und fairen Wahlen geäußerten, erklärten Willen des ukrainischen Volkes und zwar in Kiew, nicht in Moskau? Der US-geführte Westen oder die Russische Föderation?

    Bei aller Ablehnung, die Tatsachen müssen schon auf den Füßen bleiben und spätestens seit der Kriegspropaganda zu den erfundenen ABC-Waffen im Irak und dem folgenden kriminellen Angriffskrieg, dessen Folgeterrorismus auch 10 Jahre nach Beginn noch immer monatlich 1000 Menschen zu Opfer fallen, …

    Iraq Body Count https://www.iraqbodycount.org

    …können sogenannte „Qualitätsmedien“ für denkende Menschen mit Gedächtnis doch nun wirklich keine Quellen mehr sein.

    Andernfalls könnte es auch ganz schnell wieder, mit fingierter „Antwort“ gerechtfertigt, in Richtung Angriffskrieg gehen und das hatten wir schon, das wollen wir wohl kaum noch einmal.

    Wer würde unter solchen Umständen nicht die nazifreie Alternative ohne Hitler- und Bandera-Anbeter wählen, nach den dort 20 Millionen von Nazi-Faschisten ermorden Menschen, vor gerade einmal 7 Jahrzehnten? Entgegen den in bestimmten Medien kopfstehenden Tatsachen.

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Dax-Wochenausblick: Test der 1.000 Punkte Range – folgt bald der Ausbruch?

Stefan Jäger

Veröffentlicht

am

Im folgenden Video bespricht Marius Schweitz von Projekt30 die abgelaufene Woche im Dax und gibt einen ausführlichen Ausblick auf die kommende Handelswoche. Dabei geht er konkret auf die übergeordnet Seitwärtsrange ein und zeigt mögliche Szenarien auf, wie sich die ausgebildete 1.000 Punkte Range auflösen könnte. Im deutschen Leitindex haben sich sehr spannende Chart-Formationen herauskristallisiert, die auf eine große Bewegung hindeuten. In dem Video sehen Sie aber nicht nur einen Dax-Ausblick, sondern auch noch weitere Einschätzungen zum Dow Jones, Bitcoin, Gold, Euro, Softbank und Deutsche Bank.

Die Setiwärtsrange im Dax von Juli bis Oktober

Im März startete die rasante Corona-Rally, die viele Anleger als die „meistgehasste Rally aller Zeiten“ betiteln, aber seit ein paar Monaten ist sie ins Stocken geraten. Zwischen März und Juli kannte der deutsche Leitindex im Grunde nur eine Richtung – nämlich gen Norden. Im Juli hat der Anstieg aber erstmals ein abruptes Ende gefunden, nachdem der Dax das Hoch bei 13.315 Punkten erzielt hatte. Seitdem konnte er diesen Bereich nur zweimal wieder erreichen. Zum einen am 03.09. mit dem Hoch bei 13.460 und schließlich noch einmal am 14.09. bei 13.339.

Demgegenüber stehen zusammen mit dem Tief vom letzten Donnerstag drei Marken, die die Unterkante der Range bilden. Die drei Punkte setzen sich aus dem August-Tief (03.08.) bei 12.365, dem September-Tief (25.09.) bei 12.341 und schließlich dem Oktober-Tief (22.10.) bei 12.345 zusammen. Aus diesen drei Marken hat sich ein starker Unterstützungsbereich gebildet. Als zusätzliche Unterstützung kann man noch das Tief von Anfang Juli bei 12.254 hinzuzählen. Ein Bruch der Range-Unterkante dürfte folglich einem kräftigen Impuls auf der Unterseite auslösen. Erfahrungsgemäß wird die gleiche Höhe der Range in die entsprechende Richtung abgearbeitet. Angenommen, dass der Ausbruch im Dax auf der Oberseite gelingt, dann ergibt sich daraus ein Ziel bei 14.340 Punkten. Dementgegen liegt das Ziel bei einem Ausbruch auf der Unterseite bei 11.340 Punkten.

Dax-Wochen-Ausblick KW44 - 1.000 Punkte Seitwärtsrange von Juli bis Oktober

Aktuelle Chart-Fomationen im Dax

Auf verschiedenen Zeitebenen haben sich im Dax interessante Chart-Formationen entwickelt. Zum einen hat sich im 10-Minuten-Chart ein Descending Broadening Wedge (DBW) ausgebildet, das eine bullische Formation darstellt. Im Stundenchart ist zudem ein großes DBW-Wedge aktiv, das bei einer Auflösung hohe Ziele auf der Oberseite ermöglicht. Auf der bärischen Seite sehen wir außerdem noch eine aktive Wolfe Wave (Keil), die den bärischen Trigger bei 12.341 auslösen könnte. Dadurch würden sich Kurse unter der 12.000 Punkte-Marke ergeben. Auf Tagesbasis hat sich zwischen Juli und Oktober zusätzlich eine SKS gebildet. Sowohl die genannten Formationen, als auch die wichtigen charttechnischen Marken für die kommende Woche werden ausführlich und für jeden verständlich im Video erläutert.

Fazit

Der Dax steht vor einer ausschlaggebenden Richtungsentscheidung, diese kann eine Bewegung von mehr als 1.000 Punkten einleiten. In dem Video-Ausblick wird ausführlich auf die möglichen Szenarien eingegangen. Insbesondere die von Marius Schweitz herausgearbeiteten Chart-Formationen sind sehr sehenswert und zeigen die Möglichkeiten auf, wie es im Dax in der nächsten Woche und darüber hinaus weitergehen kann. Zudem erscheint für alle Leser und Leserinnen von Finanzmarktwelt ab Montag wie gewohnt der DAX daily. Viel Spaß beim schauen des Videos.

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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