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Sentiment für 2020: Was erwarten die Anleger?

In den vergangenen 50 Jahren gab es zwar 14 Mal ein Jahr mit Verlusten, sehr viel seltener waren hingegen Perioden mit niedrigen Jahresgewinnen (nur vier Jahre unter 5 Prozent). Interessantes sagt die Statistik über die guten Jahre mit einem Dax-Plus von über 20 Prozent aus. Hierauf folgte sechsmal ein weiteres Jahr mit über 20 Prozent, Verlustjahre waren nur viermal die Folge. Ich weiß nicht, ob man mit dieser Statistik in der jetzigen Börsensituation sehr viel anfangen kann, signifikant ist jedoch etwas anderes:

Die Masse der Befragten erwartet bis April steigende Kurse bis auf 14.000 Punkte und dann im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen einen Fall der Kurse bis auf 11.700 Punkte im Spätsommer. Daraus folgert der Sentiment-Experte und Inhaber des Analysehauses AnimusX, Stefan Heibel, etwas anderes:

Wenn die Mehrheit für die kommenden Monate bis April steigende Kurse erwartet, ist die Möglichkeit einer frühen Korrektur wahrscheinlicher.

Während einige Anleger den Jahreshöchstkurs im Dax bei 14.400 Punkten sehen, erwarten sie auf der anderen Seite zwischenzeitlich viel tiefere Kurse. 18 Prozent der Befragten glauben sogar an ein Tief von unter 10.800 Punkten. Daraus ergibt sich, dass man einem Kursanstieg erheblich weniger Potenzial einräumt, als einem Kursrutsch. Also reichlich Pessimismus der Anleger, für Heibel eine Kontraindikation.

Die Themen für das Jahr 2020

Da ist zum einen ganz klar die Politik des billigen Geldes. Man vertraut aus den jüngsten Erfahrungen den Notenbanken, ebenso wie einem längeren Frieden im Handelsstreit. Beides könnte sich aber schnell zu einer Negativüberraschung entwickeln. Wenn man sich die Entwicklung von Tesla (100 Prozent in drei Monaten) oder Beyond Meat (40 Prozent in einem Monat) ansieht sowie die Entwicklung bei den FAANGs, wo Alphabet auf dem Weg zur nächsten „Trillion-Dollar-Company“ ist, kommt man nicht umhin, eine Reaktion der Federal Reserve zu erwarten. Mit entsprechenden Reaktionen am deutschen Aktienmarkt. Fed-Chef Jerome Powell hat sich als Notenbanker erwiesen, der prophylaktische Maßnahmen trifft. Wie stark wird es da in ihm arbeiten, bei dieser Bubble?

Die Sentiment-Analyse kommt aber noch zu zwei Empfehlungen: Gold und Staatsanleihen. Eigentlich ein Widerspruch, das Edelmetall würde von steigender Inflation profitieren, während die Niedrigzinsanleihen nur dann Kursgewinne abwerfen, bei einer sich abschwächender Konjunktur und dann dürften kaum die Preise ansteigen. Allerdings wären noch niedrigere Zinsen auch wieder ein Treiber für das zinslose Edelmetall.

Fazit

Aus der Auswertung der Umfrage ergibt sich ein ziemlicher Pessimismus der deutschen Anleger für das neue Jahr, ganz im Gegensatz zum aktuellen Sentiment der amerikanischen Investoren. Aus Sicht der Forschung gilt dies als Gegenindikation und wenn man berücksichtigt, dass der Dax in der letzten Dekade nur um 112 Prozent gestiegen ist (inklusive der Dividenden) und der S&P 500 über 360 Prozent (ohne Dividendeneinberechnung) und es zu einer Umschichtung des „Smart Money“ von den USA nach Europa kommt (es braucht nur kleinerer Kapitalströme), so erscheint die Kontra-Prognose des Sentiment-Hauses AnimusX gar nicht so abwegig. Heibel erwartet aus seinen Erhebungen ein gutes Jahr für den Dax.

Wenn da nicht der große (euphorische) Bruder aus Übersee wäre! Wann hat sich der DAX je von einer einbrechenden Wall Street abkoppeln können? Der deutsche Leitindex befindet sich in einer doppelten Abhängigkeit von den USA: Zum einen durch die Exportlastigkeit seiner 30 Konzerne und zum anderen wegen der Besitzverhältnisse der DAX-Unternehmen. Diese befinden sich zu einem Großteil in ausländischer Hand, allein BlackRock verwaltet bis zu 10 Prozent der deutschen Dividendenpapiere. Der deutsche Staat sorgt mit seinen Planungen (Finanztransaktionssteuer, Verlustvorträge) dafür, dass dies auch so bleibt.



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