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Showdown: Drama um US-Schuldenobergrenze kommt in heiße Phase

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Der aktuelle Plan der US-Republikaner im US-Kongress sieht vor die US-Schuldenobergrenze, die aktuell bei 18,1 Billionen Dollar liegt und jetzt gerade erreicht wird, auf 19,6 Billionen Dollar anzuheben. Dieses neue Level soll den US-Staatshaushalt bis März 2017 am Leben erhalten. Das US-Finanzministerium musste die Ausgabe einer neuen 26 Milliarden Dollar-Anleihe bereits stoppen.

US-Kongress zuständig für US Schuldenobergrenze
Im US-Kongress wird derzeit um die Aufhebung des Öl-Exportverbots gerungen.
Foto: Kevin McCoy / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Nancy Pelosi, die demokratische Minderheitsführerin im US-Repräsentantenhaus, sagte gestern zu der dramatischen Lage:

„Here we are – Congress having only seven legislative days to act to fully protect the full faith and credit of the United States of America.“

Eigentlich müssten sich die Demokraten im US-Kongress freuen, dass die Republikaner diesmal selbst einen Plan vorgelegt haben die Schuldenobergrenze anzuheben, und dann auch noch so kräftig um 1,5 Billionen Dollar – da müssten sie eigentlich nur noch zustimmen. Aber die Republikaner „verschenken“ diese Anhebung nicht einfach so an die Demokraten, sondern verknüpfen dieses Angebot mit der Bedingung von Budgetkürzungen im Haushalt, was die Demokraten ablehnen. Jetzt hat man also noch heute und die nächste Woche Zeit sich hin und her zu streiten, bis man eine Einigung findet, oder der Regierungsapparat wieder eingefroren wird mangels Geld in der Kasse.

Anleihe-Emission muss verschoben werden

US-Finanzminister Lew warnte den US-Kongress in den letzten Wochen mehrmals davor, dass die US-Schuldenobergrenze von 18,1 Billionen US-Dollar ein paar Tage früher erreicht wird als geplant, nämlich zum Anfang November. Das US-Finanzministerium musste eine für diese Woche Dienstag geplante Anleihe-Auktion (2 jährige T-Notes) im Wert von 26 Milliarden Dollar verschieben, weil man damit jetzt schon die Schuldenobergrenze überschreiten würde – so dramatisch ist die Lage schon eine Woche vor dem kritischen Datum, Zitat:

„The U.S. Treasury Department today announced that it will postpone the 2 year note auction originally scheduled for Tuesday, October 27, 2015. Due to debt ceiling constraints, there is a risk that Treasury would not be able to settle the 2-year note on Monday, November 2, 2015. The 5-year note auction, scheduled to take place on October 28, 2015 and the 7-year note auction, scheduled to take place on October 29, 2015, will proceed as scheduled. Both the 5-year note and 7-year note will settle on Monday November 2, 2015. The 13-week, 26-week and 2-year floating rate auctions will also be announced today at 11:00 AM ET. Treasury believes that postponing the auction for the 2-year note poses less risk for market functioning than postponing the 5-year or 7-year note offering. Once the debt limit impasse is resolved, Treasury will announce a rescheduling of the 2-year note auction. The current debt limit impasse is also now adversely affecting the operation of government financing, increasing federal government borrowing costs, reducing the Treasury bill supply, and increasing the operational risk associated with holding a lower cash balance.“

Man will die Auktion nachholen, sobald die Obergrenze erhöht wurde.

Schuldenobergrenze wird zum Schuldenziel

Das Gute für die Abgeordneten: Der Kapitalmarkt und die Öffentlichkeit an sich nimmt diesmal viel weniger Notiz von den Streitigkeiten um die Erhöhung der Schuldenobergrenze als beim letzten Mal im Oktober 2013, wo sie auf die aktuellen 18,1 Billionen Dollar angehoben wurde. Der Kapitalmarkt guckt wie gestern auch heute eher auf Mario Draghi´s Zauber-PK und die tollen Quartalszahlen von McDonald´s, Google und Co. Und die breite US-Öffentlichkeit kann das Thema wohl schon nicht mehr hören, und so ist die Chance gut, dass der Kongress die Angelegenheit dieses Mal still und leise nächste Woche abfrühstücken kann.

Das Ziel die Schuldenobergrenze bis Anfang 2017 auf 19,6 Billionen US-Dollar anzuheben ist weniger eine Art von Schuldeneindämmung oder Deckelung, sondern nur noch eine Karikatur davon. Die wohl zu erwartenden 19,6 Billionen Dollar sind viel eher ein Ziel als eine Grenze. Man erhöht die Grenze auf diese Summe bis zu diesem Zeitpunkt, weil man im US-Kongress kalkuliert hat, dass man mit 1,5 Billionen Dollar neuen Schulden von jetzt bis Anfang 2017 den US-Staatshaushalt weiter am Laufen lassen kann. Mit einer Grenze hat das nichts mehr zu tun. Eine Grenze ist dafür da etwas zu „begrenzen“, damit etwas nicht weitergeht. Aber solange immer neue Käufer für US-Staatsanleihen gefunden werden, ist ja alles gut.


11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Cyber

    23. Oktober 2015 11:57 at 11:57

    Ich verstehe das alles nicht, warum wird nicht versprochen, bis 2030 nur ingesamt 50 Billionen USD. Da is Zeit und keiner regt sich auf und alles ist in Ordnung. Was soll das Versprechen die Verschuldung nur um 1500 Mrd USD bis Ende 2016 zu erhöhen…oder gleich Obergrenze 50 oder 100 Billionen und gut ist. Ich gehe auch mal zu meiner Bank, und verspreche bis 2070 auch nur 5 Mio Schulden zu machen.

    • Avatar

      joah

      24. Oktober 2015 10:33 at 10:33

      Salami-Taktik: es sieht zum einen viel schöner aus, wenn es hüpsch in Scheiben serviert ist, zum anderen ist es eine psychologische Manipulationsart, in welcher man die (eigentlich bereits gewusste) Gesamtdimension in Systematik verstecken kann. Hätte man sofort die Gesamtsumme für einen längeren Zeitraum offen gelegt, würden viel mehr Leute schon vorab ins Zweifeln kommen – was eigentlich auch richtig wäre – und in Panik ausbrechen (U.S. of A. pleite). Aber die Menschen sind größtenteils dumm und hoffnungsvoll und wollen betrogen werden.

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    Jochen Griesbaum

    23. Oktober 2015 12:28 at 12:28

    naja ich geh noch einen schritt weiter als mein vorkommentator, warum elimenieren sie die schulgengrenze nicht einfach? naja ein paar illussionen mehr oder weniger ändert nix an der gesamtlage und was die anleihen auktions angeht, kommt gleich die nächste! wer will die anleihen noch? china? *hüstel* es wird das eintretten, was in japan schon praktiziert wird, die fed wird verdeckt oder offen die anleihen selbst aufkaufen. was aussagekräftig ist, ist die terminierung auf frühjahr 2017 …….. daraus lässt sich filtern, in welchen zeiträumen die us-adminstration und ihre think-tanks vordenker planen .

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      Pierre

      23. Oktober 2015 15:10 at 15:10

      Finde ich sehr gut. Daumen hoch! Aber was machen wir dann mit den völlig inkompetenten und dann arbeitslosen Experten?

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        joah

        24. Oktober 2015 10:35 at 10:35

        endlich mal eine Schaufel in die Hand nehmen – da sieht man, was man macht

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    Johann Griesgram

    23. Oktober 2015 14:14 at 14:14

    …same procedure as every time…….

    Was soll daher das künstlich Pathos und Dramatik bei der Bericht über die
    Schuldenobergrenze?

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    Chris

    23. Oktober 2015 14:38 at 14:38

    Ich bin derselben Meinung wie Herr Griesgram!Hat die FMW-Redaktion zuletzt vermehrt Bildentlassene requiriert?Blutrünstige Schlagzeile und dann darunter „umgefallene-Sack-Reis-Dramaturgie“?Den amerikanischen „Herrenmenschen“ist der schnöde Rest der Welt doch sowas von egal!Spuren sie,wie Muttideutschland ist’s welldone,wenn nicht gibts Bombs statt Süsses!(Mein Beitrag für Halloween!)

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      Siggi50

      23. Oktober 2015 18:37 at 18:37

      Das Ganze macht schon einen Sinn. Wenn die Amis heute bekannt gäben, dass man eine Schuldenobergrenze bis 2050 auf 50 Billionen festsetzt, würde kein vernüftiger Mensch noch deren Anleihen kaufen – der gefürchtete Vertrauensverlust wäre da.

      Wenn man die Dosen aber nach und nach erhöht, stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein. Das ist wie bei Drogenabhängigen. Jeder wird sagen, naja ein bischen geht noch.

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        Bobo

        24. Oktober 2015 13:00 at 13:00

        Der Vertrauensverlust ist schon längst da. Außer der FED kauft doch kaum noch jemand den Schrott

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      joah

      24. Oktober 2015 10:52 at 10:52

      „Ich bin derselben Meinung wie Herr Griesgram! Hat die FMW-Redaktion zuletzt vermehrt Bildentlassene requiriert? Blutrünstige Schlagzeile und dann darunter „umgefallene-Sack-Reis-Dramaturgie“?“

      Na mal halblang und nicht so griesgrämig: immerhin wird hier noch kritisch berichtet, siehe letzte zwei Absätze. Vergleichen Sie das mal mit anderen Berichterstattungen, da werden Sie einen markant-signifikanten Unterschied feststellen – von wegen BILD-Niveau (!), Sie sind wohl mit dem komplett falschen Fuß aufgestanden? Ohnehin sind auch Veränderungen relevant berichtet zu werden, denn beim letzten mal haben die Republikaner komplett ohne Eigenvorschlag eine Erhöhung der Schludengrenze abgelehnt – jetzt wissen auch die, das es ohne nicht mehr geht. Man möge den Inhalt zwischen den Zeilen erkennen, wenn man dazu noch in der Lage sein sollte.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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