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US-Aktien unter Druck Shutdown-Risiko: Wie die Aktienmärkte auf den Stillstand reagieren

White House in Washington. Foto: Bloomberg

Während die Aktienmärkte zuletzt noch von KI-Euphorie und Zinshoffnungen getragen wurden, wächst nun die Nervosität: Der Shutdown der US-Regierung könnte nicht nur wichtige Wirtschaftsdaten verzögern, sondern auch die Entscheidungen der Fed erschweren. Anleger fragen sich, ob die jüngste Rallye nun auf wackligen Beinen steht – oder ob die Märkte trotz politischer Unsicherheit weiter steigen.


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Shutdown belastet Aktienmärkte

Obwohl die Kursbewegungen während des größten Teils der Sitzung am Dienstag aufgrund des seit heute Morgen um 6 Uhr deutscher Zeit feststehenden Shutdowns der US-Regierung eher verhalten waren, verzeichneten die US-Aktienmärkte im zweiten Quartal in Folge Gewinne.

Der S&P 500 schloss den Handelstag mit einem Plus von 0,4 % ab, nachdem er stundenlang zwischen leichten Gewinnen und Verlusten geschwankt hatte. Mit einem Plus von rund 3,5 Prozent verzeichnete der Index den besten September seit 15 Jahren. Antriebskraft waren der Optimismus hinsichtlich künstlicher Intelligenz und niedrigerer Zinsen.

Am Mittwoch notierten die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 jedoch 0,8 bzw. 1 Prozent tiefer, da der Übergangshaushalt zur Vermeidung der Schließung gescheitert ist und die US-Regierung nun vor einem Stillstand steht. Der Dollar-Index stieg nach drei Verlusttagen leicht an, während Gold auf ein neues Rekordhoch von 3.875 USD kletterte. Die asiatischen Aktien fielen um 0,4 %, wobei die Aktienmärkte in China und Hongkong wegen eines Feiertags geschlossen waren. Die Renditen für US-Staatsanleihen blieben weitgehend unverändert, die Rendite für zehnjährige Anleihen lag bei 4,15 Prozent.

Asiatische Aktienmärkte steigen im September den sechsten Monat in Folge

Die US-Regierung steht nun vor einem Stillstand, da sich die Demokraten im Kongress und Präsident Donald Trump am Dienstag in einer Konfrontation über die Gesundheitsausgaben nicht einigen konnten. Trump verschärfte den Ton in diesem Streit und erklärte, seine Regierung könne im Falle einer Schließung „viele” Bundesbedienstete dauerhaft entlassen.

Shutdown sorgt für Unruhe

Die Anleger konzentrierten sich ganz auf den feststehenden Shutdown, der eine Verzögerung wichtiger Wirtschaftsberichte wie die Arbeitsmarktdaten zur Folge haben könnte, anhand derer die Federal Reserve ihre Zinssenkungen bemisst. Zwar endeten die meisten Pattsituationen mit Last-Minute-Vereinbarungen, doch haben frühere Episoden zu erheblichen Störungen in der Bundesverwaltung geführt. Die Wall Street ist daher gezwungen, die möglichen Auswirkungen auf die US-Aktienmärkte abzuwägen.

„Es könnte unschön werden, wenn der Shutdown zu einem Informationsvakuum hinsichtlich der Arbeits- und Inflationsdaten vor der nächsten Zinsentscheidung der Fed führt”, sagte Michael Bailey von FBB Capital Partners. „Da sich die Aktienkurse und Bewertungen zudem nahe ihren früheren Höchstständen befinden, könnten sich kleinere schlechte Nachrichten kurzfristig zu einer Korrektur ausweiten.”

Der Stillstand bei den Ausgaben droht erstmals seit fast sieben Jahren viele Bereiche der US-Regierung lahmzulegen. Dies würde zur Einstellung von Dienstleistungen für US-Bürger und zur Aussetzung der Gehaltszahlungen für Bundesbedienstete führen.

Händler befürchten, dass der Shutdown die für Freitag geplante Veröffentlichung der Daten zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft durch das Bureau of Labor Statistics verzögern könnte. Die Wirtschaftsdaten des letzten Monats zeigen, dass sich der Arbeitsmarkt verlangsamt, während die Inflation relativ unter Kontrolle ist – wenn auch immer noch über dem Zielwert der Fed von 2 %.

Kyle Rodda, Senior Market Analyst bei Capital.com in Melbourne, schrieb, dass Trumps Drohung, Arbeitnehmer dauerhaft zu entlassen, die Schließung zu einem „Mini-Arbeitsmarktschock” machen könnte.

Was Strategen sagen

Während sich Händler an den Aktienmärkten auf die Schließung der US-Behörden vorbereiten, deuten Erfahrungen aus früheren Pattsituationen in Washington darauf hin, dass der japanische Yen und der Euro gegenüber dem Dollar die bevorzugten Währungspaare sein könnten. – Tatiana Darie, Strategin bei Markets Live.

David Seif, Chefökonom für entwickelte Märkte bei Nomura, sagte, das Fehlen wichtiger Daten am Freitag im Falle eines Shutdowns würde die Entscheidung der Fed zumindest für ihre bevorstehende Sitzung im Oktober nicht ändern.

„Je weniger Daten veröffentlicht werden, desto weniger Gründe hätte die Fed, vom Dot Plot abzuweichen”, sagte er am Dienstag im Bloomberg-Fernsehen. „Der Dot Plot deutet auf eine Senkung um 25 Basispunkte im Oktober hin. Wir gehen davon aus, dass es auch so kommen wird, unabhängig davon, ob die Daten vorliegen oder nicht.“

Ein Makro-Leitfaden für Shutdowns. So reagieren Aktienmärkte und Dollar

Aussagen der Fed

In dieser Woche äußern sich zudem einige Fed-Sprecher. So sagte der Präsident der Fed von Chicago, Austan Goolsbee, die jüngste Runde von Zöllen könnte dazu führen, dass Unternehmen in seinem Bezirk erneut Entscheidungen zurückstellen, um abzuwarten, wie sich die Abgaben entwickeln.

Lorie Logan, die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Dallas, sagte, dass die politischen Entscheidungsträger bei der Erwägung weiterer Zinssenkungen vorsichtig sein sollten, solange die Inflation über dem Zielwert bleibt und der Arbeitsmarkt relativ ausgeglichen ist.

Die Präsidentin der Fed von Boston, Susan Collins, sagte, dass weitere Zinssenkungen in diesem Jahr angesichts eines schwächeren Arbeitsmarktes angemessen sein könnten. Die Verantwortlichen müssten jedoch weiterhin vorsichtig sein, was die Möglichkeit einer anhaltenden Inflation angeht. Der stellvertretende Vorsitzende der Fed, Philip Jefferson, warnte, dass die Zentralbank neben einem sinkenden Inflationsdruck auch mit einem sich abkühlenden Arbeitsmarkt konfrontiert sei, was die politischen Entscheidungen erschwere.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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1 Kommentar

  1. Auffi geht’s immer, abwärts nimmer

    Ich befürchte, dass es kommt wie immer. Der Aktienmarkt macht eine leichte Korrektur und nachher können wieder mehrmals Hoffnungen auf eine Einigung die Aktienmärkte weiter pushen.Es könnte aber auch anders kommen, wenn die Börsen irgendwann in die Nähe der Realität zurückkehren würden. Es bräuchte auch keinen Schwarzen Schwan, nur den Flügelschlag eines Schmetterlings um das Finanzkartenhaus zu erschüttern.

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