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Shutdown verschleiert: Düsterer Befund für den US-Arbeitsmarkt

Shutdown verschleiert: Düsterer Befund für den US-Arbeitsmarkt
Der Hauptsitz des US-Arbeitsministeriums in Washington, DC. Foto: Al Drago/Bloomberg

Während der Shutdown in Washington die offiziellen Konjunkturzahlen zum Schweigen bringt, schlägt die Carlyle Group Alarm: Der US-Arbeitsmarkt zeigt im September ein überraschend düsteres Bild. Laut eigenen Berechnungen des Investmentriesen wurden in den USA kaum neue Jobs geschaffen – ein Warnsignal, das Fragen über die wahre Stärke der amerikanischen Wirtschaft aufwirft.

Shutdown belastet Arbeitsmarkt

Die Carlyle Group, ein Investmentmanager, dessen Portfoliounternehmen weltweit mehr als 700.000 Menschen beschäftigen, füllt die durch den US-Regierungsstillstand entstandene Lücke in der Wirtschaftsdatenlage — mit einem düsteren Befund für den Arbeitsmarkt, so ein Bericht von Bloomberg.

Der Beschäftigungsbericht des US-Arbeitsministeriums für September, dessen Veröffentlichung am 3. Oktober geplant war, wurde seit Beginn des Shutdowns in der vergangenen Woche verschoben. Ökonomen hatten in einer Bloomberg-Umfrage mit einem Zuwachs von 54.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft gerechnet, nach insgesamt rund 22.000 Jobs im August. Carlyle schätzt hingegen, dass lediglich 17.000 neue Stellen geschaffen wurden — eines der schwächsten Ergebnisse seit dem Ende der Rezession im Jahr 2020.

Seit mehr als einem Jahrzehnt erstellt Carlyle eigene Schätzungen zum US-BIP, zu den Konsumausgaben und zur Inflation, „um als zeitnahe Ersatzwerte zu dienen, wenn Regierungsdaten verzögert oder nicht verfügbar sind”. Diese Zahlen werden in solchen Fällen gelegentlich veröffentlicht.

Das Unternehmen nutzt operative Daten aus seinen 277 Portfoliounternehmen und 694 Immobilieninvestitionen, um die Werte zu berechnen, die dieselben Größen messen sollen wie die offiziellen Veröffentlichungen der US-Regierung.

Was Bloomberg Economics sagt: “Ohne den Shutdown hätten wir erwartet, dass die Fed bis Dezember keine weiteren Zinssenkungen vornimmt. Da wir jedoch davon ausgehen, dass der Shutdown noch mehrere Wochen andauern wird — und angesichts der dadurch ausgelösten Unsicherheit und des Vertrauensverlusts —, rechnen wir nun mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte im Oktober.” — Anna Wong, Chefökonomin für die USA bei Bloomberg Economics

Schwächelnde US-Wirtschaft

Neben der Schätzung der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft im September veröffentlichte Carlyle auch Indikatoren zum US-BIP-Wachstum, zu Unternehmensausgaben und zu mehreren Komponenten des Verbraucherpreisindex. Diese Werte zeichnen laut Carlyle insgesamt das Bild einer widerstandsfähigen, wenn auch schwächelnden US-Wirtschaft.

“Das Interessante an der aktuellen Lage ist die Diskrepanz zwischen den Beschäftigungszahlen und den anderen Wirtschaftsindikatoren, die wir betrachten”, sagte Jason Thomas, Head of Global Research and Investment Management bei Carlyle. “Wenn man nur die Beschäftigungsdaten betrachtet, könnte man denken, die Wirtschaft stehe kurz vor oder bereits in einer Rezession. Das zeigt sich aber in keinem anderen Datensatz.”

Insbesondere sei “die Inflation deutlich weiter verbreitet, als man annehmen würde, wenn man nur auf langlebige Güter blickt, die von Zöllen betroffen sind”, so Thomas. Die Einführung dieser Zölle im April habe das Preisniveau bisher weniger stark angehoben als erwartet.

Die US-Notenbank Fed hatte im vergangenen Monat erstmals in diesem Jahr die Zinsen gesenkt — als Reaktion auf Anzeichen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt, obwohl die Inflation weiterhin deutlich über dem langfristigen Zielwert von 2% liegt. Entsprechend können Regierungsdaten zu Beschäftigung und Inflation die Erwartungen weiterer Zinsschritte verändern und damit starke Ausschläge an den globalen Finanzmärkten auslösen — bei Anleihen, Währungen und Aktien.

Beschäftigungsdaten

Das Bureau of Labor Statistics, das den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht erstellt, befragt dafür rund 121.000 Unternehmen und Regierungsbehörden. Andere private Anbieter von Beschäftigungsdaten verfügen über deutlich größere Stichproben als Carlyle.

Automatic Data Processing (ADP), der Lohnverarbeiter, dessen Abteilung ADP Research zwei Tage vor dem BLS-Bericht eigene Schätzungen veröffentlicht, stützt sich auf Daten von 26 Millionen Beschäftigten. Revelio Labs wiederum erstellt Berechnungen auf Basis von mehr als 100 Millionen US-Jobprofilen, die rund zwei Drittel der US-Erwerbsbevölkerung abdecken.

ADP schätzte, dass die privaten Beschäftigtenzahlen im September um 32.000 zurückgingen, während Revelio einen Zuwachs von etwa 60.000 meldete.

Shutdown belastet US-Arbeitsmarkt - Carlyle zeigt düstetere Lage für September

Anna Wong von Bloomberg Economics erklärte, die ADP-Daten für September seien aufgrund unterschiedlicher Vergleichsgrundlagen nur ein unvollständiger Ersatz für die Regierungszahlen. Bloomberg Economics hatte für September einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft um 54.000 prognostiziert.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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