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Siebtgrößer britischer Energieversorger kollabiert – erster Anbieter unter „Sonderverwaltung“

Gas-Flamme

Der siebtgrößte britische Energieversorger „Bulb“ mit 1,7 Millionen Kunden und 1.000 Mitarbeitern ist aktuell das größte Opfer der explodierenden Gas- und Strompreise in Europa. Das Unternehmen kann nicht mehr aus eigener Kraft weitermachen, und wird nach eigener Aussage als erstes Energieunternehmen auf der Insel in den Status einer „Sonderverwaltung“ gestellt – die Geschäfte werden von Regulierungsbehörde Ofgem weitergeführt. Wie es der Experte Javier Blas aktuell passend anmerkt: In Großbritannien sei dieses Vehikel der „Sonderverwaltung“ im Energiesektor das Äquivalent zu „too big to fail“ im Bankensektor – sie sei Unternehmen vorbehalten, die zu wichtig sind um zu scheitern, wenn andere Optionen nicht möglich sind.

Der Sonderverwalter ist in Großbritannien im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Verwalter verpflichtet sowohl die Interessen der Verbraucher als auch der Gläubiger zu berücksichtigen. Seit August sind insgesamt 21 britische Anbieter für Strom und Gas zusammengebrochen, wovon laut Javier Blas mehr als 3,7 Millionen Haushalte betroffen sind. Wenn so viele Unternehmen in Konkurs gehen, klingt es seiner Aussage nach nicht so, als ob die Regierung die Situation im Griff hätte, um es gelinde auszudrücken.

Dieses Verfahren dient laut Aussage von Bulb dem Schutz der Kunden, denn es stelle sicher, dass sich das Angebot nicht ändert und das Guthaben der Kunden geschützt sei. Die Sonderverwaltung solle es Bulb ermöglichen den Betrieb wie gewohnt aufrechtzuerhalten, so dass die Kunden keine Maßnahmen ergreifen müssen. Die Tarife würden sich nicht ändern, und die Preisobergrenze gelte für alle Verbraucherstromtarife. Was sagt uns das? Das Unternehmen wusste nicht mehr weiter. Statt pleite zu gehen, war Bulb zu systemrelevant, und das Problem wurde daher auf den Staat abgewälzt.

Die BBC merkt zur Bulb-Pleite aktuell an, dass alleine in den letzten drei Monaten bei den zahlreichen Pleiten von Energieunternehmen in Großbritannien fast 4 Millionen Kunden betroffen waren. Aber warum? Wenn die Anbieter gestiegene Großhandelspreise einfach an die Endkunden weitergeben, ist doch alles in Ordnung? Nein, die britische Energiepreisobergrenze sei das Problem – sie begrenze die Endkundenpreise der Versorger, und habe das Problem nach Ansicht der Unternehmen noch verschärft. Unsere Anmerkung: Es ist eine einfache Logik: Steigt der Großhandelspreis explosionsartig an, aber der Staat erlaubt Endkundenpreise nur bis zu einer festen Grenze, dann müssen die Versorger irgendwann pleite gehen – weil sie mit immer weiter steigenden Preisen immer mehr Verlust machen müssen, den man in einem freien Markt an die Verbraucher weitergeben könnte. Aber würde man den Markt freigeben, müsste der Staat wohl Energie-Gutschriften an die Verbraucher ausgeben, die sich extrem hohe Preise nicht leisten können.



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