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Nach Gold long, Silber short Silber: Star-Trader setzt mit Rekord-Short auf fallende Preise

Silber: Star-Trader setzt mit Rekord-Short auf fallende Preise
Silbermünzen und -barren bei Mennica Inwestorow in Warschau. Foto: Damian Lemanski/Bloomberg

Ein chinesischer Star-Trader, milliardenschwere Goldgewinne und eine spektakuläre Wette gegen Silber: Der zurückgezogen lebende Investor Bian Ximing sorgt erneut für Aufsehen an den Rohstoffmärkten. Nach fast 3 Milliarden US-Dollar Gewinn mit Gold-Futures setzt er nun massiv auf einen Absturz des Silberpreises. Seine Short-Position ist bereits hunderte Millionen Dollar wert – doch das Risiko bleibt enorm.

Silber-Short nach Gewinn mit Gold

Wie Bloomberg berichtet, hat ein chinesischer Milliardär, der mit dem historischen Höhenflug von Gold reich geworden ist, nun Silber ins Visier genommen – allerdings auf der Short-Seite. Bian Ximing, ein zurückgezogener Trader, der einen Großteil seiner Zeit in Gibraltar verbringt, wettet auf einen Einbruch des Silberpreises. Diese Position hat inzwischen einen Buchgewinn von fast 300 Millionen US-Dollar erreicht.

Bian machte sich einen Namen, indem er seit Anfang 2022 massiv auf steigende Gold-Futures an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) setzte. Laut Bloomberg-Analysen und mit der Angelegenheit vertrauten Personen erzielte er damit Gewinne von nahezu 3 Milliarden US-Dollar. Nun hält er die größte Netto-Short-Position auf Silber an der SHFE. Die Quellen wollten anonym bleiben, da die Informationen nicht öffentlich sind.

Die Wette ist allerdings hochriskant. In der extrem volatilen Phase des Silbermarktes war Bian gezwungen, Teile seiner Positionen mit Verlust zu liquidieren. Aktuell hält er jedoch eine Short-Position von rund 450 Tonnen Silber, was etwa 30.000 Futures-Kontrakten entspricht. Der starke Preisrückgang seit der vergangenen Woche brachte ihm dadurch einen Buchgewinn von rund 2 Milliarden Yuan (etwa 288 Millionen US-Dollar).

Rechnet man frühere Verluste ein, liegt sein geschätzter Nettogewinn bei rund 1 Milliarde Yuan, basierend auf dem Silberperis zum Ende des Dienstags. Da Silber auch am Donnerstag weiter fiel und inzwischen um mehr als 16 % eingebrochen ist, dürfte sich dieser Gewinn weiter erhöht haben.

Von Gold auf Silber: Star-Trader wettet mit Rekord-Short gegen Silberpreis
Bian setzt auf fallende Silberpreise | Größte Netto-Short-Position an der Börse von Shanghai

Rekord-Short an der Börse

Über seine Brokerage Zhongcai Futures Co. begann Bian laut Börsendaten in der letzten Januarwoche, seine Short-Positionen deutlich auszubauen. Zwar veröffentlicht die SHFE keine Namen einzelner Investoren hinter Brokerage-Konten, doch laut informierten Personen stammen der Großteil der Edelmetallpositionen von Bian selbst sowie von wenigen Kundenprodukten, die er direkt verwaltet.

Weder Bian noch Zhongcai Futures reagierten auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

Die Daten zeigen, dass Zhongcais Silber-Short-Position am 28. Januar auf etwa 18.000 Kontrakte sprang und am 30. Januar auf rund 28.000 Kontrakte anwuchs – exakt an dem Tag, als Silber in Shanghai ein Allzeithoch erreichte.

Gold gegen Silber neu bewertet

Bians aggressive Wette fällt in eine Phase, in der die extremen Preisschwankungen viele Marktbeobachter dazu bringen, ihre Sicht auf Edelmetalle zu überdenken. Während Gold für institutionelle Investoren weiterhin als Absicherung gegen Zinsänderungen, Zentralbankkäufe und geopolitische Unsicherheit gilt, wird der Silber-Anstieg zunehmend anders interpretiert.

Viele Analysten sehen darin weniger eine fundamentale Bewegung, sondern vielmehr eine industriell getriebene Rally, die stark von spekulativen Positionierungen befeuert wurde – und weniger von realwirtschaftlichen Faktoren.

Bian erlangte in Chinas Futures-Märkten Berühmtheit durch seine kompromisslos bullischen Gold-Wetten, die vor fast vier Jahren begannen. Er gehört zu einer kleinen Gruppe legendärer Rohstoffhändler, die seit dem Wirtschaftsboom vor über zwei Jahrzehnten den Markt geprägt haben. Anders als viele seiner Kollegen fällt er durch seine Abgeschiedenheit auf – und durch eine treue Online-Gefolgschaft, die seine Überlegungen zur Investmentphilosophie verfolgt.

Von August vergangenen Jahres an baute er zunächst eine Long-Position in Silber auf, die ihm laut Berechnungen auf Basis von Börsendaten mehr als 1,3 Milliarden Yuan Gewinn einbrachte.

Strategiewechsel mit Risiko

Im November begann Bian jedoch, seine Strategie zu drehen. Er versuchte, den Höhepunkt der Rally zu treffen, was ihn zwischenzeitlich auf die Verliererseite einzelner Trades brachte. Seit der vergangenen Woche hielt er seine Short-Position jedoch mit großer Überzeugung, verteilte das Risiko auf länger laufende Kontrakte und blieb selbst bei weiteren Preissprüngen investiert.

Der abrupte Ausverkauf am Silbermarkt hat diese Strategie vorerst belohnt.

Bloomberg rekonstruierte die Positionsveränderungen von Zhongcai Futures anhand täglicher SHFE-Daten und schätzte daraus die Gewinne. Da die Börse keine Details zu Einstiegspreisen oder exakten Kosten veröffentlicht, sind geringfügige Abweichungen möglich.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger

Über den RedakteurStefan Jäger

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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8 Kommentare

  1. Tja,

    dann darf man also spekulieren, ob die Positionen noch offen oder schon geschlossen wurden. Man weiß auch nicht an welcher Börse, ob vor oder nach dem Rücksetzer…

    Wozu verrät der das überhaupt?

    1. Großer Bär

      Wahrscheinlich möchte er seine Gefolgschaft dazu bringen, ihm sein Geschäft zu versüßen. So wie das hier geschrieben ist, würde er in den USA behördlichen Besuch bekommen.

      Aber uns Silberbullen ist es recht: man will ja kaufen und dafür sind niedrige Preise besser.

      1. kaufen, kaufen, kaufen?

        Tee trinken wäre eine Alternative.

        Der Preisrückgang passt zur Preisexplosion, bis jetzt.

        1. Großer Bär

          „Abwarten und Tee trinken“ ist eine gute Philosophie um Hektik oder dummen Konsum zu verringern. Aber an der Börse gilt „Take Action“.
          Der Hauptgrund, warum die Leute nicht wohlhabend werden ist, dass sie zu genau diesen Zeiten, wenn es donnert und blitzt, nicht kaufen.
          Egal ob Gold oder MSCI World – Krisenzeit ist Kaufzeit.

          Natürlich sollte es etwas solides und mit ruhiger Hand. Aber wer bei so einem Preisnachlass nicht kauft, ist schlicht zu ängstlich.

          1. Felix

            Sie haben natürlich recht. Ich meinte damit, wie oft kann man schon handeln und das kostet ja auch Gebühren ;-)

            Der Kurs ist ja schon seit letztem Freitag in dem Bereich. Die weitere Richtung ist offen.

            Wenn ich das richtig interpretiere sind die Lieferanträge für Februar erhöht (soweit ich das beurteilen kann). Gestern wurde deutlich aus dem Frontmonat März gerollt bzw. geschlossen, das Open Interest ist gefallen, ich schließe daraus, dass der Markt noch in der Bereinigungsphase steckt:

            Lieferanträge Daily:

            https://www.goldseiten.de/artikel/688281–Silber-crasht-erneut-ueber-Nacht–Gold-scheitert-an-Abwaertstrend.html?seite=2

            Volumen und Open Interest im mittleren Reiter:

            https://www.cmegroup.com/markets/metals/precious/silver.volume.html?utm_source=copilot.com

            Heute kommt der COT Report raus, wo wir einen Snapshot zum Dienstag bekommen. D.h., da sieht man dann, wie die Marktteilnehmer nach dem Crash positioniert sind. Ich erwarte natürlich einen deutlichen Rückgang im spekulativen Bereich.

            Und dabei werde ich einen Tee trinken, mit Rum!

          2. Tee mit Rum ist eine gute Sache im Winter. Ich bleibe aber bei Rotwein. Und Tee.

            Traden ist keine schlechte Sache, wenn man es kann. Aber wenn man traden will, gibt es deutlich bessere Möglichkeiten. Das System von Felix und Winston finde ich z.B. sinnvoll. Auf jeden Fall gibt er gute Hinweise, die immer wichtig sind. Schauen Sie mal auf Youtube: ein Engländer mit Hund. Auf X hat er auch sehr interessante Beiträge.

            Rohstoffe sind für mich das Investment der Saison. Das einzige was ich mache, was man im weitesten sinne als „traden“ bezeichnen könnte, ist, dass ich nach und nach meine geringfügigen ETP- Positionen im Depot zugunsten von Aktien auflöse. Aber fast alles, was nicht spekulativ ist (Silberjuniors z.B.) ist schon teuer. Kupfer und Öl sollte man verstärken, wenn es noch in die Pläne paßt. Bei Kupfer kommt der Mangel erst noch und Öl ist schlicht und ergreifend noch billig und wird wieder teurer werden.
            Öl wird mE sogar vorübergehend an Bedeutung gewinnen, weil unsere moderne Welt ohne Öl nicht existieren kann und die nächstbessere Energieform, Kernkraft, nun erst richtig in Angriff genommen wird.
            Das einzige was diesen logischen Trend nachhaltig stoppen kann, ist ein totaler Atomkrieg. Und dann ist es auch egal, welche Aktien man gekauft hat.

  2. @Felix

    Minen teuer?

    Ich halte das für sehr schwer einzuschätzen. Silber hat auf diesem Niveau noch nie lange gehalten. Wir haben keinen historischen Vergleich.

    1. Guten Abend Großer Bär

      Ein Mißverständnis. Die kleineren Minenbetriebe sind drecksbillig. Aber die sind eben sehr spekulativ. Die großen Minenaktien sind gut gestiegen und verdienen sehr gutes Geld. Wenn nun aber auch bald die Kosten steigen, werden die nicht „to the moon“ gehen. Eine gemütliche Verdoppelung ist hier und da noch möglich, aber das bedarf dann Rahmenbedingungen, bei dem andere Investments auch steigen. Und ansonsten ist von Tech bis Coca Cola alles teuer. Sogar BAT muss schon fast 12 Jahren Kippen verkaufen, damit jemand seinen Einstandspreis zurückbekommt.

      Silber ist heute der billigste Rohstoff. Seit 1980 unterdrückt, damit die Leute nicht merken, was mit dem Papiergeld los ist. Aber Silber ist nicht nur Geld, es ist eben auch ein Rohstoff mit einzigartigen Eigenschaften. Silber ist nicht ersetzbar. Jeder Ersatz bringt automatisch Nachteile.
      Hinzu kommt, die Sache mit dem „Geld ist Silber“ ist nach 55 Jahren aus den Köpfen etwas rausgewachsen und nicht mehr so gefährlich.
      Die manipulieren den Markt jetzt noch ein bißchen, damit sie einigermaßen schadlos rauskommen, und dann lassen sie Silber als Industrierohstoff laufen. Das wird Silber auf ein höheres Preisniveau bringen.

      Ein schönes Wochenende.

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