Die Metallmärkte erleben zum Jahresende 2025 eine historische Verschiebung: Silber und Kupfer haben Gold als Favoriten der Anleger verdrängt. Rekordnachfrage, geopolitische Eingriffe und strukturelle Engpässe schieben die Preise der beiden Metalle in ungeahnte Höhen. Doch je steiler die Rallye, desto größer die Unsicherheit. Marktstrategen sprechen von einem „parabolischen Anstieg ohne Widerstandsmarken“. Anleger, die jetzt auf Silber und Kupfer setzen, könnten vor einer gewaltigen Chance stehen – oder am Beginn extremer Volatilität. Die entscheidende Frage lautet: Wie lange hält dieser historische Aufwärtstrend?
Silber und Kupfer rücken in den Fokus
Silber und Kupfer haben sich zum Jahresende 2025 und mit Blick auf 2026 als die bevorzugten Metallwetten der Märkte etabliert und damit Gold in den Hintergrund gedrängt. Institutionelle wie private Anleger bauen massive Long-Positionen auf, da beide Metalle von zunehmenden Befürchtungen rund um globale Angebotsengpässe profitieren. Der Silberpreis hat sich im Jahresverlauf nahezu verdoppelt – ein Großteil des Anstiegs der vergangenen zwei Monate resultiert aus einem historischen Angebotsschock am Referenzmarkt London, ausgelöst durch stark steigende Nachfrage aus Indien sowie wachsende Zuflüsse in silbergedeckte Exchange-Traded Funds (ETFs). Zwar hat sich die Marktlage in London durch zusätzliche Lieferungen etwas entspannt, doch in anderen Regionen – besonders in China – liegen die Lagerbestände auf dem niedrigsten Niveau seit einem Jahrzehnt.
Laut Ed Meir, Analyst bei Marex Group Inc., ist die Dynamik außergewöhnlich: „Wenn man sich den Chart ansieht, gab es einen steileren parabolischen Anstieg als bei früheren Rallys. Die Käufe sind viel konzentrierter und in einem viel kürzeren Zeitraum erfolgt.“ Silber hat dabei Gold deutlich übertroffen. Während Gold nach seinem Rekordhoch am 20. Oktober seitwärts tendiert, hat Silber über 11 % zugelegt und ein neues Allzeithoch markiert. Kupfer wiederum stieg im gleichen Zeitraum um fast 9 % – ein weiterer Hinweis darauf, dass sich das Momentum klar von Gold in Richtung industriell relevanterer Metalle verschiebt.
Volatilität als Treiber der Rallye
Begleitet wird die Rallye von einem sprunghaften Anstieg der impliziten Volatilität im iShares Silver Trust, dem weltweit größten Silber-ETF. Sie erreichte den höchsten Stand seit Anfang 2021, einer Phase, in der Silber kurzfristig sogar zum Ziel sogenannter Meme-Stock-Trader geworden war. Fast 1 Milliarde US-Dollar flossen innerhalb einer Woche in den ETF – mehr als in den größten Goldfonds – und trieben die Spotpreise zusätzlich an. Laut Trevor Yates, Senior Investment Analyst bei Global X ETFs, sehen westliche Investoren „signifikanten Nachholbedarf“, da sie in den vergangenen Jahren deutlich untergewichtet in Edelmetallen waren.

Parallel dazu verzeichnen Optionen auf Silber-Futures der Comex-Notierung eine starke Nachfrage, da Anleger sich gegen extreme Kursschwankungen absichern oder bewusst auf weitere Rallyes setzen wollen. Besonders auffällig ist der massive Zulauf privater Anleger: Das durchschnittliche Fünf-Tage-Handelsvolumen bei Micro-Futures erreichte laut CME Group Inc. den zweithöchsten Stand des Jahres.
Ein Beispiel für die aktuelle Spekulationsfreude ist der Handel mit „Lottery-Ticket“-Optionen: Über 5.000 Lots eines Comex-Silver-February-$80/$85-Call-Spread wechselten an nur zwei Tagen die Besitzer – eine Wette auf einen explosiven Kursanstieg zu Jahresbeginn, die 25 Millionen Feinunzen entspricht. Diese spekulativen Strukturen verdeutlichen, dass der Markt bereit ist, Szenarien deutlich jenseits des bisherigen Rekordbereichs zu handeln.
Rallye mit Risiken
Doch diese Dynamik ist nicht ohne Risiken. Bloomberg-Analyst Mike McGlone schreibt, Silber notiere zum 2. Dezember bei einer 82 %-Prämie gegenüber seinem Fünfjahresdurchschnitt – die stärkste Abweichung zum Jahresende seit 1979. Entsprechend ungewiss ist die Frage, wo die Rallye ihr Ende findet. „Wenn ein Chart so ausbricht, gibt es keine klaren Widerstände“, sagt Meir. Das Hoch „könnte bei 85 Dollar liegen, könnte aber auch bei 60 Dollar liegen.“
Während Silber durch seine finanziellen Eigenschaften dominiert, wird Kupfer zunehmend von strukturellen Faktoren getrieben. Die wachsenden Anforderungen der globalen Elektrifizierung – insbesondere durch KI-Rechenzentren und erneuerbare Energietechnik – verstärken die Sorge vor jahrelangen Angebotsdefiziten.
Kupfer zwischen Politik und Knappheit
Kupfer erreichte auf der London Metal Exchange zuletzt über 11.600 US-Dollar pro Tonne – ein neues Allzeithoch. Gleichzeitig stieg die At-the-Money-Volatilität der März-Comex-Kontrakte, während sich die Open Interest-Schwerpunkte deutlich über dem aktuellen Kursniveau konzentrieren. Ein maßgeblicher Treiber dieser Marktverwerfungen war der politische Eingriff durch den US-Präsidenten Donald Trump, der im Februar überraschend Zölle zur Stärkung der heimischen Kupfer-Produktion ankündigte. Diese Entscheidung ließ die New Yorker Futures über die LME-Notierungen steigen und löste einen Rekordanstieg der US-Importe aus, von dem Händler wie Trafigura, Glencore und Mercuria profitierten.
Xiaoyu Zhu von StoneX Financial Inc. sieht den Boden dadurch gut abgesichert: Angebotsengpässe durch Störungen großer Minen treffen auf eine steigende Nachfrage aus der Energie- und Elektrifizierungswende. Zwar nahm die Importdynamik ab, nachdem Trump im Juli bestimmte Metallformen von Zöllen ausnahm; doch jüngste Aussagen, wonach die Regierung die Einführung von Abgaben auf primäres Kupfer 2026 erneut prüfen wolle, haben den Handel wieder angeheizt.
Laut Greg Sharenow von Pimco haben sich die globalen Metallbilanzen deutlich verengt, da physisches Material aufgrund tatsächlicher oder drohender Zölle verstärkt in die USA umgeleitet wird. Die hohen US-Preise im Vergleich zu globalen Benchmarks schaffen starke Anreize, Kupfer im Land zu halten. Gleichzeitig warnte Sharenow: „Es ist schwer zu sagen, wie dauerhaft das ist, daher könnten wir eine Korrektur von 10 % bis 15 % sehen, ohne dass dies die langfristige Story beeinträchtigt.“
FMW/Bloomberg
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Amateure setzen im Moment (offenbar fast alles) auf Ag, während Profis schon länger auf Cu setzen. Ich persönlich präferiere dagegen grundsätzlich impair.