Eigentlich spricht derzeit fast alles für den Silberpreis. Doch trotz Angebotsdefizit, robuster Industrienachfrage und wachsendem Anlegerinteresse sendet die Charttechnik weiterhin Warnsignale. Die entscheidende Frage lautet daher: Ist die Korrektur seit dem Hoch bei 121 Dollar bereits beendet – oder steht Silber vor dem nächsten Rückschlag in Richtung 50 US-Dollar?
Drei Faktoren sprechen für Silber
Fundamental betrachtet bleibt das Umfeld für Silber attraktiv. Der erste wichtige Unterstützungspfeiler ist das anhaltende Angebotsdefizit. Nach Einschätzung des Silver Institute dürfte der globale Silbermarkt auch 2026 ein Defizit aufweisen. Damit würde sich die Serie von Jahren fortsetzen, in denen die Nachfrage das verfügbare Angebot übersteigt.
Hinzu kommt die weiterhin hohe Industrienachfrage. Silber spielt eine wichtige Rolle in Zukunftsbranchen wie der Elektronikindustrie, beim Ausbau von Rechenzentren, in der Elektromobilität und im Bereich moderner Energietechnologien. Auch wenn einzelne Nachfragebereiche zeitweise schwanken können, bleibt der langfristige Trend intakt.
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Der dritte Faktor ist das Anlegerinteresse. Nachdem Gold in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, rückt Silber zunehmend als günstigere Edelmetallalternative in den Fokus vieler Investoren. Gerade in Edelmetallzyklen gilt Silber häufig als Nachzügler, der von steigender Investorennachfrage profitieren kann.
Warum der Markt trotzdem nicht steigt
Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen konnte der Silberpreis seine Rally bislang nicht nachhaltig fortsetzen. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Ein wichtiger Faktor ist die enorme Kapitalfokussierung auf den Technologie- und KI-Sektor. Ein erheblicher Teil der Anlegergelder konzentriert sich derzeit auf wenige große Technologiewerte. Marktbeobachter verweisen darauf, dass diese Entwicklung Kapital bindet, das in früheren Marktphasen teilweise auch in Edelmetalle oder andere alternative Anlageklassen geflossen wäre.
Belastend wirken zudem die gestiegenen US-Anleiherenditen. Höhere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold und Silber, da Edelmetalle selbst keine laufenden Erträge erwirtschaften. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen an schnelle Zinssenkungen der US-Notenbank zuletzt deutlich abgeschwächt. Das Szenario „higher for longer“ bleibt damit ein Gegenwind für den gesamten Edelmetallsektor.
Hinzu kommt ein stabilerer US-Dollar. Da Silber weltweit überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, kann ein fester Dollar die Nachfrage zusätzlich bremsen und die Preisentwicklung belasten.
Charttechnik sendet Warnsignal
Aus charttechnischer Sicht bleibt die Lage für den Silberpreis daher angespannt. Nach dem Hoch bei rund 121 Dollar Ende Januar fiel der Silberpreis bis auf etwa 61 Dollar zurück. Anschließend folgte eine Erholung bis in den Bereich von 89 Dollar.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob das Tief bei 61 Dollar bereits das Ende der gesamten Korrektur markierte oder lediglich die erste Abwärtswelle einer größeren Korrektur darstellt. In diesem Fall würde das Hoch bei 89 Dollar nur ein Zwischenhoch markieren, während sich aktuell eine weitere Abwärtswelle nach unten entwickeln könnte.
Für dieses Szenario spricht vor allem, dass die Erholung seit dem März-Tief bislang nicht den Charakter eines klaren neuen Aufwärtsimpulses besitzt. Stattdessen wirkt die Marktstruktur weiterhin korrektiv und liefert bislang keine eindeutigen Hinweise auf ein abgeschlossenes Korrekturmuster. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt jedoch: Solange das Tief bei 61 Dollar verteidigt wird, besteht weiterhin die Chance, dass sich die Erholung ausweitet und die Korrektur letztlich doch bereits beendet wurde.
Silberpreis: Diese Zonen entscheiden
Sollte sich das Szenario einer laufenden ABC-Korrektur bestätigen, rückt zunächst die Marke von 61 Dollar wieder in den Fokus. Dort befindet sich das bisherige Korrekturtief vom 23. März und damit die erste wichtige Unterstützungszone.
Wird dieser Bereich unterschritten, könnte die langfristig bedeutende Zone zwischen 54 und 50 Dollar in den Mittelpunkt rücken. Kaum eine Marke hat den Silberpreis in den vergangenen 50 Jahren so stark geprägt wie dieser Bereich. Sowohl beim historischen Hoch Anfang 1980 als auch beim Hoch im April 2011 scheiterte Silber in der Nähe der 50-Dollar-Marke. Sollte sich die aktuelle Korrektur ausweiten, könnte aus dem ehemaligen Widerstand nun erneut eine entscheidende Unterstützungszone werden.
Erst eine nachhaltige Rückkehr über die Region um 89 Dollar würde dagegen die Wahrscheinlichkeit einer noch laufenden C-Welle spürbar reduzieren.
Gefahr und Chance zugleich
Fundamental bleibt Silber weiterhin interessant. Das Angebotsdefizit, die hohe Industrienachfrage und das anhaltende Anlegerinteresse sprechen langfristig für den Rohstoff. Kurzfristig sendet die Charttechnik jedoch weiterhin Warnsignale.
Solange keine eindeutige Bodenbildung erkennbar ist, bleibt das Risiko weiterer Rückschläge in Richtung 61 Dollar und im Extremfall sogar bis in den Bereich zwischen 54 und 50 Dollar bestehen. Sollte es tatsächlich zu einer solchen Bereinigung kommen, könnte sich daraus jedoch eine interessante mittel- bis langfristige Einstiegschance ergeben. Denn die fundamentalen Treiber des Silberpreises wären auch in diesem Szenario weiterhin intakt.
Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Ich hoffe, es geht noch einmal richtig nach unten beim Silber.
Auf jeden Fall sehe ich in Silber mehr Potential als bei Gold.
Mal sehen was kommt.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
@Helmut
Mir fällt seit langem auf, dass Gold- und Silberbugs immer jubeln und hoffen – egal ob der Kurs gerade steigt oder fällt 😄
@Siamak
Da kannst Du mal sehen, wie gut es den Gold- und Silber-Bugs geht! 😉
Inflation +3%
Gold -3%
Schönes Wochenende.
Ich hoffe, auch der Goldpreis geht nochmal richtig runter.
So wie 2014 als ich für meine Tochter für die Hälfte meines geerbten Hauses Gold gekauft habe.
Muss irgendwas von 970 Euro die Unze gewesen sein.
Wenn in 2 Monaten der Preis richtig unten wäre, knallen hier die Sektkorken, denn dann kann ich das Geld vom Haus investieren.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Columbo scheint der letzte Mohikaner zu sein, der Tagesschwankungen bei der Langfristanlage Gold noch beachtet und immer noch nicht gemerkt hat, dass gerade in turbulenten Zeiten die Anleger bei Verlusten in andern Assets Gold zum Ausgleichen von Margin- Calls nutzen. ( müssen) Der Realwert- Aktiengläubiger scheint auch nicht gemerkt zu haben dass der Nikkei und der NASDAQ in zwei Tagen crashartig 6 bis 8% verloren haben und der nächste Montag könnte die geliebten Realwerte noch weiter abstrafen.Columbo sind sie nicht lernfähig oder ist die Goldphobie im Endstadion so dominant.
Hallo @ Siamak Ahmadi
Das ist richtig.
Edelmetallpreise steigen und fallen immer.
Z. B. hat sich der Preis von dem Silber das ich Mitte 2022 gekauft habe, aktuell im Preis mehr als verdreifacht.
Bei Gold war es etwas weniger.
Wichtig ist nur, dass Gold und Silber mehr steigen als fallen.
Als ersten Anhaltspunkt für den ersten Zeitraum, gibt es den Zeitraum von 365 Tagen, denn danach könnten Edelmetalle legal steuerfrei verkauft werden.
Und da liegen Gold und Silber phantastisch.
Deutlich über den Kursgewinnen der letzten Jahre.
Anleger, die mit Edelmetallen z. B. ihre private Altersversorgung ansparen, planen in einem Zeitraum von 40 bis 50 Jahren.
Jetzt müssen Silber und Gold wieder konsolidieren. Ich vermute etwa bis September.
Ich bin seit 2000 in Gold investiert. Damals kostete die Unze 280 Euro.
Zwischenzeitlich ist der Preis auch mal um über 30 % gefallen, bevor er sich dann vervierfacht hat.
Es brennt mir aber unter den Nägeln. Denn das Geld für unser in Spanien verkauftes Haus erhalte ich erst Anfang November. Dann werden ich wohl den Tiefpunkt bei Gold und Silber nicht mehr erwischen.
Du siehst, in mir ruhen auch zwei Seelen.
Natürlich freue ich mich immer über steigende Edelmetallpreise. Nur im Moment nicht. Das die Preise fallen kostet mich ja nichts. Dieses Jahr noch für einige Hunderttausende billig einkaufen bringt langfristig mehr.
Ich halte mir die Daumen
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
„… crashartig 6 bis 8%…“
Da hat einer wohl keine Ahnung, wie Crash definiert ist🤣.
Hallo @ Benno
In den letzten 365 Tagen bei Silber beträgt der steuerfreie Kapitalertrag aktuell:
In Euro 88,9 %
In Dollar 91 %
Da kann man nicht meckern.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut