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Gold/Silber

Silberpreis: Drei auf einen Streich – Lage und Ausblick

Hannes Zipfel

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Bereits Ende Juni deutete sich der Ausbruch aus der trendbestätigenden Konsolidierungsformation an. Seitdem hat der Silberpreis an Kraft und Dynamik gewonnen und weitere wichtige Hürden nach oben genommen. Gestützt wird die Preisentwicklung vor allem von der physischen Investmentnachfrage und nicht von den Terminmarktspekulanten. Wie geht es nun weiter beim „Gold des kleinen Mannes“?

Silberpreis mit drei positiven Chartsignalen

Seitdem der Silberpreis Ende Juni aus der Wimpel-Formation (2) und über die 18-US-Dollar Marke nach oben ausgebrochen ist, konnte direkt danach der Horizontalwiderstand bei 18,86 US$/Unze überwunden werden (3) und sogar ein erneutes Hineinlaufen in den seit Mitte März etablierten Aufwärtstrend ist nun in greifbarer Nähe. Ganz nebenbei durchbrach der gleitende 50-Tage-Durchschnitt den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt nach oben (1). Auch das ist ein positives Signal für die Hausse beim Silberpreis.

Chart zeigt Verlauf im Silberpreis in US-Dollar

Als nächste Hürde muss der Kurs nun den Horizontalwiderstand bei knapp 19,60 US$/Unze, resultierend aus dem zyklischen Hoch vom September 2019, überwinden. Danach folgt die psychologisch wichtige glatte Marke von 20 US-Dollar.
Wenn der Silberpreis, getragen von der physischen Nachfrage, anschließend noch die Kursspitze vom Juli 2016 bei 21,14 US-Dollar aus dem Markt nimmt, dann stünde einer dynamischen Aufholjagd auf den Goldpreis wie in früheren Hausse-Phasen charttechnisch nichts mehr im Wege. Auf jeden Fall ist es sehr ermutigend zu sehen, wie der Silberpreis innerhalb kürzester Zeit durch ein ganzes Bündel an Widerständen nach oben läuft und an Dynamik gegenüber dem Goldpreis gewinnt, was sich auch in der starken Rückbildung des Gold-Silber-Ratios von in der Spitze 126 am 18. März auf aktuell 94,3 zeigt.

Hohe Nachfrage nach Investment-Silber

Wie das The Silver Institute Ende vergangener Woche mitteilte, waren die Zuflüsse von Privatkunden und institutionellen Investoren in börsengehandelte Produkte mit physischer Hinterlegung in diesem Jahr beeindruckend hoch. Zum 30. Juni erreichten die weltweiten Bestände mit 925 Millionen Unzen Silber ein neues Allzeithoch, was ungefähr 14 Monaten Minenproduktion entspricht. Die Silberzuflüsse in diese Produkte, zu denen auch Silber-ETF gehören, stieg im ersten Halbjahr 2020 um 196 Mio. Unzen an und übertraf damit den höchsten halbjährlichen Zufluss von 149 Mio. Unzen im Jahr 2009 deutlich.

Auf nordamerikanische börsennotierte physische Silber-Fonds entfielen rund 90 Prozent der Zuflüsse seit März dieses Jahres, was die Bedeutung der amerikanischen Investmentnachfrage für den Silberpreis zeigt. Die hohe Nachfrage und die daraus resultierende Absorption von Silber aus den Märkten durch physisch gedeckte Anlagevehikel hält auch im Juli weiter an.
Der Verkauf von Silbermünzen im Einzelhandel stieg gegenüber dem Vorjahr im ersten Halbjahr 2020 um ca. 60 Prozent an. Wahrscheinlich hätte auch hier ein neuer Rekord erreicht werden können. Da es aber durch die Lockdowns bei den Raffinerien und Münzprägeanstalten zu einigen Störungen in der Lieferkette kam, waren die Händlerbestände für mehrere Silbermünzen schnell erschöpft, was zu längeren Lieferzeiten und höheren Aufgeldern führte. Selbst jetzt, nach dem teilweisen Aufheben diverser nationaler Lockdowns, ist die Produktpalette bei einigen Händlern in Deutschland nach wie vor eingeschränkt, da die staatlichen Münzprägeanstalten, v. a. in Nordamerika, zuerst die heimischen Märkte bedienen (USA und Kanada), bevor Ware in den Export nach Europa geht.

Terminmarktdaten bleiben trotz gestiegenem Silberpreis sehr konstruktiv

Trotz des signifikanten Anstiegs der Silbernotierungen seit Ende März hat sich das spekulative Exposure der großen Marktteilnehmer (Large Speculators) an der wichtigsten Terminbörse für das weiße Edelmetall, der COMEX in New York, kaum verändert. Am Tiefpunkt des Silberpreises erfasste die Aufsichtsbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) in ihrem Report vom 27. März 33.700 Kontrakte auf steigende Kurse (1 Kontrakt umfasst 5.000 Unzen Silber). Seitdem ist der Silberpreis um 64 Prozent angestiegen. Die Zahl der spekulativen Kaufkontrakte jedoch nur um 12,2 Prozent auf 37.825. Noch Ende Februar 2020 waren es 77.877 Kontrakte (siehe Chart grüne Linie), bei einem Kursniveau von ca. 18,40 US$/Unze. Der COT-Index verharrt somit bei einem Stand von 72 klar im Kauf-Bereich (rote Linie ganz unten im Chart).

Fazit und Ausblick

Mit der jüngsten Aufwärtsbewegung konnte der Silberpreis im übergeordneten Chartbild aus dem Abwärtstrend seit August 2013 nach oben ausbrechen. Auch das kurzfristige Chartbild sieht sehr konstruktiv aus. Ergänzt um die Nachfragestärke von der physischen Seite, die deutlich nachhaltiger ist als die der kurzfristig orientierten Terminmarktspekulanten, ergibt sich ein weiterhin positives Umfeld für den Silberpreis.

Bekanntlich folgt das weiße Edelmetall seinem großen goldenen Bruder in Hausse-Phasen mit Zeitverzögerung – so scheinbar auch dieses Mal. Doch vergangene Zyklen zeigen auch, dass wenn der Silberpreis an Momentum gewinnt, dieser den Goldpreis deutlich outperformen kann. Dazu muss das weiße Edelmetall aber zunächst noch drei wichtige Preishürden in US-Dollar pro Unze nehmen: die 19,60er Marke, die glatte 20,00er Marke und das zyklische Hoch aus dem Juli 2016 bei 21,14 US$/Unze.

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Gold/Silber

Goldpreis-Verlauf unter Joe Biden – das ist keine einfache Thematik

Claudio Kummerfeld

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Gold mit US-Dollar und Adler

Wenn ein Unternehmen seine Quartalszahlen deutlich besser als erwartet veröffentlicht, dann ist die Lage einfach und klar. Der Aktienkurs sollte steigen. Und im Goldpreis? Da wird die Lage mit Sicht auf mehrere Wochen und Monate etwas schwieriger. Joe Biden ist jetzt neuer US-Präsident. Und nun steht das gewaltige 1,9 Billionen Dollar schwere Stimulus-Paket an. Wird es verabschiedet werden, und was sind die Auswirkungen auf den Goldpreis?

Carsten Fritsch von der Commerzbank wies am Mittwoch in einem Kommentar darauf hin, dass die Verabschiedung dieses gigantischen Konjunkturpakets die erste große Aufgabe von Joe Biden sein werde. Zwar würden die Demokraten nach dem Sieg bei den Senats-Stichwahlen in Georgia über eine knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern verfügen. Einfach werde der Genehmigungsprozess dennoch nicht. Von daher bleibe abzuwarten, wie lange es dauert, bis das Paket unterschriftsreif auf dem Schreibtisch des neuen Präsidenten liegt. Gold dürfte laut Carsten Fritsch von dieser Unsicherheit profitieren. Nach Inkrafttreten dürfte die Wirtschaft in den USA dank des massiven Impulses spürbar anziehen, was den US-Dollar aufwerten lassen und den Goldpreis damit belasten könnte.

Goldpreis im größeren Bild mit guten Aussichten?

Das ist das kurzfristige Szenario für die Aussicht auf Tage und Wochen. Und danach, wenn man auf das große Gesamtbild blickt? Gold ist doch der Fluchthafen, wenn die angeblich große Inflationswelle kommt? Ja, dieses Szenario sollte im größeren Bild nie vergessen werden. Die Notenbanken drucken immer mehr Geld, die Staaten verschulden sich immer mehr. Nicht eine Hyperinflation, sondern „nur“ ein deutlich spürbares Anziehen der Inflation könnte den Goldpreis wieder anfachen als Fluchthafen. Die Fed hat Ende letzten Jahres schon klar gemacht, dass sie zur Stützung der Konjunktur eine möglicherweise anziehende Inflation erst einmal nicht bremsen würde mit höheren Zinsen. Dies wäre womöglich die Chance für Gold-Trader auf höhere Kurse zu setzen.

Blickt man ganz aktuell auf den Goldpreis, dann hat er diese Woche zulegen können. Unter 1.830 Dollar am Montag gestartet, ging es bis gestern rauf auf das Hoch bei 1.874 Dollar. Aktuell kann man sich mit 1.862 Dollar auf erhöhtem Niveau halten. Im Chart sehen wir seit Montag den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar (Dollar-Index blau). Gestern hatten wir schon den nicht einfach zu erklärenden Goldpreis-Anstieg in dieser Woche besprochen. Derzeit ist die Lage nicht ganz so klar wie üblich. Die Biden-Wahl bringt viel in Bewegung.

Chart zeigt Goldpreis-Anstieg seit Montag gegen fallenden US-Dollar

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Silberpreis: Geht es jetzt bald deutlich nach oben?

Markus Fugmann

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Der Silberpreis hatte einen holprigen Start in die Woche – aber er hat es geschafft, wieder ins Positive zu drehen. Wohin wird sich das Edelmetall in den kommenden Wochen bewegen?

Der Silberpreis war im Januar 2021 ziemlich instabil. Das gilt insbesondere nach dem deutlichen Pullback, den wir seit Wochenbeginn gesehen haben. Fast unmittelbar danach prallte Silber jedoch vom Unterstützungsniveau bei 24 $ wieder nach oben.

Silberpreis: Der Widerstand bei 26 Dollar

Trotz der deutlichen Erholung beim Silberpreis vom Unterstützungsniveau von 24 Dollar: nun liegt ein starker Widerstand um die $26-Marke vor uns. Sollte es dem Silber jedoch gelingen, diese Marke zu überwinden, könnten im Januar sogar Gewinne bis zur 28 $-Marke möglich sein.

Bricht jedoch das Unterstützungsniveau von 24 $,  dann dürfte der Silberpreis bis auf 22,90 $ zurückfallen. Übergeordnet geht David Jones, chief market strategist bei capital.com, davon aus, dass Silber weiter steigen wird. Aber das größte Risiko wäre eine Erholung beim US-Dollar:

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Wohin geht der Silberpreis?

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Goldpreis steigt weiter an – keine einfache Spurensuche nach den Gründen

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Barren Gold

Der Goldpreis steigt weiter an. Gestern Vormittag besprachen wir die gute Laune der Gold-Anleger bei einem Preisniveau von 1.855 Dollar. Jetzt 24 Stunden später notiert Gold bei aktuell 1.872 Dollar. Die Spurensuche für die Gründe ist nicht ganz so einfach.

Schwierige Spurensuche für steigenden Goldpreis

Sogar die Experten der Commerzbank, die in Sachen Edelmetallen ziemlich fit sind, tun sich aktuell schwer. So sagen sie in einem ganz frischen Kommentar, dass die Preise für Edelmetalle gestern Nachmittag urplötzlich und ohne einen erkennbaren Grund nach oben sprangen. Der Preisanstieg auch im Goldpreis sei ohne Zutun des US-Dollar erfolgt, der sogar leicht aufwertete. Möglicherweise habe die Erwartung massiver fiskalischer Stimulierungsmaßnahmen am Tag der Amtseinführung von US-Präsident Biden eine Rolle gespielt, wodurch die Inflationsrisiken steigen und die Staatsverschuldung nochmals deutlich anschwillt. Aber auch charttechnische Faktoren könnten laut CoBa eine Rolle gespielt haben, nachdem der Goldpreis die wichtige 200-Tage-Linie überwunden hat. Dadurch könnten spekulative Finanzanleger weitere Käufe getätigt haben.

Man könnte auch abgesehen von diesen Faktoren sagen (so meine Meinung): Vielleicht setzt derzeit ein neuer Aufwärtsschub im Goldpreis ein, weil die Anleger grundsätzlich wieder stärker in Kauflaune für Gold sind? Die gesamte Gemengelage aus Inflationsangst und globalen Unsicherheiten lässt Gold wieder attraktiver erscheinen in 2021, und die Menschen kaufen mehr Gold? Ganz kurzfristig schaut der aktive Trader heute auf die EZB-Entscheidung um 13:45 Uhr und die folgende PK um 14:30 Uhr. Große Entscheidungen werden nicht erwartet, aber man weiß ja nie. Und um 14:30 Uhr werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA veröffentlicht. Auch sie können vor allem den Devisenmarkt bewegen, und somit auch den Goldpreis.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit dem 11. Januar
Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit dem 11. Januar.

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