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Rekordrally trifft Warnsignal Silberpreis explodiert: Jahresendrally treibt Silber auf 84 Dollar

Silberpreis explodiert: Jahresendrally treibt Silber auf 84 Dollar
Geprägte 1kg-Silberbarren in der Perth Mint Refinery. Foto: Matt Jelonek/Bloomberg

Silber hat zum Jahresende ein historisches Ausrufezeichen gesetzt: Der Silberpreis übersprang erstmals die Marke von 80 US-Dollar je Feinunze und markierte damit ein Allzeithoch. Damit verlängert der Markt eine atemberaubende Rally, die vor allem von spekulativen Positionierungen und einem anhaltenden Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage getragen wird. In einem Umfeld fallender Dollar-Notierungen und wachsender geopolitischer Spannungen profitieren Edelmetalle generell – auch Gold und Platin erreichten zuletzt Rekordstände.

Silberpreis steigt auf 84 Dollar

Der „weiße“ Rohstoff stieg zwischenzeitlich um bis zu 6% und kletterte am Montagmorgen auf 84 US-Dollar je Unze, bevor er in einer volatilen Bewegung deutlich zurücksetzte, kurzzeitig unter dem vorherigen Schlusskurs notierte und sich anschließend wieder erholte. Für Anleger wirkt die Kombination aus schwächerem US-Dollar und geopolitischer Unsicherheit wie ein Brandbeschleuniger, weil Edelmetalle als sicherer Hafen gesucht sind. Wie Bloomberg berichtet, zeigt der jüngste Schub dabei, wie sensibel der Silberpreis auf Nachrichten und Positionierungsdynamiken reagiert – und wie stark der Markt aktuell von Momentum geprägt ist.

Ein zusätzlicher Impuls kam am Wochenende von Elon Musk, der die wachsende Anleger-Euphorie rund um Edelmetalle öffentlich kommentierte. Musk reagierte auf einen Tweet zu chinesischen Exportrestriktionen und schrieb auf X: „Das ist nicht gut. Silber wird in vielen industriellen Prozessen benötigt.“ Die Aussage verstärkte ein Narrativ, das Silber nicht nur als Krisenmetall, sondern als strategisch wichtiges Industriemetall positioniert – ähnlich wie bei Gold, das traditionell als Wertaufbewahrungsmittel dient.

Die chinesischen Maßnahmen gelten allerdings eher als Fortschreibung bestehender Regeln. Sie wurden bereits am 30. Oktober vom Handelsministerium angekündigt. Zwar zählt China zu den drei größten Produzenten von Silber (häufig als Nebenprodukt industrieller Metalle), zugleich ist das Land aber auch der weltweit größte Verbraucher – und damit kein dominanter Exporteur.

„Die spekulative Stimmung ist sehr stark“, sagte Wang Yanqing, Analyst bei China Futures Ltd. Zugleich bezeichnete er Diskussionen über eine angeblich neue Exportverschärfung Pekings als haltlos. „Es gibt einen Hype um ein knappes Spot-Angebot, und das ist derzeit etwas extrem.“

Silber und Gold weiter im Höhenflug - Silberpreis erreicht Rekordhoch über 80 USD
Der Silberpreis wird nahe 80 Dollar pro Unze gehandelt

Silber: Rekordrally trifft Angebotsengpass

Die Beschleunigung im Dezember ist außergewöhnlich: Der Silberpreis hat in diesem Monat bereits mehr als 40% gewonnen und steuert auf die beste Jahresperformance seit Beginn der Aufzeichnungen 1951 zu. Damit krönt der Markt eine Jahresrally im Edelmetallsektor, die von mehreren Faktoren gespeist wird: hohen Zentralbankkäufen, Zuflüssen in börsengehandelte Fonds (ETFs) sowie drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen der US-Notenbank. Niedrigere Zinsen sind traditionell Rückenwind für Rohstoffe ohne laufende Verzinsung – und Händler wetten bereits auf weitere Zinsschritte im Jahr 2026.

Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die vor Übertreibung warnen. „Machen wir uns nichts vor: Wir erleben gerade eine generationenprägende Blase bei Silber“, sagte Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG Australia. Er verweist auf strukturelle Angebotsgrenzen und lange Projektlaufzeiten: „Neue Minen brauchen oft bis zu zehn Jahre, und Kapital wird wie eine Motte vom Licht in die Edelmetallblase gezogen – es ist unmöglich zu sagen, wann die Luft herausgelassen wird.“ Für den Silberpreis bedeutet das: Die fundamentale Knappheit kann den Trend stützen, die Geschwindigkeit der Bewegung erhöht aber auch das Risiko abrupter Korrekturen.

Geopolitische Risiken stützen

Zusätzlich stützen geopolitische Risiken die Nachfrage nach sicheren Häfen. In Venezuela sorgen Spannungen für Nervosität, nachdem die USA Öltanker blockiert haben. Auch US-Angriffe auf den Islamischen Staat in Nigeria wurden als neuer Unsicherheitsfaktor interpretiert. Parallel verlor der Bloomberg Dollar Spot Index in der vergangenen Woche 0,8% und verzeichnete damit den stärksten Wochenrückgang seit Juni. Ein schwächerer Dollar ist in der Regel positiv für Gold und Silber, da in US-Währung notierte Rohstoffe für Käufer außerhalb der USA günstiger werden.

Warum Silber aktuell Gold übertrifft, liegt auch an der Marktstruktur. Der Silbermarkt ist dünner, Liquidität kann schneller austrocknen. Während der Londoner Goldmarkt durch rund 700 Mrd. US-Dollar an verfügbaren Barrenbeständen gestützt wird, existiert ein vergleichbarer „Puffer“ bei Silber nicht. Ein historischer Angebotsengpass im Oktober führte bereits zu Verwerfungen; seither flossen zwar zusätzliche Mengen in Londoner Tresore, doch andernorts entstanden neue Knappheiten.

Industrieboom trifft Überkauft-Signal

In China sanken die Lagerbestände in Warehouses, die mit der Shanghai Futures Exchange verbunden sind, im vergangenen Monat auf den niedrigsten Stand seit 2015. Zudem liegt ein großer Teil des kurzfristig verfügbaren Silbers in New York, während Händler auf das Ergebnis einer Untersuchung des US-Handelsministeriums warten. Geprüft wird, ob Importe kritischer Mineralien ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen – eine Bewertung, die den Weg für Zölle ebnen könnte.

Anders als Gold ist Silber stärker industriell getrieben. Es wird in Solarzellen, KI-Rechenzentren und Elektronik benötigt. Bei Inventaren nahe historischen Tiefstständen steigt damit das Risiko realer Versorgungsengpässe, die wiederum Produktionsketten in mehreren Branchen belasten könnten.

Sycamore sieht den Haupttreiber in einer strukturellen Schieflage von Angebot und Nachfrage: „Der dominante Faktor der letzten Zeit war ein schweres strukturelles Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Silber, das eine Jagd nach physischem Metall ausgelöst hat“, sagte er. „Käufer zahlen inzwischen eine bemerkenswerte Prämie von 7% für sofortige Lieferung im Vergleich dazu, ein Jahr zu warten.“ Für den Silberpreis ist diese Prämie ein klares Zeichen dafür, dass kurzfristige Verfügbarkeit derzeit höher bewertet wird als die langfristige Preislogik.

Technische Indikatoren mahnen jedoch zur Vorsicht: Der 14-Tage-Relative-Stärke-Index (RSI) lag zuletzt deutlich über 80 und damit weit über der Marke von 70, die als „überkauft“ gilt. Um 6:14 Uhr in London notierte Spot-Silber bei 78,52 US-Dollar je Unze, nachdem zuvor 84,01 erreicht worden waren. Gold gab moderat um 0,6% auf 4.505,20 US-Dollar nach und lag damit unter dem Rekordhoch von 4.549,92 vom Freitag. Platin und Palladium fielen ebenfalls zurück, Palladium sogar um mehr als 6%, nachdem beide Edelmetalle am Vortag Rekordstände markiert hatten.

FMW/Bloomberg



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