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Silberpreis fällt nach US-Konjunkturdaten – wie geht es weiter?

Silber Barren Beispielbild - Silberpreis fällt

Am Terminmarkt gerät der Silberpreis nach positiven Konjunkturdaten aus den USA unter Druck. Das hohe Exposure der Spekulanten sowie eine geringere Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen setzen den Notierungen kurzfristig zu.

Silberpreis fällt in guter Gesellschaft

Wie pervers die Situation an den Märkten bereits geworden ist, sieht man an der ersten Reaktion verschiedenster Vermögenspreise nach Bekanntgabe positiver US-Konjunkturzahlen – alles fällt:

Silberpreis in USD Chart

Vor allem die Einkaufsmanagerindizes zum US-Dienstleistungsgewerbe kamen mit 54,7 deutlich über der Expansionsschwelle (50) und über den Erwartungen des Marktes von 53,5 herein. Zuvor lag der Index bei nur 52,6 Punkten. Nach dem Motto: Gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten, wurden darauf hin an allen Märkten Gewinne realisiert. Sobald der Strom an billiger Liquidität durch die Zentralbanken weniger wahrscheinlich wird, drücken die Händler auf den Sell-Knopf. Das spiegelt die totale Abhängigkeit der vorherigen Rallye von der Geldpolitik wider.

Das gilt für Silber ebenso wie für Gold, Aktien und Bonds. Der im Verhältnis zu anderen Assetpreisen überproportional stark gefallene Silberpreis ist zum einen der Enge des Marktes sowie zum anderen dem hohen spekulativen Exposures auf der Long-Seite am Terminmarkt geschuldet. Zwar sind derartige Strukturen am Terminmarkt nicht per se negativ für den weiteren Kursverlauf eines Edelmetalls, siehe Palladium, aber sie machen den Preis anfällig für heftige Korrekturen.

COT Daten als Chart

Ohne Moos nix los

Wie ich in meinem Artikel „US-Wirtschaft stabilisiert sich an der Herz-Lungen-Maschine“ schrieb, läuft weder an den Finanzmärkten noch in der Realwirtschaft noch irgendetwas ohne die Notmaßnahmen der Zentralbanken. Das gilt auch für die jetzt publizierten Stimmungsdaten der Einkaufsmanager. Ohne die Notinjektionen der Fed seit Mitte September wäre der US-Geldmarkt bereits kollabiert und die jetzt befragten Einkaufsmanager bereits arbeitslos. Fakt ist, dass es ohne anhaltende geldpolitische Stimuli keine konjunkturelle Aufhellung mehr geben wird. Ergo wird auch der Abverkauf von liquiditäts- und zinssensiblen Anlagen wie Gold und eben auch Silber nur temporärer Natur sein.

Gefährlich für alle Märkte und die Konjunktur ist der Anstieg der Zinsen am Kapitalmarkt, die spiegelbildlich zu den fallenden Anleihekursen nach oben gehen. Ein Hauptgrund für die bisherige Rallye nahezu aller Märkte waren neben der Liquiditätsschwemme die sinkenden Zinsen.

Auch für die überschuldeten Volkswirtschaften sind steigende Zinsen, v. a. am langen Ende der Zinsstrukturkurve, pures Kryptonit. Die Zinskosten für Langfristdarlehen aller Art orientieren sich an diesen Benchmarkrenditen der langlaufenden US-Staatsanleihen: Autokredite, Hypothekendarlehen, Studentendarlehen und Kreditkartendarlehen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Verschuldung des Staates über langlaufende Anleihen. Der Schuldenstand der US-Bundesregierung hatte zum Monatsauftakt November gerade erst die Schallmauer von 23 Billionen Dollar durchbrochen. Bereits vor Jahresfrist brachten steigende Anleiherenditen den Aktienmarkt und damit die gesamte konsumabhängige US-Konjunktur in Gefahr:

S&P 500 vs US-Anleiherenditen

Seit dem letzten Herbst sind die Schulden und die Kurse der Aktien weiter gestiegen und mit ihnen die Zinssensitivität. Läuft es also zu gut bei den Konjunkturdaten und es droht dem Markt der Liquiditätsentzug durch die Notenbanken, dann erreichen die Kapitalmarktzinsen schnell wieder gefährliche Niveaus – mit den bekannten negativen Folgen. Auf die dann entstehenden Turbulenzen reagiert die Geldpolitik zwangsläufig erneut mit noch mehr Stimulus – und so setzt sich der Kreislauf fort. Auch aus diesem Grund ist jede Korrektur bei dem zins- und liquiditätssensiblen Edelmetall Silber nur temporärer Natur.

Fazit und Ausblick

Der Abverkauf der monetären Edelmetalle, allen voran sichtbar im derzeit fallenden Silberpreis, ist im übergeordneten Bild bedeutungslos. Die Abhängigkeit der Finanzmärkte und der gesamten Weltwirtschaft von einer ständig steigenden Amplitude an Alimentierung durch die Zentralbanken garantiert mittelfristig die Fortsetzung der Silber-Rallye. Auch wenn kurzfristig eine „alles ist wieder gut Mentalität“ einiger Marktteilnehmer in Folge positiver Konjunkturdaten den Blick auf das Wesentliche vernebelt.



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