Gold/Silber

Silberpreis steigt in Richtung zyklischer Höchststände

Sollten nun zusätzlich noch höhere Benzinkosten (Iran-Krise) und steigende Zinsen für längerfristige Darlehen durch die Versteilerung der US-Zinsstrukturkurve hinzukommen, wäre selbst eine Kontraktion der US-Wirtschaft im Auftaktquartal des neuen Jahres nicht mehr auszuschließen. Ein Vorbote für diese Entwicklung ist der heute veröffentlichte ISM Einkaufsmanager-Index für die USA, der aktuell den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren aufweist (seit Juli 2009) und mit einem Wert von 47,2 eine anhaltende Kontraktion im verarbeitenden Gewerbe offenbart. Neben den konjunkturellen Risiken unterstützen auch die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten, speziell zwischen dem Iran und den USA, die Notierungen der monetären Edelmetalle Gold und Silber als Save-Haven-Assets.

Fundamentaldaten für Silber verbessern sich deutlich

Zusätzlicher Rückenwind für den Silberpreis kommt auch von der fundamentalen Seite, wie der jüngst vom The Silver Institute publizierte Bericht „Metals Focus Interim Silver Market Review“ zeigt. Demnach wird es zwar auch im Jahr 2019 einen moderaten Angebotsüberhang in Höhe von 16,5 Mio. Unzen gegeben (Gegenwert ca. 265 Millionen Euro), dies bedeutet aber einen Rückgang um 48 Prozent gegenüber dem Überschuss von 2018 (32 Mio. Unzen) und einem Rückgang von 78 Prozent gegenüber dem Produktionsüberschuss des Jahres 2017. Gleichzeitig stagniert die Angebotsmenge gegenüber dem Jahr 2018 und erreicht im Jahr 2019 voraussichtlich den tiefsten Stand seit sieben Jahren.

Berücksichtigt man zusätzlich die Silbernachfrage der sogenannten Silver ETPs (Exchnage Traded Products) wird es wohl bereits im Jahr 2019 erstmals seit 2013 ein Angebotsdefizit gegeben haben (endgültige Daten für 2019 liegen noch nicht vor).
Auf der Nachfrageseite stechen besonders drei Bereiche positiv hervor: Die Investmentnachfrage (Barren Münzen, physisch gedeckte ETFs), die Schmucknachfrage (weil Gold mittlerweile sehr teuer geworden ist) und Silbergeschirr (speziell in Indien).
Gemäß Metals Focus werden allein die Verkäufe von Silberbarren im Jahr 2019 um 7 Prozent auf ein Dreijahreshoch gestiegen sein. Die Zuflüsse in physisch gedeckte ETFs dürften erstmals seit vier Jahren im vergangenen Jahr wieder positiv gewesen sein, mit weiter steigender Tendenz.

Die Nachfrage aus der Industrie ging im letzten Jahr bedingt durch die Belastungen aus dem Handelskrieg voraussichtlich leicht um insgesamt 0,1 Prozent zurück. Gleichzeitig zeigen sich in einzelnen Sektoren interessante Entwicklungen: Insbesondere im wichtigen Automobilsektor stieg der Silberverbrauch trotz weltweiter Absatzschwäche deutlich an, da die Fahrzeuge immer mehr elektrifiziert und automatisiert werden (Silber ist der beste elektrische Leiter). Darüber hinaus ist der Silberverbrauch in der Photovoltaikbranche gestiegen, da viele Länder im Jahr 2019 Projekte für erneuerbare Energien vorantrieben (besonders China). Die Gesamtnachfrage nach Silber ist im Jahr 2019 um ca. 1 Prozent angestiegen.

Fazit und Ausblick

Insgesamt bleiben die fundamentalen Perspektiven für das Hightech-Metall Silber sowohl von der industriellen Nachfrage her (Gewinner der Elektrifizierung und der Automatisierung) als auch bedingt durch seinen Charakter als inflations- und krisenresistentes Edelmetall positiv. Es ist damit zu rechnen, dass der Silbermarkt bereits im Jahr 2020 wie bereits in den Jahren 2008 bis 2013 erneut in ein strukturelles Defizit gerät (weniger Angebot als Nachfrage). Die Kombination aus sich weiter abschwächender US-Konjunktur, schwächelndem US-Dollar, sinkenden Zinsen, steigenden Geldmengen sowie geopolitischen Risiken erzeugt weiteres Aufwärtspotenzial für den Silberpreis in Richtung neuer zyklischer Höchststände im Verlauf dieses Jahres.



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