Die Märkte erleben derzeit eine bemerkenswerte Dynamik, in deren Zentrum Silber mit außergewöhnlicher Stärke glänzt. Trotz zunehmender Warnsignale einer möglichen Überhitzung treiben massive ETF-Zuflüsse und ein knappes Angebot den Silberpreis weiter nach oben – diese Rally stellt sogar Gold in den Schatten.
Silberpreis: Nächster Treiber für die Rally
Silber hat am Freitag erneut zugelegt und steuert auf den zweiten Wochengewinn in Folge zu, da starke Zuflüsse in börsengehandelte Fonds der ohnehin schon fulminanten Rally zusätzlichen Schub verleihen.
Der Silberpreis stieg um mehr als 2 % und näherte sich damit wieder dem Rekordhoch von 58,9789 US-Dollar je Unze, das Anfang der Woche erreicht worden war. Wie Bloomberg berichtet, sind die Nettozuflüsse in silbergedeckte ETFs in den vier Tagen bis Donnerstag bereits die höchsten für eine volle Woche seit Juli – ein klares Zeichen für ungebrochenes Anlegerinteresse, trotz erster Warnsignale auf eine mögliche Überhitzung des Marktes.
„Diese Ströme können Kursbewegungen rasch verstärken und kurzfristige Short-Squeezes auslösen“, erklärte Dilin Wu, Research-Stratege bei Pepperstone Group Ltd. Über weite Teile der Woche schwankte der 14-Tage-Relative-Stärke-Index des Metalls um die Marke von 70 – ein Schwellenwert, ab dem Trader Silber typischerweise als überkauft einstufen.

Silber-Knappheit und globale Nachfrage
Silber hat seinen Wert in diesem Jahr nahezu verdoppelt und damit den rund 60-prozentigen Anstieg von Gold deutlich übertroffen. In den vergangenen zwei Monaten hat sich die Rally noch beschleunigt – ausgelöst durch eine historische Verknappung in London. Zwar hat sich dieser Engpass in den letzten Wochen etwas entspannt, da mehr Metall in das weltweit größte Handelszentrum geliefert wurde, doch in anderen Märkten zeigen sich nun neue Angebotsengpässe. In China liegen die Silberbestände auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt.
Auch die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed in der kommenden Woche die Zinsen senken wird, stützt die jüngste Kursrally des Silberpreises. Swaps signalisieren nahezu sicher eine Zinssenkung – ein üblicher Rückenwind für unverzinste Edelmetalle. Diese Wetten blieben sogar nach aktuellen US-Arbeitsmarktdaten bestehen, die einen Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf ein Drei-Jahres-Tief zeigten.
Laut Analysten der Citigroup um Max Layton könnte der Silberpreis in den kommenden drei Monaten auf bis zu 62 US-Dollar je Unze steigen – getragen von Fed-Lockerungen, kräftiger Investmentnachfrage und einem anhaltenden Angebotsdefizit.
Silber ist jedoch nicht nur ein Edelmetall: Es besitzt zahlreiche industrielle Eigenschaften, die es zu einem unverzichtbaren Bestandteil in Produkten wie Leiterplatten, Solarmodulen und medizinischen Beschichtungen machen. Die globale Nachfrage übersteigt die Minenproduktion nun bereits im fünften Jahr in Folge.
„Die überproportionale Rally zeigt, dass Silber nicht mehr nur das stille Beiboot von Gold ist“, sagte Hebe Chen, Analystin bei Vantage Markets in Melbourne. „Der Markt erkennt zunehmend die strukturelle Knappheit und die rasant steigende industrielle Nachfrage – nicht nur die klassische Safe-Haven-Story.“
Der Silberpreis stieg zuletzt um 2 % auf 58,23 US-Dollar je Unze (Stand 8:28 Uhr in London) und liegt damit auf Wochensicht 3,3 % im Plus. Gold legte um 0,4 % auf 4.224,36 US-Dollar je Unze zu, während auch Platin und Palladium leichte Gewinne verzeichneten. Der Bloomberg Dollar Spot Index fiel um 0,1 %.
FMW/Bloomberg
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Der Zustrom in die ETF’s könnte auch daran liegen, dass Anleger, welche in ihren Märkten kein physisches Silber mehr bekommen (z.B. in Indien und China) auf die Alternative ETF umsteigen. Zusätzlich Fondsmanager, welche kein physisches Metall kaufen dürfen und daher auf die ETF’s angewiesen sind.
Das Problem ist, dass die Fonds im Ernstfall keine wirkliche physische Deckung haben, da von JP Morgan etc. die Fondsanteile leerverkauft wurden, um an die physischen Silberbestände zu kommen und die Lücken bei der LBMA zu decken. Wenn es hart auf hart kommt ist das Silber nicht da und die Fondsanteile sind quasi wertlos…
Richtig. Deswegen kaufen Profis den PSLV. Der Fonds von Sprott lagert sein Silber bei der Royal Canadian und ist zu 100% real gedeckt.
Da steckt persönliche Zuverlässigkeit dahinter, die keine US-Großbank zu bieten hat.
Diese Fonds sind unterschiedlich, einige sind physisch gedeckt andere nicht, einige mit Lieferanspruch, andere nicht.
ETF/ETC haben halt einen großen Vorteil, den vermutlich die allermeisten mit Brokerkonto nutzen: Sie können Anteile binnen Sekundenbruchtteil elektronich handeln, mit niedrigem Spread.
Ein klassischer Physischfan wird das nicht wollen und auch nicht brauchen, der kauft und wartet Jahre bis Jahrzehnte ab. Er hat tiefes Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem. Er kümmert sich um seine Dinger und packt sie in ein Schließfach usw..
Ein ETF ist zu Spekulationszwecken mE dem physischen Besitz überlegen. Solange es keinen Systemzusammenbruch gibt!
Echtes Metall kauft man viel teurer als man es wieder zurück verkaufen kann (zur gleichen Zeit / Spread) und das Zeugs muss irgendwo hin, nur Schließfach ist eine halbwegs sinnvolle Sache. Und das hat laufende Kosten…
Also ETF-Anleger würde ich mutmaßen, spekulieren nicht auf Jahrzehnte und schon gar nicht auf einen Systemzusammenbruch.
Nö, ich nutze auch ETPs, aber ich sehe diverse Gefahren. Währungszusammenbrüche, Weltwirtschaftskrisen, Weltkrieg. Es liegt leider alles im Bereich des möglichen.
Der BlackRocker ist ein Instrument zur Kontrolle des Silberpreises. Während des SilverSqueeze der „Apes“ sah man deutlich, dass der PSLV mit zunehmendem Volumen entsprechend mehr Silber einlagerte, andere nicht.
Die offiziellen Prospekte geben diverse Möglichkeiten legal her – oder eben nicht.
Dennoch nutze auch ich den SIL, weil er die niedrigsten Kosten hat. Ich habe aber auch den Plan, dieses Kapital zu gegebener Zeit umzuschichten. Privat kann man ja in Sekunden agieren. Denn im Moment der Knappheit, wird es mit allen ETPs ein Problem geben, die ihr Silber nicht haben.
Ich denke aber auch, wer Edelmetall ewig halten und vererben will, nutzt eher Verwahrung. Oder nen Spaten.