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Silber im Kaskaden-Absturz Silberpreis stürzt auf 64 Dollar: Volatilität erfasst auch Gold

Silberpreis stürzt auf 64 Dollar: Volatilität erfasst auch Gold
1-kgSilberbarren bei Conclude Zrt, einem Edelmetallhändler in Budapest. Foto: Akos Stiller/Bloomberg

Der Silberpreis steht am Freitag erneut unter massivem Druck. Nach einem historischen Kurseinbruch, extremer Volatilität und akuten Liquiditätsengpässen suchen Investoren nach Orientierung. Während Gold vergleichsweise stabiler bleibt, zeigt Silber einmal mehr seine Anfälligkeit für heftige Preisschwankungen. Der jüngste Absturz wirft grundlegende Fragen zur Marktstruktur, zu spekulativen Übertreibungen und zur kurzfristigen Stabilität auf.

Silberpreis im Kaskaden-Absturz

Der Silberpreis setzte seinen Absturz fort, nachdem er bereits am Donnerstag um rund 20 % eingebrochen war. Wie Bloomberg berichtet, führte ein akuter Mangel an Liquidität zu extremen Kursschwankungen in einem Markt, der bislang keinen belastbaren Boden finden konnte.

Im frühen asiatischen Handel fiel der Spotpreis für Silber zeitweise auf nur noch 64 US-Dollar je Unze. Damit liegt der Preis 47 Prozent unter dem Rekordhoch vom 29. Januar bei 121 Dollar und hat sämtliche Gewinne der spektakulären Rally des Vormonats wieder ausgelöscht. Ein gewiefter Trader setzte mit einer Rekord-Shortposition auf fallende Kurse – und wurde nun dafür belohnt.

Auch Gold geriet zum zweiten Tag in Folge unter Verkaufsdruck und fiel zeitweise 4.654 Dollar. Damit notiert der Goldpreis knapp 17 % unter seinem jüngst markierten Rekodhoch.

Silber und Gold unter Druck: Extreme Volatilität lässt Silber abstürzen
Silberpreis im Kaskaden-Absturz

Silber war historisch schon immer deutlich volatiler als Gold. Ursache dafür sind die geringere Marktgröße und die vergleichsweise schwache Liquidität. Die jüngsten Bewegungen stechen jedoch selbst im historischen Vergleich heraus: Es handelt sich um die stärksten und schnellsten Ausschläge seit 1980. Verstärkt wurden sie durch spekulative Dynamik sowie dünne Handelsvolumina im außerbörslichen Handel.

Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, verweist auf einen sich selbst verstärkenden Effekt: Steigt die Volatilität, weiten Market Maker ihre Spreads aus und reduzieren den Einsatz ihrer Bilanzen. Genau in dem Moment, in dem Liquidität am dringendsten benötigt wird, zieht sie sich zurück. Ohne eine gewisse Rückkehr zur Ordnung bestehe die Gefahr, dass sich die Volatilität weiter selbst antreibt.

Spekulation und Marktmechanik

Der seit mehreren Jahren anhaltende Bullenmarkt für Edelmetalle hatte sich im vergangenen Monat deutlich beschleunigt. Auslöser waren steigende geopolitische Risiken, wachsende Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed sowie spekulative Käufe, insbesondere aus China.

Bis Ende Januar bauten Investoren erhebliche Positionen in Edelmetallen auf. Viele setzten dabei auf gehebelte börsengehandelte Produkte sowie auf Call-Optionen. Diese aggressive Positionierung erwies sich jedoch als fragil. Ende vergangener Woche kam die Rally abrupt zum Stillstand: Silber verzeichnete am 30. Januar den größten Tagesverlust seiner Geschichte, während Gold den stärksten Einbruch seit 2013 erlitt. Seitdem prägt extreme Unsicherheit und Volatilität das Marktgeschehen.

Der deutlich liquidere Goldmarkt hat diese Turbulenzen bislang besser verkraftet als Silber. Zahlreiche Banken und Vermögensverwalter bekräftigten in dieser Woche ihre langfristig positive Einschätzung für Gold. Ein Fondsmanager von Fidelity International, der seine Positionen noch vor dem Crash verkauft hatte, erklärte, wieder kaufbereit zu sein. Die Deutsche Bank hält sogar an ihrer Prognose fest, dass Gold langfristig auf 6.000 US-Dollar je Unze steigen könnte.

Aktuelle Preise und Ausblick

Am Spotmarkt erholten sich die Edelmetalle nach ihren erneuten Einbruch. Der Silberpreis legte zuletzt um 2,4 Prozent auf 72,56 US-Dollar je Unze (Stand: 4:10 Uhr Ortszeit London). Gold stieg um 0,9 Prozent auf 4.823,27 US-Dollar nach. Auch Platin und Palladium verzeichneten Verluste. Der Bloomberg Dollar Spot Index, ein Maß für die Stärke des US-Währungsraums, legte um 0,1 Prozent zu und liegt auf Wochensicht 0,8 Prozent im Plus.

Kurzfristig bleibt der Silberpreis von Unsicherheit, dünner Liquidität und hoher Nervosität geprägt. Ob sich eine nachhaltige Stabilisierung einstellt, hängt maßgeblich davon ab, ob spekulative Positionen weiter abgebaut werden und ob sich das Marktumfeld insgesamt beruhigt. Bis dahin dürfte Silber anfällig für weitere extreme Ausschläge bleiben.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger

Über den RedakteurStefan Jäger

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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3 Kommentare

  1. https://www.financialresearch.gov/money-market-funds/us-mmfs-investments-by-fund-category/#:~:text=The%20Federal%20Reserve%20(Fed)%20uses,principal%20underwriter%2C%20and%20transfer%20agent.

    Wir erleben eine wilde Geldrotation.

    Unterm Strich ist viel zu viel Geld ohne Fundament (Wirtschaftsleistung) im System.

    Und das wird niemand ohne Diktatur ändern (können), weil’s weh tun würde.

    1. Goldbulle

      Die USA versuchen es ein weiteres mal. Wenn sie tun, was sie sagen, kann es klappen. Die Inflation können sie nicht verhindern, aber sie können mehr Wirtschaftswachstum ermöglichen und die Auswirkungen der Inflation gleichmäßiger verteilen.

      Wenn der Arbeitsmarkt heißläuft, kamen bisher stets Zinserhöhungen. Diese verhinderten im Geldsystem ab 1971 zunehmend angemessene Lohnerhöhungen, ohne die Inflation wirklich zu verhindern.

      Es gibt Grund zu Optimismus, aber es ist kein Selbstläufer. Und am Ende bleibt im Ergebnis eine Währungsreform. Es ist aber Riesenunterscheid, ob es dann weiterhin den Dollar gibt, der weniger Kaufkraft hat, oder ob eine Währung ganz neu gestartet werden muss.

      Ich kenne keine Währung die erfolgreich in die Welt gesetzt wurde, ohne direkt oder indirekt (wie die DM) eine Golddeckung zu haben. Ich lerne gerne dazu – Beispiele?

    2. @Goldbulle

      Zu viel Geld…

      Ich würde sagen, so kann man das nicht sagen.

      Unterm Strich kann man ein recht einfaches Fazit sind. Wenn die Geldmenge erhöht wird, erhöhen sich die Asset-Preise.

      Und ja, dass nun eine Rotation stattfindet ist kein Wunder. Das Muster der letzten 20 Jahre war eigentlich immer so:

      Es gibt ein Liquiditätsschock und die Zentralbanken schöpfen neues Geld. Das fließt zuerst in Aktien und Immobilien und kann dort sehr lange kleben bleiben. Man denke An QE und Bazooka, das hat 10 Jahre geklebt. Irgendwann fließt es dort auch wieder weg in andere Assets oder, wenn es die Allgemeinheit erreicht, schließt die Inflationsrate hoch. Das ist mE der Punkt, den wir die letzten 3 Jahre gesehen haben.

      Dass das jetzt anfängt zu rotieren finde ich wenig verwunderlich aber gleichzeitig auch schwierig zu erklären. Die Rotation scheint mit der Inflation gekoppelt zu sein, sozusagen ein nachlaufender Prozess.

      Müsste man mal die 70er analysieren, wie das da so gewandert ist.

      Was ich damit sagen wollte, zu viel,… was ist zu viel und was zu wenig… letztendlich werden Dinge eben teurer, wenn die Liquidität erhöht ist. Ich sehe hier noch nicht mal ein Problem, solange die Löhne etc. nachziehen.

      Das Problem, dass ich sehe: Die Staatsverschuldung.

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