Der Silberpreis erlebt eine außergewöhnliche Rally: Getrieben von knapper Verfügbarkeit, spekulativem Kapital und massiver Nachfrage aus China rückt Silber immer stärker in den Fokus der Anleger. Im Fahrwasser von Gold gewinnt das Edelmetall rasant an Wert – und zeigt, wie geopolitische Spannungen und physische Nachfrage den Markt neu ordnen.
Chinas Nachfrage treibt Silberpreis-Rally
Laut einem Bericht von Bloomberg wird die laufende Rekordrally beim Silberpreis von einer stark wachsenden physischen Nachfrage und spekulativem Interesse in einem vergleichsweise illiquiden Markt getragen. Zudem zeigt sich immer deutlicher, dass Käufer in China eine führende Rolle spielen.
In der größten Volkswirtschaft Asiens handeln Marktteilnehmer den Silberpreis mit einem Aufschlag gegenüber vergleichbaren Kursen in London, wo die globalen Referenzpreise entstehen. Gleichzeitig weist die in der Schweiz ansässige Edelmetallraffinerie MKS PAMP SA darauf hin, dass es weltweit eine Nachfrage gibt, „wie wir sie in dieser Form bisher nicht erlebt haben“.
Silber hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt und die außergewöhnliche Rally im Januar mit einem weiteren Plus von 57 % fortgesetzt. Angetrieben wurde der Anstieg durch Kursgewinne bei Gold sowie durch den sogenannten Debasement Trade bei dem Investoren Staatsanleihen und Währungen meiden und stattdessen auf Sachwerte wie Edelmetalle setzen. In China übertrafen die Preiszuwächse jene anderer Märkte sogar nach Berücksichtigung der 13 % Mehrwertsteuer, die lokale Importeure zahlen müssen.
Solange dieser Preisaufschlag hoch bleibt, dürften Händler und Investoren außerhalb Chinas in ihrer Einschätzung bestärkt werden, dass die Silberpreise in London und New York weiterhin zu niedrig sind, erklärte Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, in einer Analyse.

Begrenzte Anlagevehikel in China
Abgesehen vom Kauf von Silberbarren und -münzen gibt es für chinesische Anleger nur wenige Möglichkeiten, an der Rally teilzuhaben. Börsennotierte Produkte zeigen zunehmend Anzeichen einer Überhitzung. So kündigte Chinas einziger reiner Silberfonds, der UBS SDIC Silver Futures Fund LOF, an, ab Mittwoch keine neuen Zeichnungen mehr anzunehmen. Zuvor hatte der Fondsmanager davor gewarnt, dass der Fonds mit einem ungewöhnlich hohen Aufschlag gehandelt werde.
Außerhalb Chinas richten Investoren ihren Blick auf übergeordnete makroökonomische Themen. Der US-Dollar verliert an Wert, und Amundi SA, Europas größter Vermögensverwalter, sieht weiteres Aufwärtspotenzial bei Gold. Grund dafür sei die zunehmende Isolation der USA, die viele Investoren dazu veranlasse, ihre Dollar-Bestände zu reduzieren. Silber profitiert typischerweise, wenn das teurere Schwestermetall Gold zulegt. Allerdings zeigt das Gold-Silber-Ratio erste mahnende Signale. So ist das Verhältnis auf den tiefsten Wert seit der Finanzkrise gefallen.
„Es gibt eine enorme Nachfrage nach Silber, wie wir sie in dieser Form bisher nicht gesehen haben“, sagte James Emmett, Vorstandschef von MKS PAMP, in einem Online-Interview. „Dieser Markt war traditionell nicht so stark spekulativ geprägt, doch derzeit wird die Preisentwicklung eindeutig von kurzfristig orientierten Akteuren beeinflusst.“
Emmett zufolge treibt die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), viele Investoren an, die der Kursbewegung aktiv hinterherjagen. Silber diene dabei als Ersatz für Gold und als eine Art makroökonomisches und geopolitisches Investment.
Engpässe verschärfen Marktlage
Die physische Nachfrage bleibt ein entscheidender Treiber des Silbermarkts. Sowohl im Einzel- als auch im Großhandel übersteigen die Bestellungen weiterhin das Angebot. Ein Teil der Knappheit im Großhandelsmarkt ist darauf zurückzuführen, dass große Mengen Silber nach Indien fließen, während Abflüsse aus den Comex-Lagerhäusern London etwas Entlastung verschafft haben.
Indiens Nachfrage spielte bereits im vergangenen Jahr eine zentrale Rolle beim historischen Short Squeeze des Silberpreises. Damals strömten Käufer kurz vor dem Diwali-Fest auf den Londoner Markt, während gleichzeitig erhebliche Volumina aufgrund von Zollunsicherheiten in den Comex-Lagerhäusern gebunden waren.
Die angespannte Marktsituation führt inzwischen dazu, dass Silber – ähnlich wie Gold – teilweise per Flugzeug statt über traditionelle Seewege transportiert wird. „Man kann es sich derzeit schlicht nicht leisten, die Container wochenlang auf einem Schiff zu haben“, sagte Emmett.
FMW/Bloomberg
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Am 30 Januar ist Notice Day.
Mal sehen, wieviel Auslieferungen von Silber gefordert werden und wie hoch dann wieder die Zinsen für geliehenes Silber steigen.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
@Helmut
März ist der Kontrakt mit höchstem Open Interest.
Ob der spekulative Anteil wirklich so hoch ist, wie in dem Artikel beschrieben, das wäre interessant. Wie will man das messen, ETF Zuflüsse..??
Solche Aussagen gehören eigentlich belegt von den Schweizern.
Andererseits, ja könnte trotzdem interessant werden. Ich habe das gerade mal mit meiner KI geprüft. Am Montag dann mal in die Delivery-Notices schauen. Das Open Interest gibt zwar nicht viel her aber anhand der Delieveries kann man trotzdem abschätzen.
Bis dahin viel Geduld :-)