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Skandal: Woher Griechenland die 450 Mio Euro für den IWF hatte

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Letzte Woche hat Griechenland eine Kreditrate über 450 Millionen Euro an den IWF zurückgezahlt. Aber Griechenland erhält aktuell keine frischen Hilfsgelder, mit der man die alten Kreditraten bedienen könnte. Also woher kam das Geld? Der Skandal: Woher Griechenland die 450 Mio Euro für den IWF hatte…

Griechenland Finanzminister Yanis Varoufakis 2
Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis
Foto: Jörg Rüger / Wikipedia (CC BY 3.0)

Der Zwang

Der IWF gilt global als Gläubiger mit der größten Aufmerksamkeit – werden Kreditraten an diese Institution nicht pünktlich und vollständig zurückgeführt, bedeutet das de facto die Staatspleite für ein Land. Gerade die unsäglichen Ratingagenturen schalten dann sofort in den „default“-Modus, also „Pleite“. Der griechische Finanzminister Varoufakis wusste wohl sehr gut, dass er alles tun muss, wirklich alles, um die fällige Kreditrate von 450 Millionen Euro an den IWF überweisen zu können. Und so geschah es dann auch. Die Zahlung ging pünktlich beim IWF am letzten Donnerstag ein. Der IWF hat dies auch bestätigt, und die europäische Politik und Presselandschaft war erleichtert – alles gut in Griechenland. Ja? Nein, eben nicht.

Das Griechenland-Konstrukt

Varoufakis musste sich etwas einfallen lassen, um Griechenland finanziell am Leben zu halten, und so wie es aussieht, diesen Schluss lassen zumindest die Fakten zu, wurde ein Konstrukt entworfen, das weiter europäisches Geld fließen lässt, obwohl die Hähne derzeit zu sind. Und das geht so… Griechenland braucht sofort Geld. Aus Moskau kommt derzeit nichts, aus Brüssel auch nicht. Die griechischen Milliardäre sind längst nach London abgehauen, und über Nacht 450 Millionen Euro von den griechischen Bürgern „auspressen“ geht in der Praxis auch nicht. Also bleibt nur noch ein Weg: Die griechischen Privatbanken müssen dran glauben.

EZB Chef Mario Draghi beim World Economic Forum
EZB-Präsident Mario Draghi
Foto: World Economic Forum / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Verbot der Staatsfinanzierung

Die EZB verbietet die direkte oder indirekte Staatsfinanzierung über die Zentralbanken der einzelnen Euro-Länder. Denn wäre das erlaubt, wäre das so, als wenn man sich ständig selbst beschenken würde. Und die Geschenke lässt man aus dem Nichts entstehen…

Zitat Mario Draghi vom 05.03.2015:

„On your second point, a quick answer to your question is the following. The ECB is a rule-based institution. It’s not a political institution. One of the rules that we comply with is contained in the Treaty, and it’s Article 123, and it’s the prohibition of monetary financing. Monetary financing is when the central bank of a country prints money to buy the government bonds in the primary market of that country, and it could be either direct or indirect, when banks bring collateral to the ECB in order to be financed in order to buy the sovereign debt of that country, and we are prohibited from doing that.“

Emergency Lending Assistance

Damit die griechischen Banken dem Staat Geld geben können, müssen sie selbst erst mal welches haben. Die EZB gewährt der griechischen Notenbank (die ja Teil des EZB-Systems ist) schon seit geraumer Zeit Notfallkredite (Emergency Lending Assistance oder auch ELA), damit diese die griechischen Privatbanken mit kurzfristigen Darlehen versorgt. Aufgrund der massiven Guthabenabflüsse (Überweisungen + Barabhebungen durch den einfachen Bürger) wären die griechischen Banken sonst pleite und das gesamte Zahlungsverkehrssystem in Griechenland wäre längst kollabiert – Millionen Menschen hätten kein Geld mehr in der Tasche. Von daher ist diese Notfallversorgung von der EZB via „Bank of Greece“ zu den Privatbanken sinnvoll und notwendig. Dieser ELA-Kreditrahmen belief sich bisher auf 69,8 Milliarden Euro, und wurde am 26.03.2015 auf 71,1 Milliarden Euro erhöht, also um 1,3 Milliarden Euro.

Plötzlich wieder liquide

Und ohhh welch Wunder, am 08.04.2015, kurz vor der fälligen Rate an den IWF über 450 Millionen Euro, war Griechenland in der Lage kurzfristige Anleihen (T Bills) über 1,1 Milliarden Euro an Investoren zu verkaufen – womit man in der Lage war die 450 Millionen an den IWF zu überweisen. Und wer waren diese Investoren, die die griechischen „T Bills“ kauften? Größtenteils griechische Banken. Und woher hatten sie das Geld? Denn eigentlich sind sie wie der Staat auch pleite? Das Geld kam über die ELA´s von der griechischen Zentralbank. Und die wiederum hatte die Erlaubnis den ELA-Rahmen für die griechischen Banken aufzustocken. Dass die EZB de facto den einzelnen Zentralbanken des Eurosystems genau diese indirekte Form der Staatsfinanzierung verbietet, wird einfach ignoriert. Denn die „Bank of Greece“ hätte schlicht und einfach den griechischen Privatbanken verbieten müssen, die Anleihen des Staates zu kaufen, da dies eine indirekte Staatsfinanzierung darstellt, die in direktem Zusammenhang mit den ELA-Krediten der EZB steht.

Wieso hat die EZB nicht eingegriffen?

So schafft man eine Staatsfinanzierung über die Geldpresse der EZB, und letztendlich eine Staatsfinanzierung Griechenlands durch den europäischen Steuerzahler. Warum hat die EZB nicht eingegriffen und vor Ort der „Bank of Greece“ eine Anweisung erteilt, diese Finanzierung zu verbieten? Da gibt´s eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung: es ist politisch gewollt! Es scheint besser zu sein Griechenland auf diese Weise am Leben zu halten als endlich einen klaren Schnitt zu machen. Man möchte unter allen Umständen vermeiden, dass mit Griechenland ein Präzedenzfall entsteht, der bei „Podemos“ in Spanien Begehrlichkeiten weckt, die auf die spanischen Parlamentswahlen abfärben. „Einfach die Schulden löschen“ könnte ein Wahlkampfmotto sein. „Die Griechen haben es ja auch geschafft“. Dass diese Art der Staatsfinanzierung genauso abgelaufen ist wie vorher beschrieben, ist eine Mutmaßung, aber aufgrund der Faktenlage eine zwingende Schlussfolgerung. Ein Skandal, der in Brüssel, in Berlin und auch in den Redaktionen der sogenannten „Mainstreampresse“ nicht zu interessieren scheint. Hauptsache in Griechenland ist alles in Ordnung!

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Reinhard Lübkemann

    14. April 2015 11:27 at 11:27

    alles Verbrecher ..

  2. Avatar

    Mkay

    14. April 2015 13:20 at 13:20

    Die EZB wird Griechenland nicht fallen lassen. Egal welche Wortwahl sie verwendet. Nach außen härte zeigen und im Inneren Zirkel ist da längst alles abgesprochen. Finde ich auch gut. Da eh schon alles im Murks ist Global da fällt das auch nicht weiter auf.

    Die Welt wird ohnehin Geld produzieren und sich verschulden ohne Ende. ok, dann wenn es irgendwann keine Währung mehr gibt oder die Sonne explodiert.

    Früher sagte man dazu auch „Geldadel“. Die Leibeigenen ist die Breite Masse. That´s it!

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    Elisabeth Scenk

    14. April 2015 16:19 at 16:19

    für mich war dies schon am nächsten Tag klar, anstatt der versprochen 800 Mill. waren still und leise 1.3 Milliarden überweisen worden. Was sagt Hr, Schäuble dazu ?

    • Avatar

      Mkay

      14. April 2015 18:42 at 18:42

      Der wusste sicher Bescheid. Was will man auch machen. die 280 Milliarden oder mehr abschreiben? Man hat nun A gesagt. Nun muss man auch durch das ganze ABC durch.

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    Mo Gerret

    14. April 2015 16:30 at 16:30

    Nunja, zahlen die Griechen kein Geld, iss alles *blöd* , zahlen sie, iss auch alles *blöde*.
    wat will man denn nu?
    Geld oder Liebe?
    Wenn man irgend etwas verbotenes tun „muss“, um ein Volk, oder ein Land zu retten, dann sollte man das schon in Betracht ziehen! Was bei einer Nichtzahlung passieren würde, wäre zu Teil auch verboten.
    Wie wärs denn damit?
    Könnten die Griechen nicht zahlen, würde der Euro einen Schlaganfall erleiden. Das will man doch jetzt nicht, wo er grad mal eben eh nix mehr wert ist,…..oder weniger denn je. Also akzeptiert man das Geschehen in Griechenland. Man will aber auch nicht, dass der Euro so schnell wieder steigt,…das würde der Wirtschaft und dem Export, ja vor allem den Indices schaden. Das will man jetzt aber auch nicht. Deshalb wird gegen die Zahlung „Gegenwind gelabert“. Was wäre bloss an der Börse los würde man die Griechen gewähren lassen? Ein jeder Grossinvestor möge sich das nicht vorstellen. Ein wenig muss doch noch drin sein !!!
    Sollten wir doch bedenken, dass ein jedes Land, auch wenn es zur Zeit auf einem noch so hohen Ross sitzt, das gleiche Szenario ereilen kann!!
    Man sollte trotz allem den Ball flach halten, denn schliesslich hat die vorherige Regierung Griechenland in dieses riesige Loch geschubst,…nicht die jetzige. Man vergisst leider ziemlich schnell in EU!!
    Lasst uns doch noch ein paar Sanktionen mehr einfallen, damit wir scheinbar Russland treffen, aber uns damit selber abschiessen!

    • Avatar

      Mkay

      15. April 2015 10:48 at 10:48

      Da bin ich ganz auf deiner Seite!

    • Avatar

      petra

      17. April 2015 19:58 at 19:58

      Da bin ich aber dagegen.
      a) Wer wird gerettet? Die Banken und Fonds. BlackRock, GoldmanSachs & Co.
      b) Speigel, Bild & Co reden immer von Griechen-Rettung. Wie süß! Die haben aber nix davon. Gar nix. Im Gegenteil.
      c) Es ist wie bei uns:
      Einerseits werden alle Vergünstigungen, Steuervorteile … gestrichen
      Einnahme-Marathons bei Auto- und LKW-Fahrern
      Für die Milliarden nach der Banken in Griechenland, Brüssel, und Militäreinsätze in Afghanistan, Ukraine & Co bzw. Waffenlieferungen zur IS gegen Syrien…

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    Hans Kolpak

    14. April 2015 18:42 at 18:42

    Die vielen Aspekte von Überschuldung habe ich seit Jahren thematisiert:
    http://dzig.de/search/node/Überschuldung

    Es hängt immer vom Gläubiger ab, wie das Schicksal eines Schuldners verläuft.

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

  6. Avatar

    casper

    14. April 2015 20:38 at 20:38

    wo sind denn die demos in deutschland,zu der politik die hier betrieben wird???so wie sich die griechen verhalten sollten sie gar nix bekommen!!!… aber über flüschtlinge die irgendwo undergebracht werden sollen da werden häuser abgebrannt,und sinnlose demos veranstaltet.

  7. Avatar

    Marco Nobody

    15. April 2015 08:15 at 08:15

    es ist ganz einfach. Griechenland wird niemals in den Default gehen. Niemand LÄSST sie gehen. Der Grund dafür sind Kreditausfallversicherungen – sogenannte Credit Default Swaps. Diese Versicherungsprämien werden fällig wenn Griechenland pleite geht. Allerdings geht es hier um einige Billionen – ein zigfaches der ausstehenden Kredite selber. Das würde weltweit eine enorme Krise auslösen.

    • Avatar

      Einsicht

      15. April 2015 13:24 at 13:24

      Einsicht

      CDS“swaps“ – die Erwähnung war endlich mal“Butter bei die Fische“ wie man in Hessen sagt-und macht alle Jammerkommentare überflüssig. Bravo!

  8. Avatar

    Kaiser Nero

    15. April 2015 20:17 at 20:17

    Alles Quatsch!
    Griechenland ist unverzichtbar für die USA und deren Einkreisung von Russland.
    Wenn der Friedensnobelpreisträger es verlangt, müssen die Tributpflichtigen zahlen: Mit Geld, Waffen und Blut.

    Soooo ist es!

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    reiner tiroch

    16. April 2015 19:06 at 19:06

    die saudumme retterei ist dämlicher als die Polizei erlaubt. wir werden dermaßen verarscht, dass es Kracht. ich hoffe es Kracht bald!

  10. Avatar

    Götterbote

    17. April 2015 17:19 at 17:19

    Der Skandal ist nicht, woher Griechenland das „Geld“ herbekommen hat, sondern der Skandal ist, woher die Banken ihr „Geld“ beziehen….per Tastendruck auf dem Computer aus dem Nichts geschaffen. Das ist der Skandal!

  11. Avatar

    Kay Schlickeiser

    17. April 2015 22:57 at 22:57

    Na woher wohl ! Die Sozialkassen haben die geplündert ! Signatur : http://www.der-reale-irrsinn.de

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Ölpreis: Aufwärtstrend geht weiter? Was macht Biden? API-Daten lassen aufhorchen

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis war seit dem 5. Januar im Aufwärtstrend. Nach einer Mini-Pause ging es Anfang dieser Woche weiter nach oben, von unter 48 Dollar im WTI-Öl am 5. Januar bis auf derzeit knapp unter 53 Dollar. Zahlreiche Gründe für die jüngst gestiegenen Preise und womöglich auch weiter anziehenden Preise hatten wir die letzten Tage genannt.

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Positiv für den Ölpreis zu werten waren die inzwischen seit fünf Wochen fallenden Lagerbestände für Öl in den USA, die großen Stimulus-Hoffnungen an den neuen US-Präsidenten, und vor allem die zusätzlichen freiwilligen Kürzungen der Öl-Fördermenge durch Saudi-Arabien (minus 1 Million Barrels pro Tag für Februar und März).

Gestern Abend wurden die privat ermittelten API-Lagerbestände für Öl veröffentlicht mit einer Wochenveränderung von +2,6 Millionen Barrels. Die API-Daten gelten stets als Vorschau auf die am folgenden Tag vermeldeten offiziellen Lagerdaten. Diese Woche verschieben sich viele Konjunkturdaten in den USA um einen Tag nach hinten, weil am Montag Feiertag war. Die offiziellen Lagerdaten aber verschieben sich aufgrund der gestrigen Amtseinführung von Joe Biden um noch einen weiteren Tag nach hinten auf Freitag Nachmittag. Bis dahin könnte der Ölpreis also zittrig bleiben, in der Vorschau auf möglicherweise steigende Lagerbestände in den USA.

Was bringt Joe Biden für den Ölpreis?

Positiv für die Öl-Bullen ist zu werten, dass Joe Biden gestern im Rahmen diverser präsidialer Dekrete die Keystone XL Pipeline gestoppt hat, deren Bau in den USA noch nicht begonnen hat. Damit wird zukünftig nicht noch mehr Öl aus Kanada in Texas ankommen. Grundsätzlich ist dies vorsichtig positiv für den Ölpreis zu werten, da die Angebotsmenge geringer ausfallen dürfte. Aber na ja… werden die Kanadier ihr Öl dann nicht anderweitig auf dem Weltmarkt anbieten?

Also, bringt Joe Biden tendenziell für die nächsten Jahre dank dem Pipeline-Stop und sicherlich diversen schärferen Umweltgesetzen die Öl-Förderung in den USA zu einem Wachstumsstop, oder sogar zu einer Schrumpfung? Das wäre gut für alle Trader, die einen höheren Ölpreis sehen wollen. Aber da gibt es noch die andere Seite der Medaille. Man darf annehmen, dass sich die Beziehung zwischen den USA und dem Iran unter dem neuen US-Präsidenten entspannt. Sollten die US-Sanktionen gelockert werden, dürfte der Iran wohl zügig mehr Öl fördern und auf dem Weltmarkt verkaufen. Denn das Land braucht wohl jeden Petro-Dollar. Dies wäre folglich schlecht für den Ölpreis. Also ist es nicht so einfach zu beantworten, ob Joe Biden nun gut oder schlecht für einen potenziell weiter steigenden Ölpreis zu betrachten ist. Schaut man auf den Chart 30 Tage zurück, dann ist der Ölmarkt noch im Aufwärtstrend. Die Grundstimmung ist vor allem wegen dem möglichen anstehenden Mega-Stimulus in den USA positiv.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen
Chart zeigt Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

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Christine Lagarde: Headlines der PK der EZB: entscheidende Fragen unbeantwortet

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Hier die wichtigsten Aussagen von Christine Lagarde auf der heutigen Pressekonferenz der EZB – im offiziellen Statement bislang wenig Neues:

– Lagarde beginnt mit warmen Wünschen für 2021

– Impfungen wichtiger Meilentstein

– Industrie weiter robust, Dienstleistung weiter schwach, wenngleich weniger schwach als in der ersten Corona-Welle

– Inflation bleibt niedrig

– Kurzfristig überwiegen die Risiken

– Wirtschaft der Eurozone dürfte auch im 4.Quartal geschrumpft sein

– Pandemie wird auch 1.Quartal 2021 belasten

– es wird trotz Impfungen noch dauern, bis Herdenimmunität erreicht ist

– Impfungen und Brexit-Deal sind ermutigend, aber übergeordnet bleiben die Risiken bestehen

– Headline-Inflation dürfte bald ansteigen, auch wegen deutscher Wieder-Anhebung der Mehrwertsteuer

– Inflation dürfte mittelfristig anziehen, Inflationserwartungen sind gestiegen

– Kreditvergabe: Banken etwas vorsichtiger geworden

– Europäische Länder sollen schnell beschlossene EU-Hilfsmaßnahmen in ihren Parlamenten beschließen, um Erholung anzuschieben

– Lagarde „hat fertig“, jetzt Fragen

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– Lagarde: positiv sind Impfungen, dass der Brexit-Dealk zustande gekommen ist, dazu bessere Aussichten auf Kooperation mit der neuen US-Regierung

– schärfere Lockdowns wegen Mutationen durchaus möglich

– Frage nach Zombiefirmen: bislang weicht Lagarde einer Antwort aus – da redet sie minutenlang herum, aber die Frage zielte letztlich auf die negativen Konsequenzen der EZB-Politik, und das ließ sie (wieder einmal!) unbeantwortet!

– Frage nach (unausgesprochener) yield curve control der EZB (Berichte darüber, dass EZB versucht, die Renditen für Anleihen vor allem italienischer Anleohen nicht zu stark gegenüber deutschen Anleihen als Benchmark steigen zu lassen:: wieder keine konkrete Antwort von Lagarde!

– Frage nach digitalem Euro: was soll der für die Menschen bringen? Lagarde: ein digitaler Euro würde das Bargeld nicht ersetzen (FMW: echt??)
Lagarde: wir wollen in Sachen Digitaleuro sehr transparent sein (FMW: wohl eher pseudo-transparent..)
Lagarde:Einführung des digitalen Euros würde noch Jahre dauern; viele Fragen darüber noch offen und schwierig, wenn er käme, wäre er für alle gut, nicht nur für Elite

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Anmeldestatus

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