Seit Monaten laufen die Aktienmärkte nicht mehr so rund wie in den Jahren zuvor. Die Rally konnte ja nicht ewig weiterlaufen. Inzwischen werden die Big Tech-Konzerne immer kritischer betrachtet. Anleger schauen seit Wochen immer genauer auf die Small Caps, die Nebenwerte in den USA. Im Chart sehen wir: Seit November 2025 steigt der Nebenwerte-Index Russell 2000 um 13,19 %, während S&P 500 und Nasdaq 100 nur um 3,4 % und 1,3 % gestiegen sind. Und diese großen Indizes werden maßgeblich von den Billionen-Marktbewertungen weniger Big Tech-Aktien bewegt. Nachfolgend zeigen wir Aussagen von zwei Top-Anlagestrategen zur Hinwendung von Anlegern Richtung Small Caps.
„Das Gewinnwachstum bei Small Caps gibt die weitere Richtung vor“
Tim Murray, Kapitalmarktstratege bei T. Rowe Price, schreibt aktuell: US-Small Caps haben in letzter Zeit Large-Cap-Aktien übertroffen und damit eine längere Phase der Underperformance beendet. Die Fundamentaldaten deuten darauf hin, dass es sich hierbei nicht nur um eine kurzfristige Erholung handelt. Die Gewinne von Small-Cap-Unternehmen haben sich beschleunigt, angetrieben durch niedrigere Zinsen, geringere Handelsunsicherheiten, verbesserte Kreditvergabe, fiskalische Anreize und künstliche Intelligenz. Das Asset Allocation Committee von T. Rowe Price hält die Rallye der US-Small-Cap-Aktien für nachhaltig und hat seine Übergewichtung in den letzten Monaten schrittweise erhöht.
Small-Cap-Aktien am US-Markt haben in den letzten Monaten ein bemerkenswertes Comeback erlebt und damit nach einer längeren Phase der Underperformance eine deutliche Trendwende vollzogen. Seit Oktober 2025 haben Small Caps Large Caps deutlich übertroffen, was für Anleger eine wichtige Frage aufwirft: Handelt es sich hierbei nur um eine kurzfristige Erholung oder um etwas Dauerhafteres?
Fast drei Jahre lang verloren US-Small-Cap-Aktien gegenüber US-Large-Cap-Aktien stetig an Boden. Vom 31. Dezember 2022 bis zum 31. Oktober 2025 blieb der S&P SmallCap 600 Index kumulativ um fast 30 Prozentpunkte hinter dem S&P 500 Index zurück. Dieser Trend änderte sich Ende 2025 schlagartig. Von Ende Oktober bis zum 27. Januar dieses Jahres erzielten Small Caps eine Rendite von 8,95 %, während Large Caps nur 2,33 % zulegten. Infolgedessen verringerte sich die kumulierte Underperformance seit Ende 2022 auf etwa 25 Prozentpunkte. Diese plötzliche Veränderung hat verständlicherweise die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen.
Eine gewinnorientierte Trendwende
Wichtig ist, dass die Erholung der Small Caps nicht allein durch die Stimmung getrieben wurde. Auch die Fundamentaldaten haben sich gewandelt. Nach einem fast dreijährigen starken Rückgang begannen sich die Gewinne der Small Caps Ende 2025 rasch zu verbessern. Die Gewinne des S&P 600 fielen von Ende 2022 bis zum 19. September 2025 um 36 %, erholten sich dann aber um 27 %. Während die Gewinne des S&P 600 in den letzten 12 Monaten von Ende 2022 bis zum 19. September 2025 um 36 % zurückgingen, erholten sie sich bis zum 27. Januar 2026 um 27 % und lagen damit nur noch 19 % unter ihrem Höchststand von 2022. Diese Ertragswende stellt eine bedeutende Veränderung gegenüber den letzten Jahren dar, in denen sich die Fundamentaldaten verschlechterten und die Performance von Small Caps nachhaltig beeinträchtigten. Derzeit scheinen mehrere Faktoren zugunsten von Small Caps zu wirken.
Die US-Notenbank hat ihre Zinssenkungen wieder aufgenommen. Die Fed hat im September erneut die Zinsen gesenkt und damit den Druck auf zinssensitive Unternehmen verringert. Small-Cap-Unternehmen sind in der Regel stärker verschuldet als Large-Cap-Unternehmen und haben auch einen höheren Anteil an kurzfristigen und variabel verzinslichen Schulden. Daher profitieren sie in der Regel überproportional, wenn die Fed die Geldpolitik lockert.
Die Unsicherheit hinsichtlich der Zölle hat nachgelassen. Da die Risiken der Handelspolitik zurückgegangen sind, sind sowohl Verbraucher als auch Unternehmen zuversichtlicher geworden, was ihre Ausgaben- und Investitionsentscheidungen angeht. Viele kleinere Unternehmen sind direkter von den Handelsströmen betroffen, und ihre Umsätze haben begonnen, sich zu erholen. Ein schwächerer US-Dollar hat den Small-Cap-Unternehmen mit Fremdwährungsumsätzen zusätzlichen Rückenwind verschafft.
Das regionale Bankumfeld hat sich verbessert. Eine normalisierte Zinsstrukturkurve, Anzeichen für eine Lockerung der Regulierung, eine solide Kreditqualität und eine steigende Kreditnachfrage haben zur Stabilisierung der regionalen Banken beigetragen. Kleinere Unternehmen sind bei ihrer Finanzierung stärker auf regionale Banken angewiesen als große multinationale Konzerne, sodass eine Verbesserung der Fundamentaldaten der Banken die Geschäftstätigkeit von Small-Cap-Unternehmen direkt unterstützen kann. Regionale Banken selbst machen auch einen bedeutenden Anteil des US-amerikanischen Small-Cap-Universums aus. Die Verbesserung der Bedingungen für diese Institute kann einen direkten Rückenwind für die Gewinne und die Performance von Small Caps bedeuten.
Die Vorteile der KI beginnen sich auszuweiten. Während in der Anfangsphase des Ausbaus der künstlichen Intelligenz (KI) vor allem Large-Cap-Technologieunternehmen profitierten, sehen wir zunehmend eine Ausweitung der Nachfrage auf kleinere Unternehmen. Einige Small-Cap-Unternehmen profitieren direkt von KI-bezogenen Infrastrukturausgaben, während andere Produktivitätssteigerungen durch die Implementierung von KI in ihren eigenen Geschäftsprozessen erzielen.
Fiskalische Anreize beginnen zu wirken. Das kürzlich verabschiedete Gesetz „One Big Beautiful Bill Act” hat dazu beigetragen, die Wirtschaft anzukurbeln, insbesondere durch erhöhte Staatsausgaben und Anreize für inländische Investitionen. Auch wenn die kurzfristigen Auswirkungen eher bescheiden erscheinen, dürften sie im Laufe des Jahres 2026 deutlicher spürbar werden und den Gewinnen von Small-Cap-Unternehmen zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Fazit
Nach fast drei Jahren relativer Schwäche gibt es nun deutliche Anzeichen dafür, dass US-Small Caps eine Renaissance erleben. Die Performance hat sich verbessert, und was noch wichtiger ist: Das Gewinnwachstum hat sich in eine positive Richtung gewendet.
In Erwartung dieser Veränderung hat unser Asset Allocation Committee eine Übergewichtung von US-Small-Cap-Aktien gegenüber US-Large-Cap-Aktien beibehalten – und wir haben diese Übergewichtung in den letzten Monaten schrittweise erhöht. Wir glauben, dass die sich verbessernden fundamentalen Rahmenbedingungen eine dauerhafte Grundlage für die künftige Performance von Small Caps bilden.
Unterrepräsentiert, unzureichend analysiert und ineffizient bewertet
Nick Sheridan, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors, schreibt aktuell: Auf der strukturellen Ebene der Anlageklasse bleiben globale Nebenwerte unterrepräsentiert und weisen eine begrenzte Abdeckung auf. Innerhalb des investierbaren Universums gibt es Tausende von Titeln mit minimaler oder gar keiner dedizierten Analyse. Dieser Mangel an externer Recherche schafft einen fruchtbaren Boden für Informations- und Analysevorteile, bei denen Anleger unbeachtete Qualität und missverstandene Risiken identifizieren können. Deshalb ist auch die passive Anlage in diesem Marktsegment ein stumpfes und ineffizientes Instrument.
Das Halten eines breiten Aktienportfolios ohne Disziplin und Unterscheidungsvermögen kann die Wertentwicklung guter Unternehmen verwässern, indem man sich unbeabsichtigt Titel mit schwächeren Bilanzen oder sich verschlechternden Geschäftsmodellen ins Portfolio holt. Eine aktive Aktienauswahl, die auf einem informationsgesteuerten Bottom-up-Prozess basiert, ist der praktische Weg, um echte Fehlbewertungen auszunutzen, die schlichtweg deshalb fortbestehen, weil niemand sonst hinsieht.
Warum Gewinne bei Small Caps schneller wachsen können
Seit den späten 1990er-Jahren haben globale Nebenwerte längerfristig in der Regel ein höheres annualisiertes Gewinnwachstum erzielt als Large Caps, wobei dieser Vorteil in der Zeit nach Markttiefstständen am deutlichsten zutage trat.
Die Intuition dahinter ist einfach. Es ist für ein leistungsfähiges kleineres Unternehmen von Natur aus einfacher, den Jahresumsatz von beispielsweise 100 Mio. US-Dollar auf 1 Mrd. US-Dollar zu steigern, als für Mega-Cap-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von beispielsweise 100 Mrd. US-Dollar, das gleiche proportionale Wachstum auf ihrer bereits gewaltigen Marktbasis zu erzielen.
Es gibt mehrere Wege zur Performance, darunter:
- Höhere Bewertungen: Die Einstiegsbewertungen für Small Caps sind im Vergleich zur Historie und gegenüber Large Caps niedrig, was Raum für ein Re-Rating (Höherbewertung) lässt, sobald sich die Fundamentaldaten verbessern.
- Gewinnwachstum: Kleinere Unternehmen können ihre Margen ausweiten und zu höheren inkrementellen Erträgen reinvestieren, was bei einer disziplinierten Kapitalallokation zu einem schnelleren Zinseszinseffekt führt.
- Erträge: Die Dividenden mögen moderat ausfallen, aber ihre Wirkung summiert sich; selbst eine um 40–50 Basispunkte (0,4 % bis 0,5 %) höhere Rendite kann sich über einen mehrjährigen Horizont signifikant verzinsen.
Entscheidend ist, dass wir der inkrementellen Gesamtkapitalrentabilität (Return on Invested Capital, ROIC) große Aufmerksamkeit schenken, da Unternehmen, die einen hohen Anteil ihres freien Cashflows reinvestieren, ein höheres Wachstumspotenzial haben. Die Kombination aus sich verbessernden Renditen und reichlich Reinvestitionsmöglichkeiten treibt den Großteil der langfristigen Wertschöpfung voran – unabhängig davon, ob der Markt kurzfristig darauf achtet oder nicht.
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