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Sanktionen der EU treten bald in Kraft So kann Öl aus Russland weiterhin nach Europa gelangen

Rohöl aus Russland kann als Destillat aus einem anderen Land legal in die EU kommen - auch wenn bald die Öl-Sanktionen der EU starten.

Es gibt zwar bereits umfangreiche Sanktionen des Westens gegen Russland im Zuge des Angriffs auf die Ukraine. Aber für Öl gelten sie noch nicht. Aber so langsam rollt man auf das Datum zu, ab dem die EU russisches Öl sanktionieren wird. Die festgesetzten Daten sind der 5. Dezember für Rohöl und der 5. Februar 2023 für Destillate (Benzin, Diesel etc). Finden Sie HIER eine Übersicht der Sanktionen gegen Russland. Was sich so restriktiv anhört, könnte sich aber als Mogelpackung erweisen. Denn man muss sich nur ein klein wenig Mühe geben, um russisches Öl doch in die EU zu bekommen, auch nach Inkrafttreten der Sanktionen.

Öl aus Russland wird bald sanktioniert

Die drohenden Sanktionen der EU gegen Öleinfuhren aus Russland sind eben nicht ganz so ausschließend, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Während fast alle direkten Einfuhren von Rohöl und raffinierten Erdölerzeugnissen auf dem Seeweg bis Anfang nächsten Jahres verboten sein werden, wird es immer noch möglich sein, dass russisches Öl rechtmäßig in die EU gelangt, so Bloomberg in einer Erläuterung. Öl müsse nur auf eine etwas andere Art und Weise eingeführt werden. Und hier kommen die Ölraffinerien ins Spiel.

Raffinerien wandeln Rohöl in Kraftstoffe wie Benzin und Diesel um. Die Kohlenwasserstoffmoleküle, aus denen das Rohöl besteht, werden gekocht und in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Es kann auch eine weitere Verarbeitung stattfinden, bei der große Moleküle aufgespalten werden. Auf diese Weise wird Rohöl in die Kraftstoffe des täglichen Lebens umgewandelt: Drei Kohlenstoffatome und acht Wasserstoffatome ergeben beispielsweise den Heizstoff Propan. Dieselmoleküle enthalten inzwischen weit mehr Kohlenstoffatome.

Aus verbotenem Rohöl werden legale Destillate

Im Rahmen der bevorstehenden EU-Sanktionen gegen Russland wird eine Raffinerie außerhalb des Blocks weiterhin russisches Rohöl kaufen können – möglicherweise zu einem viel niedrigeren Preis als die weltweiten Rohöl-Benchmarks, je nach der endgültigen Höhe der Preisobergrenze. Europäische Unternehmen werden weiterhin in der Lage sein das Öl zu transportieren und zu versichern, sofern es unter der Preisobergrenze eingekauft wird, vorausgesetzt, die Maßnahme wird von den G-7 angenommen. Wird es nicht unter der Preisobergrenze eingekauft, ist dies nicht möglich, und es müssen alternative Vereinbarungen getroffen werden.

In den Leitlinien der EU heißt es jedoch, dass raffinierte Erdölerzeugnisse, die in einem Drittland aus russischem Rohöl gewonnen und aus diesem Land – oder einem anderen Drittland – exportiert werden, nicht unter die Sanktionen fallen, da sie nicht als russischer Ursprung gelten. Mit anderen Worten: Wenn das aus Russland stammende Rohöl am anderen Ende einer Raffinerie in Kraftstoffe wie zum Beispiel Diesel umgewandelt wird, kann es nach Angaben einer mit den Sanktionsbestimmungen der EU vertrauten Person rechtmäßig in die EU geliefert werden – möglicherweise mit großem Gewinn. Wie der Vorstandsvorsitzende von Shell, Ben van Beurden, Berichten zufolge sagte, bevor die EU-Sanktionen beschlossen wurden: „Diesel, der aus einer indischen Raffinerie kommt, die mit russischem Rohöl gefüttert wurde, wird als indischer Diesel betrachtet.“

Noch unsicher

Doch nicht alle europäischen Raffinerien haben mitgespielt. Als die kroatische Raffinerie Ina Industrija Nafte DD kürzlich Ausschreibungen für den Kauf von Dieselkraftstoff veröffentlichte, gab sie an, dass sie ab dem 5. Februar keine Produkte annehmen würde, die aus Rohöl gewonnen werden, „das aus Russland stammt oder aus Russland exportiert wird“.

Bei russischem Kraftstoff, der einfach mit nicht-russischen Produkten aus anderen Ländern gemischt wird, ist die EU weniger nachsichtig. Wenn zum Beispiel russischer Diesel mit nicht-russischen Molekülen gemischt wird, um ein Dieselprodukt herzustellen, dann darf dieses Produkt nicht in die EU geliefert werden, so die mit den Vorschriften vertraute Person.

Es sei denn, der genaue Anteil des Produkts, der nicht aus Russland stammt, kann gegenüber den nationalen Behörden des Mitgliedstaates eindeutig nachgewiesen werden. In diesem Fall kann der genaue Anteil, der nicht aus Russland stammt, in die EU eingeführt werden. Dies wirft für Dieselhändler einige interessante Fragen auf. Stellen Sie sich vor, Russland exportiert Kraftstoff an Orte, die ihn nicht wirklich brauchen, wenn die EU Anfang Februar ihre Importe einstellt.

Was werden diese Orte mit ihrem Überangebot tun, da Europa eine Art Nachfragesenke für Diesel ist? Und wie genau wird Europa seine Lagerbestände aufrechterhalten, wenn es den Kraftstoff nicht von diesem Drittland zurückkaufen kann? Das wird nur die Zeit zeigen.

FMW/Bloomberg

Eine Öl-Raffinerie in Kroatien
Öl-Raffinerie in Kroatien. Photographer: Oliver Bunic/Bloomberg


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6 Kommentare

  1. Es „kann“ nicht nach Europa gelangen, sondern „wird“ nach Europa gelangen.
    Dann wird es vorbei sein, mit noch einigermaßen erträglichen Benzin- und Dieselpreisen. Dann muss die griechische Flotte auch nicht leer zurück fahren, wenn sie das russische Erdöl nach Asien gebracht hat.
    Ich schätze, diese Verschwörungstheorie wird etwa 2 bis 3 Monate halten.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. wird das nicht schon gemacht ?
      Das wallstreet Journal berichtet das russ. Öl für US Fahrzeuge zum Einsatz kommt – mittels Schlupfloch.

      „Russland liefert dafür einfach Rohöl an die Raffinerie des russischen Mineralölkonzerns Lukoil in Sizilien, berichtet das Wall Street Journal. Bis zu 93 Prozent russisches Rohöl werden dort laut Magazin für die Benzinherstellung verwendet. Da das Öl in Italien raffiniert wurde, gilt es nun als italienisches Produkt – und nicht mehr als russisches.
      Der Kraftstoff wird dann legal in die Vereinigten Staaten verschifft und an verschiedene Abnehmer verkauft.“
      Und genauso hätt ichs auch gemacht, schon vor Wochen.
      Die USA und Sanktionen einhalten … darf ich lächeln ?

      https://www.merkur.de/wirtschaft/sanktionen-schlupfloch-russland-usa-oel-benzin-raffinerie-lukoil-konzerne-ukraine-news-zr-91890230.html

  2. O.k., aktuell dürfen noch Destillate/Benzin, Diesel aus indischen Raffinerien in die EU/Deutschland exportiert werden, selbst wenn sie auf Grundlage von russischem Rohöl veredelt wurden. Aber es ist doch wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Indien von Deutschland/der EU wegen des genannten Zusammenspiels mit Russland sanktioniert wird.

    1. Na klar, wir sanktionieren die halbe Welt, Baerbock wird das mit „Tony“ schon durchsetzen, wir sind doch schließlich wer, oder ?
      und wenn es dann aus anderen Ländern kommt ? auch sanktionieren ? Die Mehrheit auf der Welt macht die Sanktionen gegen Russland nicht mit.

  3. Hallo Ottonorma, ja, richtig, die griechische Flotte darf ganz offiziell für Russland das Öl in der Welt verteilen. Und die Amis kaufen den Diesel von Raffinerien aus Italien, die russisches Öl verwenden.
    Nur, wenn dann der Treibstoff, der heute noch aus russischem Öl in Europa hergestellt wird, zusätzlich um die halbe Welt gefahren werden muss, dann wird er teurer sein.
    Und es erzeugt eine ganze Menge mehr CO2, erst das Rohöl nach Asien zu transportieren, und dann den Diesel wieder zurück.
    Schöne neue grüne Welt, mit höheren Preisen und mehr CO2.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Naja, damit kann man leben.

    Benzin und Dieselpreise: Spaniens niedrigste Treibstoffpreise in ihrer Umgebung heute Sonntag 13 November – Nachrichten.es

    https://nachrichten.es/benzin-und-dieselpreise-spaniens-niedrigste-treibstoffpreise-in-ihrer-umgebung-heute-sonntag-13-november/

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