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So pusht Rocket Internet aktuell den eigenen Aktienkurs

Am US-Kapitalmarkt lautet ein inoffizielles Motto: "Wenn niemand deine Aktien kaufen will, kauf sie einfach selbst". Gerade in den letzten Jahren des billigen Geldes (dank der Notenbanken) haben US-Konzerne wie auch...

FMW-Redaktion

Am US-Kapitalmarkt lautet ein inoffizielles Motto: „Wenn niemand deine Aktien kaufen will, kauf sie einfach selbst“. Gerade in den letzten Jahren des billigen Geldes (dank der Notenbanken) haben US-Konzerne wie auch europäische Unternehmen in großem Stil Aktienrückkaufprogramme aufgelegt. Aus den Jahresgewinnen zweigte man Geld ab, oder nahm fast zinsfrei Kredite auf, und kaufte davon eigene Aktien zurück. Der angepeilte Effekt: Durch weniger im Umlauf befindliche Aktien steigt der Gewinn pro Aktie. Das macht die Aktie attraktiver für Anleger.

Abgesehen davon wird der noch wichtigere Effekt erzielt, dass durch dieses Entfernen von Aktien aus dem freien Börsenhandel die Angebotsseite verknappt wird. Dadurch entsteht vermeintlich Kaufdruck, und die Aktie steigt. Diesen Effekt wird sich wohl aktuell auch das deutsche (einstmals angesagte) Unternehmen Rocket Internet erhoffen. Der Aktienkurs sieht relativ mau aus, wie der erste Chart seit der Emission der Aktie im Jahr 2014 zeigt. Es ging bergab, und seit geraumer Zeit dümpelt die Aktie vor sich hin deutlich unter der Erstnotiz.

Da muss man also nachhelfen, um die Angebotsseite zu verknappen. Wie Rocket Internet heute mitteilt, beginnt man ab heute mit einem massiven Aktienrückkaufprogramm, das bis zu 3,03% aller frei verfügbaren Aktien betrifft. Die dafür bereitgestellte Summe beläuft sich auf maximal 100 Millionen Euro, und maximal 5 Millionen Aktien. Wie gesagt, heute geht es los. Das Programm soll bis April 2018 laufen. Nach Aussage des Unternehmens habe die Hauptversammlung am 2. Juni beschlossen, dass Aktienrückkäufe einen Umfang von bis zu 10% aller ausstehenden Aktien umfassen können.

Oft sprechen Unternehmen davon, dass sie neben Dividenden auch über Aktienrückkäufe ihren Aktionären etwas gutes tun wollen (durch steigene Aktienkurse). Wir hatten in der Vergangenheit aber schon öfters unsere Meinung zum Audruck gebracht, besonders bei monströsen Rückkäufen in den USA. Die Vorstände versuchen damit oft schwache Aktienkurs-Verläufe in Gang zu bekommen, damit man gegenüber den Aktionären besser da steht. Letztlich aber verbrennt man wertvolles Cash, das dann für Investitionen im Unternehmen fehlt!

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer sagt heute dazu, dass man seine „starke Cash-Position“ nutze um eigene Aktien zurückzukaufen. Dieses Aktienrückkaufprogramm bekräftige die Absicht des Unternehmens „Kapital so effizient wie möglich zuzuordnen“. Hallo? Geld für den Kauf der eigenen Aktien zu verfeuern ist also die effizienteste Art Geld auszugeben? Wären nicht Investitionen in das eigene Unternehmen am Effizientesten?

Aus dem Börsengang von „Delivery Hero“ erlöste Rocket Internet 250 Millionen Euro. Das war im Juni. Dieses Ereignis konnte die Aktie kurzzeitig mal 2 Euro pushen über 21 Euro im Aktienkurs. Aber es half nur kurz, die Aktie fiel bis letzten Freitag sogar auf 16,36 Euro. Das war der tiefste Stand seit März. War das vielleicht der Auslöser von Herrn Samwer um jetzt diese Push-Maßnahme zu ergreifen? Wie auch immer. Diesen Effekt der heute vielleicht schon startenden Rückkäufe nehmen die Anleger sofort vorweg, und lassen die Aktie um 6,5% steigen.


Die Aktie von Rocket Internet seit dem Börsengang 2014.


Die Aktie von Rocket Internet seit dem 25. Juli. Man erkennt den heutigen Kursanstieg.



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1 Kommentar

  1. Meine Lieblingsfirma ist wieder am Start… Ob Rocket Internet da Druck durch Investoren bekommen hat die zufrieden gestellt werden müssen ? Ich meine, das Beteiligungsgeschäft läuft ja gelinde gesagt miserabel. Exit´s zum Teil nur unter hohen Verlusten (mit Außnahme mal von Delivery Hero), Hauptsache raus.

    Bei Rocket Internet muss man wohl übertünchen das der gesamte Laden auf Sand gebaut ist…

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