Folgen Sie uns

Allgemein

So sehen die deutschen Exporteure die aktuelle Lage der Weltwirtschaft

Wo sehen die Unternehmen die Risiken? Na klar, beim Brexit. Dann folgen Themen wie Protektionismus. Das Problem der Bevorzugung einheimischer Unternehmen steige von 16% auf 23%. Die Zunahme von Handelshemmnissen und…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die konjunkturelle Lage in Deutschland ist mehr als rosig. Überall nur Rekorde, wie wir inzwischen alle wissen. Einerseits sind diese Rekorde verursacht durch den breit aufgestellten innovativen Mittelstand – andererseits sind diese paradiesischen Umstände aber auch unabsichtlich entstanden durch den niedrigen Ölpreis und die abgeschafften Zinsen seitens die EZB. Wie aber sieht es beim deutschen Außenhandel aus? Der „Deutsche Industrie- und Handelskammertag“ (DIHK) hat heute die Ergebnisse der halbjährlichen Befragung durch die Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) veröffentlicht, an der sich diesmal rund 4.000 AHK-Mitgliedsunternehmen beteiligten. Insgesamt ist der Optimismus für die Weltwirtschaft deutlich spürbar. Auszugsweise im Zitat:

Mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen im Ausland erwarten eine weitere Verbesserung der Konjunktur vor Ort. Lediglich 16 Prozent rechnen mit schlechteren Zeiten.“ Der DIHK gehe davon aus, dass die Weltwirtschaft 2017 um 3,6 Prozent zulegen werde; das bedeute eine leichte Belebung gegenüber 2016 mit damals 3,1 Prozent Wachstum (2015: 3,4 Prozent). „Den Konjunkturaufschwung spüren auch die im Ausland tätigen deutschen Unternehmen“, berichtete der DIHK-Außenwirtschaftschef. „56 Prozent erwarten bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten.“

Dabei umfasst die gute Entwicklung fast alle Weltregionen: „In der Eurozone und auch in Südostasien gehen die konjunkturellen Erwartungen der Unternehmen steil nach oben.“ Treiber seien weltweit Konsum und inzwischen auch Investitionen – zum Beispiel in den USA, einem der wichtigsten deutschen Handelspartner. Rückschläge auf anderen Märkten – wie etwa in der Türkei, im Nahen und Mittleren Osten oder im noch immer stagnierenden Brasilien – könnten damit derzeit kompensiert werden.

Die obige Grafik zeigt, dass 84% der befragten Unternehmen im Ausland eine bessere oder zumindest gleichbleibende wirtschaftliche Entwicklung erwarten. Das ist ein Zuwachs gegenüber 80% vor einem Jahr, also vor der Trump-Wahl und vor dem Brexit-Votum. Also ist der Optimismus sogar noch gestiegen. Komisch, denn eigentlich müsste er doch bei all den politischen Risiken eher abnehmen? Oder werden politische Probleme wie Trump, Brexit und Co überbewertet, wenn es um wirtschaftliche Realitäten geht? Basierend auf diesen Daten scheint es so zu sein.

Dazu ein weiteres Zitat vom DIHK:

Deutsche Unternehmen machen weltweit wieder bessere Geschäfte. Sowohl die Lage der Unternehmen als auch die Erwartungen für die eigene Geschäftsentwicklung verbessern sich deutlich. Immerhin 55 Prozent der international aufgestellten deutschen Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige internationale Geschäftssituation als gut, lediglich sieben Prozent als schlecht. Der Saldo in Höhe von 48 Punkten
wächst deutlich gegenüber den 37 Punkten in der Vorumfrage. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate fallen mit einem Saldo von 50 Punkten sogar noch etwas besser aus. Die Unternehmen erwarten, dass sich die optimistischen konjunkturellen Aussichten in vielen Ländern weltweit auch positiv auf ihr
eigenes Geschäft niederschlägt.

Wo sehen die Unternehmen die Risiken? Na klar, beim Brexit. Dann folgen Themen wie Protektionismus. Das Problem der Bevorzugung einheimischer Unternehmen steige von 16% auf 23%. Die Zunahme von Handelshemmnissen und protektionistische Tendenzen wie die „America First“-Strategie der US-Regierung würden für mehr Unsicherheit sorgen. Dann gibt es da noch den Konflikt in der Ukraine und generell die Probleme im Nahen Osten. In Bezug auf Handelsthemen sei es in der internationalen Zusammenarbeit von Industrieländern untereinander und mit Schwellenländern, zum Beispiel im Rahmen von G7 bzw. G20 Treffen, schwieriger geworden mit einer Stimme zu sprechen, so der DIHK. Weiterhin als ernstes Problem betrachten die Unternehmen den Fachkräftemangel. Er verharre nahezu auf hohem Niveau. Es bleibe für die Unternehmen weiterhin schwierig geeignetes Personal zu finden.

Während man für Italien im Großen und Ganzen vorsichtig optimistisch ist, sind die Aussichten für Griechenland laut DIHK eher düster. Zitat:

Nachdem die griechische Wirtschaft seit 2008 rund ein Viertel ihrer Leistung eingebüßt hat, ist die Hoffnung auf eine Erholung dünn. Die von der AHK befragten deutschen Unternehmen zeigen sich skeptisch. Lediglich zwei Prozent rechnen mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Monaten, 46 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung. Zumindest für das eigene Geschäft sind die Erwartungen mit einem Positiv-Saldo in Höhe von 25 Punkten zuversichtlich. Für steigende Investitionen im Land sollen vor allem die zahlreichen Privatisierungen sowie von der EU und vom griechischen Staat geförderte Projekte sorgen. Unter anderem will Griechenland mehr in den Tourismus investieren. Zähe
Verhandlungen um weitere Hilfsgelder schwächen allerdings derzeit das Vertrauen der Investoren.

Hier noch weitere Einzelgrafiken:

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen