Anleihen

So stark reduziert China seinen Besitz an US-Staatsanleihen

Wirft China massenhaft US-Staatsanleihen auf den Markt, sozusagen als „Rache“ oder Instrument im Handelskrieg mit den USA? Die USA importieren viel, viel mehr aus China als umgekehrt. Von daher können die USA auch Zölle auf mehr Handelsvolumen erheben als die Chinesen. Von daher müsste sich China nach Alternativen umschauen, um die Amerikaner treffen zu können.

Da wäre der gigantische Berg an US-Staatsanleihen, welche von China gehalten werden, ein Druckmittel. Schnell große Mengen davon am freien Anleihemarkt verkaufen, das würde an den Märkten für Turbulenzen sorgen. Aber Finanzexperten sind sich relativ einig, dass China dieses Mittel nicht wählen wird. Aber tun die Chinesen es bereits? Nicht schnell auf einen Schlag große Mengen abstoßen, sondern nach und nach, Monat für Monat eher kleine Mengen?

Veränderungen beim Eigentum von US-Staatsanleihen

Die heute Nacht offiziell vom US-Finanzministerium veröffentlichten Daten für den Monat März zeigen, dass China zumindest offiziell US-Staatsanleihen im Wert von 10,4 Milliarden Dollar verkauft hat (netto). Der offiziell ermittelbare Besitz Chinas belief sich auf 1,1205 Billionen US-Dollar gegenüber 1,1309 Billionen US-Dollar im Februar (aktuell der niedrigste Wert seit zwei Jahren).

Im Jahresvergleich von März 2018 bis März 2019 sank das Volumen von 1188 um 68 Milliarden Dollar auf jetzt 1,1205 Billionen Dollar. Im Verlauf des letzten Jahres (Grafik) sieht man: Es ging jeden Monat ein klein wenig bergab, und auf ein Jahr gesehen kann man schon einen deutlichen Rückgang erkennen. Die ersten Monate im Jahr 2019 nahm das Volumen sogar etwas zu, und aktuell erleben wir den ersten Rückgang seit November 2018.

Bedenken muss man immer auch folgendes: Es ist schwierig zu erkennen, ob und welche Volumen Länder wie Russland oder China über Verwahrstellen in Drittstaaten wie zum Beispiel Belgien oder den Caymans halten. In Finanzkreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass Regierungen ihre Besitzverhältnisse für die Öffentlichkeit so schwerer erkennbar machen. Die Cayman Islands sind immerhin laut der offiziellen Liste der achtgrößte Halter von US-Staatsanleihen! Dort nahm das gehaltene Volumen in den letzten 12 Monaten um 53 Milliarden Dollar zu. In Belgien wuchs das gehaltene Volumen in den letzten 12 Monaten um 60 Milliarden Dollar.

US-Staatsanleihen - Ausländische Besitzer
Grafik: US-Finanzministerium. Zum Vergrößern bitte anklicken.

US Treasury Department - US-Staatsanleihen
Treasury Department building in Washington, D.C. Foto: AgnosticPreachersKid CC BY-SA 3.0



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4 Kommentare

  1. Die Chinesen haben also sehr viele US Anleihen „importiert“ d. h. das Leben der Amis „über die Verhältnisse mitfinanziert. Ist denn dieser Handelsüberschuss nicht auch unfair ? ? Um einen Bondcrash zu produzieren spielt es keine Rolle wieviele Bonds sie haben. Jeder Dickfisch, oder auch jedes grössere Land könnte mit einem grossen Short ( Leerverkäufen ) kurzfristig einen Crash verursachen u.dabei noch verdienen.Aber ich denke auch ,dass dies eher eines der letzten Mittel wäre, aber sicher den verletzlichen US Aktienmarkt erschüttern würde.

  2. Pingback: Meldungen vom 16. Mai 2019 | das-bewegt-die-welt.de

  3. „Da wäre der gigantische Berg an US-Staatsanleihen, welche von China gehalten werden“

    Gigantische 5% der ausstehenden Anleihen.

    „Im Verlauf des letzten Jahres (Grafik) sieht man: Es ging jeden Monat ein klein wenig bergab, und auf ein Jahr gesehen kann man schon einen deutlichen Rückgang erkennen.“

    Zeigt doch einfach mal einen etwas längerfristigen Chart – oder würde der dann nicht das zeigen, was Sie gerne sehen würden?

    Der chinesische Bestand an US-Staatsanleihen ist seit Mitte 2010 sehr stabil und schwankt eher wenig um 1,2 Bio. USD. Aktuell ist der Bestand höher als 2016/17, als auch in vielerorts über einen Abbau spekuliert wurde oder als 2012.

    „Die Cayman Islands sind immerhin laut der offiziellen Liste der achtgrößte Halter von US-Staatsanleihen! Dort nahm das gehaltene Volumen in den letzten 12 Monaten um 53 Milliarden Dollar zu. In Belgien wuchs das gehaltene Volumen in den letzten 12 Monaten um 60 Milliarden Dollar.“

    Das dürften aber eher Steuervermeider aus den USA bzw. Europa sein und vermutlich Gelder aus dem Nahen Osten angesichts der steigenden Kriegsgefahr. Aber wenn das Käufe aus China sind, spricht das ja erst Recht gegen die These vom Abbau der Bestände.

    Letztlich wäre es für die US-Wirtschaft prima, wenn China die US-Wertpapiere nach und nach abstösst und so den CNY gegenüber dem USD aufwertet. Die Abwertung des CNY und der gleichzeitige Rückgang der US-Renditen über die letzten Monate sprechen allerdings eher für eine gewisse Kapitalflucht aus China.

    Also wenn China es schaffen würde, über gezielte Verkäufe Trump unter Druck zu setzen – prima, sehr gerne; ich zweifle aber stark am aktuellen Narrativ. Zudem würde das m.E. nur durch einen schnellen Abverkauf, der dann für entsprechende Turbulanzen sorgt, funktionieren. Ein langsamer Abverkauf ist eher das Traumszenario für die USA.

  4. China müsste keine einzige Anleihe verkaufen u.könnte nur mit verbaler Ankündigung ( Gerücht oder Fake new) den Bondmarkt kurzfristig erschüttern. Die andern 95% ( wenn das denn stimmt) würden sicher teilweise reagieren. Wie oft hat denn der EZB Tragisch mit verbalen Sprüchen schon die Märkte bewegt ?

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