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„So was wie Apple gibt´s nur alle 50 Jahre“

Von Claudio Kummerfeld

Was für ein Zitat: „So was wie Apple gibt´s nur alle 50 Jahre“. Ausgesprochen vom „Firmenplünderer“ und „Erpresser“ Nr.1 an der Wall Street. Hoch interessante Ansichten zur Börsenblase und warme Worte für Tim Cook gab es…

Wall Street New York Börsenviertel hier wird Apple geliebt
Downtown New York: Im Börsenviertel ist Carl Icahn zuhause.
Foto: Ibagli / Wikipedia / Public Domain

Carl Icahn

Carl Icahn ist dem normalen deutschen Privatanleger kaum ein Begriff. Dabei ist er Selfmade-Milliardär und der Wall Street-Spekulant Nr.1! In den USA von Vorstandsvorsitzenden gefürchtet und gehasst, da er aus Konzernen Sonderdividenden und Aktienrückkäufe herauspresst, gerne droht er auch mit Umsturzversuchen der Vorstände, wenn sie seine Forderungen nicht erfüllen. Dabei sieht Icahn sich weniger als Heuschrecke, sondern eher im Gegenteil als Robin Hood aller Aktionäre, als Aktivist, der für sich und alle anderen Anleger so viel Geld aus den Aktiengesellschaften rausholen will wie möglich. Carl Icahn diente zusammen mit dem Junk Bond-Guru Michael Milken als Vorlage für „Gordon Gekko“ im Film „Wall Street“ (gespielt von Michael Douglas). Vorstände von Aktiengesellschaften, Gewerkschafter, Kapitalismuskritiker, alle scheinen ihn zu hassen. Doch wer sein Geld vermehren möchte, würde wohl heimlich versuchen ihn um Rat zu fragen. Wir wollen hier und heute nicht klären, ob er ein schlechter Mensch ist. Das soll jeder selbst bewerten. Jetzt hat er dem Portal „Wall Street Week“ ein hochinteressantes 30minütiges VIDEO-Interview gegeben. Sehr sehenswert, egal ob man ihn mag oder nicht.

Wo man den „Firmenplünderer“ Carl Ican erkennt, so wie er berühmt wurde, ist die Stelle im unten gezeigten Video, wo er gefragt wird, wie er das Wort „Aktivist“ (eigentlich ein linkslastiger Begriff) definiert. Er beschreibt, wie er stundenlang in der Nacht analysiert und Firmen mit guten Umsätzen und Vermögenswerten findet, die aber kein Geld verdienen. Dann frage er sich wieso diese Firmen kein Geld verdienen und kommt darauf, dass die Person an der Spitze des Unternehmens ein Idiot ist. Man müsse sich dann darum kümmern ihn zu ersetzen.


Ob man ihn mag oder nicht, auf jeden Fall ein interessantes Interview.

Apple-Chef Tim Cook scheint einer der ganz wenigen Wirtschaftslenker zu sein, der bei dem Namen „Carl Icahn“ nicht schwitzen muss… aber dazu später mehr in diesem Artikel.

Carl Icahn und die Aktienblase

Carl Icahn beunruhigen die ständig steigenden Aktienmärkte, die von einem 0%-Zinsumfeld getrieben werden. Er verweist darauf, dass gleichzeitig die ökonomischen Vorzeichen immer düsterer werden, und vor allem dass die Unternehmensgewinne immer schlechter aussehen. Wörtlich sagt er „wir haben gerade einen Markt, wo der S&P ein KGV von 17 aufweist, und wir selbst würden doch keine Aktie mit einem 17er-KGV kaufen, wenn wir wüssten, dass die Gewinne dieser Firma rückläufig sind“. Er betonte dazu, dass er selber gehedgt sei. Dies bedeutet er besitzt mit seinen Fonds Aktien, hat diese aber gegen Verluste abgesichert, vermutlich mit Put-Optionen, die einen Crash ausgleichen würden. Er verweist darauf, dass viele Leute sagen der Markt wird nicht einbrechen, und er habe genau dies 2007 gehört, bevor der Markt 2008 einbrach.

Carl Icahn und Junk Bonds

Was noch gefährlicher sei als der überbewertete Aktienmarkt, so Icahn, sei der „High Yield-Market“, also der Markt für hochverzinste Anleihen, besser bekannt als Junk Bonds oder auch Schrottanleihen. Gerade in den letzten Jahren hat die Fracking-Industrie, die mit jeder Menge Chemie Öl und Gas aus dem Boden presst, so Geld aufgenommen. Kleine Firmen ohne Kapital im Hintergrund haben sich zu horrenden Zinsen von z.B. 10% p.a. verschuldet, die sie bei dem niedrigen Ölpreis nicht zurückzahlen können. Diese Blase sieht Icahn, wie auch viele andere Marktbeobachter, als viel schlimmeres Problem als die Aktienblase. Denn wenn die Herausgeber der Anleihen pleite sind, haben die Inhaber dieser Junk Bonds ein Problem. Ihre Bilanzen gehen den Bach runter, denn die darin enthaltenen Werte sind wertlos. Kennen wir das nicht irgendwo her? (Finanzkrise 2008). Betroffen werden wohl die üblichen Verdächtigen sein… Rentenfonds, Hedgefonds, und natürlich wie sollte es anders sein auch deutsche Banken, die sich solche Schrottanleihen haben aufschwatzen lassen – wer wie viel in der Bilanz hat, erfahren wir dann erst bei der nächsten Bankenrettung in Deutschland.

Icahn verweist darauf, dass immer noch viel Anlegergeld in Hochzinsfonds drängt und die große Flucht einsetzt, wenn die Anleihekurse einbrechen. Er selbst setze wie in der Finanzkrise 2008 auf fallende Kurse, u.a. mit „Credit Default Swaps„.

Er verweist auch auf einen sehr interessanten Umstand. 2008 hätte es noch ein „Sicherheitsnetz“ gegeben, das das Schlimmste abgefedert habe, da Banken mit Hedgefonds eng verknüpft waren und auch unbegrenzt Eigenhandel treiben konnten. Heute sei dies durch die „Volcker“-Regel nicht mehr möglich und Banken könnten, so drücken wir es mal aus, nicht mehr regulierend eingreifen. Wir meinen: das ist reine Ansichtssache, ob es mit oder ohne Volcker-Regel besser läuft bei einem Crash. Lassen wir uns überraschen – beim nächsten großen Junk Bond-Crash sind wir alle schlauer.

Carl Icahn liebt Apple

Bei Apple hat Carl Icahn keine Angst vor fallenden Kursen. Er sagte bei dieser Aktie fühlt er sich sicher. Wenn sie fällt, würde er einfach bei tieferen Kursen nachkaufen. Nachdem ihm mehrere Leute gesagt hätten man müsse diesen Tim Cook loswerden, traf er ihn persönlich und ist seitdem von ihm voll überzeugt als „Nerd“, so sagen wir es mal, der sich voll in das Thema Technik vertieft. Es geht ihm hier, so sagt er, um eine persönliche Einschätzung, dass Tim Cook Apple lebt und fühlt. So hatte er z.B. letzten Oktober eine öffentliche Lobeshymne auf Apple-Chef Tim Cook „gesungen“.

Nicht nur dass er bei Rückschlägen im Apple-Kurs nachkaufen würde, er sagte er hat auch im Aufwärtstrend der letzten Monate weiter dazu gekauft. Er sprach von einem 11er-KGV und stark steigenden Gewinnen, was in Relation zur durchschnittlichen Bewertung der S&P-Werte sehr gut sei.

Auch sagte er „So was wie Apple gibt´s nur alle 50 Jahre“. Gemeint hatte er damit wohl die Performance der Firma und die Qualität des Managements, die für ihn als Investor alles tut – das bedeutet Aktienrückkäufe, die die Kurse steigen lassen, und satte Dividenden.

Eine nicht ganz so strahlende Perspektive zu Apple finden Sie hier.

Abschließend kann man sagen: Carl Icahn´s Ansichten zum überbewerteten Aktien- und Junk Bond-Markt sind richtig. Jeder Anleger sollte aus diesen Informationen seine eigenen Schlüsse ziehen, denn wie lange eine Blase anhält, ist unmöglich vorherzusagen. Seine Liebe zu Apple ist wohl den Aktienrückkäufen und Dividenden geschuldet. Aktuell hält die Erfolgsstory von Apple ja weiter an, die ihm als großer Aktionär viel Geld in die Kassen spült. Jeder wie er will.



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