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Social Media in Europa: Mit Applaus zurück in die Steinzeit

Claudio Kummerfeld

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Gute Nacht Social Media, wie wir es heute kennen! Der CDU-Abgeordnete Axel Voss hat gestern überschwänglich gejubelt, gestrahlt und seine Arme hochgerissen, als der Artikel 13 des Urheberrechts nun doch beschlossen wurde vom EU-Parlament. Gestern berichteten wir schon darüber (hier mehr dazu). Der Otto-Normal-Verbraucher wird diese Veränderung so direkt gar nicht wahrnehmen. Nur nach und nach wird einem irgendwie auffallen, dass Facebook, Instagram, YouTube und Co tendenziell verkümmern könnten in Sachen Kreativität, Meinungsvielfalt uvm. Beispielhaft erklärt das zum Beispiel der folgende YouTuber.

Das ist kein Witz! Aktuell kann jeder einfach so irgendwas auf YouTube, Facebook und Twitter hochladen. Ist es urheberrechtlich problematisch, können Rechteinhaber sich derezit melden und den Inhalt sperren lassen. Die Verantwortung überträgt der EU-Gesetzgeber aber nun auf den Plattform-Anbieter selbst, also Facebook, Google und Twitter. Es ist aber gar nicht genau definiert, wie zum Beispiel festgestellt werden soll, welcher Inhalt (Video, Text, Foto) urheberrechtlich von Seiten des Inhalte-Produzenten geschützt werden soll, und welchen Inhalt Inhalte-Produzenten absichtlich zur freien Verwendung im Netz freigeben möchten.

Sollen sich alle Produzenten von Medieninhalten online mit ihren Inhalten registrieren, die als Original-Werke anerkannt werden sollen? Wer überprüft, ob derjenige wirklich der Rechteinhaber ist? Nichts ist im Entwurf vom lieben Herrn Voss genau geklärt. Willkür ist offensichtlich erwünscht. Denn was passiert, wenn so ein Gesetz nicht genau definiert wird? Es kann extrem weit ausgelegt werden! Also wird die Angst der Konzerne vor hohen Abmahngebühren dazu führen, dass sie zukünftig eine riesige Menge an Inhalten gar nicht erst zum Hochladen zulassen werden. Man darf gespannt sein auf diese neue „glorreiche Zeit“ für Social Media in Europa.

Das EU-Parlament hat gestern dazu einen Text veröffentlicht (volle Länge hier einsehbar). Auszugsweise heißt es Zitat:

Jegliche Maßnahmen, die von Plattformen ergriffen werden, um zu überprüfen, ob Uploads nicht gegen Urheberrechtsbestimmungen verstoßen, sollten jedoch nicht dazu führen, dass Werke, bei denen kein Verstoß gegen das Urheberrecht gegeben ist, nicht verfügbar sind. Diese Plattformen werden außerdem verpflichtet sein, zügige Beschwerde- und Rechtsbehelfsmechanismen (die von den Mitarbeitern der Plattform betrieben werden, nicht von Algorithmen) einzurichten, über die Beschwerden eingereicht werden können, wenn ein Upload zu Unrecht gelöscht wurde.

Die Initiatoren dieser neuen Richtlinie wissen also jetzt schon, dass sie zu Chaos und jeder Menge Blockaden noch vor dem Upload führt. Es soll also eine gewaltige Horde von Menschen bei Twitter, Facebook und Google eingestellt werden, die nun prüfen soll, was fälschlicherweise blockiert wurde beim Hochladen. Nur: Es gibt das Zitat-Recht und das Recht geschützte Inhalte umzubauen und in einem neuen Gesamtzusammenhang zu verwenden. Sollen diese Prüf-Mitarbeiter dann jedesmal Anwaltskanzleien befragen, ob sie den Upload freischalten sollen oder nicht? Und wer soll diesen Mehraufwand bezahlen?

Die Amerikaner werden wohl nur noch lachen über diese peinlichen Europäer. Dort ist über die „Fair Use Rule“ quasi alles in Ausschnitten verwendbar, es sei denn man kopiert komplette Filme und Texte. Die Kreativen in den USA können ihre Vorstellungen frei entfalten, was letztlich auch dazu führt, dass die Musik im Netz in Zukunft zunehmend noch viel mehr außerhalb der EU spielen wird als ohnehin schon. Vielen Dank Herr Voss! Ach ja, der lächelt und freut sich wohl immer noch über seinen Abstimmungssieg. Er sieht das natürlich genau andersrum als wir „kleingläubigen Nörgler“, welche wir sicherlich in seinen Augen sind. Hier ein aktuelles Video des EU-Parlaments in dieser Angelegenheit.

Problem für Social Media in Europa - Axel Voss jubelt
Axel Voss jubelt gestern im EU-Parlament über „seinen Erfolg“.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    13. September 2018 18:04 at 18:04

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld!
    Der gestrige und auch heutige Bericht ist in meinen Augen schon sehr, sehr gewagt. Es handelt sich um URHEBERRECHT! Ein ganz elementares, strafrechtlich geschütztes Recht, wird seit entstehen der digitalen Medien mehr und mehr mit Füßen getreten. Jeder Teilnehmer an den Social Medien oder die zitierten Youtuber kopieren, verteilen, verändern wie es ihnen gerade gefällt und es kommt ihnen gar nicht in den Sinn von den betroffenen URHEBERN deren Erlaubnis einzuholen oder sie gar zu entschädigen. Wenn sie nur genügend Teilnehmer auf ihren Seiten haben verdienen sie durch diesen Diebstahl an geistigem Eigentum auch noch Geld. Jawohl es handelt sich dabei um Diebstahl, genauso wie wenn sie ihrem Nachbarn den Rasenmäher klauen! Mit der Mär bezüglich Einschränkung der Meinungsfreiheit wird nun dagegen gepoltert, um eine strafrechtlich relevante Handlung doch weiterhin ungetraft durchführen zu können.
    Endlich ein wichtiger Schritt diese grobe Rechtsverletzung einzudämmen!

  2. Avatar

    Sabine

    14. September 2018 09:43 at 09:43

    „wird seit entstehen der digitalen Medien mehr und mehr mit Füßen getreten.“
    Sehr geehter Herr Kritisch,
    leider nicht richtig.
    a) Unser Geschichtsprofessor, der selbst einige Bücher geschrieben hat, meinte, wenn jemand ein Buch schreibt, nimmt er 3 andere und schreibt 1 Neues. Man kann gar nicht etwas total neu erfinden. Jeder ist geboren in seiner Umgebung, nimmt alles auf und macht anderes draus. Schauen sie die Bücher von Goethe, Schiller usw. Sie haben alte Geschichten genommen (Faust) und neue draus gemacht.
    b) Die extreme Verkrampfung des Urheberrechts, das Gieren nach Geld und Tantiemen ist neu und wird immer schlimmer. Jeder Künstler hat ja Versicherungen zu bezahlen, die durch die Gema freundlicherweise übernommen werden. Diese darf im Gegenzug überall herumschnüffeln und nach Zitaten suchen und „aufdecken“. Das ist wie die staatl.Gier bei den TV-Gebühren. Da man nicht genug schnüffeln kann, wird einfach bei jeder Wohnung die Zahlung erzwungen. Von einer privaten Firma, die dazu gar nicht berechtigt ist. Aber wer die Macht hat, braucht für das Recht nicht zu sorgen. Ich schau seit vielen Jahren kein TV-Müll, hatt noch nie einen TV.
    c) Das es auch Raubkopien gibt, wie ja auch bei Produktplagiaten der Industrie, ist so neu nicht und wurde immer verfolgt. Dazu gibt es ausreichend Gesetze. Das (!) wird mit dem Neuen ja nicht bekämpft und verhindert.
    Das Problem sind die Nachrichten, Beiträge und Sendungen des freien Internets, die über diesen Umweg beschnitten werden sollen, falls sie nämlich irgendwo aus Versehen ein Logo oder sonstigen Mist enthalten. Die will man jagen. Denn seit wann hängt sich die EU für soziales ins Zeug.
    – Der Witz ist doch, Abstimmung über EU-Mitgliedschaft ist nur in ausgesuchten Fällen erlaubt. (Irland so oft, bis es paßt. England – oje, die Bösen, Dummen, Alten. Danach gleich die lächerliche 4 Mill-Petition mit 90% Fake-Stimmen)
    https://deutsch.rt.com/inland/39154-millionen-petition-gegen-brexit-von/
    – Sommerzeit wird abgestimmt, aber mit Riesentheater, keine Transparenz, später ein ausgesuchter Kommentar und Ergebnisse, die zum ideologisch gewünschten Ergebnis hingefakt werden.
    – Sobald ideologisch einer ausschert, Sanktionen. Dabei sind die wirtschaftlichen das Allerletzte, was die interessiert. Mastricht-Kriterien, sowas von egal.

    • Avatar

      Kritisch

      14. September 2018 10:44 at 10:44

      Hallo, sehr geschätzte Sabine!
      Ich finde es ja fast schon amüsant welchen Weg ihre Gedanken von meinem Befürworten einer Kontrolle des Urheberrechtsgesetzes hin zu EU-kritischen Stellungnahmen zu diversen Themen machen. Ich bin vielleicht einer der kritischten Menschen in Bezug auf EU-typischen Übertreibungen in sehr vielen Belangen und beileibe kein Anhänger der so sehr übertriebenen Bürokratie. Aber ich bin auch jemand der kritisch Auswüchse, z.Bsp. in den Sozialen Netzwerken anprangert, vorallem dann wenn, und hier wiederhole ich mich, elementare, strafrechtlich geschützte Rechte schlicht weg ignoriert werden. Ich bin mitunter auch mit urheberrechtlichen Verstößen im Bereich der Musik konfrontiert und darf ihnen aus meiner Erfahrung mitteilen, dass es hier nicht um Streifälle geht wo Textpassagen oder Zitate verwendet werden. Nein, es werden schlicht und ergreifend komplette Werke kopiert, über Youtube veröffentlicht, auf Facebook verteilt, verändert, etc. etc. Dies erfolgt meist über anonyme, offshore User und ist deren Verfolgung, soferne sie überhaupt dahinterkommen, praktisch unmöglich. Ich befürworte und nutze auch die sozialen Medien, jedoch sollten sie meiner Auffassung nach nicht der Nährboden für illegale Vorgänge sein.
      Darum geht es mir und diese eingeleitete Aktion der EU (eine der Wenigen) unterstütze ich auch.
      Vielleicht konnte ich ein wenig mehr Licht auf meinen Kommentar lenken.
      Lg
      Kritisch

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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