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Solidarisches Grundeinkommen: Tolle Zukunftsidee oder Kostenmonster?

Ein Solidarisches Grundeinkommen soll anders als das Bedingungslose Grundeinkommen nicht dem Bürger einfach so Geld zu geben, ohne Gegenleistung. Nein, beim SGE soll der Arbeitslose eine Tätigkeit aufnehmen, und zwar beim Staat. Kommunen sollen zusätzliche...

Von Claudio Kummerfeld

Wie soll die Zukunft der Arbeitswelt aussehen, wenn Millionen von Menschen durch die Digitalisierung ihre Arbeit verlieren? Und was soll denn auf Dauer mit Langzeitarbeitslosen (Hartz 4) werden, die man auch im aktuell paradiesischen Arbeitsmarkt nicht unterbringen kann? Das „Bedingungslose Grundeinkommen“ wird schon seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Wirtschaftsforscher vom DIW haben die Idee von Berlins Bürgermeister Michael Müller näher unter die Lupe genommen ein sogenanntes „Solidarisches Grundeinkommen“ (SGE) einzuführen. Worum es geht? Zitat:

Ein solches, durch öffentliche Mittel finanziertes Grundeinkommen soll an die Aufnahme einer „gesellschaftlich relevanten“ Erwerbstätigkeit geknüpft werden. Ziel der Initiative ist, künftig „Teilhabe“ statt „Ausschluss“ zu finanzieren, und den Zusammenhalt in Zeiten von Modernisierung und Digitalisierung zu stärken.

Solidarisches Grundeinkommen statt Bedingungslosem Grundeinkommen

Ein Solidarisches Grundeinkommen soll anders als das Bedingungslose Grundeinkommen nicht dem Bürger einfach so Geld zu geben, ohne Gegenleistung. Nein, beim SGE soll der Arbeitslose eine Tätigkeit aufnehmen, und zwar beim Staat. Kommunen sollen zusätzliche Arbeitsstellen schaffen, die aber nicht mit privaten Tätigkeiten am Ersten Arbeitsmarkt in Konkurrenz treten sollen. Der Staat müsste also quasi Gehälter + Lohnnebenkosten zahlen, statt bisher Hartz 4. Solche Tätigkeiten sollen es sein:

HausmeisterIn in kommunalen Einrichtungen

Betreuung für Kleinkinder (Babysitting) in Privatwohnungen insb. von Alleinerziehenden

Betreuung von Älteren, z.B. für Besorgungen, Alltagsbegleitung

Begleit- und Einkaufsdienste für erkrankte Menschen, Menschen mit Behinderung oder mit eingeschränkter Mobilität

Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe, insbesondere Unterstützung bei der Integration

Tätigkeiten in der Jugend- und Familienhilfe

Beratung zu gesunder und ausgewogener Ernährung

ÜbungsleiterIn-Tätigkeiten in Vereinen

Tätigkeiten bei kommunalen Kulturangeboten sowie der kulturellen Bildung

Nutzen und Kosten

Explizit soll das SGE auch für künftige Arbeitslose gedacht sein, deren Jobs aufgrund von Digitalisierung und technologischer Veränderungen wegfallen. Durch beispielsweise der Mitwirkung in „kommunalen Kulturangeboten“ oder „Ernährungsberatung“ oder „Flüchtlingshilfe“ entsteht aber kein volkswirtschaftlicher Mehrwert, sondern „nur“ ein menschlicher und sozialer Mehrwert, der natürlich positiv einzuschätzen wäre!

Das DIW zitiert Michael Müller wie folgt:

Müllers Konzept des SGE fußt auf der Grundannahme, dass Arbeit der Schlüssel für soziale Teilhabe ist. Dem gegenwärtigen System um Hartz IV soll etwas Neues entgegengesetzt werden. Insbesondere soll das Sozialsystem, das die Langzeitarbeitslosigkeit oft nur verwaltet, eine Alternative bieten. Eine zentrale Herausforderung dabei besteht darin, Menschen, die schon länger arbeitslos sind, eine nicht-prekäre Beschäftigung anbieten zu können (im Gegensatz zu Leiharbeit, Zeitverträgen oder schlecht bezahlten Praktika). Die Idee des SGE basiert auf der Annahme, dass die öffentlichen Finanzmittel für die Verwaltung von Arbeitslosigkeit zielführender verwendet werden können. „Warum setzen wir das Geld für die bürokratische Verwaltung von Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe nicht besser für ein solidarisches Grundeinkommen ein, das fair bezahlte Arbeit für das Individuum und für die Gemeinschaft schafft?“, so Müller im Wortlaut.

Das klingt logisch. Die aktuelle reine Verwaltung von Arbeitslosigkeit ist oft unsinnig und verschlingt ohne Ende Geld. Aber schafft man mit der Verwaltung und Schaffung der neuen SGE-Jobs nicht auch ein neues Bürokratie-Monster? Das DIW hat berechnet, Zitat:

Insgesamt entstehen für den gesamten Staatssektor nach Abzug der zusätzlichen Steuer- und Beitragseinnahmen und unter Berücksichtigung der verbleibenden Sozialtransfers zusätzliche Kosten der SGE-Stelle von 346 Euro im Monat für den Alleinstehenden und 540 Euro im Monat für die Alleinerziehende. Im Jahr sind dies 3.364 Euro beziehungsweise 5.694 Euro.

Also geht es beim SGE darum Menschen, die aus Hartz 4 heraus oder aufgrund von Digitalisierung keine Chance mehr haben Arbeit zu finden, irgendwie anders mit einer zeitfüllenden Aufgabe zu versorgen. Ökonomisch, finanziell oder volkswirtschaftlich bringen diese Tätigkeiten keinen Mehrwert. Betrachtet man es nämlich von dieser wirtschaftlichen Seite, erschafft man mit dem SGE eine monströse und teure „Erweiterung“ des eh schon großen Sozialapparats in Deutschland. Und diese SGE-Erschaffung kostete ja mehr Geld als jetzt Hartz 4. Dieser vergrößerte und teurere Sozialapparat müsste dann durch den Teil der Bevölkerung subventioniert werden (über Steuern und Sozialabgaben), der einer Arbeit nachgeht, die eine finanzielle Wertschöpfung erbringt (Industrieproduktion, wodurch Waren verkauft werden, und Steueraufkommen entsteht).

Ansichtssache

Wir wollen an dieser Stelle weder für noch gegen das SGE argumentieren. Ob es gesamtgesellschaftlich einen Nutzen bringen würde, ist unklar. Positive Aspekte gibt es aber zweifellos! Nur zu befürchten wäre, dass dadurch das Abhängen noch größerer Gesellschaftsschichten vom „realen“ Arbeitsmarkt zementiert würde. Und die Subventionierung von Arbeitsstellen würde zementiert, die sich nicht selbst refinanzieren. Wie gesagt: Das ist die finanzielle Sichtweise.

Sieht man es aus rein gesellschaftlicher und menschlicher Sichtweise, kann so ein SGE-Konzept natürlich einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen, beispielsweise bei der Unterstützung älterer Menschen, oder bei der Kinderbetreuung. Dort würde man übrigens alleinstehenden Müttern die ganztägige Arbeit im ersten Arbeitsmarkt deutlich erleichtern, was ja doch einen Mehrwert für den realen Arbeitsmarkt bringen würde. Also, wie gesagt. Wir wollen die SGE-Idee nicht grundsätzlich schlecht reden. Es hängt wohl hauptsächlich davon ab, aus welcher Sichtweise man es betrachtet.

Was meinen Sie dazu? Diskutieren Sie gerne mit uns in den Kommentaren unter diesem Artikel.


Ein offizielles Bild der Bundesagentur für Arbeit. „Glückliche“ Arbeitslose bei der Job-Beratung.



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28 Kommentare

  1. Was bei solchen Diskussionen und Berechnungen immer wieder vergessen wird: Durch zunehmende Digitalisierung und Automatisierung verliert der Faktor Arbeitskraft immer mehr an Bedeutung und kann deshalb nicht mehr alleine für die Sozialausgaben einzahlen. Hier muss ein Umdenken in der Besteuerung stattfinden. Zumindest hier auf FMW ist dieser Punkt bereits mehrfach thematisiert worden.

    1. Das mit der Automatisierung hören wir nun seit 250 Jahren.

  2. Haben wir doch schon – nennt sich 1 Euro Job oder ist es jetzt 1,05 Euro? Sollen dann die Menschen in SGE Jobs gezwungen werden oder auf freiwilliger Basis?

  3. Betreuung für Kleinkinder (Babysitting) in Privatwohnungen insb. von Alleinerziehenden
    Betreuung von Älteren, z.B. für Besorgungen, Alltagsbegleitung
    usw…
    Also alles Tätigkeiten für die man eine mehrjährige Ausbildung, eventuelle sogar ein Studium benötigt sollen dann Langzeitarbeitslose ohne Qualifikation und manchaml sogar mit null Bock-Einstellung übernehmen, kann ja nur dem weltfremden Sozenhirn entspringen!

    1. @mulinski, liest sich sehr komisch was sie da geschrieben haben. tatsächlich braucht oder muss man heutzutage studiert haben für diese berufe. vor nicht allzu langer zeit, als die „frau“ noch mutter war – hätten sie das der FRAU gesagt die hätte ihnen mit dem suppenzwirl einen übern kopf gehauen :)

    2. @Mulinski, man muss nicht immer alles nur von der Schattenseite des Lebens betrachten. Und soziale Projekte und Denkweisen gleich grundsätzlich als weltfremd abtun.
      Ich bewerte die Idee grundsätzlich positiv, weil in meiner Region ein vergleichbarer Baby- und Kindersitterdienst seit einigen Jahren äußerst erfolgreich etabliert wurde (siehe Zitat unten aus einem Flyer des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Stadt u. a.). So erfolgreich, dass man nun die Erweiterung auf die Betreuung von älteren Menschen erwägt, sofern es genau um Besorgungen, Alltagsbegleitung, Einkaufsdienste etc. geht.
      Dafür braucht man nun wirklich keine mehrjährige Ausbildung oder ein Studium, ein paar Tage Schulung, ein wenig soziale Kompetenz, Vertrauen und die Bereitschaft, mit anderen Menschen interagieren zu wollen, reicht hier vollkommen aus.
      Ihrem Kommentar entnehme ich hingegen grundsätzliches Misstrauen und Ablehnung und evtl. ein wenig Engstirnigkeit bzw. Schubladendenken. Natürlich dürfen für solche Jobs nicht verantwortungslose, faule und grundsätzlich unsoziale Menschen in Frage kommen. Es gibt jedoch auch viele, die aus anderen Gründen arbeitslos sind (und durch Industrie 4.0 noch werden).

      Hier nun aber endlich das Zitat aus dem Flyer des Landkreises:
      Mögen Sie Kinder und sind gerne mit ihnen zusammen? Dann lassen Sie sich von uns zum/zur Babysitterln ausbilden. Der zweitägige Kurs bereitet Sie auf Ihre Aufgaben vor.
      Nach erfolgter Qualifizierung können Sie sich auf unsere Vermittlungsplattform setzen lassen.
      In Kooperation mit der Uniklinik, der Universität und der Stadt werden Baby- und Kindersitter in regelmäßig stattfindenden Qualifizierungskursen geschult. Dort erwerben qualifizierte junge Menschen, aber auch erfahrene Familienfrauen oder jung gebliebene ältere Menschen die wichtigsten Kenntnisse im Umgang mit ihnen anvertrauten Kindern. Diese qualifizierten Babysitter können dann über die entsprechenden Kooperationspartner an Familien in der gesamten Region vermittelt werden.

      1. Es gibt ja auch Erfahrung in diesem Bereich. Und wenn der Staat nunmal ein Grundeinkommen verteilt, dann heißt das:
        a) Er muß das den Verdienern wegnehmen
        b) Dazu kommt eine teure Bürokratie, die die Verdiener zahlen müssen
        c) Die Verdiener müssen besser überwacht werden, da sie keine Lust haben, das alles zu bezahlen.
        DDR.2 halt.
        Dazu kommt, wie’s ja „drüben“ auch war: Jede Frau muß auch arbeiten, damit sie den Staats-Kinderhort bezahlen kann. Nach denen muß „dieses Mittelalterdenken = Frau zuhaus bei den Kindern“ endlich weg. (Ich kenn noch solche Mittelalterfamilien.)

        1. @sabine
          Gratuliere. Sie haben es geblickt.

          Der Preis für das (a)-soziale Almosen ist der Verlust der Freiheit. Und der Staat versucht schon die Kleinen in der Kita in seinem Sinne zu indoktrinieren, http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/amurat-spielt-prinzessin-und-sophie-heisst-jetzt-ben-berliner-senat-will-sexuelle-vielfalt-im-kleinkindalterberliner-senat-will-sexuelle-vielfalt-im-kleinkindalter-eltern-sind-dagegen-und-lan-a2348651.html

      2. Das will ich dann sehen wie ihr eure Kinder, Kranken und Alten irgendwelchen lustlosen Dilettanten ohne Kenntnise in die Hand gibt.

      3. Die selben Hirngespinste mit den Asylanten, die als Analphabeten kommen und die Politik redet davon diese Leute auszubilden, ich frage mich warum man mindestens 10 Jahre in die Schule gehen muss, eine Ausbildung macht und dann kann doch jeder diese Tätigkeit übernehmen, der ein bisschen Seminare und Schulungen besucht hat?

  4. Es kommt mir vor, als würde man den Euro von der rechten in die linke Tasche oder andersrum, stecken. Die Jobs die wegfallen werden können nicht durch sozialer Arbeit aufgefangen werden. Es werden mehr Jobs fegfallen als wir uns vorstellen können. 1987 hat auch jeder über das Internet gelacht. Und wo stehen wir heute. Warum etwas noch weiter aufblähen anstelle entschlacken und in die Zukunft investieren, damit ein BGE finanziert werden kann.

  5. Das sind Ideen aus der sozialistischen Mottenkiste. Wer würde schon seine Kinder oder Eltern jemanden anvertrauen, von dem er weiß, dass er den Job gezwungenermaßen macht? Ich auf jeden Fall nicht.

    Sowas gibt es nur in Diktaturen, oder Staaten, die sich anschicken, eine zu werden.

  6. Ich bin grundsätzlich dagegen, warum?

    Hier drängt sich der Staat in einen Bereich, der bisher sehr gut privat organisiert wurden.

    In der Tagesbetreuung kenne ich mich gut aus.
    Er verschlechtert zunehmend die Bedingungen für Tagesmütter und Tagesväter. Wie? Nun er fördert private Kitaketten, denen es nur um Gewinnmaximierung geht, durch einseitige finanzielle Unterstützung. Die Tageseltern müssen nun bereits Kinder im Babyalter annehmen, da die Kitas/Krippen mit diesen keinen Gewinn machen können. Die Bezahlung wird so weit gedrückt, dass man fünf Kinder annehmen muss. Die hohen Auflagen, die zahlreichen Zwangsversicherungen und Fortbildungen lassen eine optimale Kinderzahl nicht mehr zu. Desweiteren übernehmen die Tageseltern auch eine Notfallversorgung über Nacht und über das Wochenende, wenn Eltern erkranken, die Kitas nicht. Die Tageseltern bilden selbst Netzwerke, diese kann der Bezirk eine Plattform bieten und unterstützen, mehr sollte er nicht tun.
    Keine Wettbewerbsverzerrung. Die Reichen hier bei uns beschäftigen übrigens alle eine eigene Kinderfrau für ihre Kinder. Warum wohl?

    Es wird enden wie in der Altenpflege.

    Ich bin für einen Minimalstaat.

    Ich kann hier nur auf Herrn Horst Lüning YouTube verweisen, „die Sozialisten wollen den Zwang zur Arbeit, jeder muss arbeiten, aber alle möglichst wenig.“

    Warum müssen wir die Zahl der Menschen weiter erhöhen? Die Zukunft liegt in der KI.
    Was meinen Sie wenn ein Staat oder eine Firma oder ein Milliardär als erster Zugriff auf einen Quantencomputer bekommt, was wird dann wohl passieren? Das sollte auch einmal diskutiert werden.

    1. @Chris, auch ich kenne mich in der Tagesbetreuung gut aus, weil ich hier seit 20 Jahren in einer kleineren Organisation leitend tätig bin. Auch ich kritisiere die Förderung „privater Kitaketten, denen es nur um Gewinnmaximierung geht“.
      Doch worauf genau wollen Sie hinaus?
      Private Kommerz-Organisationen sollen nicht weiter gefördert werden.
      Staatliche Kitas sprechen Sie gar nicht an.
      Das Potenzial und die Zukunft all der Menschen aus dem SGE für private oder staatliche Kitas tun Sie mit dem Argument ab, dass die Zahl der Menschen auf den Arbeitsmärkten nicht erhöht werden muss, weil die Zukunft in der KI liegt.
      Sollen wir also unsere Kinder Computern und Robotern anvertrauen? Oder darauf hoffen, dass wir irgendwann alle, wie die Reichen hierzulande, eine eigene Kinderfrau für ihre Kinder beschäftigen können?
      Sie plädieren für Tagesmütter und Tagesväter, würden nicht genau diese Positionen massiv gestärkt werden? (Siehe auch meinen Kommentar etwas weiter oben)

      1. Hallo Petra,
        Ich komme aus einer Großfamilie mit zahlreichen Hochbegabten und Hochleistern, deshalb war mir mit sechs Jahren bereits bewußt, daß Kinder sehr verschieden sind und unterschiedlich gefördert werden sollten. Früher spielten wir Kinder aus der Straße meist in einer großen gemischten Gruppe aus allen 12 Häusern recht anspruchsvoll, zum Beispiel Zirkus und dann kamen die Erwachsenen und schauten gegen Eintritt zu.
        Als wir unseren Sohn bekamen, hatten wir gerade unsere Firma gegründet, ein Haus gekauft, bauten ein weiteres und pflegten die Schwiegereltern. Und so suchten wir, als er 18 Monaten alt wurde nach sehr guten Betreuungsmöglichkeiten. Ich kenne also viele Konzepte, später haben wir dann einen Kindergarten inklusive Grundschule gebaut bzw. mitbegründet. Nebenbei habe ich auch seine Schulfreunde gefördert. Aber unser Sohn war leider nie ein Baby oder Kind, mit drei Monaten saß er, mit eineinviertel Jahren bohrte er mit der Bohrmaschine die Löcher selbst in die Wände, wenn er etwas aufhängen wollte, mit zwei Jahren las er plötzlich während der Autofahrt die Schilder vor, um mir zu helfen, mir drei Jahren konnte er schreiben, mit sechs schrieb er Kinderbücher und illustrierte sie, mit sieben programmierte er für seine Lehrerin einen Bildschirmschoner und mit neun wünschte er sich zu Weihnachten den Klassiker Programmieren in C auf englisch. Deshalb habe ich mich später zur Tagesmutter ausbilden lassen, lernte auf den Schulungen zahlreiche andere Tagesmütter kennen und erlebte wie schwer sie es plötzlich durch die privaten Kita-Ketten hatten. Zum Beispiel durch die Zuschüsse für die Einrichtung von Plätzen, Inventar, … Die Tageseltern haben doch gar nicht die Zeit sich durch die Anträge zu kämpfen, Zeitaufwand und Zuschuß stimmen hier nicht überein. Es findet eine Verdrängung auch durch die Bürokratie statt.
        Ich bin der Meinung, daß es vielfältige Angebote geben sollte.
        Übrigens sinkt die Qualität der Betreuer/Lehrer zunehmend, leider.

        Ich habe mich nun informiert, um stundenweise ein oder zwei Kinder anzunehmen, nicht mit Gewinnerzielungsabsicht, sondern weil ich die fröhliche Art der Kinder liebe und sie gut fördern kann. Aber die finanziellen Hürden sind so hoch, ich müßte rund 6000 EUR investieren, in Versicherungen und der gleichen, nicht in die Ausstattung, die ist vorhanden, Montessori und anderes Material, oder mich anstellen lassen.

        Ich bin ein Freigeist und für Kreativität, Selbstvertrauen, einem gesunden Menschenverstand, Eigenverantwortung und Freiheit.

        Eine meiner Schwestern ist Psychiaterin, sie kann nur 60 % ihrer Zeit ihren Patienten widmen, der Rest ist die Bürokratie und was für eine. Unvorstellbar. Die Menschen auf der Warteliste warten bis zu einem Jahr, dort geht es um Leben und Tod, Traumata, Selbstmordgedanken, …

        Es läuft doch etwas gewaltig schief hier in Deutschland.

        Meine Ausführungen sind etwas länger geworden, aber vielleicht sind nun auch meine Ausführungen zur KI verständlicher. Sie wird kommen und deshalb brauchen wir Qualität statt Quantität, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

        1. @Chris, mit eineinviertel Jahren bohrte er mit der Bohrmaschine die Löcher selbst in die Wände :D
          Vielleicht etwas dick aufgetragen, oder war/ist ist Ihr Sohn neben hochbegabt auch noch Kraftsportler?

          1. Ja, im Babystrampler mit geschlossenen Füßchen. Natürlich wackelte er ein wenig, da er sich ja gegen die Wand stemmen mußte. Habe mal gerade ein Foto dazu gefunden, einen Kopf kleiner als das Schließblech oder mittlere Angel der Haustür und das Foto hatte ich erst Monate später gemacht, nachdem ich nicht mehr danebenstehen mußte. Kann ich gerne mal zusenden. Eine meiner jüngeren Schwestern, auf die ich aufpassen mußte, schaffte es mit fünf Monaten die Matratze auf der sie zuvor lag aus dem hohen rundum geschlossenen Kinderwagen hinauszuwerfen. Sie hob allerdings bereits am Tag ihrer Geburt ihren Kopf und hielt ihn oben. Bei den Babys und Kleinkindern ist die Muskulatur unterschiedlich stark ausgeprägt, manche besitzen kaum Speck, sondern Muskeln.

          2. @Chris, nicht nötig, mir das Foto zuzusenden. Mit spätestens 12 Jahren wird Ihr Sohn die Große vereinheitlichte Theorie der Physik veröffentlicht haben, was ihn dann mir und der ganzen Welt bekannt gemacht haben wird.

  7. Oh man der Müller ist ja echt schwachsinnig und ich dachte, der tut nur so. Was soll das denn sein? Im Endeffekt sind das doch dann nur irgendwelche umetikettierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Das gabs doch alles schon. Und wenn man irgendwelche ach so sozialen Tätigkeiten nachgeht, bleibt es trotzdem ein Arbeitsaufwand. Und jemand der das freiwillig machen möchte, kann das auch heute schon. Müssen die Sozen immer offene Türen einrennen….

  8. Ich würde diese Ideen nicht gleich als grundsätzlich schwachsinnige Utopien aus der Sozenkiste abtun, weil ein gewaltiges Potenzial dahinter steckt, sobald man sein Denken aus festgefahrenen Dogmen befreit und der Welt innovativer Möglichkeiten öffnet.
    Die genannten Einsatzmöglichkeiten sind etwas starr und beschränkt auf den „sozialen“ Bereich. Man könnte diese jedoch deutlich erweitern:
    – Helfer für unsere allseits überforderten Verwaltungsbeamten, die für jede kleine Anfrage Wochen und Monate benötigen
    – Aktensortierer, Aktenschredderer, Aktenbeschrifter
    – Schneeräumer, Straßenreiniger, Fuhrparkangestellte
    – Hilfskräfte in Wertstoffhöfen und Kompostplätzen, dafür Erweiterung der Öffnungszeiten von 9 auf 30 Stunden wöchentlich
    – Hilfskräfte bei öffentlichen Veranstaltungen, Bürgerfesten, Weihnachtsmärkten
    – Helfer für Stadtgärtner, Pflege von Satdtparks und öffentlichen Plätzen
    – Erhaltung und Pflege von Naturparks, Naturschutzgebieten
    – Aufsicht in Freibädern und Badeplätzen, Erhaltung und Pflege solcher Einrichtungen
    – uvm.

    1. Und am Ende arbeiten alle im Dienste des staates?

      1. @Andreas, nicht alle! Nur die paar Prozent, die jetzt und dann auf Gedeih und Verderb von den Almosen des Staates abhängig sind. Der große Rest darf weiterhin in der freien Wildbahn von Marktwirtschaft und Finanzen als Mindestlohnbeute dienen.
        Eine bessere, neutralere und treffendere Formulierung wäre übrigens „im Dienste der Gesellschaft“.

      2. Nur die Funktionäre nicht: die arbeiten immer dagegen.

        1. Um die Funktionäre geht es ja in dem Artikel auch nicht, nur um die Menschen ohne Arbeit, wenn ich das richtig verstanden habe.

          1. Wissen Sie was Sarkasmus ist?

  9. Im Sinne der Gerechtigkeit für Abermillionen von kleinen Selbständigen, Angestellten in Supermärkten und Mindestlohnempfängern unserer ach so edlen Großkonzerne beurteile ich eine derartige Maßnahme als äußerst wünschenswert.
    Wenn sich schon Staat und Konzerne an mindestens einem Drittel der arbeitswilligen Bevölkerung frei und ohne Hemmungen bedienen dürfen, sollten diese nicht auch noch machtlos zusehen und verstehen müssen, wie und warum zahlreiche andere Mitbürger ohne Leistungserbringung (und oft mit Schwarzarbeit) finanziell und psychologisch gleich oder besser gestellt sein sollen.
    Das klingt für mich weniger „sozenmäßig“, sondern vielmehr nach Union, FDP, Wirtschaft, Finanzmärkten, mehr nach Trump, denn Mueller ;)

    1. @Lars es gibt bestimmt auch nicht wenige, die der arbeitenden Bevölkerung gerne Arbeit und natürlich auch Einkommen abnehmen. Aber ich würde das nicht einsehen, dass die einen mit Almosen abgespeist werden und dann im Dienste der Gesellschaft den Stiefelknecht und Handlanger für die Werktätigen machen. Wenn ich Almosenempfänger wäre und zwangsweise anderen unter die Arme greifen muss, fände ich das nicht in Ordnung. Ich möchte dafür knallhart bezahlt werden, wie jeder andere auch. Wenn jemand freiwillig so etwas macht, dann ist das seine Entscheidung . Aber nicht unter Zwang.

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