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Solidarisches Grundeinkommen: Tolle Zukunftsidee oder Kostenmonster?

Ein Solidarisches Grundeinkommen soll anders als das Bedingungslose Grundeinkommen nicht dem Bürger einfach so Geld zu geben, ohne Gegenleistung. Nein, beim SGE soll der Arbeitslose eine Tätigkeit aufnehmen, und zwar beim Staat. Kommunen sollen zusätzliche…

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Von Claudio Kummerfeld

Wie soll die Zukunft der Arbeitswelt aussehen, wenn Millionen von Menschen durch die Digitalisierung ihre Arbeit verlieren? Und was soll denn auf Dauer mit Langzeitarbeitslosen (Hartz 4) werden, die man auch im aktuell paradiesischen Arbeitsmarkt nicht unterbringen kann? Das „Bedingungslose Grundeinkommen“ wird schon seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Wirtschaftsforscher vom DIW haben die Idee von Berlins Bürgermeister Michael Müller näher unter die Lupe genommen ein sogenanntes „Solidarisches Grundeinkommen“ (SGE) einzuführen. Worum es geht? Zitat:

Ein solches, durch öffentliche Mittel finanziertes Grundeinkommen soll an die Aufnahme einer „gesellschaftlich relevanten“ Erwerbstätigkeit geknüpft werden. Ziel der Initiative ist, künftig „Teilhabe“ statt „Ausschluss“ zu finanzieren, und den Zusammenhalt in Zeiten von Modernisierung und Digitalisierung zu stärken.

Solidarisches Grundeinkommen statt Bedingungslosem Grundeinkommen

Ein Solidarisches Grundeinkommen soll anders als das Bedingungslose Grundeinkommen nicht dem Bürger einfach so Geld zu geben, ohne Gegenleistung. Nein, beim SGE soll der Arbeitslose eine Tätigkeit aufnehmen, und zwar beim Staat. Kommunen sollen zusätzliche Arbeitsstellen schaffen, die aber nicht mit privaten Tätigkeiten am Ersten Arbeitsmarkt in Konkurrenz treten sollen. Der Staat müsste also quasi Gehälter + Lohnnebenkosten zahlen, statt bisher Hartz 4. Solche Tätigkeiten sollen es sein:

HausmeisterIn in kommunalen Einrichtungen

Betreuung für Kleinkinder (Babysitting) in Privatwohnungen insb. von Alleinerziehenden

Betreuung von Älteren, z.B. für Besorgungen, Alltagsbegleitung

Begleit- und Einkaufsdienste für erkrankte Menschen, Menschen mit Behinderung oder mit eingeschränkter Mobilität

Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe, insbesondere Unterstützung bei der Integration

Tätigkeiten in der Jugend- und Familienhilfe

Beratung zu gesunder und ausgewogener Ernährung

ÜbungsleiterIn-Tätigkeiten in Vereinen

Tätigkeiten bei kommunalen Kulturangeboten sowie der kulturellen Bildung

Nutzen und Kosten

Explizit soll das SGE auch für künftige Arbeitslose gedacht sein, deren Jobs aufgrund von Digitalisierung und technologischer Veränderungen wegfallen. Durch beispielsweise der Mitwirkung in „kommunalen Kulturangeboten“ oder „Ernährungsberatung“ oder „Flüchtlingshilfe“ entsteht aber kein volkswirtschaftlicher Mehrwert, sondern „nur“ ein menschlicher und sozialer Mehrwert, der natürlich positiv einzuschätzen wäre!

Das DIW zitiert Michael Müller wie folgt:

Müllers Konzept des SGE fußt auf der Grundannahme, dass Arbeit der Schlüssel für soziale Teilhabe ist. Dem gegenwärtigen System um Hartz IV soll etwas Neues entgegengesetzt werden. Insbesondere soll das Sozialsystem, das die Langzeitarbeitslosigkeit oft nur verwaltet, eine Alternative bieten. Eine zentrale Herausforderung dabei besteht darin, Menschen, die schon länger arbeitslos sind, eine nicht-prekäre Beschäftigung anbieten zu können (im Gegensatz zu Leiharbeit, Zeitverträgen oder schlecht bezahlten Praktika). Die Idee des SGE basiert auf der Annahme, dass die öffentlichen Finanzmittel für die Verwaltung von Arbeitslosigkeit zielführender verwendet werden können. „Warum setzen wir das Geld für die bürokratische Verwaltung von Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe nicht besser für ein solidarisches Grundeinkommen ein, das fair bezahlte Arbeit für das Individuum und für die Gemeinschaft schafft?“, so Müller im Wortlaut.

Das klingt logisch. Die aktuelle reine Verwaltung von Arbeitslosigkeit ist oft unsinnig und verschlingt ohne Ende Geld. Aber schafft man mit der Verwaltung und Schaffung der neuen SGE-Jobs nicht auch ein neues Bürokratie-Monster? Das DIW hat berechnet, Zitat:

Insgesamt entstehen für den gesamten Staatssektor nach Abzug der zusätzlichen Steuer- und Beitragseinnahmen und unter Berücksichtigung der verbleibenden Sozialtransfers zusätzliche Kosten der SGE-Stelle von 346 Euro im Monat für den Alleinstehenden und 540 Euro im Monat für die Alleinerziehende. Im Jahr sind dies 3.364 Euro beziehungsweise 5.694 Euro.

Also geht es beim SGE darum Menschen, die aus Hartz 4 heraus oder aufgrund von Digitalisierung keine Chance mehr haben Arbeit zu finden, irgendwie anders mit einer zeitfüllenden Aufgabe zu versorgen. Ökonomisch, finanziell oder volkswirtschaftlich bringen diese Tätigkeiten keinen Mehrwert. Betrachtet man es nämlich von dieser wirtschaftlichen Seite, erschafft man mit dem SGE eine monströse und teure „Erweiterung“ des eh schon großen Sozialapparats in Deutschland. Und diese SGE-Erschaffung kostete ja mehr Geld als jetzt Hartz 4. Dieser vergrößerte und teurere Sozialapparat müsste dann durch den Teil der Bevölkerung subventioniert werden (über Steuern und Sozialabgaben), der einer Arbeit nachgeht, die eine finanzielle Wertschöpfung erbringt (Industrieproduktion, wodurch Waren verkauft werden, und Steueraufkommen entsteht).

Ansichtssache

Wir wollen an dieser Stelle weder für noch gegen das SGE argumentieren. Ob es gesamtgesellschaftlich einen Nutzen bringen würde, ist unklar. Positive Aspekte gibt es aber zweifellos! Nur zu befürchten wäre, dass dadurch das Abhängen noch größerer Gesellschaftsschichten vom „realen“ Arbeitsmarkt zementiert würde. Und die Subventionierung von Arbeitsstellen würde zementiert, die sich nicht selbst refinanzieren. Wie gesagt: Das ist die finanzielle Sichtweise.

Sieht man es aus rein gesellschaftlicher und menschlicher Sichtweise, kann so ein SGE-Konzept natürlich einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen, beispielsweise bei der Unterstützung älterer Menschen, oder bei der Kinderbetreuung. Dort würde man übrigens alleinstehenden Müttern die ganztägige Arbeit im ersten Arbeitsmarkt deutlich erleichtern, was ja doch einen Mehrwert für den realen Arbeitsmarkt bringen würde. Also, wie gesagt. Wir wollen die SGE-Idee nicht grundsätzlich schlecht reden. Es hängt wohl hauptsächlich davon ab, aus welcher Sichtweise man es betrachtet.

Was meinen Sie dazu? Diskutieren Sie gerne mit uns in den Kommentaren unter diesem Artikel.


Ein offizielles Bild der Bundesagentur für Arbeit. „Glückliche“ Arbeitslose bei der Job-Beratung.

28 Kommentare

28 Comments

  1. Avatar

    Savestrax

    14. Februar 2018 17:47 at 17:47

    Was bei solchen Diskussionen und Berechnungen immer wieder vergessen wird: Durch zunehmende Digitalisierung und Automatisierung verliert der Faktor Arbeitskraft immer mehr an Bedeutung und kann deshalb nicht mehr alleine für die Sozialausgaben einzahlen. Hier muss ein Umdenken in der Besteuerung stattfinden. Zumindest hier auf FMW ist dieser Punkt bereits mehrfach thematisiert worden.

    • Avatar

      tm

      15. Februar 2018 09:52 at 09:52

      Das mit der Automatisierung hören wir nun seit 250 Jahren.

  2. Avatar

    Sven

    14. Februar 2018 18:00 at 18:00

    Haben wir doch schon – nennt sich 1 Euro Job oder ist es jetzt 1,05 Euro? Sollen dann die Menschen in SGE Jobs gezwungen werden oder auf freiwilliger Basis?

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    Mulinski

    14. Februar 2018 18:09 at 18:09

    Betreuung für Kleinkinder (Babysitting) in Privatwohnungen insb. von Alleinerziehenden
    Betreuung von Älteren, z.B. für Besorgungen, Alltagsbegleitung
    usw…
    Also alles Tätigkeiten für die man eine mehrjährige Ausbildung, eventuelle sogar ein Studium benötigt sollen dann Langzeitarbeitslose ohne Qualifikation und manchaml sogar mit null Bock-Einstellung übernehmen, kann ja nur dem weltfremden Sozenhirn entspringen!

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      m.d

      14. Februar 2018 18:56 at 18:56

      @mulinski, liest sich sehr komisch was sie da geschrieben haben. tatsächlich braucht oder muss man heutzutage studiert haben für diese berufe. vor nicht allzu langer zeit, als die „frau“ noch mutter war – hätten sie das der FRAU gesagt die hätte ihnen mit dem suppenzwirl einen übern kopf gehauen :)

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      Petra

      14. Februar 2018 19:31 at 19:31

      @Mulinski, man muss nicht immer alles nur von der Schattenseite des Lebens betrachten. Und soziale Projekte und Denkweisen gleich grundsätzlich als weltfremd abtun.
      Ich bewerte die Idee grundsätzlich positiv, weil in meiner Region ein vergleichbarer Baby- und Kindersitterdienst seit einigen Jahren äußerst erfolgreich etabliert wurde (siehe Zitat unten aus einem Flyer des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Stadt u. a.). So erfolgreich, dass man nun die Erweiterung auf die Betreuung von älteren Menschen erwägt, sofern es genau um Besorgungen, Alltagsbegleitung, Einkaufsdienste etc. geht.
      Dafür braucht man nun wirklich keine mehrjährige Ausbildung oder ein Studium, ein paar Tage Schulung, ein wenig soziale Kompetenz, Vertrauen und die Bereitschaft, mit anderen Menschen interagieren zu wollen, reicht hier vollkommen aus.
      Ihrem Kommentar entnehme ich hingegen grundsätzliches Misstrauen und Ablehnung und evtl. ein wenig Engstirnigkeit bzw. Schubladendenken. Natürlich dürfen für solche Jobs nicht verantwortungslose, faule und grundsätzlich unsoziale Menschen in Frage kommen. Es gibt jedoch auch viele, die aus anderen Gründen arbeitslos sind (und durch Industrie 4.0 noch werden).

      Hier nun aber endlich das Zitat aus dem Flyer des Landkreises:
      Mögen Sie Kinder und sind gerne mit ihnen zusammen? Dann lassen Sie sich von uns zum/zur Babysitterln ausbilden. Der zweitägige Kurs bereitet Sie auf Ihre Aufgaben vor.
      Nach erfolgter Qualifizierung können Sie sich auf unsere Vermittlungsplattform setzen lassen.
      In Kooperation mit der Uniklinik, der Universität und der Stadt werden Baby- und Kindersitter in regelmäßig stattfindenden Qualifizierungskursen geschult. Dort erwerben qualifizierte junge Menschen, aber auch erfahrene Familienfrauen oder jung gebliebene ältere Menschen die wichtigsten Kenntnisse im Umgang mit ihnen anvertrauten Kindern. Diese qualifizierten Babysitter können dann über die entsprechenden Kooperationspartner an Familien in der gesamten Region vermittelt werden.

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        sabine

        15. Februar 2018 09:59 at 09:59

        Es gibt ja auch Erfahrung in diesem Bereich. Und wenn der Staat nunmal ein Grundeinkommen verteilt, dann heißt das:
        a) Er muß das den Verdienern wegnehmen
        b) Dazu kommt eine teure Bürokratie, die die Verdiener zahlen müssen
        c) Die Verdiener müssen besser überwacht werden, da sie keine Lust haben, das alles zu bezahlen.
        DDR.2 halt.
        Dazu kommt, wie’s ja „drüben“ auch war: Jede Frau muß auch arbeiten, damit sie den Staats-Kinderhort bezahlen kann. Nach denen muß „dieses Mittelalterdenken = Frau zuhaus bei den Kindern“ endlich weg. (Ich kenn noch solche Mittelalterfamilien.)

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        Mulinski

        15. Februar 2018 12:39 at 12:39

        Das will ich dann sehen wie ihr eure Kinder, Kranken und Alten irgendwelchen lustlosen Dilettanten ohne Kenntnise in die Hand gibt.

      • Avatar

        Mulinski

        15. Februar 2018 12:45 at 12:45

        Die selben Hirngespinste mit den Asylanten, die als Analphabeten kommen und die Politik redet davon diese Leute auszubilden, ich frage mich warum man mindestens 10 Jahre in die Schule gehen muss, eine Ausbildung macht und dann kann doch jeder diese Tätigkeit übernehmen, der ein bisschen Seminare und Schulungen besucht hat?

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    vertigo

    14. Februar 2018 19:34 at 19:34

    Es kommt mir vor, als würde man den Euro von der rechten in die linke Tasche oder andersrum, stecken. Die Jobs die wegfallen werden können nicht durch sozialer Arbeit aufgefangen werden. Es werden mehr Jobs fegfallen als wir uns vorstellen können. 1987 hat auch jeder über das Internet gelacht. Und wo stehen wir heute. Warum etwas noch weiter aufblähen anstelle entschlacken und in die Zukunft investieren, damit ein BGE finanziert werden kann.

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    leser

    14. Februar 2018 20:12 at 20:12

    Das sind Ideen aus der sozialistischen Mottenkiste. Wer würde schon seine Kinder oder Eltern jemanden anvertrauen, von dem er weiß, dass er den Job gezwungenermaßen macht? Ich auf jeden Fall nicht.

    Sowas gibt es nur in Diktaturen, oder Staaten, die sich anschicken, eine zu werden.

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    Chris

    14. Februar 2018 20:32 at 20:32

    Ich bin grundsätzlich dagegen, warum?

    Hier drängt sich der Staat in einen Bereich, der bisher sehr gut privat organisiert wurden.

    In der Tagesbetreuung kenne ich mich gut aus.
    Er verschlechtert zunehmend die Bedingungen für Tagesmütter und Tagesväter. Wie? Nun er fördert private Kitaketten, denen es nur um Gewinnmaximierung geht, durch einseitige finanzielle Unterstützung. Die Tageseltern müssen nun bereits Kinder im Babyalter annehmen, da die Kitas/Krippen mit diesen keinen Gewinn machen können. Die Bezahlung wird so weit gedrückt, dass man fünf Kinder annehmen muss. Die hohen Auflagen, die zahlreichen Zwangsversicherungen und Fortbildungen lassen eine optimale Kinderzahl nicht mehr zu. Desweiteren übernehmen die Tageseltern auch eine Notfallversorgung über Nacht und über das Wochenende, wenn Eltern erkranken, die Kitas nicht. Die Tageseltern bilden selbst Netzwerke, diese kann der Bezirk eine Plattform bieten und unterstützen, mehr sollte er nicht tun.
    Keine Wettbewerbsverzerrung. Die Reichen hier bei uns beschäftigen übrigens alle eine eigene Kinderfrau für ihre Kinder. Warum wohl?

    Es wird enden wie in der Altenpflege.

    Ich bin für einen Minimalstaat.

    Ich kann hier nur auf Herrn Horst Lüning YouTube verweisen, „die Sozialisten wollen den Zwang zur Arbeit, jeder muss arbeiten, aber alle möglichst wenig.“

    Warum müssen wir die Zahl der Menschen weiter erhöhen? Die Zukunft liegt in der KI.
    Was meinen Sie wenn ein Staat oder eine Firma oder ein Milliardär als erster Zugriff auf einen Quantencomputer bekommt, was wird dann wohl passieren? Das sollte auch einmal diskutiert werden.

    • Avatar

      Petra

      14. Februar 2018 22:27 at 22:27

      @Chris, auch ich kenne mich in der Tagesbetreuung gut aus, weil ich hier seit 20 Jahren in einer kleineren Organisation leitend tätig bin. Auch ich kritisiere die Förderung „privater Kitaketten, denen es nur um Gewinnmaximierung geht“.
      Doch worauf genau wollen Sie hinaus?
      Private Kommerz-Organisationen sollen nicht weiter gefördert werden.
      Staatliche Kitas sprechen Sie gar nicht an.
      Das Potenzial und die Zukunft all der Menschen aus dem SGE für private oder staatliche Kitas tun Sie mit dem Argument ab, dass die Zahl der Menschen auf den Arbeitsmärkten nicht erhöht werden muss, weil die Zukunft in der KI liegt.
      Sollen wir also unsere Kinder Computern und Robotern anvertrauen? Oder darauf hoffen, dass wir irgendwann alle, wie die Reichen hierzulande, eine eigene Kinderfrau für ihre Kinder beschäftigen können?
      Sie plädieren für Tagesmütter und Tagesväter, würden nicht genau diese Positionen massiv gestärkt werden? (Siehe auch meinen Kommentar etwas weiter oben)

      • Avatar

        Chris

        15. Februar 2018 01:09 at 01:09

        Hallo Petra,
        Ich komme aus einer Großfamilie mit zahlreichen Hochbegabten und Hochleistern, deshalb war mir mit sechs Jahren bereits bewußt, daß Kinder sehr verschieden sind und unterschiedlich gefördert werden sollten. Früher spielten wir Kinder aus der Straße meist in einer großen gemischten Gruppe aus allen 12 Häusern recht anspruchsvoll, zum Beispiel Zirkus und dann kamen die Erwachsenen und schauten gegen Eintritt zu.
        Als wir unseren Sohn bekamen, hatten wir gerade unsere Firma gegründet, ein Haus gekauft, bauten ein weiteres und pflegten die Schwiegereltern. Und so suchten wir, als er 18 Monaten alt wurde nach sehr guten Betreuungsmöglichkeiten. Ich kenne also viele Konzepte, später haben wir dann einen Kindergarten inklusive Grundschule gebaut bzw. mitbegründet. Nebenbei habe ich auch seine Schulfreunde gefördert. Aber unser Sohn war leider nie ein Baby oder Kind, mit drei Monaten saß er, mit eineinviertel Jahren bohrte er mit der Bohrmaschine die Löcher selbst in die Wände, wenn er etwas aufhängen wollte, mit zwei Jahren las er plötzlich während der Autofahrt die Schilder vor, um mir zu helfen, mir drei Jahren konnte er schreiben, mit sechs schrieb er Kinderbücher und illustrierte sie, mit sieben programmierte er für seine Lehrerin einen Bildschirmschoner und mit neun wünschte er sich zu Weihnachten den Klassiker Programmieren in C auf englisch. Deshalb habe ich mich später zur Tagesmutter ausbilden lassen, lernte auf den Schulungen zahlreiche andere Tagesmütter kennen und erlebte wie schwer sie es plötzlich durch die privaten Kita-Ketten hatten. Zum Beispiel durch die Zuschüsse für die Einrichtung von Plätzen, Inventar, … Die Tageseltern haben doch gar nicht die Zeit sich durch die Anträge zu kämpfen, Zeitaufwand und Zuschuß stimmen hier nicht überein. Es findet eine Verdrängung auch durch die Bürokratie statt.
        Ich bin der Meinung, daß es vielfältige Angebote geben sollte.
        Übrigens sinkt die Qualität der Betreuer/Lehrer zunehmend, leider.

        Ich habe mich nun informiert, um stundenweise ein oder zwei Kinder anzunehmen, nicht mit Gewinnerzielungsabsicht, sondern weil ich die fröhliche Art der Kinder liebe und sie gut fördern kann. Aber die finanziellen Hürden sind so hoch, ich müßte rund 6000 EUR investieren, in Versicherungen und der gleichen, nicht in die Ausstattung, die ist vorhanden, Montessori und anderes Material, oder mich anstellen lassen.

        Ich bin ein Freigeist und für Kreativität, Selbstvertrauen, einem gesunden Menschenverstand, Eigenverantwortung und Freiheit.

        Eine meiner Schwestern ist Psychiaterin, sie kann nur 60 % ihrer Zeit ihren Patienten widmen, der Rest ist die Bürokratie und was für eine. Unvorstellbar. Die Menschen auf der Warteliste warten bis zu einem Jahr, dort geht es um Leben und Tod, Traumata, Selbstmordgedanken, …

        Es läuft doch etwas gewaltig schief hier in Deutschland.

        Meine Ausführungen sind etwas länger geworden, aber vielleicht sind nun auch meine Ausführungen zur KI verständlicher. Sie wird kommen und deshalb brauchen wir Qualität statt Quantität, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

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          Michael

          16. Februar 2018 10:58 at 10:58

          @Chris, mit eineinviertel Jahren bohrte er mit der Bohrmaschine die Löcher selbst in die Wände :D
          Vielleicht etwas dick aufgetragen, oder war/ist ist Ihr Sohn neben hochbegabt auch noch Kraftsportler?

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            Chris

            16. Februar 2018 13:30 at 13:30

            Ja, im Babystrampler mit geschlossenen Füßchen. Natürlich wackelte er ein wenig, da er sich ja gegen die Wand stemmen mußte. Habe mal gerade ein Foto dazu gefunden, einen Kopf kleiner als das Schließblech oder mittlere Angel der Haustür und das Foto hatte ich erst Monate später gemacht, nachdem ich nicht mehr danebenstehen mußte. Kann ich gerne mal zusenden. Eine meiner jüngeren Schwestern, auf die ich aufpassen mußte, schaffte es mit fünf Monaten die Matratze auf der sie zuvor lag aus dem hohen rundum geschlossenen Kinderwagen hinauszuwerfen. Sie hob allerdings bereits am Tag ihrer Geburt ihren Kopf und hielt ihn oben. Bei den Babys und Kleinkindern ist die Muskulatur unterschiedlich stark ausgeprägt, manche besitzen kaum Speck, sondern Muskeln.

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            Michael

            16. Februar 2018 21:46 at 21:46

            @Chris, nicht nötig, mir das Foto zuzusenden. Mit spätestens 12 Jahren wird Ihr Sohn die Große vereinheitlichte Theorie der Physik veröffentlicht haben, was ihn dann mir und der ganzen Welt bekannt gemacht haben wird.

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    Martin

    14. Februar 2018 20:39 at 20:39

    Oh man der Müller ist ja echt schwachsinnig und ich dachte, der tut nur so. Was soll das denn sein? Im Endeffekt sind das doch dann nur irgendwelche umetikettierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Das gabs doch alles schon. Und wenn man irgendwelche ach so sozialen Tätigkeiten nachgeht, bleibt es trotzdem ein Arbeitsaufwand. Und jemand der das freiwillig machen möchte, kann das auch heute schon. Müssen die Sozen immer offene Türen einrennen….

  8. Avatar

    leftutti

    14. Februar 2018 21:59 at 21:59

    Ich würde diese Ideen nicht gleich als grundsätzlich schwachsinnige Utopien aus der Sozenkiste abtun, weil ein gewaltiges Potenzial dahinter steckt, sobald man sein Denken aus festgefahrenen Dogmen befreit und der Welt innovativer Möglichkeiten öffnet.
    Die genannten Einsatzmöglichkeiten sind etwas starr und beschränkt auf den „sozialen“ Bereich. Man könnte diese jedoch deutlich erweitern:
    – Helfer für unsere allseits überforderten Verwaltungsbeamten, die für jede kleine Anfrage Wochen und Monate benötigen
    – Aktensortierer, Aktenschredderer, Aktenbeschrifter
    – Schneeräumer, Straßenreiniger, Fuhrparkangestellte
    – Hilfskräfte in Wertstoffhöfen und Kompostplätzen, dafür Erweiterung der Öffnungszeiten von 9 auf 30 Stunden wöchentlich
    – Hilfskräfte bei öffentlichen Veranstaltungen, Bürgerfesten, Weihnachtsmärkten
    – Helfer für Stadtgärtner, Pflege von Satdtparks und öffentlichen Plätzen
    – Erhaltung und Pflege von Naturparks, Naturschutzgebieten
    – Aufsicht in Freibädern und Badeplätzen, Erhaltung und Pflege solcher Einrichtungen
    – uvm.

    • Avatar

      Andreas

      14. Februar 2018 22:31 at 22:31

      Und am Ende arbeiten alle im Dienste des staates?

      • Avatar

        leftutti

        14. Februar 2018 23:10 at 23:10

        @Andreas, nicht alle! Nur die paar Prozent, die jetzt und dann auf Gedeih und Verderb von den Almosen des Staates abhängig sind. Der große Rest darf weiterhin in der freien Wildbahn von Marktwirtschaft und Finanzen als Mindestlohnbeute dienen.
        Eine bessere, neutralere und treffendere Formulierung wäre übrigens „im Dienste der Gesellschaft“.

      • Avatar

        joah

        14. Februar 2018 23:44 at 23:44

        Nur die Funktionäre nicht: die arbeiten immer dagegen.

        • Avatar

          leftutti

          15. Februar 2018 00:24 at 00:24

          Um die Funktionäre geht es ja in dem Artikel auch nicht, nur um die Menschen ohne Arbeit, wenn ich das richtig verstanden habe.

          • Avatar

            joah

            15. Februar 2018 11:02 at 11:02

            Wissen Sie was Sarkasmus ist?

  9. Avatar

    joah

    14. Februar 2018 23:43 at 23:43

  10. Avatar

    Lars

    14. Februar 2018 23:44 at 23:44

    Im Sinne der Gerechtigkeit für Abermillionen von kleinen Selbständigen, Angestellten in Supermärkten und Mindestlohnempfängern unserer ach so edlen Großkonzerne beurteile ich eine derartige Maßnahme als äußerst wünschenswert.
    Wenn sich schon Staat und Konzerne an mindestens einem Drittel der arbeitswilligen Bevölkerung frei und ohne Hemmungen bedienen dürfen, sollten diese nicht auch noch machtlos zusehen und verstehen müssen, wie und warum zahlreiche andere Mitbürger ohne Leistungserbringung (und oft mit Schwarzarbeit) finanziell und psychologisch gleich oder besser gestellt sein sollen.
    Das klingt für mich weniger „sozenmäßig“, sondern vielmehr nach Union, FDP, Wirtschaft, Finanzmärkten, mehr nach Trump, denn Mueller ;)

    • Avatar

      Martin

      15. Februar 2018 11:02 at 11:02

      @Lars es gibt bestimmt auch nicht wenige, die der arbeitenden Bevölkerung gerne Arbeit und natürlich auch Einkommen abnehmen. Aber ich würde das nicht einsehen, dass die einen mit Almosen abgespeist werden und dann im Dienste der Gesellschaft den Stiefelknecht und Handlanger für die Werktätigen machen. Wenn ich Almosenempfänger wäre und zwangsweise anderen unter die Arme greifen muss, fände ich das nicht in Ordnung. Ich möchte dafür knallhart bezahlt werden, wie jeder andere auch. Wenn jemand freiwillig so etwas macht, dann ist das seine Entscheidung . Aber nicht unter Zwang.

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Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

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Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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