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S&P 500: Achtung – hier ist das entscheidende Bollwerk für die Aktienmärkte!

S&P 500 und das Bollwerk

Noch vorgestern Abend, deutscher Zeit, schien es an der New Yorker Börse wieder einmal soweit zu sein: der 50-Tages-Durchschnitt beim S&P 500, einer sehr beachteten Chart-Marke, wurde durchbrochen, nach mehreren Tagen mit Kursrückgängen gab es kein übliches „Buy the Dip“. Dann folgte der so oft strapazierte „Turnaround Tuesday“, der fast die gesamten Verluste des Vortags wieder wett machte. Warum diese heftige Kurswende? Eine Spurensuche.

S&P 500: Bollwerk 50-Tagelinie

Wieder einmal fällt ein Signal ins Auge, welches für alle technisch orientierten Anleger eine wichtige Bedeutung hat. Der Aufwärtstrend beim S&P 500, beschrieben durch die 50-Tage-Linie, wurde zwar am Montag durchbrochen, aber bereits in den letzten Handelsstunden an der Wall Street zurückerobert. Wie bereits schon sechs Mal zuvor seit Beginn des Aufschwungs im November 2020, ausgelöst durch die US-Wahlen und die Impfstory. Zum siebten Mal hielt die Unterstützungslinie, die für viele Investoren eine Ausstiegslinie darstellt.

Die 50-Tageslinie beim S&P 500

Käufer an der 50-Tageslinie beim S&P 500

Der Fear&Greed-Index

Wenn sich eine Sachlage so scheinbar so darstellt, wie es nach dem kleinen Verfall am Freitag und am Montagseinbruch gewesen ist, versuchen viele Investoren mit Put-Optionen ihre Bestände abzusichern. Auch ersichtlich am Barometer Fear&Greed, welches sich in den letzten Tagen in den tiefen Angstmodus abgesenkt hatte. Gestern bereits bei 16 Punkten im Tief..

Viel Furcht im Markt

Bei einem derart niedrigen Stand gibt es nicht mehr viel Luft nach unten, die Anleger sind pessimistisch und haben ihre Bestände mit Verkaufsoptionen abgesichert. Diese Putoptionen sind auch im Fear&Greed-Index abgebildet und lagen bereits auf einem recht hohen Niveau.

Was natürlich zu dem für manche seltsam anmutenden Prozedere führt, dass trotz schlechter Nachrichten die Kurse wieder nach oben gehievt werden – Eindeckungskäufe oder Short Squeeze, das Fachwort, weil die Auflösung der Absicherung zum Kauf des Basiswertes führt. So geschehen im Verlauf des Turnaround Tuesday.

Warum der „Bounce Back an den Börsen?

Jetzt könnte man sich natürlich die Frage stellen, warum trotz Furcht vor der Ausbreitung der Delta-Variante, der Erwartung von Peak Wachstum und einer möglichen Phase der Stagflation und der dauerhaften Engpässe in der Wirtschaft überhaupt wieder gekauft wurde?

Es sind neben den technischen Faktoren natürlich die Notenbanken mit ihren Anleihekäufen und die Flucht in die Sicherheit macht die Zwangslage für die Großinvestoren eher noch dramatischer. 1,15 Prozent für die 10-Jährigen in den USA (bei 5,4 Prozent Inflation), die deutschen Langläufer waren unter minus 0,40 Prozent gefallen und selbst für italienische Anleihen gab es Minuszinsen.

Ich nenne jetzt nicht das Akronym, das Viele schon nicht mehr lesen mögen („TINA„), aber entscheidend werden sich doch die Unternehmensbilanzen für die weitere Börsenentwicklung auswirken. Wie stark leidet die Gewinnstory, wie stark sinken die Margen der Unternehmen im S&P 500 – und was werden die ganz Großen aus dem Tech-Sektor melden, deren Einfluss in nahezu in jedem größeren Fonds zu spüren ist?

Es wird eines ein wenig seltsam beurteilt: Wir haben große Engpässe, große Lieferschwierigkeiten, aber die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ist da und sie bleibt, aber die Hauptfaktoren an den Börsen sind Wachstum und Finanzierungsbedingungen in Relation zum Zinsniveau bei den Anleihen. Die „Bottlenecks“ sind extrem belastend, aber sie sind kein Dauerproblem.

Jedenfalls stiegen die Indizes an der Wall Street auf breiter Front: Dow Jones und Nasdaq mit 1,6 Prozent, S&P 500 mit 1,5 Prozent und der Nebenwerte-Index Russell 2000 gleich um drei Prozent. Es wird sich rasch zeigen, ob Anschlussorders den Aufwärts-/Seitwärtstrend wieder herstellen.

Fazit

Einmal mehr konnte man am Dienstag sehen, welche Abpraller entstehen können, wenn ein Index mehrfach getestete Unterstützungslinien halten kann. „Oder waren es die Algos“, fragte Markus Fugmann in seinem gestrigen Abendvideo, weil diese Zonen natürlich einprogrammiert sind. Oft als Stopploss-Marken.

Aber bedeutet das bereits wieder, dass es in alter Gewohnheit schubweise nach oben geht? Nicht so einfach, denn wir stehen vor der Woche der Wahrheit mit den Quartalszahlen der ganz großen Hightech-Werte, Amazon, Apple und Alphabet. Diese haben in den letzten Wochen gewaltige Vorschusslorbeeren erhalten, die es zu rechtfertigen gilt.

Die Berichtssaison ist zwar gigantisch angelaufen, die guten Zahlen wurden in der Regel aber nicht mehr in Kursgewinne bei den Aktien umgesetzt.

Auf der anderen Seite kann man sich schon etwas wundern über die Kommentare zum Kurs-Jojo der letzten Tage, nicht nur beim S&P 500. Wird nicht schon seit geraumer Zeit der Beginn einer volatilen Phase prognostiziert, was nichts anderes bedeutet, als Kurseinbrüche mit anschließenden Erholungsphasen, allerdings mit fallender Tendenz? Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hat das Sommerloch begonnen mit sinkenden Umsätzen, die größere Kursschwankungen möglich machen. Jedoch gibt es selten einen rapiden Wechsel im Trend, dazu glänzen zu viele Große im Sommer durch Abwesenheit..



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1 Kommentar

  1. Dieses Bollwerk ist aber künstlich, d.h. ein Alarmsignal für die Manipulatoren um eine grössere Korrektur zu verhindern.Wie man aus der Grafik schö sieht bestärkt das die Bullen und die Börsen steigen weiter auf eine tödliche Fallhöhhe.

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