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Wie der Januar, so das Jahr? S&P 500: Die Hoffnung auf einen guten Jahresstart

S&P 500 2023 Jahresstart

Die aktuelle Lage für Wirtschaft und Börse ist verwirrend wie selten. Obwohl eine Rezession 2023 so gut wie ausgemacht erscheint, spiegelt sich dies (noch) nicht in den Kursen beimS&P 500 an der Wall Street oder auch in Deutschland beim Dax wieder. So sind Investoren permanent auf der Suche nach Hinweisen für das neue Anlagejahr, welches kaum eine Wiederholung des alten erwarten lässt. Die für viele Vorsorgesysteme so wichtigen 60/40-Portfolios (Aktien-Anleihen) haben die schlechteste Performance seit Jahrzehnten erlebt. Aber, was ist, wenn die Fed noch länger das Schmiermittel für die Börsen verknappt – Stichwort Quantitative Tightening?

Investoren sondieren stets Hinweise für ein Einlenken der US-Notenbank, als „Conditio sine qua non“ für ein Ende der Baisse.

Geben die Aktienkurse dafür neue Nahrung, so wie die Entwicklung der ersten fünf oder 20 Handelstage? Oder: Gemäß der Faustformel, wie die erste Woche, so der Monat, so das Jahr. Aber wie zuverlässlich ist dieser erste saisonale Indikator eigentlich?

S&P 500: Der Januarindikator mit hoher Signifikanz

Die Amerikaner lieben Statistiken, zumindest die Aktienhändler. Kaum verwunderlich, dass deshalb die Zeitreihe, die sich mit dem Januareffekt beschäftigt, bis ins Jahr 1900 zurückreicht. Die Trefferquote liegt mit 75 Prozent recht hoch, höher als bei vielen anderen Wirtschaftsindikatoren. Allerdings hat dies seit der Jahrtausendwende erkennbar nachgelassen. Dennoch wird man die Entwicklung mit Argusaugen beobachten, wie es auch der Tweet von Lance Robert zum Ausdruck bringt:

Tweet Roberts Januar-Indikator beim S&P 500

Der Januarstart: Anlagezwang oder Rezessionssorgen?

Ein Spruch macht seit geraumer Zeit die Runde: Wir stehen vor der am stärksten jemals antizipierten Rezession seit vielen Jahren. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt seit Monaten (nicht nur das Todsicher-Signal einer invertierten Zinskurve), die Großinstitute erwarten fast unisono ein baldiges Unterschreiten der Herbsttiefstände beim S&P 500 von 3580 Punkten. Von JP Morgan über Morgan Stanley bis hin zum Anlage-Giganten BlackRock, das Mindestkursziel lautet 3300 Punkte im Leitindex.

Nachdem der Dezember durch viele Sondereffekte verzerrt war, wie durch Depotbereinigungen nach den großen Verlusten, gerade von Aktien, die in vielen Depots vorhanden sind, müsste es jetzt eigentlich wieder um das Wesentliche an den Börsen gehen: Wie entwickeln sich die Unternehmen, in einem Umfeld von hohen Produktionskosten und beabsichtigter Senkung der Nachfrage durch die Notenbanken?

Auf der anderen Seite fließt zu Jahresbeginn sehr viel Kapital an die Märkte, auch durch automatisierte Sparpläne auf Indexfonds, deren Zahl immer weiter steigt. In diesem Jahr gibt es aber noch die bereits dargelegten Sondereffekte des Jahreswechsels 2023/23 – hier seien nur die Folgen des „Tax Loss Selling“ in Verbindung mit der „Washout Rule“ genannt. Zu deutsch: Wenn am Ende eines derartigen Baisse-Jahres, bezogen auf die Tech-Giganten, so viele steuerbedingte Verkäufe stattgefunden haben, können diese eben erst im Januar rückabgewickelt werden.

Was also wiegt schwerer, der Fluss frischen und alten Geldes an die Börse, oder die Zurückhaltung der Investoren aufgrund der zu erwartenden Wirtschaftsabschwächung?

Hier eine Statistik über die durchschnittliche Monatsperformance der US-Börse. Für gewöhnlich ragt der Monat Januar heraus, gefolgt von zwei schwächeren Wintermonaten:

Tweet Roberts January Average Returns

Im Übrigen: Unser Leitindex, der DAX 40, hat gestern schon einmal vorgelegt, er ist auch um Längen billiger bewertet als die US-Indizes, wie zuletzt dargelegt. Aber was zählt dies, wenn der große Bruder in Übersee nicht mitzieht? Heute beginnt das Börsenjahr mit Big Money, das in den USA wieder zu handeln beginnt, in einem Aktienmarkt, der über 20-mal so hoch kapitalisiert ist, wie der deutsche.

S&P 500: Die Frage der Bewertung

Diese Grafik wird bereits seit Wochen herumgereicht. Wenn eine Rezession eintreten sollte, müssten die Kurse runter. Nur ein Goldilocks-Szenario, mit fallender Inflation bei weiter stabilen oder nur leicht nachgebenden Unternehmensgewinnen, ließe steigende Kurse erwarten:

Tweet Roberts Rezession und Kursziele beim S&P 500

Darüber herrscht große Einigkeit bei den großen US-Geldinstituten. Oder liegt das große und ständige mediale Hervorheben daran, dass man eben dafür positioniert ist? Wenn es zu einer Rezession kommt, sollten das die Indizes andeuten, schon Monate im Voraus. Wie schon mehrfach an dieser Stelle erwähnt: Zuerst fallen die Aktienkurse, dann wird eine Rezession offiziell durch die Statistikämter festgestellt – und nicht umgekehrt. Ein Teil des Spannungsbogens für die nächsten Börsenwochen.

Fazit

Das Anlagejahr 2023 beginnt mit einem Hauch von Normalität: Es gibt wieder Zinsen, Staaten, Unternehmen und auch Konsumenten (Häuslebauer) bekommen das Geld nicht mehr zur Verschuldung hinterhergeworfen, Risiko bekommt wieder einen Preis. Das bedeutet aber nicht, dass es an den Börsen ruhiger zugehen sollte. Die Zinsanhebungen kommen nach und nach in der Wirtschaft und der Gesellschaft an (Risikofaktor Immobilienmarkt), die Bilanzreduzierung der Fed (Quantitative Tightening) entzieht den Märkten Liquidität, den essenziellen Schmierstoff für das Finanzgetriebe.

Die große Wette der Märkte geht weiter: Wird die Fed umschalten, weil die Inflation nachlässt und der Arbeitsmarkt dreht? Auf der anderen Seite dürfen die Ergebnisse und Aussichten der Unternehmen nicht zu stark enttäuschen, schlussendlich zählen immer Bewertungen, natürlich in Relation zum Zinsmarkt, dem natürlichen Feind der Dividendentitel.

Der Januaranfang beim S&P 500 könnte schon einmal einen Hinweis dafür geben, wohin das Pendel ausschlägt. Aber sollte es einen guten Jahresstart geben, was aus finanztechnischen Gründen gar nicht so unwahrscheinlich ist, sollte man dennoch Vorsicht walten lassen.

Auch wenn die Federal Reserve eine Getriebene der Märkte ist und von den Wirtschaftsdaten abhängig. Noch hat sie aber die Trümpfe in der Hand, einige Argumente auf ihrer Seite – noch!

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