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S&P 500 und US-Märkte: Die Santa Claus-Rally brauchte eine Pause

Pause für Santa Claus nach der Rally beim S&P 500

Der gestrige Handelstag beim US-Leitindex S&P 500 und den anderen wichtigen Märkten der USA schien zunächst an den Kursaufschwung des Vortages anschließen zu wollen. Nach einem Start in die Santa Claus Rally, wie man ihn schon seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. Da dürften einige Investoren nach dem großen Verfall auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. Wieder einmal eine kleines Beispiel für den Börsenkalauer des „Wegs des größten Schmerzes“ an der Börse. Aber dann drehte der Markt ins Minus, ein Luftholen für die letzten Handelstage?

S&P 500: Der extreme Wechsel

Von Neutral zu Extreme Overbought, in wenigen Tagen. Wie in der Grafik von Bespoke erkennbar, haben die Kursgewinne der letzten Woche den großen Leitindex S&P 500 in den Zustand von großer Überkauftheit geführt:

S&P 500 überkauft

Mit 4807 Punkten am Dienstag war der S&P 500 schon über dem Jahresziel der Optimisten angelangt, das 70. Allzeithoch des Index fest im Fokus.

Dann setzten Gewinnmitnahmen ein, bei den Aktien, die tags zuvor für den großen Marktanstieg gesorgt hatten. Big Tech mit milden Abgaben.

S&P 500 Heatmap

Das Grundproblem für den Aktienmarkt blieb auch in den letzten Tagen erhalten: Die Rally wird nur von wenigen Titeln getragen, über zwei Drittel der Aktien befinden sich auf einem Jahrestief, der Gesamtmarkt dagegen auf Allzeithoch. Auch Dow Jones und Nasdaq sind nur ein, zwei Prozent von ihren Rekorden entfernt. Diese ungesunde Marktsstruktur erinnert schon verdächtig an die letzten Monate vor dem Jahrtausendwechsel.

Da die Umsätze extrem niedrig sind, genügen schon verhältnismäßig wenige Orders, um selbst große Indizes wie den S&P 500 zu bewegen.

Dies gilt im Übrigen auch für unseren Dax mit seinem 700 Punkteanstieg seit dem 20. Dezember. Selbst bem großen Indexsprung am Montag wurden mit 30 Millionen Aktien 50 Prozent weniger gehandelt als im Durchschnitt, das zweitniedrigste Volumen des ganzen Jahres. Es steigen noch die in den Markt ein, die es müssen, weil ihnen der Markt davongelaufen ist – das Phänomen des Window Dressing.

Aber schon in den letzten Handelsstunden am Dienstag wurden an der Wall Street die Kursverluste des Tages schon (fast) wieder aufgeholt.

Derzeit zählt die optimistische Sicht der Lage

Um einen Einstieg auf einem Rekordhoch zu rechtfertigen (die Kurse machen die Nachrichten), wird nach „Good News“ gefahndet. Von der Zinswende ist gerade keine Rede mehr. Man freut sich darüber, dass es in den USA wahrscheinlich zu keinem größeren Lockdown kommen wird, man erwartet in Kürze Peak Inflation und für 2022 Gewinnsteigerungen bei den S&P 500 Unternehmen in der Größe von 10 bis 20 Prozent. Wie es für gewöhnlich ist, am Ende eines Jahres und am Beginn eines neuen.

Die Tagesschlusskurse

Die Tagestiefs wurden aufgeholt, der Dow Jones blieb wacker im Plus und der S&P 500 wagte wenige Minuten vor der Schlussglocke sogar einen Ausflug in den positiven Bereich. Zu Handelsende folgende Stände:

Dow Jones plus 0,27 Prozent, 36.398 Punkte
S&P 500 minus 0,1 Prozent, 4786 Punkte
Nasdaq minus 0,56 Prozent, 15.781 Punkte
Russel 2000 minus 0,66 Prozent, 2246 Punkte
Wieder einmal kamen die hoch bewerteten oder defizitären Titel unter Druck.

Das Verhältnis von steigenden zu fallenden Aktien betrug 0,9 zu 1,4, der Volatilitätsindex VIX stieg um 1,24 Prozent auf 17,90 Punkte. Damit steht dieses Barometer tatsächlich ganze 22 Prozent unter seinem Stand von zu Jahresanfang.
Auch vom Anleihemarkt gibt es nichts Neues, die 2-jährigen US-Staatsanleihen notierten bei 0,754 Prozent, die 10-Jährigen bei 1,484 Prozent. Was eine weitere Abflachung der Zinskurve bedeutet, ein Warnzeichen für die Konjunktur, aber dies wird in der Euphorie für die hohen Indexstände derzeit ignoriert.

Fazit

Der gestrige Tag brachte eine kleine Abkühlung der heiß laufenden Märkte, das Angstbarometer Fear&Greed steht mit 54 Punkten im ziemlich neutralen Bereich. Aber die Rückgänge waren nicht allzu ausgeprägt, der 39 Billionen Dollar schwere Leitindex S&P 500 beendete den Tag mit gerade einmal 4 Punkten im Minus. Mit 27,43 Prozent plus seit Jahresanfang, liegt der Index im langjährigen Performance-Vergleich mit ganz oben.

In den letzten 50 Jahren lief es nur in einer Handvoll Jahre geringfügig besser, das Rekordjahr 1995 brachte es auf 34,11 Prozent Zuwachs. Welche aktiven Fonds kommen 2021 auf eine ähnliche Jahresausbeute für ihre Kunden? Könnte also sein, dass es schon heute noch ein paar Punkte nach oben geht – weil man dabei sein will (muss) beim Saisonfinale.



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1 Kommentar

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