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Bären klar in der Überzahl S&P 500: Dieser Kontraindikator signalisiert nächste Rally

S&P 500: Dieser Kontraindikator signalisiert nächste Rally
Händler an der New Yorker Börse. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Die Stimmung am US-Aktienmarkt bleibt angespannt: Der S&P 500 pendelt seit Monaten in einer Seitwärtsbewegung, während Investoren verstärkt auf Absicherung gegen Kursverluste setzen. Die Put-Call-Skew ist dabei auf ein Zwei-Jahres-Hoch gestiegen. Genau diese ausgeprägte Skepsis interpretieren Strategen jedoch zunehmend als potenzielles Kaufsignal – mit Blick auf einen möglichen Short-Squeeze und eine Rally des S&P 500 in Richtung 7.000 Punkte und darüber hinaus.

Aktienmarkt verharrt in Seitwärtsrange

Der S&P 500 verharrt seit fast vier Monaten in einer engen Handelsspanne und schürt damit die Sorge vor einer möglichen Korrektur. Laut einem Bericht von Bloomberg zahlen Anleger inzwischen spürbar höhere Prämien, um sich gegen Kursverluste abzusichern. Während zahlreiche Marktteilnehmer den nächsten größeren Impuls auf der Unterseite erwarten, interpretieren immer mehr Strategen diese ausgeprägt defensive Positionierung als klassisches Kontraindikationssignal.

Besonders Privatanleger haben ihre Stimmung spürbar gedreht. Mittlerweile gibt es mehr Bären als Bullen am Aktienmarkt. Der Leitindex notiert seit Jahresbeginn überwiegend unterhalb der Marke von 7.000 Punkten und widersetzt sich damit Prognosen, die einen baldigen Ausbruch nach oben erwartet hatten. Gründe für die anhaltende Stagnation gibt es mehrere: Massive Abverkäufe in einzelnen Sektoren im Zuge neuer KI-Disruptionssorgen, weiterhin schwer kalkulierbare Handelspolitik sowie hohe geopolitische Spannungen im Nahen Osten belasten das Sentiment.

Absicherungen auf Höchststand

Die Vielzahl negativer Einflussfaktoren hat Investoren verstärkt in Put-Derivate getrieben, die sich bei deutlichen Verlusten des S&P 500 auszahlen. Besonders auffällig ist die sogenannte Put-Call-Skew – sie misst das Verhältnis der Kosten für Absicherungen gegen fallende Kurse im Vergleich zu Wetten auf steigende Kurse. Dieser Indikator sprang zuletzt auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch die normalisierte Zwei-Monats-Skew bewegt sich nahe dem oberen Rand ihrer Fünf-Jahres-Spanne.

Aktienmarkt vor Rally? Hohe Absicherung im S&P 500 als Kontraindikator
S&P 500 Hedgers zahlen drauf

In der Regel gilt: Wenn sich Marktstimmung extrem in eine Richtung bewegt, beginnen Strategen nach antizyklischen Chancen zu suchen. Eine übermäßige Absicherung kann darauf hindeuten, dass viele Risiken bereits eingepreist sind.

Laut Stuart Kaiser, Leiter der US-Aktienhandelsstrategie bei Citigroup, fließt derzeit außergewöhnlich viel Kapital in sehr kurzfristige taktische Absicherungen. Gleichzeitig hätten die Aktienmärkte in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten auf viele geopolitische Ereignisse kaum nachhaltig reagiert. Sollte sich etwa das Risiko rund um den Iran entspannen, könnte ein erheblicher Teil der Risikoprämie aus dem Markt weichen – und bislang zögerliche Investoren könnten wieder verstärkt auf der Käuferseite auftreten.

Kontraindikator für eine S&P 500-Rally?

Auch quantitative Daten stützen diese Einschätzung. Ein von BNP Paribas beobachteter Indikator zur Anlegerhebelung – der unter anderem ETF-Zuflüsse und Futures-Strategien von Hedgefonds berücksichtigt – ist auf ein Niveau gefallen, das zuletzt im November verzeichnet wurde. Paradoxerweise kann eine derart defensive Positionierung als Kaufsignal interpretiert werden.

Greg Boutle, Leiter der US-Aktien- und Derivatestrategie bei BNP Paribas, hält in den kommenden Wochen eine von Mega-Cap-Techwerten getragene Rally für möglich. Ein solcher Anstieg könnte den S&P 500 zügig über die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten heben. Ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau könnte zusätzlichen Kaufdruck erzeugen, da Investoren gezwungen wären, Kapital neu zu allokieren.

In einer aktuellen Analyse mit dem Titel „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“ verweist Boutle darauf, dass eine Kursrally nach den jüngsten Nvidia-Zahlen den Weg für einen Sprung über 7.000 Punkte ebnen könnte. Analysten der Bank of America sehen unterdessen Call-Spread-Strategien auf den Invesco QQQ ETF als einfache Möglichkeit, auf steigende Technologiekurse an der Nasdaq zu setzen.

Nvidia als Kurstreiber

Die Quartalszahlen von Nvidia lieferten tatsächlich einen potenziellen Impuls für die Bullen. Der Chiphersteller veröffentlichte eine besser als erwartete Umsatzprognose und übertraf mit seinem Gewinn die Analystenschätzungen. Damit wurden zumindest vorerst Sorgen zerstreut, dass hohe KI-Investitionen zur Belastung werden könnten. Für nachhaltige neue Impulse im S&P 500 reichte dies jedoch nicht aus.

Dennoch dürfte es mehr als nur starke Unternehmenszahlen brauchen, um am Aktienmarkt endgültig Entwarnung zu geben. Ein weiterer Belastungsfaktor ist die Zurückhaltung der Privatanleger. Diese hatten in den vergangenen Jahren nahezu jeden Kursrückgang konsequent zum Einstieg genutzt, zeigen nun jedoch Ermüdungserscheinungen.

Geopolitik und Anlegerzurückhaltung

Vergangene Woche entfielen nur noch 8,3 Prozent des gesamten Aktienhandelsvolumens auf nicht-professionelle Investoren – deutlich weniger als der Vorjahresdurchschnitt von 11,7 Prozent. Zwischenzeitlich fiel ihre Marktteilnahme auf den niedrigsten Stand seit 2024. Laut Kaiser sind die Handelsvolumina im Retail-Segment regelrecht eingebrochen.

Gleichzeitig bleibt das geopolitische Risiko hoch. Die USA verstärken ihre militärische Präsenz nahe dem Iran. Eine Eskalation könnte die globalen Energiemärkte empfindlich treffen und die Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten weiter erhöhen.

Für optimistische Anleger entsteht aus dieser Gemengelage jedoch eine Chance. Historisch betrachtet folgten auf Phasen ausgeprägter Absicherung und niedriger Positionierung häufig deutliche Erholungsrallys. Die aktuelle Kombination aus hoher Skepsis, defensiver Positionierung und möglichen positiven Impulsen aus dem Technologiesektor könnte somit den Nährboden für die nächste Aufwärtswelle im S&P 500 bilden.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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