Die US-Aktienmärkte stehen laut Goldman Sachs vor einem schwierigen Weg, bevor eine nachhaltige Erholung einsetzen kann. Fragile Marktstimmung, volatile Kapitalflüsse, steigende Ölpreise und geopolitische Risiken belasten den S&P 500. Historische Daten zeigen zwar Chancen nach Ölpreisschocks, doch saisonale Gegenwinde im März und ein bevorstehendes Buyback-Blackout erhöhen kurzfristig das Rückschlagrisiko.
Aktienmärkte: Goldman warnt vor Rückschlag
Die US-Aktienmärkte dürften zunächst weiter korrigieren, bevor sie eine nachhaltige Aufwärtsbewegung starten können, warnt das Handelsteam von Goldman Sachs. Laut einem Bericht von Bloomberg hätten eine fragile Anlegerstimmung und erratische Kapitalströme den S&P 500 verwundbar gemacht, nachdem der jüngste Anlauf, die 7.000-Punkte-Marke zu durchbrechen, mehrfach gescheitert war.
Das Trading-Desk-Team um Gail Hafif und Brian Garrett schrieb in einer Kundenmitteilung sinngemäß: Der Weg nach oben führt kurzfristig zunächst über weitere Rücksetzer. Trotz eines grundsätzlich unterstützenden makroökonomischen Umfelds gelingt es den Aktienmärkten bislang nicht, geopolitische Spannungen und starke Schwankungen bei Rohstoffpreisen zu absorbieren. Die Händler sprechen daher von einem kurzfristig schmerzhaften Marktumfeld.
Der S&P 500 schloss am Montag nahezu unverändert, nachdem er frühere deutliche Verluste wieder aufgeholt hatte. Auslöser der Nervosität war die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, der einen sprunghaften Anstieg der Gas- und Ölpreise auslöste. Eine beinahe vollständige Unterbrechung des Verkehrs durch die Straße von Hormus sowie Störungen in einer großen Raffinerie in Saudi-Arabien brachten die Energiemärkte durcheinander. Brent-Rohöl verteuerte sich um rund 6,7 Prozent auf knapp 78 US-Dollar je Barrel – der stärkste Tagesanstieg seit Juni.
Ölpreisschock und Marktreaktion
Trotz der Verunsicherung durch den Ölpreisanstieg deuten historische Daten darauf hin, dass die mittelfristigen Schäden für die Aktienmärkte begrenzt sein könnten. In 22 Fällen seit dem Jahr 2000, in denen der Preis für West Texas Intermediate (WTI) an einem Handelstag um mindestens 10 Prozent stieg, entwickelten sich die Renditen des S&P 500 nach dem unmittelbaren Abverkauf häufig positiv.
Im Durchschnitt fiel der Index am Folgetag um 0,24 Prozent. Auf Sicht von einem Monat lag die durchschnittliche Rendite jedoch bei 1,23 Prozent, mit einem Median von 3,57 Prozent. Auch bei vergleichbaren Preissprüngen bei Brent-Rohöl zeigte sich ein ähnliches Muster. Das spricht dafür, dass kurzfristige Schocks nicht zwangsläufig in einem Bärenmarkt münden.
Gleichzeitig warnt Goldman-Stratege Dom Wilson, dass höhere Ölpreise Aktien und Kreditmärkte kurzfristig belasten dürften. Eine ernsthafte Gefahr für das globale Wachstum sieht er jedoch erst bei einer schweren und anhaltenden Störung der Energieversorgung.
Lori Calvasina, Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC Capital Markets, äußert sich zur gestiegenen geopolitischen Unsicherheit und den Folgen für die Aktienmärkte. Entscheidend sei derzeit vor allem, wie lange der Konflikt andauert und wie sich der Ölpreis weiterentwickelt.
Saisonale Risiken im März
Zusätzlich zur geopolitischen Unsicherheit kommt eine saisonal ungünstige Phase hinzu. Historisch betrachtet zählt der März seit 1928 zu den schwächeren Monaten für den S&P 500 und rangiert auf Platz vier der schlechtesten Monate. Besonders die erste Monatshälfte gilt als volatil.
Der Zeitraum vom 1. bis 14. März bringt im Schnitt lediglich einen Anstieg von 30 Basispunkten. In der zweiten Monatshälfte verbessert sich das Bild statistisch: Die zwei Wochen ab dem 15. März verzeichnen durchschnittlich ein Plus von rund 80 Basispunkten. Anleger müssen daher kurzfristig mit erhöhten Schwankungen rechnen, bevor sich die saisonale Tendenz aufhellt.
Auch das Verhalten verschiedener Marktakteure liefert gemischte Signale. Privatanleger, die in den vergangenen Jahren konsequent jeden Dip gekauft haben, agieren 2026 deutlich zurückhaltender als im Vorjahr. Die anhaltende Volatilität in den ersten beiden Monaten des Jahres hat die Risikobereitschaft an den Aktienmärkten spürbar gedämpft.
Buybacks, Steuern, Systematik
Unterstützung kam zuletzt von Unternehmensrückkäufen. In der vergangenen Woche lag das Volumen der Aktienrückkäufe bei etwa dem 1,7-Fachen des durchschnittlichen täglichen Niveaus von 2025 und rund dem 1,5-Fachen des Niveaus von 2024. Seit Jahresbeginn wurden Buybacks im Umfang von 317 Milliarden US-Dollar angekündigt – der zweitstärkste Jahresauftakt nach 2023.
Allerdings dürfte dieser Stützfaktor bald wegfallen. Ab etwa dem 16. März beginnt das nächste sogenannte Blackout-Fenster, in dem viele Unternehmen ihre Rückkäufe bis Ende April aussetzen. Goldman warnt, dass Buybacks allein keine Rally auslösen können – ihr Wegfall könnte bestehende Schwächephasen jedoch verstärken.
Positiv wirkt hingegen die Steuersaison: Rund ein Viertel der jährlichen Steuererstattungen wird im März ausgezahlt, etwa drei Viertel bis Ende April. Das könnte den Konsum und die Anlegerstimmung im Frühjahr stützen.
Systematische Investoren haben ihre Engagements in US-Aktien zuletzt weitgehend reduziert. Rohstoffhandelsberater (CTAs) drehen laut den Modellen der Bank jedoch schrittweise auf die Käuferseite. Diese Dynamik bleibt jedoch trendabhängig und kann sich bei veränderten Marktbedingungen rasch umkehren.
FMW/Bloomberg
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