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Prognosen sinken drastisch S&P 500 im Sturzflug: Was erwarten Wall-Street-Strategen jetzt?

S&P 500 im Sturzflug: Was erwarten Wall-Street-Strategen jetzt?
Ein Monitor zeigt Börseninformationen an der New Yorker Börse (NYSE). Foto: Bloomberg

Die von Donald Trump am vergangenen Mittwoch angekündigten Zölle lösten an der Wall Street Panik aus. Die US-Aktienmärkte verloren zweistellige Prozentsätze, der Nasdaq 100 rutschte in einen Bärenmarkt. Der Leitindex S&P 500 verlor in den letzten beiden Handelstagen über 10 Prozent und notiert auch am Montag deutlich tiefer. Die US-Futures fielen zwischenzeitlich bis auf 4.800 Punkte, wo das alte Allzeithoch vom Januar 2022 liegt, bevor eine leichte Erholung einsetzte. Angesichts der Zölle und des starken Abverkaufs geben die Strategen an der Wall Street ihre bullischen Jahresziele für den S&P 500 auf und reduzieren ihre Prognosen deutlich.

Wall Street-Strategen senken Prognosen

Einem Bericht von Bloomberg zufolge geben bekannte Wall-Street-Strategen ihre übertrieben bullischen Ziele für den S&P 500 wegen der Zölle auf. Die Prognostiker der Großbanken versuchen, ihre Einschätzungen zu US-Aktien zu relativieren, da die umfassenden Zölle von Präsident Donald Trump die Weltwirtschaft ins Wanken zu bringen drohen.

John Stoltzfus von Oppenheimer – bis März der größte Bulle an der Wall Street – senkte als letzter sein Jahresendziel für den S&P 500 Index von 7.100 auf 5.950 Punkte. Michael Wilson von Morgan Stanley warnte, dass der Leitindex um weitere 7 bis 8 Prozent fallen könnte, sollte die Trump-Regierung an den Zöllen in ihrer jetzigen Form festhalten.

Auch die Strategen von Evercore ISI, Goldman Sachs und Société Générale haben in den letzten Tagen ihre Ziele gesenkt. Auch die UBS senkte ihr Ziel für den Index von 6.400 auf 5.800 Punkte bis zum Jahresende, was gegenüber dem Freitagsschlusskurs von 5.074 Punkten immer noch einem Aufwärtspotenzial von mehr als 13 Prozent entspräche.

In einer Notiz an seine Kunden sagte Stoltzfus am Montag, die Unsicherheit sei „auf einem Niveau, das Investoren nur schwer akzeptieren können“. Hinzu komme „ein negatives Playbook für die Aktienmärkte, das scheinbar endlos negative Ergebnisse prognostiziert“.

Die neue Schätzung des Strategen prognostiziert immer noch eine Erholung des S&P 500 um 17 %, obwohl er sagte, dass die Unternehmenslenker vorsichtiger klingen. „Während wir erwarten, dass sich bei den Handelsgesprächen kühlere Köpfe durchsetzen werden, deutet die Marktreaktion darauf hin, dass wir unsere Erwartungen kurzfristig korrigieren müssen.“

Zölle: Wall-Street-Strategen senken ihre Ziele für den S&P 500
Wall-Street-Strategen senken ihre Ziele für den S&P 500

S&P 500: Absturz setzt sich fort

Die S&P 500-Futures fielen am Montag um bis zu 5,4 Prozent und brachten den Leitindex auf den Weg zu einem Bärenmarkt, nachdem er in der vergangenen Woche in nur zwei Tagen mehr als 5 Billionen Dollar an Wert verloren hatte.

Auslöser der Talfahrt waren die von Trump verhängten höchsten US-Zölle seit einem Jahrhundert. Er kündigte an, alle Exporte in die USA mit einer 10-prozentigen Abgabe zu belegen und rund 60 Länder, darunter China und die Europäische Union, mit höheren Zöllen zu belegen, um Handelsungleichgewichten entgegenzuwirken. China hat bereits Vergeltungszölle angekündigt, wodurch der Handelskrieg eskaliert und die Angst vor einer weltweiten Rezession wächst.

Der europäische Stoxx-600-Index fiel am Montag um bis zu 6,5 %, der Dax rutscht zeitweise sogar um 10 % ins Minus, während der MSCI-Index in Asien um mehr als 8 % einbrach und damit den schlechtesten Tag seit 2008 erlebte. Der CBOE-Volatilitätsindex, der als Angstbarometer der Wall Street gilt, stieg auf über 60 Punkte.

„Die Aktienmärkte scheinen eine Rezession noch nicht eingepreist zu haben, und die Erfahrung von 2022 zeigt, dass der Markt angesichts sich verschlechternder Fundamentaldaten weiter fallen kann, selbst wenn viele institutionelle Anleger nur noch schwach positioniert sind“, sagt David Kostin, Stratege bei Goldman Sachs. Die Ökonomen der Bank sehen nun eine 45-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den nächsten 12 Monaten.

Hilferufe an die Fed

Die Anleger erwarten jetzt von der US-Notenbank Fed Anzeichen für eine schnellere Zinssenkung. Trump forderte die Fed am Freitag ebenfalls auf, die Zinsen zu senken, aber der Vorsitzende Jerome Powell sagte, die Entscheidungsträger würden wahrscheinlich abwarten, da sie die Auswirkungen der Steuererhöhungen auf die Inflation beobachten würden.

„Anleger sollten sich auf einen weiteren potenziellen Rückgang von 7-8% gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag einstellen, wenn es keine Aussicht auf ein weniger restriktives Handelsumfeld gibt und die Fed an ihrer Haltung festhält“, schrieb Wilson von Morgan Stanley in einer Notiz. Der Stratege sagte, dass ein Rückgang dieser Größenordnung den S&P 500 in die Nähe seines 200-Wochen-Durchschnitts bei 4.700 bringen würde. Die Marke von 4.800 Punkten haben die Futures auf den S&P 500 bereits am Montag erreicht.

Julian Emanuel, Stratege bei Evercore ISI, senkte am Wochenende sein Jahresendziel auf 5.600, was etwa 10 % über dem Freitagsschlusskurs von 5.074 liegt. Sein vorheriges Ziel von 6.800 war eines der höchsten an der Wall Street, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Emanuel senkte auch seine Schätzung für den Gewinn pro Aktie für den S&P 500 in den Jahren 2025 und 2026 auf 255 bzw. 272 US-Dollar.

„80 Jahre wirtschaftlicher, geopolitischer und innenpolitischer Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg in 80 Tagen umzugestalten, ist eine chaotische Angelegenheit“, schrieb Emanuel in einer Notiz. „Wenn man dies mit dem ‚Vorschlaghammer‘ eines Zolls tut, der höher ist als der Smoot-Hawley-Zoll von 1930, sind Turbulenzen vorprogrammiert.“ Nach dem massiven Abverkauf an der Wall Street ist jedoch ein Bounce durchaus möglich. Ob es sich dabei nur um einen „dead cat bounce“ handelt, wird sich bald zeigen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Und die Wall Street wartet auf Markus Fugman. Sein Geflüster wäre heute gerade wichtig gewesen.
    An diesen hysterischen, hystorischen Tag, den wir alle schon X mal erlebt haben is er nicht da.
    Aber Morgen ist er wieder da. Systembedingt wird die FED vielleicht wieder dies und jenes Zaubern.
    Der Zins muss runter wegen der Staatanleihenrefinanzierung. Oder der President Trump muß runter von seinen Zöllnerpodest. Das er nicht macht laut Fugman.

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